Ausgabe 
25.3.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 70 Erstes Blatt. Sonntag den 25. März

2)er Gießener ÄHjtifltt erldjeint lägt ich, mit Ausnahme de- Montags

Dte Gießener Aamisieu-sälter

Gießener Anzeiger

1894

BteNkljLbriger K-ounemeatsprei»: 2 Mark 90 Vffl- mit Bringerlohn. Durch die Poft bezöget» 2 Mark 50 Pig.

Bedoction, Erpeditio» und Druckerei:

Kchusstrahe Tlx.l.

Kerniprecher 51.

llcbcrjidjt -er Rechnung für das Jahr 1893.

(Vinnrtl)inc.

Hassebestand beim vorigen Abschluß . . . Jahresbeiträge der Mitglieder . . . .

Schenkungen und Vermächtnisse . . . .

Stiftungszinsen Zuschüsse aus anderen Kassen . . . .

Dankopser (für Krankenpflege . . . .

Aus der Krippe Aus dem Miethspatronat Kapitalziusen Zurückempfangene Kapitalien Sonstige Einnahmen Einnahme aus der Haushaltnngsschulc Kochschule)

Mk. 35.52 4590.30 2105.70 321.40

1300.

767.50

392.24 2545.65

196.35 4802.50

1129.

230.90

Mk. 18417.06

B.

Ausgabe.

Unterstützungen Mk. 4960.60

Krankenpflege und Krippe 5696.43

Für das Miethspatronat 1585.24

Für die Haushaltungsschule 1213.52

Verwaltungskosten........ 329.02

Sonstige Ausgaben........ 225.87

Ausgelichenc Kapitalien 4041.34

Sa. Mk. 18052.02

C.

Hierzu Lassebeftand beim diesjährigen Rech­nungsabschluß 365.04

Sa. Mk. 18417.06

Gießen, den 3. Februar 1894.

Der Rechner:

M. Wilker.

r Gieszen.

Ännoncen-Buream de» In. und Auslands nehmen (eigen für dentSteßener Änjeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten»

ff- telegriwhtsche« Correspondmr-Bureau.

^3. März. Ihre Majestäten der Deutsche die Deutsche Kaiserin nebst den Kaiser!, en heute Vormittag in der Billa Amalta de» ger Fromme! abgehaltenen Gottesdienste bei ich sodann auf dem nördlichen Strandweg nach vesuche der Großherzogin von ToScana. MtttagS ückkehr auf demselben Wege.

coU» unb provinzieller.

Gieße», den 24. März 1894.

i fällt dieses Jahr aus ei.ien der frühmögliche« ic, der in diesem zu Ende gehenden 'Jahr- wieder vorkommt. Volle vier Wochen beträgt der gegen den spätesten Osterzettpunkt, den 25. April.

hat allerdings seinen kalendarischen Einzug «tag, also vier Tage früher, gehalten und zwar irklich herrlichen Frühlingstag. Frühling und eschwister, aber doch ist bei einer solchen Früh- ersesteS sagen wir scheinbar nur wenig schwisterschast zu erblicken. Wohl hat bereit- 1 die Vorboten deS Lenzes mit seinem Auser- e begrüßt und auch Blauveilchen lugt schon llerdingS noch verhüllten Köpfchen unter der cke hervor, aber noch leuchten vom Gebirge die -üben deS Winters, der immer noch ntcht ganz iumt und noch Nachtgefechte liefert. Dazu ver- ;e Nord- und Oststürme die Avantgarde deS enzeS. Aber er wird doch kommen und bald feinen siegreichen Einzug halten. In der ge- cttt der Natur, da schafft und wirkt und treibt m Winterschlafe zur Auferstehung. Wir sehen üeseS Wirkens in dem Schwellen der Knospen, en der Gräser, kurz in dem sich regenden neuen lese Frühlingshoffnung bestätigt uns der Gesang er verkündet: die lange Nacht ist hin, erlöst

Sinn. Also trotz der Frühfeier des geist- stes geht mir ihm Hand in Hand das Ostern rin Osterhasen. ES ist Schonzeit, die Hasen tört ihrer wichtigen Mission, dem Brutgeschäst,

Brül-Oiche (Rv. 66r. Pierjch) in dienen.

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hatte. Am Charfreitag brachte der Postdampfer von Neapel die Aetnafahrer in Palermo ans Land, Alle in Loden, Otto mit Rucksack und Eisv'ckel, drei Mann hoch mit Photo­graphenkasten. So konnte kein schöner Moment der Reise uns entgehen.

Verschiedene Tage später hatte Castrogiovaoni die Freude, unS in seinen Mauern zu sehen. Wer Sizilien besucht, sollte hier nicht vorüberfahren, wie dies meistens geschieht. Denn das alte Enna liegt fast genau im Schwerpunkt deS Dreiecks der Trinacrta, in stolzer Höhe über den Thälern ringsum, so daß man vom Schloßthurm La Rocca eine entzückende Aussicht über die ganze Insel genießt, vor Allem aus ihn, der das Zwergvolk der andern Berge gewaltig überragt, auf den Aetna. Er lag klar und wolkenlos vor

vom Gipfel entfernt, aber doch ist die Stadt fast ganz auf vulkanischer Asche und Lava erbaut, deren mächtige Ströme zu beiden Seiten des Hafens ihre Gluthen im Meer gelöscht haben. Wo dieser Feuerboden genügend verwittert ist, ent­sproßt ihm ein WachSlhum, das in Europa wohl selten seinesgleichen findet. DaS im durchklüsteten Gestein des oberen Bergkegels spurlos versickernde Regen- nnd Schnee- schmelzwaffer tritt hier unten in zahllosen Quellen zu Tage. Wa aber unter diesem milden Himmel nachhaltige Feuchtigkeit vorhanden ist, da sproßt ein wahres Paradies von Orangen und Limonen, dazwischen breitblättrige Feigen, dichtlaubige Karuben und zierliche Mandelbäume, mannshohe Hecken von Geranien, breitblättrige KakruS ,n phantastischen Gestalten, hohe Blüthenstengel der Agaven, Rosen über Rosen und

n vielerlei Art. DaS blüht und leuchtet und rsend Farben um den Grundaccord Grün, daS iftct und umschmeichelt die Sinne! Verzeihe« ch die Pflanzen ntcht alle nenne- doch erstens Schall und Rauch", und zweüenS weiß ich der himmlisch oder richtiger irdtscy schön istS, wnnig, daß auch die steifen Palmen nicht mehr rpflanzen erscheinen, sondern ganz als dorthin

Nicolosi, von wo unsere große Karavane mit , drei Trägern und sieben Mauleseln nebst zn- jungen um E/,12 Uhr unter den Segenswünschen chied zahlreich versammelten Ortsbewohner auf- r, wurde die Landschaft bald eine Zone nörd- Weg führte um dte ZwillingSkegel der Monti aus denen vor zweihundert Jahren dte Lava h der Stadt Catania gefloffen ist, von der sie :n Schleier der heiligen Agathe zurückgescheucht feinem Schlackensand und glattem Gestein ritten tschen den aus Lavabrockeu locker gefügten uern der Weingärten schattenlos berMuf mit jung; aber jede Wegebiegung zeigte, daß wir oorstiegen. Tief unten lagen die Agrumengärten, ne Jahreszeit den Vorzug besitzen, glühende zugleich mit den berauschend süß duftenden cagen. Die Kirschen glänzten dort schon roth, Pfirsiche und Mandeln hatten Früchte angesetzt. Hier oben waren sie noch in Blüthe. DaS zarte Weiß und Roth stand trefflich zum frischen Blattgrün der Fruchtbäume und Reben, und Beides paßte wie gemalt zur braunrothen Erde. Noch weiter oben ginge über den zackigen Lavaftrom von 1886 hinweg in den Kastanienwald, in dessen Mitte die Waldwärterhütte(Sofa del BoSco" liegt, wo die Thiere vor dem hier beginnenden steileren Aufstieg gettänkt werden, falls nicht etwa der Brunnen verschlossen ist. Des lieben Sonntags wegen war aber Niemand zu HauS, und unsere Eselein mußten warten bis zum Schnee.

(Fortfttzung folgt.)