Ausgabe 
25.12.1894 Zweites Blatt
 
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N«. 302 Zweites Blatt. DimStaz de» 25. December

1894

Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener IlamiktenSkätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelrgt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Lierteljähriger AvonncmentspreiO: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Sledaction, Expedition und Druckerei:

Kchulstraße ^Ir.7.

Fernsprecher 51.

Anrts- und Anzei^eblutt für den Ureis Oiefzen.

»--nahm. °°n Anzeigen zu R°ch»i»°g- ,ür d-, i ßrttftsßnfatic: $iefiener Aamilienbkätter.

folgenden Tag erscheinenden Hummer bti Corrn. 10 Uhr. |______ __________________g? rc

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlichem Ths-l.

Gießen, den 21. December 1894.

B etr.: Unfallversicherung, hier die Ernennung von Ver­trauensmännern der Berufsgenossenschaften.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« das Grotzh. Polizeiamt Gießen und die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Amts­gerichtsbezirks Gießen.

Wir benachrichtigen Sie, daß von der Section II der Hessen-Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft für die Periode 1895/96 nachstehende Personen zu Vertrauens« männern und deren Stellvertreter gewählt worden sind:

1) Für die Stadt Gießen: Weibbindermeister PH. Schäfer zu Gießen, Stellvertreter: Maurermeister Ehr. Haubach zu Gießen;

2) für Gießen Land: Maurermeister H. Keßler zu Annerod, Stellvertreter: Zimmermeister Konrad Marx zu Gießen.

Auf Grund des § 54 des Unfallversicherung«^etzes vom 6. Juli 1884 beauftragen wir Sie, die vorgeschriebene Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der Baugewerks-Berufsgenoffenschaft ein­getretenen Unfälle an die voroerzeichneten Vertrauensmänner bezw. deren Stellvertreter zu richten.

v Gagern.

Gießen, den 22. December 1894.

Betr.: Aufnahme der gerichtlich Verurtheilten in den Straf­anstalten.

Das Graßherzogliche Kreisamt Gießen an das Grotzh. Polizeiamt Gießen, die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden und die

Großh. Gendarmerie des Kreises.

Neuerdings hat sich die Nothwendigkeit ergeben, daß die Personalien der Zuwiderhandelnden in die Polizeianzeigen genauer als bisher bezeichnet werden. Es erscheint zweck­mäßig , den bisher üblichen Bezeichnungen des Vor- und Zunamens sowie des Wohnorts des Contravenienten noch Angaben über Ort und Datum der Geburt zuzufügen. Es ist deßhalb bei den in Neudruck befindlichen Formularen für Polizeianzeigen in den Vordruck die Bemerkung: geboren zu.....am . ten . . . 18 . , wohnhaft

in .... , ausgenommen worden. In den älteren Formularen, die noch von Ihnen benutzt werden und diesen Vordruck nicht enthalten, hat künftig bei Erstattung von Polizeianzeigen eine gleiche Ergänzung der Angaben einzutreten.

Wir empfehlen Ihnen hiernach, auf die Vollständigkeit der Personalbezeichnung in den Polizeianzeigen bedacht zu sein.

Die Schutzmannschaft in der Stadt Gießen und die

Ferrilleton.

Weihnachtsdilder.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

III.

Das Bilderbuch.

E. Eine große Rolle bet den Weihnachtsgeschenken spielt daS Bilderbuch. Stattliche Gabentische sind ohne dieses kaum denkbar. Wie bet den anderen Klaffen der Geschenke gtbt eS auch hier Unterschiede und Stufen nach Form und Inhalt. Der Begriff des Bilderbuchs erstreckt fich von der unzerreißbaren, auf Leinwand gedruckten Bilderfibel an, die selbst die festesten Ktnderhändchen nicht ganz klein kriegen vnnen, bis zu der illustrirten Erzählung mit lehrhaftem Kern, die man der reiferen Jugend bescheert. Innerhalb dieser Grenzen drängt fich nun eine schier unübersehbare Fülle von Bilder- und Lesestoff.

Struwelpeter", in einfachen wie splendiden Aus­gaben, ist noch immer der König in der Bibliothek der Kinder­welt. Coneurrenz bietet ihm noch allenfalls derNuß­knacker". Die kleinen Mädchen lieben jetzt ungemein Herzblättchens Zeitvertreib" von O. Gumbert und für die größeren ist daSTöcht er al bu,'m" der genannten Schriftstellerin nach wie vor ein theurer Schatz. ES gibt Bücher, welchen die Mode nichts anhaben kann. Zu diesen zählen die eben erwähnten.

Fast in allen Strömungen und veränderten Geschmacks«

Polizeibedienfteten in den Landgemeinden sind auf diese Be- j ftimmung ausdrücklich aufmerksam zu machen.

v. Gagern.

Abonnements - Einladung

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für das 1. Vierteljahr 1895 laden wir hiermit ergebens! ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lau­fenden. Unterstützt durch an allen -Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist derGießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wisfens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück- sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gießener Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, chre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu­gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den

richtuugen steht auch der Defoö'scheRobinson Lrusoe", welchem noch immer neue Bearbeitungen und Auflagen zu Theil werden. Sehr viel hat die Bearbeitung von Dr. Reu- leaux, Director der Berliner Gewerbe-Akademie, für sich- sie fußt auf demSchweizerischen Robinson" des Pfarrer Wyß und ist nächst der Campe'schen die bedeutendste und zumal der heutigen Jugend zu empfehlen, da fie sich mit unserer gegenwärtigen Natur« und Völkerkenntniß in Einvernehmen zu setzen weiß. Der Thiermaler Wilhelm Kuhnert hat das Werk mit farbenprächtigen Darstellungen aus der Tropenwelt geschmückt.

Mit Vermeidung des lehrhaften, trockenen Tones ist auch Gottlieb Mensch bei seiner Uebertragung des eng­lischen Originals verfahren. Durch ihre gedrängte Faffung, ihre zwei guten Illustrationen und dem äußerst billigen Preis von 60 Pfg. für das gebundene, 20 Pfg. für das ungebundene Exemplar, eignet sie sich zu massenhafter Verbreitung.

Die goldene Märchenwelt nimmt in der Geschenk- literatur für unsere Jugend selbstredend einen sehr breiten Raum ein. Die Gebrüder Grimm, Bechstein, Andersen, Musäus, die verschiedenenTausend und Eine Nacht" nehmen um die Weihnachtszeit ihr gutes Recht, die ersten Führer in das Land der Poesie und Wunder zu sein, mit allem Nachdruck in Anspruch. Daneben drängen auch andere Märchen und Sagen nach, so die von Julie Düngern, von August Bccker, Robert Rcinick, aber eS wird ihnen nicht leicht, sich inmitten des Alten und Erprobten zu behaupten.

Dem Märchen zunächst steht die phantastische Ge­schichte, die Abenteurer-Erzählung, die natürlich weit, wett

Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither den Anzeiger weitersenden und den Llbonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger"

________Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch).

Deutscher Reich.

Frankfurt a. M., 22. December. Wegen deS gestrigen Neubau-Emsturzes wurden, außer dem Unternehmer und dem Parlier, noch der Archjtect Limbach und Sensal Hertz, welcher das Baukapital vorgeschoffen hatte, verhaftet. Ein Arbeiter wird immer noch vermißt. Don den schwerverwundeten Arbeitern ist inzwischen einer gestorben.

Avslan-.

Brüssel, 22. December. Der Krieasmintster beabsichtigt, falls die Kammer die Wehrpflicht ablehnen sollte, zu demis- sioniren.

Paris, 22. December. Eine Magistratsperson erklärte im Jastizpalaste, in Folge der Verurtheilung des preußischen Lieutenants von Schoenebeck habe die französische Regierung die strengsten Maßregeln gegen alle in Paris wohnenden Deutschen getroffen. Alle Deutschen, welche die gesetzliche» Vorschriften betreffend das Residenzrecht nicht erfüllt hätten, sollen massenhaft ausgewiesen werden, ebenso alle Verdächtigen, auch wenn sie die Vorschriften erfüllt hätten. Diese Erklä­rung rief eine große Bestürzung hervor.

Madrid, 22. December. Anläßlich des Weihnachtsfestes wird die Königin Regentin 7 zum Tode verurtheilte Ver­brecher begnadigen.

Petersburg, 22. December. Nach zuverlässigen Meldungen aus Trapezunt sollen die Nachrichten von den Ueberfällen in Armenien stark Übertrieben sein. Thatsache soll nur sein, daß gegen eine revolutionäre Bewegung, welche aus bewaff­neten Armeniern chestand, eine Abteilung türkischer Truppen in die einzelnen Ortschaften gesandt wurden, um die Ruhe wieder herzustellen. Da jedoch von den Armeniern heftiger Widerstand entgegengesetzt wurde, kam es zu erbitterten Kämpfen, die die Greuel zur Folge hatten.

totales unfc provinzieller.

M. Gunzeuau, 22. December. An Stelle des wegen Urkundenfälschung rc. zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilten Bürgermeisters Möller wurde der Vorgänger desselben, der ehemalige Bürgermeister Grob von hier, einstimmig als Bürgermeister wiedergewählt.

M. Au8 dem Vogelsberg, 22. December. In Folge deS starken Schneefalls und der durch den Sturm veranlaßten mächtigen Schneewehen fanden verschiedentlich Verkehrs-

ab von den vertrauten heimathlichen Verhältniffen spielen muß, wenn fich die Einbildungskraft zwölfjähriger Knaben und Mädchen an ihr entzünden soll. CoopersLeder­str u Mjp f g e sch i ch ten", bearbeitet von Gustav Höcker, .steht da noch immer in erster Linie.

In den letzten Jahren ist es nun nicht mehr ausschließ­lich der ferne wilde Westen mit seinen Trappern, Indianern und Wildstellern, welcher das Interesse der Jugend in so her­vorragendem Maße in Anspruch nimmt. Infolge unserer Colomalpolitik wendet fich der Blick auch dem Erdtheil zu, welcher bislang der dunkelste hieß. Da haben wir u. a. eine höchst spannende Erzählung aus dem Leben der Negerstämme des westlichen Asrcka unter dem TitelDer Tyrann der Goldküste" von Oskar Höcker. An die reifere Jugend wendet fich das BuchVom schwarzen Continent", worin Gustav Plieninger Klau- von der Deckens Reisen und Erlebnisse in Ostafrika bearbeitet hat. In die gleiche Rubrik gehört auchStanleys Reise durch den dunkeln Welttheil", welche Rich. Roth dem Jugendstandpunkt an« gepaßt hat.

Die verschiedenen Jugend«K df. e n b e r unb Almanache, gleichfalls mit Abbilbungen, ergeben eine bisher nicht ge­kannte Klaffe von Festgeschenken, auS welcher ich hier nur ben Kalenber bes Berliner ThierschutzvereiuS heraus- greife, ber in einer Million von Exemplaren gebrückt ist und zu dem fabelhaft billigen Preise von 5 Pfg. pro Stück ab­gegeben wird. Die wirklich künstlerisch ausgesührten Illu­strationen und die allerliebsten kleinen Erzählungen mit lehr­hafter Tendenz, die darauf berechnet sind, in der Jugend