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Mittwoch den 26. September
Nr. 225 Zweites Blatt
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Zlints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren
j Dagegen können jene weiteren Beschlüsse, m denen sichdie I I Versammlung grundsätzlich für die civil- und sttaftech ltche
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legion verliehen worden.
geteilt wurde, feine Aufgabe nicht aus, hat aber später eine | 7000 Meter Höhe.
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(Schluß folgt.)
(WVW Der Schneefall hatte aufgehört, die
Wolke war lichter geworden, schon gelangte die Sonne zeir- weise durch die Eiscrystalle- ihr Spiegelbild erschien blitzend
Die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes.
Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mar! 50 Psg.
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VerINischtLS
* Marburg, 20. September. Erlegter Fischadler. Herr Stadtsörster Spies, stationirt in Ockershausen, hatte das seltene Glück, einen Fischadler zu erlegen- derselbe hatte eine Flugweite von 1,65 Meter. .
* Stettin, 19. September. In einer Sandgrube an der Berliner Landstraße spielten gestern Abend mehrere Knaben, als plötzlich einige Burschen im Alter von 16 bis 18 Jahren erschienen und mit Steinen nach den Knaben warfen. Als letztere baten, man möge sie doch ruhig spielen lassen, zog einer der Burschen einen Revolver und gab drei Schüsse auf die Kinder ab. Eine Kugel tödtete den zwölfjährigen Sohn des Straßenbahnbeamren Struck auf der Stelle. Die Thätcr sind flüchtig. .
* Mechel«, 24. September. Im großen Festsaal, in dem sich über 200 Personen aufhielten, brach gestern Abend der Fußboden ein und die Anwesenden stürzten in die tm Erdgeschoß gelegene Stuhlfabrik. Es entstand eine furchtbare Panik. Zwanzig Personen wurden verwundet, darunter fünf schwer.
Die in voriger Woche zu Braunschweig stattgefundene Versammlung von Vertretern einer Anzahl deutscher Handelskammern, welche sich mit Erörterung geeigneter Maßnahmen gegen den unreellen Geschäftsbetrieb befaßte, hat erneut die Aufmerksamkeit auf diese für weite Bevölkerungskreise wichtige Frage gelenkt. Denn auf dem so großen Felde des geschäftlichen Wettbewerbes haben sich nach und nach bei uns in Deutschland, dann wohl aber auch in anderen Ländern, eine ganze Reihe von Uebelständen herausgebildet, welche in erster Linie die solide Geschäftswelt, schließlich jedoch auch das consumirende Publikum mehr oder weniger schädigen. Es muß darum jeder Schritt, der sich gegen ein derartiges illoyales Gebühren wendet, mit Genugthuung begrüßt werden, und deshalb kann man auch die erwähnte Braunschweiger Versammlung nur mit Befriedigung verzeichnen. Denn ver- schiedenk der von ihr gefaßten Beschlüsie erscheinen wohl geeignet, als eine brauchbare Unterlage für ein späteres gesetzgeberisches Vorgehen zur Eindämmung der unreellen Ge- schüftsconcurrenz zu dienen. Dies gilt hauptsächlich von den Vorschlägen, welche sich gegen die vielfach beliebte Verschleierung der Qualität, des Preises und der Herkunft einer Maare wenden. Mit Recht war da die Versammlung der Ansicht, daß diesen so ungemein häufig anzutreffenden unsauberen Geschäftspraktiken nicht allein durch Schadloshaltung des getäuschten Käufers entgegengetreten werden müsse, sondern auch durch eine entsprechende Geld- und selbst Gefängntß- strafe des unreellen Verkäufers. Letztere Strafen sollen speciell in Fällen eintreten, in denen nachweislich zur bewußten Täuschung des Publikum?, um daffelbe zum Kauf auzulocken, falsche Angaben über Ursprung und Erwerb, über besondere Eigenschaften und Güte von Maaren, über die Menge der angebotenen Vorräthe, über den Anlaß zum Verkauf oder über die Preiöbeme,ffung gemacht worden sind. Weiter vertrat die Versammlung in ihren Beschlüffen die Anschauung, daß durch ein gesetzgeberisches Vorgehen in der gedachten Richtung mit Leichtigkeit anderen Schwmdelmannövern, wie den Scheinauctionen, Schwindelausverkäufen, Schwindel- concoursen, Wanderlagern, schwindelhaften Reclamen u. s. w. ein Riegel vorgeschoben werden könne, ohne daß es zur Bekämpfung auch solcher Mißstände noch besonderer gesetzgeberischer Schritte bedürfe.
Im Großen und Ganzen treffen die bezüglichen Vorschläge der Braunschweiger Versammlung zweifellos das Richtige, wenn sie eine energische Bestrafung der gedachten Manipulationen im unlauteren Wettbewero verlangen, und man kann wirklich nur wünschen, daß diese gegebenen An- regungen an zuständiger Stelle Beachtung finden mögen.
Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
♦ Zermatt, 21. September. Ein stürzender Fels überraschte am Zinal • Gletscher eine Gesellschaft von drei Personen- der Führer Biner wurde iu den Abgrund geriffen, die zwei anderen Personen blieben unversehrt.
* Bei der Speisung der 7500 Manu «ardetruppeu, welche am 15. September auf Bahnhof Dahmsdorf- Müncheberg stattfand, find 35 Ceniner Rindfleisch und 15 Gentner Bohnen verbraucht worden. Das Fleisch wurde von zwei Zerkleinerungsmaschinen in würfelförmige Stücke geschnitten. Gekocht wurde in acht eisernen Keffeln von \t 640 Liter Inhalt. Der Boden der Keffel war durch ein Jsolirsieb geschützt, um das Aubreunen der Speisen zu ver- hüten. In der Mitte jedes Kessels befand sich ein rui der, . aus Drahtgeflecht hergestellter Behälter für die Knochen und das Suppengrün. Die Keffel hingen über Feuerungen, wo- von zwei und zwei einen gemeinsamen Schornstein hatten. Gefeuert wurde zu ebener Erde auf Rosten, die über einen circa ‘/2 Meter tiefen Aschenfang gelegt waren. Verbraucht wurden zur Feuerung 80 Centner Kohlen. Hebet die Kessel hinweg führte eine Mafferleitung. Angerichtet wurde in großen Blechkübeln. In einem der Kessel wurde Kaffeewasser bereitgehalten, auch frisches Trinkwasier stand in großen Holzbottichen mit eingeschraubten Messinghähnen zur Versügung. Das Personal der Feldküche bestand aus 32 Männern und 16 in der Kochkunst geübten grauen. Die Speisung dauerte von 12 Uhr Mittags bis in die Nacht hinein. Während der Speisung spielten die Regiments- capellen. Die Offiziere speisten im VahnhosSrestaurant.
• lieber das Begräbuiß eines jüdischen Offiziers tu Berlin meldet eine LocalCorrespondenz: Der Offizier a. D. und spätere Bäckermeister Jacob in der früheren Papenstraße, jetzigen Kaiser-Wilhelmftraße, ist unter allen militar chen Ehren am 16. September auf dem Friedhöfe der israelitischen Gemeinde in Weißensee beerdigt worden. I. war einer der wenigen Juden, die es im activen Dienst zum Offizier ge- bracht haben- in den 40er Jahren nahm er seinen Abschied und wurde Bäckermeister. Der 78jährige Krieger, der an Altersschwäche starb, wurde unter sehr großer Betheilioung zu Grabe gebracht. Eine combinirte Compagnie der Garde- Schützen, bei welchem Truppentheil der Verstorbene als Offizier gedient hatte, sowie die Bataillonscapelle begleiteten den Trauerzug auf den Friedhof nach Weißensee. Als der Zug sich in Bewegung setzte, intonirte die Capelle den Choral. „Jesus, meine Zuversicht."
* Sine becorirte Gemeinde. Die gegenwärtige Reise des Präsidenten Casimir Pörier gibt dem Pariser „Figaro Gelegenheit, eine dccorirte Stadt zu entdecken. Der Gemeinde ChLteaudun ist im Jahre 1877 für ihre ^Iben« müthige Verteidigung i. I. 1870 der Orden der Ehren-
Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, mit Au-nahme deS Montags.
Die Gießener Aamitienvräller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
dicht vor den Luftschiffern. p „ _,
Als sie 5000 Meter überschritten hatten, stellten sich zuerst bei Groß Beschwerden ein, das Herz pochte stürmisch, der Athem wurde knapp selbst bei der geringsten Arbeit. Berson verfolgte eifrig den Gang seiner Instrumente, deren Ziffernwerth er häufig laut dem Kameraden zurief. Die^Temperatur betrug 30° unter Null, man begann zu frösteln. *)\t Athmung von Sauerstoff machte Herrn Groß wieder frecher. Am oberen Wolkenrande in 7000 Meter Höhe wurden Beide zusehends schwächer, Lippen und Fingernägel waren vol^ ständig blau, die Glieder zitterten krampfhaft vor Frost und Schwäche. Der eisige Sauerstoff bewirkte Brechneigung und den in großen Mengen genossenen Thee vertrug der Magen nicht mehr. Man hatte nicht mehr die Kraft, den Pelz anzuziehen. Es galt jetzt zu überlegen: Durch Opfern von Ballast, den man zum Abstieg reservtren wollte, mochte Herr Groß den Ballon nicht höher treiben- andererseits war es feste Vornahme, 8000 Meter zu ersteigen. Man wartete also auf die Gaserwärmung an der Sonne. Aber jede Minute brachte den „Phönix" mit nicht bekannter Schnelligkeit der Ostsee näher, auch nahmen die Kräfte und der Vorrath an Sauerstoff gefahrdrohend ab. Als daher die strahlende Sonne erschien und sich in den mächtigen Eiszapfen, bie von den Netzmaschen herabhingen, spiegelte, und als nun der Ballon zu steigen begann, wagten die Aeronauten den letzten Sprung und opferten noch zwei Säcke des geringen Ballast-
Gießener Anzeig er=
Kenerak-Mzeiger.
begann nun für den Führer em harter Kampf mit der enormen Schneelast der Wolke, die möglichst schnell durch- flogen werden mußte, wenn der Ballon nicht zur Erde niedergedrückt werden sollte. 325 Kilogramm Ballast würben ge- opfert und trotzdem erreichte man erst nach zweistündigem Kampfe mühsam 4000 Meter Höhe. In dieser Zone hatte der Schneefall etwas nachgelaffen, die Flocken nahmen mehr bie Gestalt von Eiscrystallen an, die Temperatur sank bis nx 12» C. unter Null- man schien der Wolkengrenze nahe zu sein, es wurde heller. In einer kleinen Pause stärkten sich die Lustschiffer an heißem Thee und ruhten ein wenig aus. Dann machte Herr Groß den Athmungsapparat klar und ordnete Alles zu einem zweiten Sprunge, dessen Gelingen noch zweifelhaft war- denn es war wieder finster, der Schneefall berstarkte sich immer mehr Der zweite Sprung durch 300 Kilogramm Ballastopser führte den „Phöni, aus
Lustreife nach Bosnien Über 16 000 Meter unternommen, wobei — 53° S. registrier wurden.
Bei Südwind und heftigem Regenwetter wurde der „Phönix" in Gegenwart des Kaisers am 11. Mai Morgens um 7 Uhr 17 Minuten abgelassen. Er erhob sich sehr ruhig, Anfangs mäßig, dann in beschleunigtem Tempo. Der Ballon triefte vor Nässe, von allen Maschen floß das Regenwaffer in Strömen herab. 7 Uhr 40 Min. wurde er „Phönix , dem der Militärballon inzwischen gefolgt war, in 1800 Meter Höhe prall voll und stieg nun rapide trotz des ihn um- wirbelnden Schnees bis auf 2500 Meter, wo er bereits in die den Himmel bedeckende schwere Wolkenschicht eintauchte. Es gelang Premierlieutenant Groß noch, den Curs (N) genau festzustellen, dann wurde es in der dichten Schneewolke dunkel und man verlor den Militär- und den Fesselballon außer
Verfolgung des Verrathes von Fabrikations- und Betriebs- geheimniffen erklärt, schwerlich als zur Umsetzung in die Praxis geeignet bezeichnet werden. Denn eine hinreichende Definition deffen, was eigentlich als ein Geschäfts- und FabrikationSgeheimniß anzusehen sei, hat hierbei nicht erbracht werden können, wenigstens nicht so präciS und e^Wfenb, daß sie eine Grundlage für ein gesetzgeberisches Emschretten abgeben könnte. Auch die von der Braunschweiger Versamm- lunq ferner beschloffenen Resolutionen gegen diejenigen Blatter, welche dem Börsenschwindel anscheinend Vorschub leisten, kranken an einem Uebelstande, an dem, daß sie keinerlei Grenzlinie zwischen der pflichtgemäßen sachlichen Beurteilung von^Börsengeschäften und der böswilligen Börsenreclame durch die Presse ziehen. Wenn es die Versammlung schließlich vermieden hat, bestimmte Beschlüsie auch hinsichtlich des Bauschwindels und der Concurrenz der Consumvereine zu sasien, so ist diese Beschränkung vollkommen zu billigen, denn letztere Fragen sind eigentlich nicht mehr unter dem Gesichtspunkte des unlauteren Wettbewerbes zu betrachten. Immerhin darf man aber von den Braunschweiger Berathungen und Beschlüssen hoffen und erwarten, daß sie mit dazu beitragen werden, der etngeleitetcn Agitation gegen die unredliche GeschäftSconcurrenz verstärkten Nachdruck zu verleihen. Es wäre schon viel erreicht, wenn sie endlich zur Beseitigung wenigstens einiger der Krebsschäden auf diesem Gebiete durch ein gesetzliches Eingreifen führte und hoffentlich bringt eine der nächsten Reichstags- sessionen ein dahin zielendes brauchbares Gesetz.
Feuilleton.
Ans dem Reiche der Lüfte.
Die kühnste und gefahrvollste Hochfahrt haben die Herren Groß und Berson von Charlottenburg aus am 11. Maid. I. mit dem „Phönix" unternommen. Sie sind dabei in Höhen von 8000 Meter, die nahezu den Spitzen des Himalaya gleichkommen, glücklich vorgedrungeu. •
Bisher war die Erforschung der freien Atmosphäre bis iu Höhen, die dem Menschen allenfalls noch durch Erklimmen der höchsten besteigbaren Bergriefen zugänglich sind, von „Humboldt" und „Phönix" erfolgreich durchgeführt. Nun aalt es noch weiter bis in jene Regionen zu gelangen, wo schließlich der geringe Lustdruck, der Mangel an Sauerstoff und die eisige Kälte dem Forscher eine unüberwindliche Schranke entgegenstellen, wo das Reich des Todes beginnt.
Soeben werden über den Verlauf und die Ergebnisie jener Hochfahrt von den beiden Theilnehmern äußerst interessante Mittheilungen in der Zeitschrift für Luftschifffahrt und Physik der Atmosphäre gemacht. Nach sorgsamsten Vorbereitungen war folgendes aeronautisches Programm festgesetzt und mit der Königl. Luftschifferabtheilung vereinbart worden. Der „Phönix" sollte unter Führung des Premierlieutenants Groß mit Herrn Berson als Beobachter 8000 Meter Höhe zu erreichen suchen. Ein 1000 Cubikmeter großer Militärballon, von Premierlieutenant Sperling geführt und mit Dr. Süring als Beobachter, sollte die mittleren Höhen erforschen. Im Fesielballon und auf der Erde sollten gleich- zeitig die Witterungsverhältnisie der unteren und untersten Zone gemessen und bestimmt werden. Der 250 Cubikmeter große Pilot-Ballon, welcher aus Höhen von 15000 bis 20000 Meter Kunde geben sollte, sührte damals, wie mit-
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
■Hl s PfAlle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen
Gratisbeilage: Hießener Iannlienblatter


