StaatSprocuratorS Knyn zwei preußischen Gendarmen zum Transport nach Coblenz übergeben wurde. Durch sein unbefangenes Benehmen gewann alsbald MoraS daS volle Vertrauen seiner unfreiwilligen Begleiter, so daß er ungehindert auf dem Deck de- Dampfers promentren konnte. An der WestphalS-Aue den signalifirten Kahn mit dem weiß» gekleideten Schiffer bemerkend, machte MoraS in einem kurzen Abstand von der Insel den kühnen Sprung in die Wellen, wobei mehrere auf dem Schiffe anwesende Fremde ihm den Rücken vor der ersten Verfolgung deckten. Während sich die Gendarmen noch nicht von ihrem ersten Schrecken erholt hatten, hatte Moras bereits den zu seiner Rettung bestimmten Nachen erreicht- Metternich entriß ihn mit zwei anderen kräftigen Armen dem nassen Element und mit kräftigen Ruderstößen ging eS nach der WestphalS-Aue, die man eben erreichte, als ein Nachen zur Verfolgung von dem Dampfer Herabgelaffen wurde. Eilenden Schrittes die Insel passirend, nahm au dem jenseitigen Ufer derselben ein zweiter Kahn die Flüchtigen auf und brachte sie in der Gegend von Erbach an das nassauische Ufer, wo in einiger Entfernung ein mit zwei kräftigen Rappen bespannter Wagen bereit stand, der Moras und Metternich in sausendem Galopp nach Wiesbaden brachte. Als Engländer zurecht gestutzt, fand MoraS hier zunächst in einer englischen Familie Unterkunft, um den andern Tag den Weg in das Ausland zu nehmen. Doch am Abend trat noch ein Zwischenfall ein, der beinahe den weiteren Theil der Flucht vereitelt hätte. Die Reise- kaffe MoraS bestand nämlich in einem 1000 FrancS-Billet, dessen Umwechselung ein Freund an der damals bestehenden Spielbank besorgen wollte, sich dabei aber verleiten ließ, sein Glück im Spiel zu versuchen, wobei er indeß das ganze Geld verlor. Nicht ohne Schwierigkeit verschaffte Metternich den anderen Tag wieder Geld, so daß Moras mit einem unvorgesehenen Aufenthalt den zweiten Tag als Engländer verkleidet die Flucht über Frankfurt-Darmstadt-Heidelberg nach Basel fortsetzen konnte. — Nach Niederschlagung der Erhebung im Jahre 1848 flüchtete Metternich nach Amerika und nahm lebhaften Antheil an dem dortigen Freiheitskrieg, bis ihn im Jahre 1862 der Tod ereilte.
Maiuz, 22. October. In dem naheliegenden M arien - boru ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag der Tanzsaal des Herrn Konrad Secker zusammengestürzt, alles WirthschaftSgeräthe wurde dabei zertrümmert, auch sind Hühner und Gänse umgekommen.
Ans dem Odenwald, 23. October. Ein für weitere Kreise wichtiges Urtheil wurde kürzlich von einem benachbarten badischen Schöffengericht gefällt. Ein Schüler wurde wegen Trägheit im Turnunterrichte von seinem Lehrer damit gestraft, daß er den Dauerlauf um den Turnplatz einmal allein vornehmen mußte. Ein Straßenpassanr rief dem Schüler zu, er sollte sich das nicht gefallen lassen und nach
Hause laufen, daS sei eine „Unverschämtheit". Auf seitens > der vorgesetzten Behörde deS Lehrers erhobene Klage bei den Gerichtsbehörden wurde der Angeklagte wegen öffentlicher Aufforderung zum Ungehorsam und Beleidigung des in rechtmäßiger Ausübung seines Berufes befindlichen Lehrers zu 50 Mark Geldbuße, eventuell 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt.
in gewaltsamer Weise ihr Leben.
Ve*«tschter.
• Hanau, 19. October. Eia glückliches Gemeinwesen ist die Stadt Orb, Soolbad im Spessart. ES werden dort bei einer Bevölkerung von 3300 Seelen außer Hundesteuer keinerlei Communalsteuern erhoben, und es ist in jedem Jahr ein Etatsüberschuß zu verzeichnen. Die Stadt besitzt einen Wald von 3400 Hectar, eine Saline und ein Vermögen von 2,500,000 Mk. Eine Wasserleitung und ein ElectricitätS- werk sind in Aussicht genommen. Um den Anschluß der Stadl an den Bahnverkehr recht bald zu ermöglichen, sind die städtischen Behörden bereit, das zu einem Bahnbau erforderliche Gelände eventuell dem FiSkuS oder einer Gesellschaft kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
* Hanau, 21. October. Die Restauration im hiesigen Oftbahnhofe wird in aller Kürze leihfähig. Der weithin bekannte bisherige Pächter, Herr Deckelmayer, welcher ein halbes Menschenalter hindurch mit kundiger Hand die Restauration leitete, tritt nämlich freiwillig zurück. Bei der Eisenbahndirection zu Frankfurt a. M. sind bereits über 70 Submissionen auf Restaurationsübernahme auS allen Gegenden eingelaufen. Der bisherige JahreSpachtpreiS betrug 4200 Mk. Die künftige Pachtsumme wird 10 000 Mk. jährlich voraussichtlich weit übersteigen.
* Bonn, 20. October. Die Bonner Studentenschaft hat der „Neuen Bonner Zeitung" zufolge auf Antrag der Burschenschaft „Allemannia" beschlossen, die gesammte deutsche Studentenschaft aufzusordern, dem Fürsten Bismarck zu dessen 80. G.burtstage eine Ehrengabe darzubringen. Eine Versammlung von Vertretern aller Hochschulen, die in Berlin tagen soll, wird über die Art der Huldigung Näheres beschließen. •
♦ Siegburg, 21. October. Der Eisenbahn-Maschinist Segschneider von hier, verheirathet und Vater von vier Kindern, verunglückte gestern bei Derschlag- er gerieth unter den Zug, der ihm einen Arm und beide Beine abfuhr.
* Waruemüude, 20. October. Der hier einlaufende Dampfer „Ltvadia" traf unweit der dänischen Küste ein Boot mit sechs männlichen Leichen, anscheinend verhungerte Schiffbrüchige, und lieferte dieselben in Kopenhagen ab.
* In Berlin verlieren jährlich etwa 1000 Menschen
Vielleicht ein Drittel davon entfällt auf die Rubrik „Selbstmord."
* Rationaldevkmal für Moltke. AuS Norddeutschland wird geschrieben: Es bedarf wohl nur einer Anregung, um die maßgebenden Persönlichkeiten zu veranlassen, ein Comitv zu bilden zur Errichtung eines Nationaldenkmals für unseren in Gott ruhenden Nationalhelden, den Generalfeldmarschall Grafen Moltke, der in seltener Bescheidenheit mit bewunderns- werther Ruhe und mathematischer Sicherheit unsere ins Feld ziehenden Brüder zu glorreichen Siegen sührte und mit unserem in Gott ruhenden, unvergeßlichen, geliebten Kaiser Wilhelm und unserem Fürsten Bismarck die Einigung unseres geliebten Vaterlandes in herrlicher Weise verwirklichte. Mögen die Deutschen ihrem großen Helden ein würdiges Zeichen ihrer Dankbarkeit errichten und die Vorbereitungen hierzu schon jetzt treffen, damit bet der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, am 26. October 1900, die Einweihung deS Denkmals erfolgen könne.
Verkehr, Land- und Volk-wirthfchaft.
•itfttn. 23. Octbr- Marktbericht- Aut b<m heutigen Wochemnarkt kostete. Butter pr. Pfd. X —.95—1,05, Hühnerrie: pr. Stück A. 2 Stück 14—15 A, »äse pr. 6t. 4-84, Käsematte pr. St. 8 A, Erbsen pr. Liter 17 A, Linsen pr. Liter 28 A. Tondm pr. Paar X 0,50-0,75, Hühner pr. Stück X 0,90-1,20, Hahnen pr.et.x 0,70-1,20, Enten pr. 6t X 1.60-1,90, Gän fe pr.Pfd. 42-58, Nchsevfl.pr. Pfd 76-80 A- »uh, u. Rindfl. vr.Psd. -704, Schweinefleisch pr. Pfd. 66-76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 4, Hammel, fleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00—5,50 X, Weißkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr. Eentner 3,00—3,40 X,
Milch pr. Liter 16-20 A, Enteneier 2 6t — 4, Gänseeier - 4, Zwetschen pr. Ctr X 3,00-4.00-
S Gedern, 18. October. Der letzte diesjährige Vieh markt, welcher wegen israelitischem Feiertag auf heute verschoben, war sehr schwach befahren. Es herrschten hohe Preise sowohl in Rindvieh als auch in Schweinen. tz,jährige Kälber wurden mit 60 bis 70 Mk. daS Stück verkauft, einjährige Rinder kosteten das Stück 130 bis 150 Mk., auch die wenig vorhandenen Kühe und Stiere wurden zu sehr guten Preisen verkauft. FetteS Vieh war nicht angefahren. An Schweinen waren etwa 300 Stück vorhanden, meistens frühe Sommerferkel, wovon das Paar 100 bis HO Mk. kostete; hierin wurde viel verkauft. Weniger dagegen waren FrühjahrSferkel aufgetrieben, das Paar kostete 130 bis 140 Mk., junge, 6 bis 7 Wochen alte Ferkel 40 bis 45 jMk.; fette Schweine kosteten per Lentner 58 bis 60 Mk.
werden besonders schön, wenn die Pyoiograpyren 3üge fdiarf markirt und die Haut des Aufzunehmenden recht glatt, zart und sein ist. Um das letztere zu erreichen, empfehlen wir den steten Gebrauch der Doerings Seife alt der Eule, die in Bezug auf reines schönes Colorit, auf Zartheit der Haut eine Wirkung hat. wie sie mit einer anderen Seife nicht erzielt werden kann. Um Doeriaga Seife mit der Eule auch jenen zugänglich zu machen, deren GcruchSnerven von dem Parfüm angegriffen werden, flieht es auch unperfüniirte. Der Preis ist stets der gleiche: zu 40 Pffl. per Stück käuflich.
Engros-Verkauf: Benner &. Krumm, Giessen. 6223
Der Voranschlag der Gemeinde Alten-Buseck liegt vom 25. b. Mts. einschließlich ab während acht Tagen zur Einsicht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen auf dem Bürgermeisterei-Bureau offen. Alten-Buseck, am 22. October 1894.
Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck.
8749 Krä mer. ____________________
Iagkwerpachlung.
Freitag den 26. October,
Nachmittags 4 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben der Ludwig Balthasar »liugelhSfer Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 2 Nr. 61 — 2894 qm Acker am SchwalbachischenAcker undKrof- dorfer Weg,
Flur 3 Nr- 68 — 1319 qm Acker am Krofdorfir Weg,
Flur 3 Nr. 70 — 1319 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 74 — 7C0 qm Acker bei der Broßbrücke,
Ihn 5 Nr. 75 — 700 qm Acker daselbst, lut 5 Nr. 76 - 700 qm Acker daselbst, lur 5 Nr. 77 - 700 qm Acker daselbst, lur 5 Nr. 78 - 769 qm Acker daselbst, lur 5 Nr- 81 - 706 qm Acker daselbst, lur 5 Nr. 84 — 294 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 85 — 313 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 89 — 438 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 104 — 956 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 365 — 1762 qm Acker auf dem Haddersgraben,
Flur 5 Nr 366 — 788 qm Acker daselbst, Flur 5 Nr. 463 — 5150 qm Acker am Krofdorfer Weg,
Flur 25 Nr- 222 — 1125 qm Acker zwischen dem Aulweg und Leih» gesterner Weg,
Flur 28 Nr. 98 — 2475 qm Wiese am Heegstrauch vor Stander Garten, Flur 30 Nr. 51 - 1900 qm Acker am Atzelbusch,
Flur 30 Nr. 52 — 1900 qm Acker daselbst,
«chmals freiwillig meistbietend versteigert werden.
Gießen, 23. October 1894.
Großb. Ortsgericht Gießen.
___3 A.: Bogt. 8742
Darlehns-Gesuch.
Infolge Ablebens des seitherigen Pächters soll die der Stadt Gießen zustehende Jagd in den Jagdbezirken 5, 6 und 7 (Gießener Stadtwald, 1. und 2. Abtheilung und Fernewald)
Montag den 12. Nov. d. I., Bormittags 11 Uhr, im Saale des allen Rathhauses im Wege öffentlicher Versteigerung auf 13V4 Jahre verpachtet werden.
Gießen, den 22. October 1894.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth.______8722 Regierungs - Bezirk
Wiesbaden.
Im Wege der Submission sollen vom diesjährigen Einschläge circa lObOrrnBuchen-Scheit und Knüppelholz aus den Diftricten 93 Zeilwald und 94 Stirnheck des Schutzbezirks Paulsgrube, 0—P/2 km von der Scheldelahnstraße, 3 km von der Station Nicolausstollen der Scheldethalbahn, in einem Loose oder in kleineren Parthieen oder auch das Scheitholz (ca. 750 rm) und Knüppelholz (ca. 250 rm) getrennt, verkauft werden. Schriftliche Gebote sind bis zum 5. November, Vormittags 9 Uhr, einzusenden. Verkaufs bedingungen werden auf Wunsch gesandt. 8656
Dillenburg, den 19. October 1894. Königliche Oberförstern Oberscheld.
Prima Traubenmost und
Schott'sche Weinstube
etwa 80 000 <X zu einem Zinsfüße, der unter 4 pCt. bleibt, aufzunehmen. Entsprechende Anerbieten beliebe man an Großherzogliches Kreisamt Gießen zu richten. 8713 Bahnhofstr. 23. — Ecke Löwengasse.
Die bei der Nebenbahn Grünberg— Londorf betheiligten Gemeinden wünschen zur Deckung der entstandenen Grund-Erwerbskosten ein Capital von
Febermeißer. 8594
| Das Obst
aus der Kreisbaumschule zu Wetzlar, feines, gut gepflücktes Tafelobst, Aepfel und Birnen, etwa 30 Gentner, wird Samstag den 27. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, im „Römischen Kaiser" dortselbst versteigert. Dasselbe ist an diesem Tage des Vormittags zur gefl. Ansicht (Hofzimmer rechts) aufgestellt. MniWeLodm zu Havelock-, sowie zur Jagd und Sport habe ich einen größeren Posten vorräthig und gebe selben unter Preis ab. 8730
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