Maßregel erklärt sich aus der Thatsache, daß der bekannte socialistische Agitator, Schreinergeselle Galm, mit Familie in genanntem Gasthause wohnt und überdies der Socialisten- resp. Arbeiterverein darin sein Vereinslocal hat.
** tzochzeitsgeschenk der Kriegerkameradschaft „Hassia". Vorgestern fand im Großherzogl. Residenzschlosse die feierliche Überreichung des von der Kriegerkameradschaft „Hassia" Seiner Köntgl. Hoheit dem Großherzog und seiner Gemahlin gewidmeten Hochzeitsgeschenkes statt. Das Geschenk besteht aus einem herrlichen Tafelschmuck, einer in Silber getriebenen getreuen Nachbildung des Landeskriegerdenkmals. Als Beigabe zu dem Geschenk wurde Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog noch ein in feinem rothen Sasfianleder hergestelltes Album überreicht, welches auf der Vorderseite das Verbandsabzeichen der „Hassia" trägt, sowie die Namen derjenigen Kriegerkameraden, welche zu diesem ebenso finnigen wie schönen Hochzeitsgeschenk ihr Scherflein beigetragen haben. Der mit Gold und farbigen Jnitialien hergestellte Text hat folgenden Wortlaut: „Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig von Heffen und Seiner Durchlauchtigsten Gemahlin Victoria Melita widmen zum 19. April 1894 in treuester Anhänglichkeit und Verehrung einen Tafelschmuck die 30000 alten Soldaten der Kriegerkameradschaft „Hassia"". Seine Königliche Hoheit der Großherzig war sichtlich erfreut über das schöne Geschenk und sprach den Ueberbringern wiederholt herzlichen Dank aus.
** Milil'ärdienstuachrichten. Walter, Kaserneninspector in Goldap, nach Gießen versetzt.
** Anerkennung. Den Standesbeamten der Stondes- amtsbezirke Büttelborn, Harreshausen, Momart und Trösel in Starkenburg, von Altenburg, Bleidenrod, Freienseen, Vtllingen, Stumpertenrod und Ruttershausen in Oberheficn und von Dolgesheim, Dromersheim, Köngernheim (Bezirk Alzey) und Lonsheim in Rheinhefien ist für ihre Geschäftsführung im Laufe des Jahres 1892 vom Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eine belobende Anerkennung er- theilt worden. T5-
** Die Prüfung für Einjahrig-Freiwillige beginnt am Montag den 27. August in Darmstadt.
** Zu Amerika verstorbene Heffen. Dubuque, Iowa. Adam F. Jaeger, 56 Jahre alt, aus Darmstadt, Frau Susanns Heiser, 68 Jahre alt, aus Rülfenrod in Oberheficn, Frau von Johann Reiser, und Marie Löffler, Tochter von Rudolph und Sophie Löffler aus Laubach in Brooklyn.
** Wenn der Wetterprophet Falb Recht behält, so wird zwischen dem 23. und 31. August eine gewitterreiche Episode mit starken Hagelstürmen und Niederschlägen eintreten. Die Tage vom 27. bis 30. August bezeichneten Falb als kritische Tage 1. Ordnung, in denen auch Ueberschwemmungen zu befürchten seien. Das sind trübe Aussichten auch für die Ferien- und Vergnügungsreisenden, denen aber zum Tröste mitgetheilt fei, daß ein ruhiger und trockener September zu erwarten sein soll.
** Zeitungswesen. Die bisher nur für häufiger erscheinende politische Zeitungen und Anzeigeblätter statthaften Zeitungsbestellungen für den zweiten und dritten oder für den dritten Monat im Vierteljahre sollen bei den Postanstalten im Reichspostgebiete vom 1. Januar 1895 ab auf alle vierteljährlich zu beziehenden Zeitungen und Zeitschriften, soweit deren Verleger sich damit einverstanden erklären, zu- gelaffen werden. Wegen Einführung dieses Verfahrens werden die Postanstalten mit den Zeitungsverlegern in Verbindung treten.
** Gelderhebuug bei der Post. Ein Vorkommniß aus dem Reiseverkehr, welches der „Westd. Allg. Ztg." mitgetheilt wird, ist eine Mahnung für die Reisenden, sich mit einem der Post genügend erscheinenden Legitimationspapier zu versehen. Ein Herr aus Hannover bekam nämlich eine Postanweisung und ging zur Post, um das Geld zu erheben, aber umsonst. Herr M. hatte als Legitimation eine Badekarte, ferner einen Brief, worin dem Adrefiaten geschrieben wurde, daß das Geld an ihn abgesandt, und endlich Steuerveranlagungen, sowie andere Legitimationen. Aber alles half nichts. Herr M. mußte eine Nacht noch in Köln aus diesem Grunde bleiben und erst andern Morgens bekam er das Geld, nachdem der Hotelbesitzer die Postanweisung mit unterzeichnet hatte. Die Post verlangt entweder Ausweis durch Paß, beziehungsweise durch Paßkarte, oder Bürgschaft des Gasthofbesitzers. Letztere wird — und mit Recht — vielfach verweigert, denn es ist doch beispielweise ein unbilliges Verlangen, daß der Wirth für die Persönlichkeit eines ihm gänzlich unbekannten Fremden sich verbürgen soll. Eine ordnungsmäßige Paßkarte beseitigt die bezüglichen Schwierigkeiten und schützt unter Umständen vor großen Verlegenheiten.
t Lich, 23. August. Der Bezirkslehrerverein Lich hält zur Feier des diesjährigen Ludwigstages nächsten Samstag eine Versammlung im „Holländischen Hof" dahier ab.
□ vadNauheim. 22. August. Zur Feier des Allerhöchsten Namenstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs findet Samstag, den 25. August, Abends von 8 bis 11 Uhr, im Concerthause des Kurhauses ein Fest- ball mit Cotillon statt. Mit Rücksicht auf die nicht mit Ballanzug versehenen geehrten Kurgäste wird Gesellschaftsanzug erbeten.
Friedberg, 22. August. Mit dem 1. September tritt hier eine staatlich organisirte „Anstalt zur technischen Verarbeitung und Verwerthung von Thtercadavern" für sämmt- liche Gemeinden des Kreises Friedberg ins Leben. Die Cadaver von gefallenem oder aus sanitären Gründen ge- tödtetem oder beim Schlachten als krank befundenem Vieh werden verbrannt. Die Gemeindewasenmeistereien treten außer Betrieb.
? Laubach, 23. August. Als vor mehreren Jahren eine Reihe von Nebenbahnen durch beide Ständekammern bewilligt wurde, befand sich darunter auch das Project „Fortsetzung der Nebenbahn Hungen-Laubach nach einem Punkt zwischen
Grünöerg und Mücke mit thunlichster Berücksichtigung des SeeenthaleS", welches von beiden Kammern Großherzogl. Ministerium unterbreitet worden war. Alsbald entbrannte ein lebhafter Meinungsaustausch um den Ausgangspunkt der Bahn, ob Grünberg oder Mücke. Dann ruhte die Sache und die Ausführung der Bahn schien auf unabsehbare Zeit verschoben. Daß dem jedoch nicht so ist, daß man vielmehr jetzt wieder der Ausführung des Kammerbeschluffes eine erneute Aufmerksamkeit widmet, geht aus der Anwesenheit eines Ingenieurs und Geometers hier hervor, welche im Auftrage Großh. Ministeriums die projectirte Fortsetzung der Bahnlinie einer genaueren Prüfung unterziehen und die Absteckung der betreffenden Linie durch Pfähle vornehmen sollen. Hoffen wir, daß bald hiernach die Ausführung der für den nordwestlichen Vogelsberg sehr wichtigen Bahnlinie in Angriff genommen und die Bahn selbst ihren natürlichen Ausgangspunkt „Mücke" erhält.
§ Ober-Ohmen, 23. August. Der hiesige, in den 60er Jahren stehende verwittwete Landwirth S. erhängte sich in seiner Scheune. Derselbe hatte das Hängen bereits schon im vorigen Jahre probirt, war aber noch rechtzeitig abgeschnitten worden. Jedenfalls hat Schwermuth bei dem in geordneten Vermögensverhältnissen lebenden Manne den Lebensüberdruß hervorgerusen.
R. Reichelsheim i. d. W., 18. August. Das Referat in Nr. 182, erstes Blatt, des „Gießener Anzeigers" über die Eisenbahnversammlung am 5. dss. Mts. im „Gasthaus zur Post" dahier wurde von dem „Niddaer Anzeigeblatt" Nr. 62 übernommen, welches in einem „Eingesandt" in Nr. 64 verschiedene Angaben des Referats bemängelt. Es ist über die hier in Betracht kommende Sache schon so viel Tinte vergossen und so viel Druckerschwärze verbraucht worden, daß man sie zur Ruhe kommen lassen sollte. Würde dies geschehen, so könnte sich der Herr Einsender des „Niddaer Anzeiger" einbilden, seine Bemängelungen stünden richtig- da dies aber nicht der Fall, bleibt nichts anderes übrig, als mit einigen Thatsachen zu antworten. Ob diese dem Herrn Einsender gefallen oder nicht, ist seine Sache- zum Schreiben werden wir uns nicht mehr veranlaßt finden. Es ist Thgtsache, daß von dem betreffenden Sachverständigen in der Bauabtheilung des Ministeriums die Ansicht ausgesprochen wurde: für die Strecke Ober-Widders- heim—Nidda ist ein zweites Geleise nöthig. Dieser Ausspruch hat jedenfalls mehr Werth, als die Privatanficht des Herrn Einsenders. Es ist Thatsache, daß zwei Seiten eines Dreiecks (hier: Echzell—Ober-Widdersheim und Ober Widders- Heim—Nidda) größer sind als die dritte Seite (hier Echzell- Nidda). Es ist Thatsache, daß die laufenden Unterhaltungskosten, die Abnutzung und Amortisation rc. auf einer längeren Strecke höher sind, als auf einer kürzeren. Es ist Thatsache, daß diese Kosten, weil sie für Jahrhunderte (so lange die Bahn besteht) beschafft werden müssen, eine sehr bedeutende Summe darstellen, welche allenfallsige Mehrkosten bei der Neuanlage über Salzhausen schon in wenigen Jahrzehnten weit überragen. ES ist Thatsache, daß von sämmtlichen 22 interessirten Gemeinden sich eine überwältigende Mehrheit für die Linie Echzell—Nidda ausspricht und ausgesprochen hat. Es ist Thatsache, daß die Städte Friedberg, Nidda, Schotten (d. h. Anfang, Mitte und Ende der Linie Friedberg—Schotten) durch das Ellenbogenstück Nidda—Ober- Widdersheim—Echzell belästigt und geschädigt werden. Es ist Thatsache, daß sich in allen staatlichen, communalen und privaten Verhältnissen die Interessen der unbedeutenden Minderheit denjenigen der überwältigenden Mehrheit anzubequemen haben, besonders wenn die Minderheitsinterefien durch Specialberücksichtigungen (wie z. B. hier bei den Personen- und Gütertarifen) noch extra geschützt und gefördert werden sollen. Bleiben noch einige Worte über die am Schluffe gestellte Frage: Warum werden die Versammlungen immer in Reichelsheim und nicht in Echzell abgehalten? hier anzufügen. Die Antwort ergibt sich am einfachsten durch einige Gegenfragen: Warum hat das kleinere Berstadt dem größeren Echzell den Rang mit der Zuckerfabrik abgelaufen,? Warum hat Echzell die Molkerei, die doch offenbar nach Echzell gehört, sich entschlüpfen lassen? Wie kommt es, daß die Zuckerfabrik im Jahre 1884 nach Stockheim gerieth, während sie doch nach Echzell gehört? Hat man in Echzell bei diesen früheren und gegenwärtigen Unternehwungkn dieselbe Energie, Rührigkeit und Voraussicht angewandt, wie es bei vielen kleineren Orten zu geschehen pflegt? Aus der Einladung zur Reichelsheimer Versammlung geht hervor, daß die dortige Gemeindevertretung und andere Interessenten sich aufrafften, um die wichtige Sache weiter zu fördern. Für Echzell wäre die Sache noch viel wichtiger als für Reichelsheim gewesen. Warum that man denn '.nicht denselben Schritt, den die Reichelsheimer thaten? Warum lud Echzell nicht ein? Alle Personen, die nach Reichelsheim gingen, wären auch nach Echzell gekommen. Die Herren in Echzell hätten es ganz in der Hand gehabt, eine Tagesordnung auf- zuftellen, wie sie ihnen am geeignetsten geschienen hätte. Jetzt, nachdem wieder einige Wochen ins Land gegangen, kommen die Herren mit ihren Bemängelungen. Wir leben im Zeitalter des Dampfes und der Electricität, da heißt es: scharf zusehen, klar denken, schnell und richtig angreifen. Wer dies versäumt, kann Anderen keine Schuld geben, wenn sich Mißerfolge zeigen.
P. Mainz, 22. August. Gartenbau-Aus st ellung. Zu der vom 15. bis 23. September dahier stattfindenden Gartenbau-Ausstellung haben 226 Aussteller 970 Gruppen gemeldet, ungefähr achtmal mehr Aussteller und Ausstellungsgruppen als bei den früheren großen Gartenbau-Ausstellungen in Mainz vertreten waren. Aus allen Theilen Deutschlands liegen Anmeldungen vor, besonders zahlreich von den Gärtnereien aus den Nachbarstädten Frankfurt a. M. und Wiesbaden. Ein Gärtner aus Wiesbaden wird u. A. einen vollständigen Wintergarten von 500 Quadratmetern Fläche ausstellen. Großartige Leistungen sind besonders in Deeorationsgruppen, Landschaftsgärtnerei, Bindereien und in
der Obst-Ausstellung zu erwarten. Im früheren Circusban sind die Bodenbewegungen zum Abschluß gebracht und die Beete mit Gras eingesäet und die gleiche Arbeit wird jetzt nach Schluß der Messe auf den Meßplätzen vorgenommen. Der Wafferfall mit Grotte, Bassins und Springbrunnen im Circus sind nahezu fertig gestellt. Links und rechts von der Grotte werden Dioramen angeordnet- das eine wird die Kaiser-Aacht in den norwegischen Gewässern, das andere eine Tropen-Parthie aus Deutsch-Ostafrika zur Darstellung bringen. Abends werden Wasserfalls Grotte und Dioramen von der Firma Schuckert u. Co. in verschiedenen Farben electrisch beleuchtet. Während der Ausstellung werden verschiedene einschlägige Gesellschaften, z. B. der d endr olo gische Verein, in Mainz ihre General- Versammlung halten. Der Voranschlag für die Ausstellung wurde auf 20000 Mk. in der Ausgabe festgestellt. Da die Ausstellung so groß wird, daß sie bei einmaligem Besuch nicht eingehend besichtigt werden kann, und da in Verbindung mit der Ausstellung Abend-Concerte, venetianische Gartenbeleuchtung u.s.w. veranstaltet werden, kommen Dutzendkarten L 4.50 Mk. zur Einführung.
Bingen, 21. August. Trotz des nicht sehr freundlichen Wetters hatte sich das Rochus fest einer überaus zahlreichen Betheiligung von Nah und Fern zu erfreuen. Schon in den frühesten Morgenstunden wimmelte unser Städtchen von Wallfahrern, die gegen 8 Uhr in einer endlosen Procession nach dem Rochusberge zogen, wo Bischof Dr. Haffner von Mainz unter freiem Himmel vor der nahezu vollendeten neuen und nur noch ihrer inneren Ausstattung harrenden Kapelle die Festpredigt hielt. Nach der kirchlichen Feier entwickelte sich auf dem Rochusberg wie auch in Bingen selbst das übliche volksthümliche Treiben, bei welchem die obligaten Bratwürste mit den Binger Schoppen in riesigen Quantitäten vertilgt wurden. Die Kapelle wie deren Umgebung sind so weit vollendet, daß bei dem nächstjährigen Rochusfest wohl die Einweihung stattfinden kann.
Ausland.
* m- Lützellinden, 21. August. Am Sonntag den 19. August fand die Einweihung der neuen Orgel zu Lützellinden statt. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich eingefunden, um dieser Feierlichkeit beizuwohnen. Nach» dem der Ortspfarrer die Weiherede gehalten, erbaute Herr Missionar Dann er t aus dem Hererolande in Südwestafrika die Festversammlung durch interessante Mittheilungen auS seiner Missionsthätigkeit. Der Brief eines Herero aus seiner früheren Gemeinde war der beste Beweis für die Cultur und die Bildung, die das Evangelium den Heiden bringt. Zum Schluffe hielt Herr Pfarrer Hepding von Großen - Linden eine erfrischende Ansprache, in der er dazu ermahnte, nicht müde zu werden in der Liebe. Tags zuvor hatte die Revision und Abnahme des von der Firma Gebr. Bernhard in Gambach erbauten Orgelwerks durch den königl. Seminar- Musiklehrer Herrn Albert Schmidt stattgesunden. Die eingehende Prüfung der äußeren und inneren Bestandteile der nach pneumatischem System erbauten Orgel ergab ein sehr zufriedenstellendes Resultat und ist ein ehrenvolles Zeugniß für die vortrefflichen Leistungen der oben genannten Firma. Gerühmt' wird in dem Revisionsprotocoll das vorzügliche Material, die exacte und feine Ausführung der einzelnen Theile, sowie der schöne, übersichtlich geordnete Bau des Innern. Sehr sinnreich ist die Röhrenpneumatik und äußerst prompt die Wirkung dieses Systems. Unter den Registern sind als sehr schön gelungen hervorzuheben: Viola di Gamba, Salicional und Principal. Eine wunderschöne Klangfarbe hat die Trompete, die dem vollen Werke eine auffällige Tonveränderung zuführt und in Verbindung mit den Baßregistern eine ganz imposante Wirkung auSübt. Das ganze Werk kann man also in seiner Ausführung, wie in seiner Tonwirkung als sehr gelungen und künstlerisch vollendet bezeichnen. Gleichzeitig mit der Einweihung der neuen Orgel wurde auch das neue Gesangbuch für Rheinland und Westfalen eingesührt.
* Löhnberg, 18. August. Der Mörder Wilhelm Rath- schlag, der am Sonntag hier ein Mädchen erstach, hat sich dem „Raff. B." zufolge heute Morgen der hiesigen Gerichtsbehörde freiwillig gestellt. Er gibt die That unumwunden zu. Unter Thränen versicherte er, daß es ihm jetzt außerordentlich leid thue, die unglückliche That begangen zu haben. Er habe das Mädchen sehr geliebt und sei, als es ihm am fraglichen Abend erklärt habe, es wolle ihn nicht heirathen^ ganz saffungslos gewesen- in seiner Erregung habe er den unglücklichen Stich gethan. Als er gehört hätte, daß das Mädchen tobt sei, sei er planlos in der Umgegend umher- geirrt- er finde jedoch nirgends Ruhe und deßhalb stelle er sich nunmehr dem Gericht, um für feine That zu büßen.
* D. Frankfurt a. M., 22. August. Im Zoologischen Garten hat in den letzten Wochen der Thierbestand besonder- reichen Zuwachs erhalten. Von der wegziehenden Karawane der Dinka-Neger blieben die beiden schönen Kameele zurück, für die Reptiliensammlung wurden Eidechsen, wie die Aldrovandi-Eidechse und die höchst eigentümliche Brückeneidechse von Neu-Seeland, für die man eine neue Thierklafie schaffen mußte, da sie in keine Gruppe hineinpaßte, angekauft. Besonders hat der Garten sein Augenmerk darauf gerichtet, Thiere zu erwerben, welche noch nie im Frankfurter Garten gelebt haben. So hat er jüngst die geäugte Warneidechse vom Somali Land in zwei großen, s/4 Meter großen Stücken angekauft- ferner das argentinische Kugelthier, eine Gürtelthierart, die sich bei der Berührung so fest zu einer Kugel ballt, daß man, ohne das Thier zu tödten, es nicht aufrollen kann. Ueberdieß hat eine Thierzählung am 1. Juli d. I. gezeigt, daß sich an diesem Tage über 1500 Thiere im Besitz des Gartens befanden, eine Zahl, die seit der Gründung des Gartens (1858) niemals erreicht worden ist.
* Berlin, 21. August. Der Tapezirer Paul Zimmermann hat gestern in seiner in der Demminerstraße belegenen Wohnung seinen neunjährigen Sohn Max durch einen Revolver»


