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Nr. 19« Zweites Blatt. Samstag den 28. August(894
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Nachrichten über den Saatenstand im Grostherzogthum Hessen
um die Mitte des Monats August 1894.
Zusammengestellt bei der Großhrrzoglichen Oberen landwtrthschaftlichen Behörde.
-
Provinzen
Saatenstand.
Note 1 — sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 4 — geringer,
5 — sehr geringer
Stand.
er»
A
Q
und
Erhebungsbezirke.
Winter-
Som mer-
Winter-
Sommer-
Winter-
Sommer-
-
ü 'e
rtoffeln
Klee
> Luzerne)
Wiesen
einberge
Weizm
Spelz
Roggen
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9
*1
-o
Z
3
Provinz Starkenburg.
2
1.5
1
Kreis
Bensheim............
—
—
—
—
—
—
—
1
—
2
Darmstadt............
—
—
—
-
—
—
1
2
2
1
—
3
Dieburg............
—
—
—
—
—
—
2,5
2
1,5
—
4
Erbach.............
2
—
2
—
1
—
2
2
3
2
2
—
5
Groß-Gerau...........
2
1
1
—
6
Heppenheim...........
—
—
2
—
2
—
2
2
2
2
1
—
7
I»
Offenbach............
3
—
—
—
3
—
2,5
3
3
3
2,5
—
Durchschnitt für Starkenburg
2,5
- 1
2
—
2
—
2,2
1,7
2,4
1.9
1,4
—
Provinz Oberhessen.
2
2
3
8
Kreis
Alsfeld.............
Büdingen............
2
—
—
—
2
—
2
3
—
9
2
2
—
—
2
—
2
2
2
2.5
•2
—
10
Friedberg............
2
3
—
—
—
—
3
2
3
2
3
—
11
Gießen.............
2
—
—
—
2,5
—
2
2
2
2,5
2
—
12
Lauterbach............
2
2
—
—
2
2
2
2
—
1
—
13
II
Schotten............
—
1,5
—
—
—
—
—
2
3
2,5
—
Durchschnitt für Oberhessen
2
2,1 1
-
—
2,1
—
2
1 2
2,2
2,6
2,3
—
Provinz Rheinhessen.
2
2
1,5
1
2
14
Landw. VereinSbezirk Alzey........
2,5
—
—
—
2
-
Bingen....... .
-
2
3
2,5
2,5
16
,, Flonheim.......
2
_
—
—
2
—
2
3
3 5
3,5
2
17
„ Ingelheim.......
2
—
—:
—
1,5
1,5
1,5
2,5
2,5
2
3
18
„ Mainz........
1
—
—
—
1
—
1
1
2
2
2,5
2
19
„ Nieder-Olm......
2
—
—
—
1
—
1
2
2
2,5
2,5
2
20
„ Oppenheim......
—
—
—
—
—
—
—
1,5
2
2
2
21
„ Osthofen.......
—
1.5
—
—
1,5
—
1,5
2
3
4
2,5
22
„ Pfeddersheim......
2
2
—
1,5
—
2
2
2
2
2
2
23
„ Wollstein.......
—
—
—
—i
—
—
—
2
2
2
2
24
„ Wörrstadt.......
2
—
—
—
2
—
2
2
3
3
2
25
„ Worms.......
3
3
3
13____
Durchschnitt für Rheinhessen
| 1,9
1,5
2
-
1,6
-
1.6
1,8
1 2,4
2,7 | 2.4 ||2,3
Durchschnitt für das Großherzogthum
1 2,1
i 1,8 II 2
1 -
1 1,9
-
! 1,9
1 1,8 || 2,3
12,4
12,4 || 2,3
Bemerkungen: Die Getreide-Ernte, welche in den klimatisch günstiger gelegenen Gegenden beendet ist, wurde dura) die Läufigen Niederschläge außerordentlich erschwert und die Qualität der Ernteproducte hat zum Theil Noth gelitten, wenn auch ein Schaden durch Auswachsen im Allgemeinen nicht zu constatiren ist. In den höher gelegenen Bezirken der Provinz Oberhessen, wo lder größte Theil des Getreides soeben gemäht auf dem Felde liegt, besteht allerdings die begründete Befürchtung, daß bet Fortdauer der nassen Witterung ein ^usw^hfim&l8 je^ nur vereinzelt vorltegen, so kann doch die Ernte namentlich in Bezug auf Stroh als sehr gut, in Bezug auf Körner hinter den Erwartungen zurückbleibend, immerhin aber als gut bezeichnet werden.
B Auch die Kartoffeln, deren Stand bis jetzt noch ziemlich befriedigt, werden bei Andauer der naßkalten Witterung Noth leiden.
Am Borthetlhaftesten erwiesen sich die reichlichen Niederschläge für alle Futtergewächse und für die Wiesen, deren Stand im Allgemetnen^gut^bis^sehr &en besten Lagen einen sehr schwachen Behang; besser ist letzterer in gangeren Lagen. Indessen
schreitet die Entwickelung der Trauben nicht voran. Die Rebm sind dagegen vorzüglich entwickelt. In einzelnen Gegenden (Bez. Wöllstein) tritt Oidium auf.
Zanstwirthschastliche Winke und Kathschlägr.
△ Aus Oberhefsen, Mitte August. Ueber Gründüngung.
(Schluß.)
Eine in der Provinz Oberhessen wenig gekannte Gründüngungspflanze ist der Bnchweizen oder das Heidekorn, welches aber sehr gute Eigenschaften besitzt und daher die Aufmerksamkeit der Landwirthe recht wohl verdient. Der Buchweizen (Polygonum fagopyrum L.) hat einen röthltchen Stengel und wird l'/r bis 2 Fuß hoch, hat weiße, später röthltche Blüthen; der Samen ist röthlich- braun und dreieckig wie die Buchecker. Besonders schätzenswerth bei dieser Pflanze ist die kurze Begetationszeit, welche ltwa sechs Wochen beträgt. Das Haidekorn eignet sich daher besonders als Zwischencuttur in Gebirgsgegenden, wo die Halmfrüchte Korn, Gerste und Hafer spät reifen, io daß man mit Gründüngungs. pflanzen von längerer Vegetationsdauer nichts mehr ausrichten kann. Wetter ist bei dieser Pflanze schätzenswerth, daß die Bienen noch im Spätherbste eine treffliche Weide finden. Der Samen giebt ein gutes Mehl, welches z. B. in den höheren kälteren Lagen deS Odenwaldes fleißig gegessen wird. Man backt daraus Pfannkuchen und kleine Küchelchen, auch Klöße, die sog. „Haareknöps" (Haideknöpf'), welche die Eigenschaft haben, daß sie im Magen ordentlich anhalten und nicht so schnell verdaut werden. Als weitere gute Eigenschaften des Haidekorns sind zu erwähnen: es nimmt mit weniger gutem Boden vorlieb, kann grün gefüttert oder — wie bereits bemerkt — als Dungmtttel untergezackert werden, giebt sogar ganz guten Branntwein und der Samen ist ein treffliches Mastfutter für Rindvieh, Schweine und Geflügel. Wer also einen Acker erst später abernten und mit den landläufigen Gründüngungspflanze« nicht mehr bestellen kann, dem rathen wir dringend, einen Versuch mit Buchweizen zu machen; er wird seine Freude doppelt daran haben, wenn er etliche Bienenstöcke besitzt.
Wir haben schon in unserem vorigen Aufsätze darauf hingewiesen, daß man Gemengsaaten bet den Gründüngungspflanzen vornehmen soll. Ein ganz besonders zu empfehlendes Gemenge besteht auS Buchweizen, Senf nnd Oelreltig. Dieses Gemenge liefert nämlich eine ganz ungewöhnliche Maste von Pflanzen und düngt daher den Boden in trefflicher Weise. In allen Wtrthschasten, wo wenig Vieh gehalten wird, oder gehalten werden kann, ist das Gemenge sehr am Platze. Nun wurde bekanntlich im vorigen Jahre wegen der Futternoth eine solche Masse von Vieh abgeschafft, daß eS einige Jahre dauern wird, bis die Lücken wieder ergänzt sind. Der decimine Viehstand bringt selbstverständlich eine geringere Dungmenge hervor und daraus folgt, daß die Grundstücke leiden, also die Er- tragsfähigkeit beeinträchtigt wird. Hier muß und kann der Bauer mit geringen Mitteln etwas Bedeutendes »eisten, sobald er nur will, d. h. er stellt rechtzeitig Gemengsaaten von Gründüngungs- pflanzen hinaus, wie sie oben angedeutet sind, erzeugt mit wenig Geld» Mühe und Arbeit ein bedeutendes Futter- und Düngerquantum, hält die Felder trefflich in Bau und Besserung und kommt so über die böse schwierige Zeit hinweg.
Das alles ist gar keine Hexerei, man muß es nur verstehen und Gelegenheit und Zeit nicht verpassen. Gerade jetzt aber ist die rechte Zett. Der Boden besitzt hinreichende Feuchtigkeit und ist auch gut durchwärmt, die Sämereien werden darum ganz schnell aufgehen, binnen Kurzem einen dichten Pelz über der Ackerfläche bilden und so die Garantie für einen sehr befriedigenden Ertrag liefern. Wir haben wiederholt darauf hingewiesm, daß der Bauer de« Boden durchaus keine Ruhe lasten darf und thun es auch heute wieder. Sobald die Halmfrüchte weg sind, muß der Pflug dahinter her, sei es um eine Gründüngungs- oder Zwischenfruchtpflanze zu bebauen, sei es um die Unkräuter unterzupflügen und zum Keimen zu bringen, damit der Acker für das nächste Jahr sauber wird. Gegen Unkraut, Engerlinge, Mäuse und Spatzen muß ein ewiger Krieg geführt werden, denn sie sind es, welche die Ackererträge des Bauern viel schlimmer zehnten, als es vor 60 Jahren die Grund- Herren lhaten.
Vermischtes.
* 6in Roman. Bor einigen Jahren — so erzählt das „N. W. Tagebl." — war einem Kaufmann in Prag, der aber heute in Wien in der Leopoldstadt domicilirt, sein Buchhalter nach Amerika durchgegangen, und zwar nicht blos wir der Kaffe, sondern auch mit der schönen jungen Frau des Prinzipals. Dieser war ruinirl, ließ sich scheiden und fand dann wieder eine gute Lebensstellung, in der er sich noch jetzt befindet, indem er, wie gesagt, als sehr gut gestellter Reisender hier in der Leopoldstadt domicilirt. Seit vier oder fjinf Jahren ist er auch wieder glücklich verheirathet und Vater mehrerer Kinder. Sein Berus hält ihn aber den größten Theil des Jahres hindurch von Wien fern und nur durch die Briefe seiner Frau erfährt er zumeist von den kleinen „großen" und den großen kleinen Ereigmffen in seinem hiesigen Heim. Ein solches für den Hausvater wichtiges Ereigniß meldete die Frau vor etwa drei Wochen ihrem Gatten- sie schrieb ihm, daß sie eine neue Köchin, eine jüngere und noch hübsche Person, ausgenommen habe, die sich auch vorzüglich als Kindermädchen qualificire; sie zeige nämlich eine geradezu rührende Zärtlichkeit/ Anhänglichkeit und Sorgfalt für die Kinder. Der Geschäftsreisende gram- litte brieflich seiner Frau zu einer so glücklichen Wahl- etwa vierzehn Tage später traf er selbst zu kurzem Ausenthalt in Wien ein. Als er nach Hause kam, war die neue Köchin noch beim Einkäufen- der Vormittag verging mit der Erledigung von Geschäften in der Stadt und so geschah es, daß er die neue Köchin erst sah, als diese mit einem „Küss' die Hand, gnädiger Herr", die Suppenschüffel in den Händen tragend, das Zimmer betrat. Beim Klange der Stimme
wandte er den Kopf und blickte — seiner geschiedenen Frau ins Gesicht. Seine Ueberraschung hatte keine Grenzen, umsomehr, da er bemerkte, daß sie von der „Köchin" gar nicht getheilt wurde, sondern daß ihn diese vielmehr mit bewußtem und im Voraus erwarteten Erkennen anblickte. Eine Aufklärung erschien unvermeidlich- er schickte seine Kinder aus dem Zimmer und fragte seine ehemalige Frau, was dies zu bedeuten habe. Weinend erzählte sie nun, wie sie von ihrem Geliebren in Amerika verlassen worden, wie ihr keine audere Hilfe mehr blieb, als sich von dem österreichischen Generalconsulate wieder heimbefördern zu laffen und hier Dienst zu suchen. Ein Zufall habe sie zu seiner jetzigen Frau geführt und da sei ihr der Gedanke gekommen, ihm als Magd zu dienen, sich zu bemühen, nach Kräften an seinen Kindern gut zu machen, was sie an ihm verbrochen. . . Die jetzige Frau des Reisenden war von diesen Enthüllungen nichts weniger als erbaut- sie fühlte sich erst erleichtert, als ihr Gatte erklärte, die geschiedene Frau müsse sofort das Haus verlaffen. Die „jetzige" hat sich aber vorgenommen, nie eine Köchin aufzunehmcn, ohne sich vorher versichert zu haben, daß diese nicht geschieden ist.
» Der Schah von Perfieu soll sich eine ganz neue und sehr ergiebige Einnahmequelle geschaffen haben. Er, der früher ein abgesagter Feind der Wettrennen war und seinerzeit in Berlin erklärte: „Daß ein Pferd eher an» kommt als das andere, weiß ich. Welches aber dieses Pferd ist, ist mir ganz gleichgiltig-, er hat nun ein persisches Derby geschaffen und sind — 300 Pferde, darunter 37 Seiner Majestät selber, gelaufen. Für alle Pferde, die liefen, mußte ein größerer Beitrag eingesetzt werden. Die Pferde,
die geschlagen wurecn, erhielten natürlich nichts, weil sie gewagt hatten, die Pferde des Schah zu schlagen. Ja, im Gegentheil, sie wurden ob dieses Frevels mit Beschlag belegt und dem kaiserlichen Marstall einverleibt, die Satzgelder aber strich Seine Majestät in huldvollster Weise ein.
* Schlechte Zeiten.
Kein Sträßlein so vereinsamt ist, Daß nicht drauf fährt ein Bicyclist, ✓
Es ist kein Berg zu steil und krumm, Es kraxeln drauf Touristen 'rum!
Es ist fein Bach so schmal und seicht, Daß nicht ein Ruderclub drauf streicht- Nicht Wüste gibts, noch Bergesgrat, Wo nicht drei Männer spielen Skat. Kein Wirthshaus ist so unbeliebt, Daß nicht ein Club drin Kegel schiebt. Ein Eisclub wird coostituirt, Wenn irgendwo ein Pfützchen friert. Kein Wäldchen liegt in stiller Ruh, Gleich singt's Quartett: „Wer hat Dich Du" — Und wo liegt denn ein Dörfchen klein, Das könnt' ohne Vereine sein?
Kein Jüngling ist, wenn er blickt um, Er kriegt doch ein Präsidium.
ES geht kein Tag im Jahr vorbei, Daß es nicht gibt 'ne Fahnenweih'. Kein Sonntag ist im Z-itenlauf, Wo nicht Bloumontag folgte drauf, Und keine Seele weit und breit, Die nicht klagt über schlechte Zeit.


