Ausgabe 
26.10.1894 Erstes Blatt
 
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gegenüber gewöhnlichen Stahlbooten: DaS Metall, welche- für das kleine Boot gebraucht wurde, kostet über 20,000 Mk. Wenn z. B. ein englisches Torpedoboot aus einer solchen Alumintumlegirung hergestellt werden sollte, so würden die Kosten doppelt so doch werden, wie bei der Construction aus Stahl, und dieses Anwachsen des Preises steigert sich in ganz erheblichem Maße mit der Gröhe des Fahrzeuges.

Eine Seekraukheit-Etodie. In seinem neuen, kürzlich erschienenen BuchDon sonnigen Küsten, Mittel­meer'Briese" (Verlag von B. Elischer Nachfolger, Leipzig) schildert Karl Böttcher das Wüthen der Seekrankheit in folgender characleristischen Werse: Wir befinden uns im Golf du Lion. Diese schöne Gegend steht in herzlich schlechtem Renommv. Auf ihrem holprigen Wasier soll die Seekrankheit in besonderer Güte gedeihen, wie in Italien die Citronen oder in der Schweiz der Käse. . . . WaS nur am folgenden Morgen die jetzt nahenden Balearen haben? Sie stecken in grauen Wolkenschleiern, Nebelhemden, Dunstschleppen und b rgl. phantastischer Garderobe. Auch sind sie in einen Zwei­bund mit dem Wind getreten. Der pfeift, heult, springt auf den Wellen herum, bildet Schaumkronen und trägt seine Musik im gewaltigsten Fortissimo vor. Neugierige Wogen schäumen aufs Verdeck, durchnästen mit einem einzigen Schlag die Segel und laufen in tausend Rinnen ab. Da wir gerade zum Diner gehen, nimmt der Wind sich vor, mittelst der See- krankheil den prunkvollen Speisesaal auszuräumen. Es gelingt ihm vorzüglich. Beim Aufträgen der Suppe an allen Tischen heitere Gesichter. Man heuchelt einen gewissen Muth, wenn auch der Löffel bereits langsamer zum Munde wandert. . . . Kaum sind die Teller halb geleert drei Damen empfehlen sich. . . . Während der Lachs auf dem Terrain erscheint, verduften noch Einige. . . . Der ganze Speisesaal schwankt mehr und mehr. Beim Roastbeef entdecken ein paar Herren, daß hier der Aufenthalt ziemlich ungemüthlich ist. Addio! . .. Beim Pulenbraten zeigt sich der Saal nur noch zur Hälfte gefüllt . . . Heftige Stöße. Große Bewegung. Unheim­liches Poltern. Teller, Gläser und Flaschen stoßen auf eigene Faust mit einander an. Ein weiteres Verduften. . . . Der Käse findet nur noch ein kleines Publikum, welches sich der herumschleichenden Seekrankheit nicht ergibt. Aber die Herr­schaften draußen die diniren nicht. . . . O nein! . . . Durch das Schiff huscht das bleiche, düstere Gespenst der Seekrankheit, kriecht in die rothsammtenen, prunkvollen Cajüten und sinder überall seine Opfer. Einige Passagiere nehmen PillenSeekrankheit-Pillen" . . . Es hilft nichts. Andere spielen die MuthigenSeekrankheit-Muthige" . . . Es hilft nichts. Ueberall wuchtet das Bewußtsein einer trüb­seligen, katzenjämmerlichen Existenz. Sechs besonders unter­nehmungslustige Herren wollen einen Verein gegen die See­krankheit gründen. Sie erwählen einen Präsidenten. Eben, als der Brave einen längeren Speech über den Zweck der Vereinigung loslassen will, schweigt er plötzlich, springt an daS Geländer, hält den Kopf über Bord und der ganze Verein weiß, was der Herr Präsident meint. Der Wind aoancirt zum Sturm. Die Seekrankheit-Stimmung greift immer mehr um sich. . . . Man hüllt sich in die Plaids, schauert durch und durch, glitschert auf dem nassen Verdeck, balancirt mit den Armen, indeß sich die weißschäumenden Wogen immer mehr erregen. . . . Jetzt springen sie bis an die thurmhohe Commandobrücke. Im Rauchzimmer kugeln die Weinflaschen von den Tischen, jagen wie toll über die Teppiche dahin uno zersplittern in tausend Stücke. Ein Paar Gummischuhe sängt von selbst an zu tanzen. Passagiere, Damen und Herren, fliegen von den Stühlen und rollen auf den Boden . >. . Alle lachen. Da ein Stoß, ein ge­waltiger Stoß, der das Schiff umzustürzen scheint, und dann mächtiges Gepolter. Jetzt lacht Niemand mehr. Sturm, Regen, geschwollenes Meer. Man blickt sich ängstlich an, ohne zu sprechen. . . . Keiner mag schlafen. Eine grausige und doch so majestätische Sturmnacht, in welcher eine unheim­liche Naturgewalr Alles in Bann hält.

* Auch die Kühe werden schon bühneufahig. In Turin wurde ein neues Bauernstück von Guiseppe Romano auf­geführt, in welchem gleich zu Beginn acht Kühe gemolken werden. Der vierle Act spielt auf einer Alm, die Kühe lagerten malerisch auf der Bühne, auf der sie sich sehr manierlich verhielten.

* Eine praktische Jungfrau hat soeben eine ganz neue Art von Visitenkarten ausfindig gemacht, die voraus­sichtlich bald unter den heirathSfähigen Töchtern des Landes große Verbreitung finden wird. Hier ein Exemplar dieser neuen Gattung:Agnes Schultze (30,00 0)."

* Schneidige Wendung. Bataillonsadjutant (vor der Vereidigung der neuen Einjährigen):Wenn Sie den Fahneneid brechen, so werden Sie nach Spandau gebracht. DaS ist hier unten, in der Zeitlichkeit. Außerdem aber setzen Sie sich auch im ewigen Leben ganz colossalen Unan­nehmlichkeiten aus!"

* Kaserneuhosblüthe. Feldwebel:Infanterist Heiter, lächeln Sie n'chr immer so blöd wie Homer, als er die alte Odyffee geheiratbct hatte!"

Literatur und Aunst.

Allgemeine deutsche literarttsche Gesellschaft. Am 1. October d. I. ist die auf einer Hauptversammlung am 16. Sept. d. I. in Bremen begründeteAllgemeine deutsche literarische Gesellschaft" mit fast 500 Mitgliedern in ihr erstes Geschäftsjahr eingetreten. Sie will die Antheilnahme an dem literarischen Schaffen der Gegen­wart in den weitesten Volkskreisen wecken und fördern helfen und wendet sich an alle Literaturfreunde, denen die Hebung unserer Volksbildung und die Unterstützung unserer VolkSerziehung am Herzen liegt. Nur durch ein allaemetn literarisches Interesse kommt das Wort unserer Dichter und Schriftsteller, die sich in ihrer hohen Culturaufgabe, die Bildung des Volkes in allen Kreisen zu heben und zu vertiefen bewußt sind, allein zur Geltung. Der jährliche Beitrag derA. d. l. G." beträgt nur Mk. 4. Die Mitglieder er­halten u. A. dafür die außerordentlich reichhaltige literarische Monats­schriftNeue literarische Blätter" (Verlag von Eduard Rentzel, Berlin, III. Jahrg., Herausgeber: Heinrich ©turnte) und die vier bis sechsmal jährlich erscheinendenMittheilungen der A. d. l. G." frei zugeiandt. Der Ehrenvorstand der Gesellschaft besteht aus den Herren: Geh. Hofrath Prof. Josef Kürschner-Eisenach, Prof. Dr. phil. Berthold Litzmann-Bonn, Prof. Dr. phil. Franz Muncker-München. Den geschäftsführenden Vorstand bilden: Schriftsteller und Rezitator Franztseus Hähnel - Bremen, 1. Vors.; Dr. jar. Ernst Kliemke- Charlottenburg, Stellvertreter; WUH. Becker-Berlin, 1. GeschästS- unb Schriftführer; Johann Bayer - Bremen, 2. Schriftführer und Archivoerwalter; Schriftsteller und Redakteur Max Dittrich-Dresden, Dr. jur. I. Jacobi-Bremen, Frau Pauline Hoffmann von Wangen- Heim-Erfurt, Frau Lina Morgenstern-Berlin, Beigeordnete. Es sollte kein Literaturfreund versäumen, dieser dem Volkswohl zielbewußt dienenden Gesellschaft beizutreten; find doch ihre hohen Aufgaben nach Herrn Prof. Dr. phil. Litzmanns Ausspruche erst bann voll­kommen erfüllbar, wenn aus den Hunderten der gegenwärtigen Mit­glieder ebenso viele Tausende geworden sind. Jedes Mitglied wirkt deshalb schon durch seinen Beitritt an der Förderung dieser wichtigen socialen Bestrebungen mit. Beitrittserklärungen werden von dem Vorsitzenden Franziskus Hähne! in Bremen, sowie von dem ersten Geschäftsführer Wilhelm Becker-Berlin S. 14, Prinzenstr. 60, zu jeder Zeit entgegengenommen, auch werden orientirendeDrucksachm von diesen auf Wunsch bereitwilligst zugesandt. -

Schiffsirachrichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 23. Oktober. (Per rransatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale, Eapitän F. Keßler, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 13. Oktober von Bremen und am 14. Oktober von Southampton abgegangen war, ist gestern, 1 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Der DampferIllinois" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 22. Oktober wohlbehalten in Philadelphia angekommen.

Der PostdampferWesteraland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 23. Oktober wohlbehalten in New­york angekommen.

Briefkasten.

Bund Apoll. Ihr und zugesandtes Schreiben ist ja recht gut gemeint, aber zur Aufnahme nicht geeignet. Red.

Dörfer, Land- nnö Dolfswiribidtafi,

Stmbtitg, 24. Oktober. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 11.45, weißer Weizen X 11.40, Korn X 8.95, ©erfte X 0.00, Hafer X 5 30.

Tottesdienst in der Synagoge.

Samstag, den 27. October.

Vorabend 4" Ubr, Morgens 9f0 Uhr, Nachmittags 3 Uhr SabbathauSgang 665 Uhr-

Gottesdienst der israelitischen Neligionsgesellschaft.

Freitag Abend 4" Ubr, SamStag Vormittag 8" Uhr, Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSgang 550 Uhr.

verein für jüdische Geschichte und Literaturr

Wetzsteingasse 8, Nachmittags 2 Uhr- 7737

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Thermometer: min. + 6V20 R., max. 4- 8° R.

Hygrometer:

Regen, stürmisch.

Imverkuug: Die punRitte Linie Bei der Barometerscala gibt den Stand bei vorhergehenden Tages an.

witternngsanssichten

am 25. October Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage).

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