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Die heute ihrem Ende zugehende Bericht-Periode war sehr arm an neuen Tbatsachen oder anderen Motiven, welche eine lebhastcre Gestaltung deS Verkehrs hätten veranlassen können. Sie blldet lediglich die Fortsetzung der nun schon wochenlang andauernden GeschäftSunlust. Selbst Ereignisse, wie die nunmehr zwischen der italtentschm Regierung und einem englischen Consortium zum Abschlufe gekommene Verpachtung des Alkoholmonopols, was allerdings 'noch der Genehmigung des Parlaments bedarf, vermögen auf die allgemeine Haltung der Börsen keinen Etnflufe auSzuüben und beschränken ihre Wirkung ausschUefelich auf die bind davon berührten Werthe. Und auch bei diesen kommt die Wirkung nicht in einer Zunahme der Umsätze, sondern nur in der höheren nominellen Bewcrthung zum Ausdruck. Auf der anderen Sette läßt sich die Speculation aber auch durch störende Momente nicht aus ihrer Lethargie auswccken, und dieser Umstand ist viel mit Schuld daran, dafe sich das Publikum gleichfalls von der Börse fern hält. Nicht minder liefen von auswärts Klagen über die Geschäftsstille ein; in Paris sowohl als in Wien waren eS locale Gründe, welche die dortige Zurückhaltung rechtfertigen. Leider darf man kaum erwarten, dafe die Wiederkehr einer lebhafteren Geschäfts- entwickelung an jenen Plätzen auch bei uns eine solche im Gefolge haben wird, da die durch das neue Stempelgesetz heroorgerusene Depression nach wie vor di- deutschen Börsen beherrscht. Wien legte sich mit Rücksicht auf die bis zur letzten Minute noch währende Ungcwifeheit über das Schicksal des ungarischen Eivtlehe- gesitzes und die hierdurch gefährdet erscheinende Stellung des Ministeriums Weckerle die größte Reserve auf. Die Unlust war dort fo groy, dafe die Siachrtchten von den grofecn Ueberschwemmungen in Oberungarn, welche, abgesehen von ihrer schädigenden Wirkung auf die Eisenbahnen in Folge der Verkehrsstörungen und Matertal- befchädigungen, auch noch die Aussichten auf reichen Erntesegen vermindern, fast spurlos vorübergezogen, trotzdem man sonst in Wien hierfür sehr empfindlich ist. An den Westplätzen herrschte gleichfalls nicht die beste Stimmung. Die Laune der Londoner Börse wird immer noch durch die Vorgänge auf dem amerikanischen Eifenbahnmarkt beeinträchtigt und man fürchtet, dafe hierbei auch nicht fo rasch auf Besserung gehofft werden darf, da die SanirungSbestrebungen der verschiedenen nothleidenden Bahnen in den Unionsstaaten zum Thell auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Den französischen Capttalisten drohen dagegen auS der oon dem gegenwärtigen Finanzminister aufgeworfrnen Frage, wie lange die staatliche Garantie der Eisenbahnen dauern soll, starke Verluste, wodurch die zuversichtliche Tendenz an der Seine merklich getrübt worden ist.
Die Politik bleibt beruhigt. Dem neu rnoklamirten Sultan von Marokko scheint es vergönnt zu fein, ohne ernstere Befehdungen seine Herrschaft antreten zu dürfen und dadurch vermindert sich die Befürchtung, daß der Thronwechsel zu internationalen Verwickelungen führen könnte. Schwieriger dürfte es dem marokkanischen Staatsschätze fallen, die an Spanien zu entrichtende Kriegs- contribulion zu bezahlen; mit der ersten bereits fällig gewesenen Rate ist er bis jetzt noch im Rückstand. Der Gang der italienischen Kammerdebatten wird zwar von den Finanzkreisen eifrig verfolgt, hat aber zu keiner lebhafteren Bewegung Veranlassung gegeben, da der vermuthliche Ausgang heute noch ebenso zweifelhaft ist als nur je. Von den vielen Projectm, welche ausgearbeitet worden sind, um dte Gesundung der dortigen Verhältnisie herbeizuführen^ gehen jetzt zwei, dte Einführung und Verpachtung des SpttituSmonopols und die Gründung einer dcutsch-iralimtschen Bank ihrer Verwirklichung entgegen. In beiden Fällen ist es stemde« Kapttal, welches dte Ausführung ermöglicht und bei dem großen Werthe, den sie für Italien besitzen, ist ganz unoerständlich, daß deffenungeachtet^ ein Theil der dortigen Presie nicht aufhört, gegen die ausländischen Unternehmer Front zu machen. Der ganze Groll entspringt jedoch nur daraus, daß sich das neue Kredttinstiiul durchaus nicht mit der Wiederaufrtchtung der Credtto Moblliare und Banca Generale befallen will.
Was die Eoursoeränderungen auf den einzelnen Gebieten anbelangt, so sind dieselben ebenso gering, als die Umsätze eS waren. Im Anfang der Woche gaben zwar die Cours- infolge der allgemeinen Geschästsstille eine Kleinigkeit nach, benerten nch aber wieder, als von Berlin für Montanwerthe anziebende Notirrmgen einliefen, alS deren Ursache die günstiger lautenden Berichte eines rhdntschen .<ach- blattes über die momentane Lage und die Aussichten der Koblenttrdustrie anzv'ehen sind. So pessimistisch jene Zeitung bis jetzt Üd-r den Kohlmmarkt und msbesondere daS Syndikat geurtheilt hatte, fo gibt sie nun doch zu, daß durch das l-tztere der Verkaufspreis für Kohlen eher in der Hohe gehatten werdenJarrn, "l* dieS stirher durch dte einzelnen Zechen moglrch war. Aus dem Umstand, dafe dte Periode des Mtnderverbrauchrs an Hausbrand zum größeren Theil uberwund-n ist und daß
dem Syndikat die Lieferun- für die preußischen Bahnen wieder zugesallen sind, b* k k >u dürfen, daß dte Kohlendergwerke ihre schwierigste Zeit dinier
fich haben. Seiten» einiger Lpeculantengruppen wurde bann noch darauf hinge» wiesen, baß am 25. Juni wahrscheinlich der Strike der schottischen Äobltnarbeiler beginnen werde, wodurch die Concurrenz der englischen Kohle in den Continental« »bsatzgebtelen vermindert werden würde. Daß hieraus keine große Hoffnungen |U bauen sind, Haden jedoch schon im Vorjahr dte Arbeitseinstellungen tm Durhamer Revier bewiesen. Auch Eifenactien kehrten gegen Wochmschluß auf ba« am na* flangaien Sonnabend innegehadte Niveau zuruck, trotzdem verschiedentlich Pre.'s* ermäßigungen für einzelne Gattungen von Eisen bekannt wurden. Der russisches Handelsvertrag Hal zwar einzelnen Werkm bedeutende Aufträge gebracht, den erhofflen Aufschwung unterer heimischen Industrie hat er bi« jetzt noch nicht gezetttgt unb bte russischen Bestellungen allein find nicht ausreichend, dte großm Etabltsiement» bauernd genügend zu beschäftigen.
Trotzdem an dem Zustandekommen de» neuen italienischen Eredtttnsttiutl raum mehr zu zweifeln ist unb alle hervorragenden deutschen Institute daran bethetltgt sind, lagen die localen Banken doch matt. Reben der Enttäuschung, daß bet dem Wettbewerb um die Ausübung de« ttaltentfchen Alkoholmonopols das englische Eonsorttuw, an dem nur wenige deutsche Firmen unterdetheiltgt sind, gesiegt Hal, kommt dte allgemeine Unthäligkett In Betracht.
^ur die Bellen der Nationalbank für Deutschland wurden bester bezahlt, weil diese an jenem englischen Konsortium tnteresstrt ist und dann auch wegen der glücklichen Durchführung der neuesten Emission bulaartscher Pfandbriefe. Au» letzterem Grunde waren auch Wiener BankveretnS-Actim begehrt, während dte anderen öflerretchtschen Banken nur wenig beachtet wurden.
Auf dem FondSmarkt büßten dte 4procenttgen deutschen Anleihen ihre« anfänglichen EourSgewtnn wieder ein, trotzdem auch beute noch keine Anzeichen Vorlagen, daß die gefürchtete Eonvertsiung in Aussicht ist. Daß die Verkäufer keinen Tausch in die llprocenttgm Titel vornehmen, ergtebt sich daraus, daß auch diese 20 Pfg. niedriger nottren. Von den fremden Renten sind serbische Werthe wesentlich höher auf die angebliche Verständigung deS FinanzministerS mit dem Bankenconforitum. Italiener lagen wegen der mehrfach erwähnten Gründungen fest. Desterreichtfche und ungarische Papiere waren behauptet. Dagegen wurden Griechen billiger offerirt. weil die Arrangements-Verhandlungen nicht voranschreiten und dte :>teaterung An» strengungcn macht, die Erwartungen der Gläubiger heradzustimmen. Auf türkische Werthe, insbesondere auf Loose, drückten Realisationen. Die erhebliche EourS« steigerung in der vorigen Woche soll der Hauptsache nach durch Deckungskäufe einer in Schwierigkeiten geratenen Konstantinopeler Firma berbetgesührt worden sein. Unter den überseeischen find dte argentinischen Anleihen alS höher zu nennen, während Mexikaner unverändert notiren.
Deutsche Eisenbahnen waren mit Ausnahme von Marienburger und Ostpreußen vernachlässigt. Bet jeder Steigerung der Getretdepretse wurden zu Gunsten der beiden östlichen Bahnen stets sofort die vermehrten Aussichten auf große Frachtzusuhre« in« Treffen geführt. Die österreichifchen TranSportgefellschaften hatten unter den Hochwaffernachrichten zu leiden; doch sind in Anbetracht der Geringfügtgkett der stattgehabten Umsätze auch die CourSverluste nur gering. Die bekannt gewordenen Mai-AuSweife einiger schweizerifchen Eisenbahnen entsprechen nicht ganz den hochgeschraubten Erwartungen der Speculation. Der Enthusiasmus hierfür bat sich veßhalb etwas abgekühlt und zu Realisationen veranlaßt, durch welche die Mehrzahl davon eine Kleinigkeit nachgeben mußte. Bei den italienischen Bahnm dagegen war die Nachfrage überwiegend.
Im Zusckmmenhang mit dem beoorstehendm Ultimo und dem Quartal»» wechsel war tägliche» Geld begehrt und auch der PrivatdiScont hat um Bruchtheile angezogen.
Eourse der Frankfurter Börse eUotMUiÖm.
Oonre vom
22./VI,
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Cour« vom
22./VI.
15,/VL
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104.50
106.30
4'/§°/,Portua^S.88u.89
6°/0 amort. ©erb. Gold*
33 15
83.30
, Baden.....
104 70
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Rente ....
66.70
64 80
3Vo Sächsische Rente. .
3V,% BremerGtaatSanl.
89.75
89.90
bo/oSerbischeEtfenbahn«
99.50
99.45
Hyv^Obl. L. A. .
4»/oSchwed.Obltg.I880r
70.—
67.—
, Hamb.StaatSrente
—
100.20
101.90
101 95
40/o Oeftr. Goldrente
98.55
98.30
l°/o Türken cono. Ltt. D.
24.65
24.55
, GriechischeMonopol-
5®/o Argent. Gold - Ani.
4’/o Rumänische Rente .
33 90
36.45
v. 1887 . . .
47.15
46 85
85.90
85.75
3i/i% Egppt. priv. Anl.
102L5
102.40
4®/o Rufs. EonsolS S. UI
101.—
—,—
4°/e Psälz. LudwigSbahn
5°/o Südbahn Lombarden
104.75
104.75
(Berbach) . . . , Hessische Ludwigsb.
104.55
104.40
4°/0 do. do.
100.10
100.—
M/o do. do.
63.05
62.90
68/69 garanl
103.10
103.15
40/0 Prag-Duxer Gold .
101.30
101.20
, Elffabeihb. steuerfrei
. Rudolf Gold (Salzk.)
, Franz-Josef Silber
101.50
101.85
Gold ....
102.20
102.20
79.60
80.30
5% Oefir. StaatSdahn.
110.20
110.20
3"/o staall. garant JtaL
4o/a do. do.
102.—
102.40
Eisenbahn . .
48 40
48.75
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99.95
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87.50
87.80
108.60
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99.60
64.10
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Dresdener Bank. . .
138.90
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133 90
134.30
Mitteldeutsche Eredttb. .
97.60
97.20
Deutsche Bank . . .
158.20
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