Ausgabe 
25.11.1894 Drittes Blatt
 
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sie genoß, wie es von Herzen gönnten

schmachvolles Verhalten, aber diese Entrüstung allein genügt noch nicht, die That der Angeklagten fordert auch ihre Sühnet Nach Zusammenfassung der Schuldmomente schloß der Staats-

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sie könnte mir so

Cocales und provinzielles»

A Aus dem Kreise Alsfeld, 23. November. Im Felde ist eS nun endlich mit den landwtrthschaftlichen Ar­beiten Feierabend geworden, ein zwar mühesamer und später Feierabend, aber doch ein besserer, als man nach Lage der Dinge befürchten mußte. Der überaus milde Spälherbst hat es ermöglicht, daß noch das meiste Stoppelfeld umgeftürzt werden konnte. Diese Umpflügung war in diesem Herbste um so mehr geboten, als der Ackerboden durch die massen­haften Niederschläge tennenartig zusammengestampft erschien, so daß ihm der Zutritt von Luft und Licht mehr abgeschlossen wurde als sonst. Auch mancher Weizenacker konnte noch aus- gesäet werden. Für die Entwickelung der verspäteten Winter­saat war das milde Wetter geradezu unentbehrlich. Wäre ein früher Winter, wie so ost in anderen Jahrgängen, ein­getreten, dann hätte dieser Saat der größte Schaden, wenn. nicht Vernichtung gedroht. So aber vermochte fie sich noch soweit zu entwickeln, daß sie überwinterungsfähig erscheint. Die verflossene Nacht hat den ersten starken Frost gebracht, da- Thermometer zeigte 2 Grad unter 0 nach R. Für Rindvieh ist es darum nicht mehr angebracht, dasselbe zur Feldarbeit zu verwenden, um so weniger, als auch die neu Bedeckten Straßen und Wege das Fahren für Zweihufer er­sichtlich erschweren.

nn. Darmstadt, 23. November. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr brach in den unteren Laden- und Verkaufsräumlich­keiten der in der Elisabethenstraße belegenen, in großartigstem Stile eingerichteten Möbelfabrik und Möbellager von Ludwig Alter ein verheerender Brand aus, welcher in kurzer Zeit sich dem ganzen Bau, in welchem sich die auf das Prächtigste ausgestatteten ca. 30 Musterzimmer befanden, ausdehnte und das ganze Gebäude in kurzer Zeit in Flammen hüllte. Die in den Lagerräumen befindlichen Möbel, wie Betten, Sophas, Teppiche, Schränke und sonstige Gegenstände boten dem verheerenden Element reiche Nahrung, sodaß an

Hell empor die Hoffnung schwebt Und das Himmelskind, der Glaube, Und die ewige Liebe spricht: Kind des VaterS, ztttre nicht!"

Wenn dieser Glaube in uns lebt, wächst, bleibt, dann stauen wir getrost Todtenfest feiern. Gott gebe es!

schön bet dem Auskleiden helfen."

Aber die Perle war noch nicht da, schien, die Freiheit in vollen Zügen und wir ihr die Erholung.

Aber auch am nächsten Morgen und

Unsere künstlichen Lichtquellen.

Kiehnspahn, Oel, Kerze, Petroleum, Gas, electrisches Licht unB endlich Auer'sches Gasglühlicht: das ist die Stufenleiter unserer Erleuchtungsmittel! Das Bessere war bekanntlich schon immer der" Feind des Guten, und so ist aus dem trübe flackernden, qualmenden und übelriechenden Ltchtspender unserer Vorfahren das taghelle, ruhige, ruß- und hitzefreie Gasglühlicht geworden. Für die ganz Alten, die auf die primitive Kiehn- und Fackelbeleuchtung angewiesen waren, war schon das ungleich bessere Licht des Oels und der Kerze entschieden eine freudebrtngende Verbesserung. Aber auch diese Er­rungenschaft mußte verblassen, als durch menschliche Intelligenz das flüssige Petroleum, sowie das aus den schwarzen Kohlen gewonnene flüchtige Gas zu Brennzwecken verwerthbar gemacht wurde.

Das Gas und später die Electricttät brachten gewissermaßen erst Leben in die Beleuchtungstechnik. Das Gas hatte immer noch unter dem Nachthetl zu leiden, daß es trübe (gelb) brannte, oder bei stärkerer Leuchtkraft zu viel Hitze entwickelte und bet diesem starken Verbrauch auch zu theuer wurde. Diesen Uebelständen half endlich das electrische Glühltcht insofern ab, als es mit ruhiger Flamme brannte, gelbliches Licht und wenig Wärme gab. Wie aber selten alle Vorzüge Zusammentreffen, so auch hier: die Unkosten waren und bleiben zu hoch! Wo keine Dampfmaschine oder eine andere Kraft zum Treiben des Electromotors und zur Speisung der Accumula- toren vorhanden war, konnte die Electricttät überhaupt nicht in Frage kommen. Nimmt man aber Rücksicht auf die Anschaffungs­kosten der electrischen Maschinen, auf die Unkosten für den Dampf­verbrauch, oder auf die kostspielige Füllung der Accumulatorew, owte schließlich auf die örtlichen Schwierigkeiten, die der Anlage einer electrischen Kraftquelle entgegenstehen, so kommt man zu benv Schluffe, daß das Gute wohl wünschenöwerth, aber nicht immer erreichbar ist.

Indessen waren die Vorzüge des electrischen Lichtes an sich doch o groß, daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn Intelligente Köpfe sich immer und immer wieder mit der Frage beschäftigten: läßt sich das auch nicht mit Gas^erztelen?? Es war mehr als eine Preisfrage! ES würde auch zu wett führen, wollten wir hier all die verschiedenen Versuche, die kostspieligen und unbelohnt ge­bliebenen Experimente des Näheren erörtern. Genug, das Ziel wurde erreicht: wir haben als Letztes und wohl Vollkommenstes heut in dem Auer'schen Gasglühlicht in der That ein Licht, welches genau wie das electrische Licht mit vollkommener ruhiger, weißer Flamme ohne Hiheentwtckelung brennt. Dazu kommt aber noch, daß bet Benutzung des Gasglühltchtbrenners durchschnittlich die Hälfte an Gaskosten gespart werden!

Selbst wo electrische Maschinen vorhanden sind, geht man infolge der hohen Betriebskosten vom electrischen Licht häufig auf Gasglühlicht über. Wo aber Gaseinrichtung vorhanden ist, kann man sich die Vorzüge des electrischen Lichts leicht verschaffen, wenn man die alten Gasbrenner umwandeln läßt inGasglühlicht"! Und das läßt sich auch ein Vorzug des neuen Lichts mit ganz geringfügigen Unkosten an jedem vorhandenen Kronleuchter oder Gasarm leicht bewerkstelligen.

Man hüte sich jedoch vor minderwerthigen Nachahmungen, da diese sich bald als untauglich erwiesen haben. 9463:

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anwalt mit dem Anträge auf volle Bejahung der Schuld­fragen. Zu einem Antrag auf Revision des UrtheilS haben sich die Gerlach'schen Eheleute bis jetzt noch nicht ent­schlossen. Ihre Vertheidiger haben ihnen als aussichtslos davon abgerathen. Das Vermögen, das einige Hundert­tausend Mark betragen soll, ist vorläufig behördlich beschlag­nahmt worden. Der ganze Prozeß hat an 10 000 Mark gekostet, an 2000 Mark erhielten allein die Vertheidiger. Die Verpflegung während der Strafzeit der Verurtheilten wird sich auf 5000 Maik belaufen. Am Samstag wurden fia von ihrer Tochter im Gefängniß besucht, die erste Frage der Frau G. ging nach dem neuen Blatt an der Palme zu Hause. (!) Frau Oberförster Gerlach, so wird derThür. Ztg." aus Ilmenau geschrieben, ist aus Zella St. Blasii gebürtigt und in Langewiesen erzogen worden- sie steht bei den älteren Einwohnern des letzteren Ortes wegen ihrer ^Herrschsucht und Härte noch ingutem" Andenken. Wie stark der Mann unter der Fuchtel der Frau stand, mögen folgende Geschichtchen beweisen, deren Wahrheit verbürgt ist: Als einst das Forstpersonal von Gehren und Umgegend ein Festessen' hatte, brachte man, das Verhältniß wohl kennend, folgenden Toast aus:Es lebe die Frau Forstsekretär und, wenn fie's gnädig gestattet, auch er!" Beim Umzug nach Sonders- Hausen fand die nachrevidirende Frau Gerlach das Gerippe einer alten Stalllaterne vergessen an einem Nagel hängend vor. Keifend warf sie ihrem Manne seinen Leichtsinn vor und zwang ihn, da alles schon verpackt war, diese alte La­terne mit im Coupe bis nach Sondershausen zu tragen. Der elegant gekleidete Förster soll mit seinem Laternenüber- reste auf den Umfteigestationen eine eigenartige Figur ge* bildet haben. Unter den geschilderten Umständen wird ihm nun das Gefängniß als eine wahre Feriencolonte er­scheinen.

* Niederlaasphe, 21. November. Ein kürzlich den Ehe-- leuten Schlosser Herrn. Schäfer Hierselbst geborener ßnabr hat das Glück, außer seinen vier Großeltern noch einen Ur­großvater und vier Urgroßmütter zu besitzen. Gewiß ein selten vorkommender Fall!

* München, 21. November. Das Oberlandesgericht har in einem Spectalfall entschieden, daß die Beifügung von Kohlensäure zum Bier zur Herstellung vonCham­pagnerbier" dem bayerischen Malzaufschlagsgesetz zuwider­laufe. Es darf nur Malz, Hopfen und Wasser zum Bier verwendet werden.

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nach einer Lösung dieses Räthsels, sollte die Perle derartig ihre Fassung verloren haben, daß sie darüber ihre Pflicht vergaß? Kreidebleich stürzte da plötzlich meine Frau zn mir in das Zimmer:Denk Dir meine Perlen sind ver­schwunden sie sind nirgends zu finden ich wage den Verdacht nicht auszusprechen, denn sie ist doch selbst eine Perle." Gleich und gleich gesellt sich gern", entgegnete ich, nach­dem ich mich von dem ersten Schrecken erholt,nun will ich aber gleich zur Polizei gehen." Meine Bemühungen waren erfolglos und ich erfuhr nur, daß das Zeugniß, das meiner Frau Vorgelegen hatte, gefälscht war. Die Perle und mit ihr die Perlenkette waren und blieben verschwunden, letztere habe ich mit schwerem Gelde am letzten Weihnachten erneuert aber eine Perle wieder in das Haus zu nehmen, bewegt mich keine Macht auf Erden!

Deutsches Reich.

Darmstadt, 23. November. Wie wir aus Peters- Burg hören, beabsichtigen Seine Königliche Hoheit der Großherzog nächsten Dienstag von dort abzureisen, so daß der Ankunft Allerhöchstdesselben in Darmstadt am Don­nerstag Abend entgegenzusehen sein dürfte. Darmst. Ztg.

Berlin, 23. November. Herr v. HammerIein- Loxten, der neue preußische LandwirlhschastSminister, hat in Hannover auf einem Abschiedsbanket, das ihm der Canal­verein für Niedersachsen und der Ausschuß zur Förderung des Rhein-Weser-Elbe-Canals gab, eine Art Programm­rede gehalten. In derselben wies der Minister auf die wachsende Bedeutung der Wasserstraßen in verkehrspolitischer Hinsicht hin und knüpfte er hieran die Versicherung, daß er warm für denMittelland Canal" eintreten werde. Dann betonte er die Nothwendigkeit eines Zusammengehens von Industrie und Landwirthschaft und erinnerte an die unter­nommenen verfehlten Versuche vom vorigen Jahre, eine Scheidewand zwischen beiden zu errichten. Herr v. Hammer­stein-Loxten scheint also, nach diesen seinen Erklärungen zu urtheilen, keineswegs gesonnen zu sein, sich als Minister lediglich zum Geschäftsführer einer einseitigen Geschäftspolitik zu machen.

schaftskaffe vorfinden sollte, zusammenzukratzen.

Ob Meta schon zu Hause ist?" fragte meine Frau, als wir in später Stunde heimkehrten,

Adolf Verein zuwendet, die allsonntäglich in die Kirche geht, aber diese Herrschaft bringt es dabei über baß Herz, ihre armen Dienstboten auf das Grausamste zu quälen, selbst a.S dieselbe schon auf dem Sterbebette lag, und das Mädchen elend verkommen zu laffen in einer Weise, daß selbst der Armenarzt, der doch an die Bilder des Elends gewöhnt ist, sich kaum fassen kann vor Entsetzen. Wir sehen hier ferner einen schroffen Gegensatz: auf der einen Seite die Heuchelei und das Pdarisäerthum, auf der andern Hartherzigkeit, Lieb- losigkeit und Rohheit. Diese Umstände waren es auch, welche die Bewohnerschaft von Sondershausen dermaßen empörten, daß die Gensdarmen gelegentlich der Verhaftung des Gerlach- schen Ehepaares große Mühe hatten, die Angeklagten de» Händen der erzürnten Menge zu entreißen. Meine Herren Geschworenen! Auch Sie sind empört über ein so elendes,

Kette einfach und geschmackvoll, die müssen die gnädige Frau umlegen."

Als wir bald darauf im Wagen saßen und dem Hause unseres Gastgebers zufuhren, schmiegte sich meine kleine Frau an mich.Weißt Du worum ich Dich schon immer bitten wollte kannst Du nicht Meta'S Lohn erhöhen morgen ist ihr Geburtstag thue es morgen, sie unter­stützt ihre armen Eltern sie h-at es wirklich um uns verdient."

Ich versprach, mein Möglichstes zu thun, wenn ich morgen gebackene Seezunge und Trüffeln zu Tisch bekäme und meine Frau wiederum versprach, auch ihr Möglichstes zu thun und alles Geld, das sich etwa noch in ihrer Wirth-

kermtniß mich nicht getäuscht hatte.Sie haben einen Bräu­tigam? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, sondern meine Frau zuerst belogen?"

Mit Verachtung und Stolz blickte sie mich an.Ich lüge nie, und wenn ich sage, daß ich keinen Bräutigam habe, dann habe ich auch keinen. Wo werde ich so dumm sein und mich mit so was abgeben. Aber mit einem Verlobten ist das ganz etwas Anderes, so Einer hat wirklich reelle Absichten, das ist nicht so'n unsicherer Kram als mit 'nem Bräutigam."

Dieser Unterschied zwischen einem Verlobten und einem Bräutigam war mir bis zur Stunde neu, aber ich hütete mich, dies offen zuzugeben, denn ich bin der Ansicht, daß man nie und nimmer eingestehen darf, daß man den Dienst­boten an Können und Wissen nicht ebenbürtig ist.

So beeilte ich mich denn nur, die Wolken von Metas Stirn zu verscheuchen:Wenn Sie heute Abend ausgehen wollen, um Ihren Verlobten zu treffen, so habe ich nicht das Geringste dagegen einzuwenden. Wir sind doch auf einem Ball und werden schwerlich vor zwei oder drei Uhr heimkehren. So lange können auch Sie meinetwegen fort- bletben, es ist Ihnen doch lange genug?"

Sie machte mir einen» zierlichen Knix, sagteDanke schön" und verschwand.

Eine Stunde später machte meine Frau Toilette für die Gesellschaft und auch bei dieser Gelegenheit bewies Meta, daß sie wirklich eine Perle war. Sie konnte frifiren, bet dem Anziehen Helsen, wußte von selbst, wo noch eine Nadel ubthig war, bewies vielen Geschmack bei dem Feststecken der Blumen und unterstützte meine Frau bei der Auswahl des Schmuckes.

Nein, gnädige Frau, diese Perlenschnur dürfen Sie nicht anlegen, sie ist für den Ball viel zu Schade, denken gnädige Frau nur mal, wenn die Kette sich bet dem Tanzen löst, auf den Boden fällt und zertreten wird?"

Entsetzlich," stöhnte meine Frau,ich würde sofort sterben."

Nun, nun," tröstete Meta wohlmeinend,so schlimm würde es wohl nicht gleich werden. Aber hier, diese goldene

am nächsten Mittag war Meta immer noch nicht zurück. Vergebens suchten wir

eine Bergung dieser Gegenstände nicht gedacht werden konnte. Ungeheure Wassermassen wurden von der mit großer Bravour arbeitenden Feuerwehr in das brennende Gebäude geworfen, trotzdem konnte sie nicht verhindern, daß das ganze Haus bis auf den Grund niederbrannte. Wegen der Enge der Straßen waren die anstoßenden Gebäude auf das Höchste gefährdet und nur mit Übermenschlicher Anstrengung gelang es unserer Feuerwehr nach dreistündiger schwerer Arbeit, den ungeheuren Brand auf feinen Heerd zu beschränken. Der entstandene Brandschaden soll ein ganz enormer sein. Tausende von Menschen umstehen die Brandstätte, wo noch vor wenigen Stunden die schönsten Möbel zur Schau gestanden hatten.

Vermischtes

* Ms. Kassel. 23. November. Na chspiel zum Liebesdrama. Die Liebestragödie, welche sich am 3. October d. I. auf der sog. Lusthütte bei Kirchditmold im Walde zutrug, gelangte heute in der Sitzung der Straf­kammer zur gerichtlichen Sühne. Der Mechanikus Louis Boos erschoß damals mittelst Pistole seine Geliebte, die ledige Emilie H., die bildhübsche, 18 Jahre alte Tochter eines hiesigen Kaufmanns, mit welcher er ein intimes Liebes- verhältniß unterhalten hatte, was nicht ohne Folgen geblieben war. Die Getödtete war nach dem Schüsse, der den Herz­beutel, die rechte und dann die linke Herzkammer durchbohrt und darauf auch noch die ganze linke Lunge durchlöchert hatte, alsbald gestorben. Sie halte ihm nur noch die Worte Louis eil Dich" zugerufcn und bann war sie mit einem Seufzer verschieden. Boos hatte bann sofort, wie er angiebt, sich selbst die Waffe auf die Brust gesetzt, die Kugel war auch in die Lunge gedrungen, war aber vor einer Rippe hinten im Rücken sitzen geblieben. Er sank bewußlos nieder, wurde aufgefunden, insRothe Kreuz" gebracht und dort gelang es der Kunst der Aerzte, die Kugel durch operativen Eingriff herauszuholen und den Mann wieder völlig herzu- stellen. Gegen seine eigene und Anderer Erwartung wurde B. bereits am 10. November gesund entlassen, jedoch nur um ins Gefängniß zu wandern, denn da er, nach seinem Geftändniß die Geliebte auf ihr ausdrückliches Verlangen erschossen hatte, wurde ihm der Proceß aus § 216 des RStr. - G. gemacht, welcher Gefängnißstrafe nicht unter 3 Jahren androht, wenn Jemand auf ernsthaftes, ausdrück' liches Verlangen einen Menschen tödtet. Boos, ein kleines, blasses, leidend aussehendes Bürschchen von 18 Jahren ist wie geknickt, er hat viel geweint und seine Augen sind stark geröthet, er spricht leise, kaum verständlich. Er sagt, daß die Geliebte sich selbst die Pistole auf die entblößte Brust gesetzt und er nur,weil sie furchtbar gekittet und gefleht", abgedrückt habe. Dte Emilie habe absolut sterben wollen, da sie wegen ihres Fehltrittes so schlecht von den Eltern be­handelt worden sei und aus dem Hause gejagt werden sollte. Da sei ihm auch nichts anderes übrig geblieben. Die bet den Acten befindlichen Briefe der Geliebten bestätigten den ge­planten gemeinsamen Selbstmord. Der Angeklagte wurde zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt.

* Erfurt, 20. November. Zum Prozeß Gerlach, über den wir berichteten, möge hier noch die Rede des Staats­anwalts folgen. Derselbe äußerte sich folgendermaßen: Meine Herren Geschworenen! Die Strasthat hat weit über die Grenzen Thüringens hinaus Aufsehen erregt, und mit Recht. Ein junges Mädchen sucht einen Dienst und findet ihn auch, aber binnen wenigen Monaten quält diese Herr­schaft den Dienstboten erbarmungslos zu Tode. Der Proceß hat unbedingt einen moralischen Hintergrund, denn jede Herr­schaft ist verpflichtet, ihre Dienstboten menschlich zu behandeln. Wir sehen eine Herrschaft, welche große Summen dem Gustav-

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