geeignet ist, wird der.Fuhrmann wohl kaum für den Schaden I aufkommen.
Umgefahreu. Ein Dienstmädchen, welches heule Mittag ; im Begriffe stand, die Marktftrahe zu passiren, wollte einem Fuhrwerk ausweichen, gerieth jedoch zwischen dieses und einen Bäckerwagen, der das Mädchen umfuhr. Schwere Verletzungen scheint das Mädchen nicht davongetragen zu habe«.
** Bissiger Hund. Am SamStag überfiel ein in einen Metzgerwagen gespannter großer Hund in der Grünbergerstraße eine Ziege, die von einem Jungen geführt wurde, und zerbiß das Thier derart, daß es liegen blieb. Da der Hund einen Maulkorb nicht getragen hat, wird der Besitzer die Ziege zu ersetzen haben.
Friedberg, 17. October. Die für gestern Abend anberaumte Generalversammlung des Bauveretns „Eigener Herd ist GoldeS werth" war von Seiten der Mitglieder zahlreich besucht. Dem Vorschläge des Vorstandes entsprechend, wurde der Erwerb einiger Grundstücke zu Baugelände beschlossen. Die zu errichtenden Wohnungen würden alsdann in einer neu zu eröffnenden Straße in der Nähe der Gasanstalt errichtet werden. Bis jetzt find beim Vorstand zwei Gesuche um Erbauung einer Wohnung etngegangen. Ein aus der Versammlung gestellter Antrag, es möchten nur Häuser mit vier Einzelwohnungen zur Ausführung gelangen, wurde abgelehnt, dagegen wurde der Beschluß gefaßt, vorerst Häuschen zum Alleinbewohnen im Werthe von etwa 4000—5000 Mk. zu errichten.
- ch- Hainchea (südl. Wetterau), 19. Oetober. Der Rückschlag im Kelt ero bstgeschäst oder die „Baisse" im Obsthandel, um einen Börsenausdruck zu gebrauchen, hat glücklicherweise nicht lange angehalten, wie dies von Ihrer Correspondenz auS unserer Gegend im Sonntagsblatte Nr. 241 vom 14. October auch angedeutet worden ist. Die Gründe für den Rückschlag wollen wir hier kurz andeuten, denn sie sind recht lehrreich für den kleinen Landwirth, der sich für spätere Jahre ein kleines Exempel daran nehmen kann. Durch daS naffe Wetter in der Woche vom 7. October an konnten die Leute keine oder nur geringe Arbeiten im Pflügen und Säen verrichten, sie verlegten sich also auf das Aepsel- abmachen und viele fuhren daS Obst, ohne vorher definitive Abschlüffe gemacht zu haben, nach Frankfurt. Unglücklicherweise fehlten aber zu jener Zeit mehrere Tage lang die Württemberger Käufer und da sank der Obftpreis rapide von 8 Mk. auf 4 Mk., denn Hunderte von Wagen hielten aus allen Himmelsgegenden vor den Thoren Frankfurts, aber Niemand wollte kaufen. ES war ein betrübender Anblick und mancher Obstbauer verwünschte heimlich seine Unvorfich- tigkeit und Unüberlegtheit, daß er von zu Hause wegfuhr, ohne einen bestimmten Käufer zu haben oder ohne sich vorher die Unterweisung der Obstverwerthungtz- Genossenschaft zu erbitten. Nun blühte der Wetzen bei den BaiisierS! Die Bauern wollten das Obst nicht wieder 8 bis 10 Stunden oder noch weiter in die Heimath zurück- befördern, was unter Umständen recht schlecht ausfallen konnte, denn möglicherweise sank der Preis noch tiefer. Man schlug also loS und — die Frankfurter Schlauköpse knüpften klugen Bauern nach Herzenslust ab. Manche der letzteren fuhren ihre Maaren bis Oberrad, aber auch da kam die Nachricht bald vom Preisabschlag hin und es mußten Haare gelaffen werden. Kurzum, der ganze Baiffeverlauf war so, wie er schon einmal im „Gießener Anzeiger" zu Nutz und
Frommen unserer oberhesfischen Obstproducenten geschildert worden ist. ES hat aber noch nicht viel geholfen, darum bringen wir die Schilderung noch einmal als Beispiel vom Jahre 1894. — Drei Tage später kamen die Württemberger wieder und mit ihnen die alten Preise. Mancher Frankfurter Schlaukopf hat aber in den drei RückschlagStagen einen Sack voll Geld verdient. Schließlich wollen toir noch mittheilen, vaß die Kartoffeln im Preise kräftig anziehen, fie gelten 5 Mk. pro Doppelcentner frei nach Frankfurt geliefert.
Vermischtes.
* Niederkleen, 19. October. Von Montag den 15. bis Mittwoch den 17. d. M. wurde Hierselbst von Herrn Director Rhode ein Buchführungscursus abgehalten, an welchem fick 27 Landwirthe beteiligten.
* Frankfurt a. M., 20. October. Frankfurter Kochkunstausstellung. Nur noch einige Tage und die Pforten der großen Landwirthschaftlichen Halle werden sich dem Aus- stellungsunternebmen öffnen. Alle Diejenigen, welche demselben, als die Idee davon auftauchte, ein ungünstiges Prog- nosticon stellten und auf die vielen ähnlichen Veranstaltungen dieses Jahres hiuwiesen, werden überrascht sein zu hören, daß die Frankfurter Kochkunstausftellung wohl eine der imposantesten werden wird, die jemals abgehalten wurden. Der Andrang der Ausftellungsluftigen ist fortgesetzt noch ein ganz außerordentlicher, obgleich die Listen längst geschlossen sind und Niemand mehr zugelaffen wird. — Der beste Beweis dafür, wie sehr diese Ausstellung in Frankfurt, im ganzen Lande willkommen geheißen wird, ist neben dieser soeben erwähnten Thaisache, der Umstand, daß die große landwirthschaftliche Halle nicht ausreichte zur Unterbringung Dach und Fach benöthigender Gegenstände und ein großer Annexbau angehängt werden mußte. Kofthallen aller Art, in denen Weine, Biere, Liqueure, Kaffee, Chocolade, kurzum tausenderlei Sachen verabreicht .werden, Kochkunstwerke, Prunktische, Maschinen für die mannigfachsten Zwecke, Musterküchen, Glaswaaren, Speisezimmereinrichtungen, Eisenbahnrestaurationswagen, Herde, Oefen, mit einem Wort Alles, was auf eine solche Ausstellung gehört, wird der Besucher erblicken. — Eröffnet wird das bedeutsame Unternehmen am Donnerstag den 26. October in Anwesenheit Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich. Am ersten Tage werden erhöhte Eintrittspreise erhoben und an den folgenden kostet eS pro Person 1 Mk. Außerdem werden 50 Pfennig- und 20 Pfennig-Tage veranstaltet werden, sodaß die ganze Bevölkerung in der Lage sein wird, dem gemeinnützigen, patriotischen Unternehmen einen Besuch abstatten zu können.
* Frankfurt a. M., 21. October. Der Zoologische Garten hat auch in der vergangenen Woche bemerkenswerthe Bereicherungen erfahren. So wurde ihm von einem Freunde des Gartens eine riesige westindische Eidechse geschenkt, die sogen. Nashorneidechse- eine Laguenart mit ausblähbarem Kehlsack und zackigem Kamme über der Rücken. Im Aquarium ist eine Sendung von über 100 Seepferdchen aus dem mittelländischen Meer eingetroffen, sowie eine Sendung verschiedener Nordseefische. Das Interessanteste aber sind zwei Colonien von Entenmuscheln, die sich auf Treibholz angesiedelt haben, das bei Helgoland aus dem Meere aufgefischt wurde. Die Thiere sind daselbst völlig festgewachsen und sitzen zwischen zwei Schalen, aus denen nur die federartigen, in steter Bewegung begriffenen Anhänge hcrvorsehen. Die Entenmascheln sind natur
geschichtlich darum sehr intereffant, weil sie nicht etwa zu den Muscheln, sondern zu den Krebsen gehören.
* Verviers, 20. October. Ein sccialistischer Butter- boycott hat hier begonnen. Die Bauern auS clericalen Wahlorten wurden durch den Pöbel vom Markte verttieben. Mehreren Bauern wurde die Butter gestohlen.
Literatur und Aunft.
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Verkehr, Lan0- unt VoLk-rvirthschast.
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisenproduetiott des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat September 1894 auf 473 070 Tonnen, darunter Pudbelroheisen und Spiegeleisen 130 270 Tonnen, Bessemerroheisen 37 841 Tonnen, Thomasroheisen 221 245 Tonnen und Gießereiroheisen 83 714 Tonnen. — Die Production im September 1893 betrug 410193 Tonnen, im August 1894 489211 Tonnen. Vom 1. Januar bi« 30. September 1894 wurden producirt 4 088 246 Tonnen gegen 3 646 873 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.
»pirlpla« itt vereinigte« Zrarckfurter Ltadttheat»
vpertthatt».
Dienstag den 23. October: Walküre. Mittwoch dm 24. October: Martha. Donnerstag den 25. October: RegimentS- tochter. Versprechen hinterm Herd. Freitag den 26.October: Wilhelm Tell (Schauspiel). SamStag den 27. October: Die verkaufte Braut. Sonntag den 28. October, Nachmittags 3«/, Uhr: Der Obersteiger. Abends 7 Uhr: Fra Diavolo. Montag den 29. October: Flick und Flock.
Schauspielhaus.
Dienstag den 23. October: Käthchen von Heilbronn. Mittwoch den 24. October: Einen Jux will er sich machen. Donnerstag den 25. October: Einen Jux will er sich machen. Freitag den 26. October geschlossen. SamStag den 27. October: Heinrich IV. Sonntag den 28. October, Nachmittags 31 * 3 * * 6/, Uhr: Madame Sans-Göne. Abends 7 Uhr: Fist. Montag den 29. October: Obersteiger.
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Montag den 23. October, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanne»ktrche Marcus Cap 13. Ankündigung des Gerichts und der vorangehendm Kämpfe. Pfarrer Dr. Naumann.
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Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß die in Folge von Reclamationen erlaffenen Gemeindesteuern gegen Quittung in Empfang genommen bezw. aufgerechnet werden können.
Gießen, den 22. Oclober 1894.
8712 Der Stadtrechner: Doepfer.
Jagiwerpachlung.
Infolge Ablebens des seitherigen Pächters soll die der Stadt Gießen zustehende Jagd in den Jagdbezirken 5, 6 und 7 (Gießener Stadtwald, 1. und 2. Abtheilung und Fernewald
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Vormittags 11 Uhr, im Saale des alten Rathhauses im Wege öffentlicher Versteigerung auf 131 /4 Jahre verpachtet werden.
Gießen, den 22. October 1894.
Großh. Bürgermeistc.ei Gießen.
_________Gnauth.______8722
Darlehns-Gesuch.
Die bei der Nebenbahn Grünberg— Londorf beteiligten Gemeinden wünschen zur Deckung der entstandenen Grund-Erwerbskosten ein Capital von etwa 80 000 JL zu einem Zinsfüße, der unter 4 pCt. bleibt, aufzunehmen. Entsprechende Anerbieten beliebe man an Großherzogliches Kreisamt Gießen zu richten.__________8713
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