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25.2.1894 Erstes Blatt
 
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KriegSminister Bronsart v. Schellendorff erwidert, daß trotz "der Heeresverstärkungen der letzten Jahre das Anwachsen des Pensionsfonds von 188993 nicht größer war alS von 188489. Auch ist der Mehrbedarf an Pensionen für Oififiere und Beamte in einem kleineren Procentsatze gestiegen, als der für die Mannschaften. Die Zahl der Pensiontrungen hat in den letzten Jahren keineswegs unverhältntßmäßig zugenommen. Von einer besonderen Verjüngung der Armee kann man nicht reden. Das Durchschnittsalter der Generale ist jetzt 61, genau so wie seit Jahren. Ebenso ist seit Jahren das Durchschnittsalter der Generallieutenants, RegimentS- commandeure u. s. w. nicht heruntergegangen. Die meisten Offiziere suchen ihren Abschied selbst nach, wenn sie fühlen, daß sie ihrer Stellung nicht mehr gewachsen sind. Im Kriegsfälle sind die pen- fiontrten Offiziere sehr werthvoll, aber sie werden dann in Stellungen verwendet, wo ihnen geringereAufgaben gestellt werden. (Beifall rechts.) Abg. Pie schell (ntl.) führt Beschwerde über Härten und Un­gleichheiten bet der Penfionirung von Offizieren. Die Budaet- commission fei von ihrer Beschlußfassung über die v. Schöning'sche Resolution zurückgekommen, weil erst die Beschlußfassung über die Vorlage betr. die Entnahme von 67 Millionen aus dem Jnvaliden- fonds zur Verstärkung der Betriebsmittel des Reiches abzuwarten sei. Redner wünscht gleichmäßigere Behandlung der im Staats- und Eommunaldtenst beschäftigten inactiven Offiziere. Auch den im Staatsdienst befindlichen sollte ihr Gehalt nicht auf die Pension angerechnet werden dürfen.

Abg. Bebel hält seine Ausführungen aufrecht. Die Mehrzahl der Pensiontrungen werde durch blaue Briefe veranlaßt. Leute im kräftigsten Mannesalter, namentlich bürgerliche, würden durch diese Briefe gezwungen, den Abschied zu nehmen. Bei den Offizieren in den höchsten Dienststellungen sei das Durchschnittsalter t1889 bis 1891 von 67 auf 61 Jahre gesunken.

KriegSminister Bronsart v. Schellendorff: Die blauen Briefe würden da, wo sie sich als notwendig erwiesen, von den Empfängern gern angenommen. Eine Bevorzugung adeliger Offi­ziere finde nicht statt.

Generallieutenant v. Spitz: Daß es sich bet den Offizierm im Allgemeinen um kräftige Personen handle, sei richtig, aber rheu­matische und Lungenentzündungen, wie solche die Thätigkeit der Osfiziere mit sich bringen, nöthigten vielfach zu Pensiontrungen.

Aba. Bebel verweist auf ihm zugegangene Klagen über unfrei­willige Penfionirung.

Minister Bronsart von Schellendorff wiederholt, daß für die oberste Heeresverwaltung nur mangelnde Leistungsfähigkeit bei den Pensiontrungen entscheide.

Der Etat wird genehmigt und die Resolution v. Schöning angenommen.

Der Etat des Jnvalidenfonds wird debattelos ange­nommen.

Beim Etat der Reichs-Justizverwaltung führen Abgg. v. Saltsch (cons.) und Sachse (conf. Hosp) Beschwerde über die Art der Führung der Standesamtsregtster: Papierverschwendung, ungeschickte und unverständliche Abfassung der Protocolle, Umständ­lichkeiten bei Erthetlung von Auszügen. Der Bundesrath hätte dem durch geeignete Ausführungs-Anweisungen vorbeugen müffen.

Staatssecretär Nieberding gibt das Vorhandensein kleiner Mängel zu; die Abstellung derselben müsse aber vorwiegend durch die Landesoerwaltungen erfolgen. Auf eine Anfrage des Abg. vr. Bachem erwidert der Staatssecretär: er hoffe, die Arbeiten der Commission für das bürgerliche Gesetzbuch würden in nicht allzu langer Zeit zum Abschluß kommen. Die allgemeinen Grundsätze, das Obligationenrecht und das Sachenrecht sind abgeschloffen oder doch dem Abschluß nahe. Das Erbrecht werde hoffentlich im Frühjahr 1895 fertiggestellt sein. Dann werde man an daS Etnführungsgesetz herantreten, das allerdings einige Schwierigkeiten in sich schließe. Aber auch das Etnführungsgesetz weide wohl im Spätherbst 1895 fertig werden können. Der Reichskanzler habe beim Bundesrathe beantragt, daß die Etnzelregierungen schon jetzt die bereits fertigen Thetle des Gefammtwerks in Berathung nehmen. Es sei deshalb zu erwarten, daß auch der Bundesrath schon im Spätherbst 1895 Stellung zu dem Gesetzentwurf werde nehmen können. Wenn dann der Reichstag der Sache ebensolchen Fortgang gebe, würde das Gesetzbuch binnen verhältnißmäßtg kurzer Zeit fertig werden.

Abg. Dr. o. Cuny (natl.) weist als Mitglied der Commission für die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs den vom Abg. Schröder gegen die Commission erhobenen Vorwurf zurück, daß sie fich zu sehr auf juristische Detailfragen eingelassen habe. Die Com­mission müsse die an den Beschlüffen der ersten Lesung von der Oeffentlichkett geübte Kritik berücksichtigen.

Der Etat wird genehmigt.

Beim Etat des RetchS-Eifenbahnamts wünscht Abg. vr. Hammacher reichS-, nicht landesgesetzltche Regelung des Pfand­rechts an Eisenbahnen.

Präsident Schulz erwidert, es sei nicht angängig, ein solches Specialgesetz zu erlassen, ehe nicht das Pfandrecht im Allgemeinen in dem bürgerlichen Gesetzbuch geregelt sei. An sich sei die Frage aber dringlich, weshalb in Preußen mit landesgesetzlicher Regelung vorgegangen werde.

Der Etat wird genehmigt.

Montag 1 Uhr: Erste Berathung des Handelsvertrags mit Rußland.

Neueste Kad?rtd?teit>

Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau.

Berlin, 23. Februar. Dem heutigen parlamentari­schen Diner beim Staatssecretär Bötticher wohnte der Kaiser bei, der Abends 7 Uhr erschien. Anwesend waren außerdem Reichskanzler Caprivi, Staatssecretär Stephan, die Minister Miquel und Thielen, die Präsidenten Levetzow und Köller und die Abgeordneten Koszielsky, Prinz Arenberg, die Grafen Douglas, Holstein, Saurma und andere.

Paris, 23. Februar. Die Haussuchungen bei Anarchisten wurden fortgesetzt. Die Polizeipräfectur be­wahrt über die Ergebnisse derselben Schweigen- man weiß nur, daß die Haussuchungen mit den Attentaten im Faubourg Saint Martin und in der Rue Saint Jacques Zusammen­hängen.

London, 23. Februar. Die Beerdigung Bourdins auf dem Friedhöfe in Finchly verlief ohne größere Störungen. Auf dem Wege durch die von einer großen Volksmenge be­setzten Straßen Londons umgab zumeist der der Arbeiterklaffe angehörige Theil den Leichenzug und rief:Nieder mit den Anarchisten!" und bewarf den Leichenwagen mit Koth. Aus dem Kirchhofe versuchte der Anarchist Quinn vor der Menge zu sprechen, er wurde aber von der Polizei daran verhindert und weggeführt. Eine Anzahl Studenten der Medicin und andere zertrümmerten heute die Fensterscheiben im Club derAutonomie". Die Polizei stellte die Ruhe her und verhaftete mehrere Personen.

Petersburg, 23. Februar. Herr v. Giers verbrachte die Nacht bester, die Athemnoth kann jedoch nur durch künst­liche Athmung gelindert werden.

Depeschen des Bureau »Herold*.

Berlin, 23. Februar. Der Kaiser hat für die Hinter­bliebenen der auf derBrandenburg" Verunglückten aus

seiner Privatschatuüe eine größere Summe auSgeworfen. Aehnliche Zuwendungen sollen von sämmtlichen Mitgliedern des Königlichen Hauses beabsichtigt sein.

Berlin, 23. Februar. Im Hinblick auf den Appell der Prinzessin Heinrich an die Mildthätigkeit für die Hinterbliebenen der Opfer derBrandenburg"-Katastrophe verlangt derVorwärts", daß das Reich für eine ausreichende Unterstützung der Hmterbliebenen sorge, weil man das nicht der Privatwohllhätigkeit überlasten dürfe.

Berlin, 23. Februar. Nach demLocalanzeiger" wird der Czar nach der Annahme des Handelsvertrags Anfangs Sommer nach Berlin kommen, um dem Kaiser für seine Bemühungen bei dem Zustandekommen des Vertrages per­sönlich zu danken.

Berlin, 23. Februar. Die Fractionen des Reichstages haben bereits ihre Stellung zum deutsch-russischen Handelsvertrag gekennzeichnet. Die Polen wollen dafür stimmen, die Conservativen dagegen- von der Reichspartei und den Nationalliberalen wird ein großer Theil dagegen stimmen. Das Centrum wird sich heute Abend entscheiden.

Berlin, 23. Februar. Die Währungs-Enquete- Commission hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, ihre Verhandlungen geheim zu halten. Die Berathungen wurden um vierzehn Tage vertagt, um das eingegangene Material zu bearbeiten.

Berlin, 23. Februar. Wie verlautet, erfolgt die Ueb er­gäbe des neuen Reichstagsgebäudes an das Reich definitiv am 1. October 1894.

Berlin, 23. Februar. Vor dem Landgericht I dahier wurde heute über zwei Anarchistenprozesse verhandelt. Die Anarchisten, Maschinenbauer Pawlowitsch und der Tuch­macher Petersdorf, wurden wegen Aufreizung zum Klastenhaß angeklagt- die Verhandlung gegen ersteren wurde vertagt, letzterer zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. In dem zweiten Anarchistenprozeß wurde der Angeklagte Pawlowitsch zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt.

Hamburg, 23. Februar. DieHamburger Nachrichten" fordern eine strenge Bestrafung desVulkan" in Stettin, da derselbe offenbar das Unglück auf dem Panzer­schiffeBrandenburg" verschuldet hat.

Wien, 23. Februar. Anläßlich seines vierzigjährigen' Ehejubiläums, welches auf den 24. April fällt, wird der Kaiser eine Amnestie erlassen, welche auch die zu leichteren Strafen verurteilten Omladtnisten betreffen wird. Wie es heißt, soll auch am 24. April der Ausnahmezustand in Prag aufgehoben werden.

Budapest, 23. Februar. In der Presse wird lebhaft ein Brief Kossuths besprochen, in dem der alte Revolutionär heftig gegen diejenigen seiner Anhänger polemisirt, die nicht bedingungslos für die Civilehe eintreten.

Abbazia, 23. Februar. Die Villa Angeolina nebst an­grenzenden Gebäuden ist für die am 10. März hier ein­treffende deutsche Kaiserfamilie gemiethet worden. Kaiser Wilhelm, der erst später zum Befuche kommt, wird einer großen Regatta beiwohnen und beabsichtigt dann auf der englischen AachtChrtstabel" einen Ausflug in die dalma­tinischen Gewässer zu unternehmen.

Paris, 23. Februar. Der Staatsanwalt, welcher im Proceß Vaillant fungirte, erhielt einen Drohbrief, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß Emil Henry durch einen Freund gerächt werden solle und daß der Staatsanwalt eines der ersten Opfer sein werde.

Paris, 23. Februar. In dem heute gegen den Anar­chisten Leauthien, welcher den Mordanfall auf den serbi­schen Gesandten Georgewitsch verübt hat, begonnenen Pro- c e s s e beantragte der Generalstaatsanwalt die T o d e s st r a f e. Der Vertheidiger des Angeklagten, Lagasse, plaidirte auf mildernde Umstände. Achtzehn Zeugen waren geladen. Das Urtheil steht noch aus.

Paris, 23. Februar. Die Gruppe der socialisttschen Abgeordneten beschloß zu Gunsten der socialisttschen Candi- daten bei den Kammerstichwahlen ein Manifest zu erlassen, in welchem die Anarchisten als einfältige Attentäter be­zeichnet und die Attentate verurtheilt werden sollen.

Loudon, 23. Februar. Die Verhandlungen zwischen den Mächten führten bereits ein vorläufiges practisches Ein- verständniß über sofort zu ergreifende Maßregeln betreffs gegenseitiger Unterstützung in der Ueberwachung und Verfolgung der Anarchisten durch die Polizei der interessirten Länder herbei. Die englische Polizei handelt vollständig gemeinsam mit den hierhergesandlen Polizisten der Continentalmächte - sämmtliche Maßregeln werden gemeinsam berathen und beschlossen.

London, 23. Februar. Die Friedensliga nahm die Re­solution an, an Gladstone und Salisbury Petitionen zu richten, in welchen dieselben ersucht werden, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß England, Frankreich, Deutsch­land, Oesterreich und Italien sich zur Einrichtung von Schiedsgerichten erklären. Die Memoranden werden durch Specialcommissäre allen europäischen Höfen übermittelt.

Belgrad, 23. Februar. Die Säuberung der Stadt von den scandalmachenden Elementen wird eifrig fort­gesetzt. Gestern wurden abermals 50 Personen verhaftet.

totales rrnd provinzielles.

Gießen, den 24. Februar 1894.

** Der Vorstand der Alice-Schule zu Gießen hat, mehrfach geäußerten Wünschen entsprechend, eine Reorganisation des Lehrplans in der Weise beschlossen, daß die einzelnen Curse (Kleidermachen, Weißzeugnähen mit Maschine und Hand, Sticken, Flicken, Kunstwäscherei, Kochen, Bügeln, Zeichnen und Buchführung) sich so aneinander reihen und ineinander­greifen, daß sie im Laufe eines Jahres sämmtlich besucht und absolvirt werden können. Dabei können auswärtige Schülerinnen bei den Lehrerinnen der Aliceschule, (Fräulein Möser Gartenstraße 30 und Fräulein Decker, Sonnen­straße 8) zum Preise von 40 Mark im Monate Pension

(außer Mittagstisch) und Familienanschluß finden, während das Mittageffen in der Aliceschule zu 50 Pfg. pr. Tag für die Schülerinnen berechnet ist. Die Kosten des Unterrichts in allen obengenannten Fächern betragen: 144 Mark, das Mittagessen (mit Ausschluß der sechswöchentlichen Ferien) 101,50 Mark, die sonstige Pension (mit Ausschluß der sechswöchentlichen Ferien) 420 Mark, die Gesammtkosten der Ausbildung innerhalb eines Jahres demnach: 725,50 Mk. Wenn nun auch in der Folge der Besuch der Schule auf einzelne oder einige Curse, wie bisher, beschränkt werden kann, so darf doch denjenigen jungen Damen, welche eine vollkommene Ausbildung in den weiblichen Fertigkeiten­erstreben, der Besuch eines vollständigen Jahrescurses dringend ans Herz gelegt werden- zu den obigen Preisen wird kaum anderswo Gelegenheit zu einer gleichen Ausbildung gegeben werden. Am 2. April beginnt das neue Schuljahr.

** Kammermusik. Der vierte Kammermusikabend in der Loge findet nächsten Dienstag oder Mittwoch Abends 7^2 Uhr statt. Das Programm enthält als Hauptvummer Schuberts herrliches Forellenquintett, welches hier fett längerer Zeit nicht zu Gehör gebracht wurde und daher sicher eine große Anziehungskraft ausüben wird. Außerdem werden ein Trio von Mozart (Nr. 5, C-dur) und Lieder für Bariton (Herr Polster) mit Pianoforte-Begleitung zum Vortrag gelangen, und es ist somit zu erwarten, daß das Concert seinen Vorgängern nicht nachstehen wird.

** Neues Theater. Wie uns Seitens der Direction F. Baars mitgetheilt worden, wird die für dieses Früh­jahr geplante Theatersaison auf die Herbst- und Wintersaison verlegt, beginnend mit Mitte September. Grund zu dieser Spielzeit-Verlegung gaben hauptsächlich die erst im Laufe des Sommers vorzunehmenden baulichen Veränderungen und Neu-Einrichtungen des Theaterlocals imCafe Leib", welche die jetzigen Besitzer desselben (Herren Gebrüder Schwang vorzunehmen beabsichtigen. Die Direction Baars, welche sich dahjer großer Sympathie durch die anerkennenswerthen Leistungen in Schauspiel und Operette erfreut, wird aufs Neue bemüht sein, das Beste der neueren und alten Bühnen- Schöpfungen zu bieten.

** Der CentralauSschuß des Vogelsberger HöheuclubS widmet dem unlängst verstorbenen Herrn Oberamtsrichter Fvitz in Butzbach einen warmen Nachruf, an dessen Schluffe nach Erwähnung der emsigen Thätigkeit des Verstorbenen als Liedercomponist (er componirte u. A. für das Liederbuch des Vereins mehr als 20 Vogelsberglieder) es heißt:Alle diese Herzensklänge waren seinem Höhen-Club gewidmet und sie alle sind durchdrungen von wahrer Heimathliebe. Mir den Dichtern der Höhenclub-Lieder in Freundschaft verbunden, wie diese von der gleichen Begeisterung für unseren Vogelsberg erfüllt, traf er mit seinen Tönen das Herz aller Vogelsberger, mit seinemDir meinem Vogelsberg" das Herz des Volkes. Möge dieses herzinnige Lied weiter klingen bis in ferne Zeit: und Kunde davon geben, daß die Liebe zur Heimath auch in unserem abgeschlossenen Erdenwinkel noch mächtig rege ist und die Dankbarkeit niemals erlischt!"

** Turnerisches. Wir erhalten folgende Zuschrift: Durch die Zeitungen geht dermalen eine Mittheilung über die ge­plante Pftng st-Turnfahrt des Mainzer Turn­vereins nach Italien, die als eine allgemeine für die Deutschen Turner gestaltet werden und u. A. auch ein Zu­sammentreffen mit den italienischen Turnern in sich begreifen soll. Abgesehen davon, daß es wenig schicklich und durchaus nicht turnerisch ist, die Deutsche Turnerschaft zwei Monate vor dem 8. Deutschen Turnfest zu einer, dieses Fest unbe­dingt schädigenden Vergnügungsfahrt nach Italien einzuladen, muß auch hervorgehoben werden, daß. die geplante Turnsahrt einPrivat - Unternehmen" des Mainzer Turnvereins ist, das hoffentlich und voraussichtlich auf Theilnehmer aus diesem Verein beschränkt bleibt. Ob zu einer Maffen-Turn- fahrt in so kurzer Zeit die nöthigen Vorbereitungen geschehen können, um die Theilnahme zu einer billigen und was die Hauptsache ist unterrichtlichen zu gestalten, ist ein weiteres Bedenken gegen das Project. Wir können demnach nur dringend anrathen, daß unsere Turngenossen diesem Lockruf nicht folgen, sondern Zeit, Kräfte und Geld für das Deutsche Turnfest in Breslau bereit halten. Die Vorstände der übrigen Deutschen Turnkreise ersuchen wir, sich dieser Kund­gebung anzuschließen. Für den Ausschuß des Mittel­rheinischen Turnkreises: Fritz Heidecker, Kreisturnwart, Karl Rothermel, Kreisvertreter. Wiesbaden und Darm­stadt, den 23. Februar 1894.

** Zwölftes MittelrheinifcheS Musikfest in Darmstadt. ES ist gewiß für alle beiheiligten Kreise von großem Interesse, zu erfahren, daß Se. Kgl. Hoh. der Großherzog das Protectorat über das 12. Mittelrheinische Musikfest über­nommen hat. Der Deputation gegenüber, welche aus diesem Anlaß die Ehre einer Audienz hatte, erklärte sich der Groß­herzog nicht nursehr gern" zur Uebernahme dieses Pro- tectorats bereit, sondern erkundigte sich auch mit sichtlicher Theilnahme nach verschiedenen Einzelheiten des Festes, wie z. B. Programm, in Aussicht genommene Solisten, Festhalle und dergl.

* Zom Kraukenkaffeuwesen. Wenn man mit einiger Aufmerksamkeit die Wirkungen der socialpolitischen Gesetz­gebung verfolgt, kann man sich der Erkenntniß nicht ver­schließen, daß solche den hiervon berührten Kreisen weitgehende Wohlthaten und große Erleichterungen in den Wechselfällen des Lebens bis jetzt zugeführt hat und fernerhin zuführen wird. Erfreulich ist es daher auch, daß das Derständniß in den Kreisen der Betheiligten für die zu ihren Gunsten unter­nommenen Maßregeln der Gesetzgebung wächst, wie auch das Bestreben Seitens der getroffenen Wohlfahrtseinrichtungen^ nicht bloß den gesetzlichen Mindestleistungen zu genügen, sondern möglichst weit hierüber hinauszusehen. So können wir conftatiren, daß eine hiesige Betriebskrankenkasse kürzlich ihre Leistungen, ohne Erhöhung der Beiträge, von