während dieser Zeit daS Pferd eines mit dem Entladen be. schäftigten Kameraden, als durch irgend eine unvorsichtige Bewegung der Schuß aus des letzteren Carabiner loSgtng und der Pfropfen dem mit dem Pferde dicht dabei Stehenden in den Leib drang und Magen, Blase und Leber zerriß. In das Lazareth nach Mainz verbracht, war sofort alle ärztliche Hülfe vorhanden, doch erwies sich dieselbe vergeblich, denn nach wenigen Stunden gab der Schwerverletzte seinen Geisi auf. Der Kamerad des Verstorbenen, durch dessen Waffe da« Unglück hervorgerufeu wurde, wurde in Untersuchungshaft genommen.
Mainz, 22. Ium. Nach den Angaben hiesiger Blätter waren bis heute Früh über 400000 Mk. Brutto-Einnahmen an den Finanzausschuß abgeliefert. Wenn das Fest die letzkenTage hindurch gleich günstigen Verlauf nimmt, wie bisher und insbesondere der Schießausschuß, sowie der WirthschaftS- ausschuß den voranschlagSmäßigen Ueberschuß von je 60 000 Mk. liefern, wofür alle Aussicht besteht, so wird eS kaum noth- wendig sein, die Garantiezeichner in Anspruch zu nehmen. Heute Abend ließen sich der Mainzer Turnverein, die Turn- gesellschast, sowie der Turn- und Fechtclub mit Uebungen verschiedener Art, Schauturnen, Pvramidenstellen, Exercitien am Barren und Bock u. s. w. sehen, der Mainzer Sänger- verband wirkte mit und eS wurden Chorlieder der beliebtesten Mainzer Poeten gesungen. Das Feuerwerk morgen Abend wird von dem Pyrotechniker Becker - Wiesbaden besorgt, während das prächtige Feuerwerk bei der gestrigen Rhein- fahrt von Herrn Silz-Mainz veranstaltet war.
△ Vom Rhein, 22. Juni. Gestern Vormittag ereignete sich auf dem Rhein oberhalb des „Binger Loch" ein gräßlicher Unglücksfall, indem auf dem Radschleppdampser „Hantel III." ein Siedrohr platzte, wodurch der Maschinenmeister und ein Heizer sofort getödtet und große Beschädigungen deS Schiffes verursacht wurden.
* Aus dem Odenwald, 21. Juni. Die Hcidelbeer- Ernte ist gegenwärtig in vollem Gange, und allenthalben hat man in den betreffenden Orten Schulferien eintreten lassen. Kinder und Erwachsene ziehen in Schauren in die Wälder und sammeln die so beliebt gewordenen schwarzen Beerchen und erwerben sich damit einen reichlichen Verdienst. Die Sträucher hängen sehr voll, die Früchte sind groß, aber nicht so süß- es fehlte ihnen die Sonne. Händler kaufen die Heidelbeeren in Massen auf, das Kilo zu 20 Pfennige.
Permiicbtei.
* Braunfels, 21. Juni. Am 17. Februar d. I. durfte der Braunfelser Männergesangverein auf die Zeit eines fünfzigjährigen Wirkens zurückschauen. Damals wurde dieser Tag im engen Kreise durch einen Festball begangen, eS war jedoch eine große Feier in Form eines Sän ger- fest eS für diesen Sommer in Aussicht genommen. Der 15. und 16. Juli d. I. sind nun endgültig zur Jubilgums- feier festgesetzt. Unter bewährter Leitung deS Herrn Kammerrath Bingel hat sich ein Comitö gebildet, dem die Aufgabe geworden ist, für einen günstigen Verlauf dieses Festes in jeglicher Beziehung Sorge zu tragen. Wie vorgesehen ist, wird lsich der Festzug, an welchem sich eine große Anzahl fremder Gesangvereine betheiligt, durch die reichlich in Laub und Flaggenschmuck prangenden Straßen von Braunfels bewegen und von dort zu dem von Sr. Durchlaucht dem Prinzen Albrecht bereitwilligst zur Verfügung gestellten Festplatze „unter den 500 Eichen" im kleinen Thiergarten, einem der herrlichsten Plätze, die wett und breit einem derartigen Zwecke dienen. Sollte, waS wir für die Julitage hoffen und wünschen, die Gluth der Sonne die Festtage begünstigen, so ist auf diesem schönen Fleckchen Erde Gelegenheit geboten, sich sattsam von den Strapazen eines zurückgelegten Weges
im kühlen DaldeSschatten zu erholen. Daß 6omit6 bat I dafür Sorge getragen, daß die Speise- und Schank Wirth- schäften in die Hände bereits erprobter Geschäftsleute gefallen find, denen es nicht schwer werden wird, auch den weitgehendsten Ansprüchen im Bezug auf Speisen und Getränke gerecht zu werden. Die Mufik wird von der Capelle des Infanterie- Regiments Nr. 87 aus Mainz gestellt und haben wir die Ueberzeugung, daß der Verein auch in dieser Beziehung eine äußerst günstige Wahl getroffen hat, da die vorzüglichen Leistungen genannter Capelle in Soncert- und Tanz Mufik vom letzten Krieger-Generalapell her noch frisch in Aller Gedächtniß sind. Auch in anderer Beziehung ist zur Belustigung sür Alt und Jung reichlich gesorgt. ES sei noch bemerkt, daß seit Eröffnung des Personenwagenverkehrs auf der Ernstbahn den Fremden der Besuch deS Festes außerordentlich erleichtert ist, da sich der Endpunkt genannter Bahnlinie fünf Minuten unterhalb deS Festplatzes befindet. Die Ernstbahn- Verwaltung wird sich durch Einlegen von Extrazügen die Beförderung der Fremden angelegen sein lassen. Wir verfehlen nicht, schon jetzt zu zahlreichem Besuch deS Festes ein- zuladen und find der Ueberzeugung, daß dasselbe, falls eS von gutem Wetter begünstigt ist, einen glänzenden Verlauf nehmen und fämmtlichc Besucher befriedigen wird.
* Frankenthal, 22. Juni. Meister Andreas Hamm, der Gießer der Kaiserglocke im Kölner Dom, ist heute Morgen gestorben. (Herr Hamm lieferte auch eine neue Glocke und den Glockenstuhl für die Gießener Stadtkirche, auch auf dem Gebiete deS Maschinenbaues leistete Herr Hamm Vorzügliches, er baute u. A. für die Druckerei des „Gießener Anzeiger" vier Schnellpressen, sowie mehrere HülfSmaschinen. Red.)
* BreSlau, 22. Juni. Die Strecke Pleß-Dzieditz ist amtlicher Meldung zufolge wieder dem Verkehr übergeben worden. — AuS Oderberg wird gemeldet: Auf der österreichischen Seite ging der Wolkenbruch nieder, der große Zerstörungen anrlchtete.
Au-zttg ans den Standesamtsregistern
ver Stadt Gießen.
Hof gebt-u.
Juni: 19. Friedrich Wilhelm Wahl, Locomotivhetzer bei der Matn-Weser-Bahn dahier, mit Friederike Auguste Winterberg zu Nieder-Wtldunoen. 20. Carl Jacob Wegmann, Friseur dahier, mit Maria Eltsabetha Brand zu Gelnhausen. 21. Wilhelm Heinzmann, Kaufmann dahier, mit Katharina Johanna Stauf zu Grünberg.
•tbotctw.
Juni: 14. Dem Hoboist Jacob Friedrich Müller eine Tochter. 15. Dem Lehrer Bernhard Klein eine Tochter, Selma 15. Dem Schneider Heinrich Schmidt V. eine Tochter, Henriette Susanne. 16. Dem Schlosser Jobs. Roth eine Tochter. 16. Dem Maurer Andreas Krug ein Sohn. 16. Dem Gesaugen-Ausseher Philipp Hartmann eine Tochter, Dorothea Eltsabetha. 17. Dem Bauunternehmer August Helsenbetu ein Sohn, Wilhelm Martin Heinrich. 17. Dem Küfer David Löffert eine Tochter, Maria Magdalena Katharina. 19. Dem Restaurateur J^cob Scheuer eine Tochter, Melita. 19. Dem Schaffner bet der Matn-Wefer-Bahn Johannes Stehltng ein Sohn. 19 Dem Kaufmann Carl Klebe eine Tochter, Elsa Sarab- 19. Dem Kaufmann Ignatz Pfister ein Sohn, Hans. 21. Dem Friseur Friedrich Lehrmund ein -Sohn, Franz Friedrich.
«eflorbtne.
Juni: 15. Anna Frieda Clementine Ihrtdj, 3*/« Jahre alt, Tochter von Buchdrucker Emil Constantin Ulrich dahier. 16. Friedrich Franz Karl Simon, 4 Monate alt, Sohn von Schneider Ludwig Simon dahier. 17. Zo>" GrooS, geb. Weicker, 57 Jahre alt, Ehesrau von Rentner Carl GrooS dahier. 17. Helene Weiß, 4 Jahre alt, Tochter deS verstorbenen Bremsers Adam Weiß dahier. 18. Johannes Müncker, 39 Jahre alt, Taglöhner dahier. 19. Carl Schneider, 3 Jahre alt, Sohn von Landwirth Lorenz Schneider von Ober- Mörlen. 20. Friedrich Fiedler, 26 Jahre a t. Dienstknecht von Dorlar. 22. Henriette Wafferschleben, ged. Wahnschaffe, 72 Jahre alt, Wiltwe von Universitäts-Professor Gebeimerath Dr. Hcrmann Wafferschleben dahier. 22. Bertha Kahn, 5 Jabre alt, Tochter von Kaufmann Julius Kahn zu Aßlar. 22. Franz Friedrich Lehe mund, 10'/, Stunden alt, Sohn von Friseur Friedrich Lehrmund dahier.
Auszug aus den 2{ird»cnbüdu*rn
der Siadt Gießcn.
Ebingelifche «rettete.
Matthüulgemetnde.
Den 17. Juni Dem Bäckermeister Balthasar Lchomber ein Sohn, Friedrich Emil Georg Heinrich, geboren den 21. Mat.
Dm 20. Juni. Dem Reffenden Jakob Wcihrtg in Barm-n eine Tochter, Anna, geboren den 7. Mat.
Markutzgemeinde.
Dm 17. Juni. Dem Schiemer Wilhelm Walter eine Tochter, Elisabeth Margarethe Louise Wilhelmine, geboren den 20. Mai Denselbm. Dem Heizer Ludwig Waldschmidt eine Dochter, Frieda Minna Dina, geboren den 31. Mat.
LukaSgemetnde
Den 16. Junt. Dem Eisendreher Konrad Graulich ein Sohn, Wilhelm Konrad, geborm den 9. April.
Dm 17. Junt. Dem Kaufmann Karl Zülch ein Sohn, Rudolf Friedrich, geboren dm 6. Mat.
JohanneSgemeinde.
Den 17. Junt. Dem Steindauer Heinrich Heinz Zwillings» ktnder, Ludwig Carl und Anna Helene, geboren dm 23. Mat.
Militärgemeinde.
Den 17. Juni. Dem Btceseldwebel Otto Heßler ein Sohn, Otto, geboren den 21. Mat.
BtrtblgK. MatthLuSgemetnde.
Dm 19. Juni. Johanne- Münker, Taglöhner, alt 39 Jahre, gestorben den 18. Juni.
JohanneSgemeinde.
Den 19. Juni. Zo> GrooS, geb. Welcker, Ehefrau deS Rentners Carl GrooS, alt 57 Jahre, starb den 17. Junt.
Verkehr, Land- und Volksrvirthdchaft.
Girtzarr, 23. Juni. Marktbericht- Bal dem ::uttflrn Wochenmarkt kostete: Vatter pr. Pfb. X 0,80 —0,95, Hühnereier 1 Stück 5—6 X. 2 Stück — X. Käse pr. St. 5—8 ch, JtlftmtK pr. St. 8 H, Erbsen vr- Liter 16 H, Linsen pr. Liter 30 ch taub n pr. Paar X 0,70 —0,90, Hühner pr. Stück X 1,00—1,80, H- pr. St < 0,6>1,30, Ewen pr. St- X 1,70 bi» 1 8 >, Ochsenfl ei ch pr. Pst. 72 -76 X Kuh, u. Rindfleisch pr. Pfd.--16 X, Schwein:,
fletsch pr. Pfd. 60—70 X, Kalbfleisch pr. Psd- 60 —66 X Huinm' - fleisch pr. Pfd. 56—68 «X Kartoffeln pr. 100 Kilo 5.00—6,00 x, Weißkraut pr. Stück---4, Zwiebeln pr. Cmtner 9,00—10,00 x,
?Udb pr. 8ttrr 16 20 X Enteneier 2 St. 11 X. Gänseeier 10 X. Kirschen pr. Pfd. 10—15 X-
S Auf dem am 18. und 19. Juni in Herchenhaia adge- haltenen Btehmarkte waren u. A. 28Bullen angttrteben, meisten» Stmmmthaler Raffe, 1 bi» 1'/, Jahr oll; sie wurden fast alle verkauft, das Stück zu 350 bi» 550 Mk.; Bullen Vogelsberger Raffe kosteten 300 bi» 350 Mk. das Stück. Frischmelkende Kühe kosten,» je nach Qualität 260 bi» 320 Mk., gewöhnliche Kühe 160 bi» 250 Mk. Zwei- bis dreijährige Kalbinnen wurden mit 180 bis 250 Mk. verkauft und waren viel begehrt. Fettes Vieh war nicht vorhrnden. Der zweite Markttag war stark mit Schweinen befahren (ca. 880 Stück). Cs kosteten: FrühjahrSferkel, 11 bis 14 Wochen alte, 75 di« 95 Mk. da» Paar, doch wurde der hohen Preise wegen wenig abgcsetzt, 5 dis 7 Wochen alte Feikel kosteten 45 biS 60 Mk., letztere roaun sehr gesucht; trächtige Zuchlschwetne wurden zu 75 bis 95 Mk. baS Stück gehandelt. — Zweijährige Stiere kosteten 280 bis 320 Mk. das Paar, zweijährige Rinder 180 bis 200 Mk daS Stück, 6 Monate alte Kälber 120 bis 150 Mk. Im Allgemeinen war der Handel flott.
Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 23. Junt, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15'/-, Luft 19°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Die Nentabilität jeder maschinellen
Anlage wird bedeutend erhöht durch Aufstellung eine» ökonomi' ti arbeitendenBetrtebSmolors. Als sparsamste BetrtebSmaschinen sind d,e Locomobilen mit ausziehbaren Röhrenkesseln von «.Wolf in Magdeburg-Buckau bekannt u. zu Tausenden in allen Zweigen t> . JndustrieundLandwtrthschast verbreitet. GertngerBrennmatertal- verbrauch, große LeistungSsäbigkett u. Dauerhaftigkeit sind dteHaupt- vorzüge dieser Maschinen, vermöge deren sie nicht nur aus allen deutschen LocornobifiConcurrenz-n stets den Sieg daoongelrazm haben, sondein auch auf zahlreichen Ausstellungen (u. a. in Chicago) mit den höchste Preisen ausgezeichnet sind. [4472
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