1894
Sonntag den 23. September
Nr. 223 Zweites Blatt
Vierteljähriger
Amts- und Anzeigrdlatt für den Ureis Gieszen
Gratisbeilage: Hießener Jamitienötätter.
Schützenhof" I billigen Anforderungen gerecht wird, besitzen wir in Herrn igen Sports- Thate. Recht schlimm sah es mit der Besetzung der Stelle
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bee folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Saaten st and. Note 1 — sehr guter, 2 — guter,
des Baß - Buffo aus. Das Gastspiel des Herrn Hartmann, der für dieses Fach in Aussicht genommen war, hat zu einem wenig oortheilhaften Resultat geführt und so hat sich denn die Hoftheaterdirection genöthigt gesehen, wieder auf unseren altbewährten Vertreter dieses Genres, Herrn Kammersänger Eilers, zurückzugreifen, der sich seit Ende der vergangenen Saison im wohlverdienten Ruhestand befindet. Herr EilerL hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, in einer Anzahl der von ihm gesungenen Rollen auch in diesem Winter auszutreten. Ferner fwird Herr Richmaun im Buffofach Verwendung finden und zu seiner Entlastung ein weiterer tiefer
Baß engagirt werden.
Im Schauspiel geht es entschieden bester. Durch den plötzlichen Weggang des Frl. Stavenau-Cretius hatte unser Schauspiel-Ensemble besonders für clasfische Stücke eine empfindliche Lücke erhalten. Schon aber scheint ein postender Ersatz für den Verlust gefunden zu sein. In Paul Lindaus Schauspiel „Maria Magdalena" spielte in letzter Woche Frl. Rsnter vom Refidenztheater in Berlin die Rolle der „Maria Verrtna". Die Künstlerin, die in vielen Zügen ausfallend an Eleonore Düse erinnert, hat eine äußerst ungezwungene, natürliche Art des Spielens und verfügt über ein wenn auch nicht allzu umfangreiches, so doch ausreichendes Organ,- abzuwarten bleibt nur, tote sie sich in Verkörperung unserer classischen deutschen Gestalten finden wird. — So viel über die Schauspieler, Neuerungen im Repertoire stehen für die nächste Zeit ebenfalls in Aussicht. Am 21. October wird Rubinsteins „Dämon" zur Aufführung kommen, ferner wird Hans Sachsens 400jähriger Geburtstag durch die Wieder- gäbe von Richard WagnerS „Meistersinger von Nürnberg" festlich begangen werden. Zur Feier der Geburtsfeste Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin ist Kretschmers Oper „Die Folknnger" vorgesehen, also musikalische Genüsse iu Fülle.
Lringerlohn.
Durch die Post bezöget 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schutllraße Ar.7.
Fernsprecher 5L
stattfindenden Viehmarkt eine öffentliche Faselschau durch die Körcommission abgehalten werden soll. Bei der Schau, welche Vormittags 10 Uhr beginnt, und welche nur zum Zweck der Ankörung stattfindet, wird die Körcommission nur sprungfähige Bullen Vogelsberger und Berner, fpeciell Sim- menthaler Raffe berücksichtigen. Den Besitzern guter Fasel können, soweit die Mittel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung in Aussicht gestellt werden.
Gießen, den 17. September 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, 19. September 1894. Betr. Die Landeswaisenanstalt; hier Lehrlingsunterstützungen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzev
die Grotzh. VürgermeMereirrr des «reiseS.
Nachdem sich herausgestellt hat, daß die in unserem Ausschreiben vom 14. v. M. (Anzeiger Nr. 190) empfohlene genaue Berechnung des hier fraglichen Mehrbetrags nicht gut durchführbar ist, beauftragen wir Sie, auf den Ende d. M. an dem Rechner der Landeswaisenkaffe emzufendenden Quittungen den mit Wirkung vom 1. April I. I. ab genehmigten Mehrbetrag nicht mehr genau zu berechnen, sondern auf
Alle Annoncen-Bureaux der In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Gießen, den 20. September 1894. Betr.: Wie vorher.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gtetzen au die Großh. Bürgermeistereien der iu den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegene» Gemeinden des Greises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.
v. Gagern. __________________
Bekanntmachung,
betreffend die Faselschau zu Gießen im Herbst 1894.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß in Ver- bindung mit dem am 26. September l. Js. zu Gießen
Bekanntmachung, Amtstage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wird
Samstag den 6. October 1894, von Vormittags 9 Uhr an, einen Amtstag im Rathhaufe zu Grüuberg abhalten und wird den Kreis-Eingeseffenen aus den Amtsgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 20. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Der KUßeuer Auzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener A.rntttenvrälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Wochenbriefe aus der Residenz.
(Originalbericht für dm „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 21. September.
tzerbstwettfahreu der Freien Radfahrer-Vereinigung. Vom Grohh. Hoftheater.
Eine sportliche Veranstaltung größeren Stiles brachte uns der vergangene Sonntag in dem Herbstmeetiug der hiesigen Freien Radfahrer-Vereinigung. Der Tag war Wie geschaffen zum Rennen: wundervoller, tiesblauer Himmel, heller Sonnenschein, wenig Staub und angenehme warme Temperatur. Den Beginn der Festlichkeit machte ein exact gefahrener Eorso mit Musik durch die Straßen der Stadt, der eine große Menge von Zuschauern angelockt hatte, nach der nächst der Windmühle gelegenen Rennbahn des Vereins. Dort entwickelte sich nun bald ein lebhaftes sportliches Treiben, das seinen Höhepunkt in dem Kampfe um die Meisterschaft deS Hauptconsulates von Heffen und Hessen Nassau erreichen sollte. Die zurückzulegende Strecke betrug 8000 Meter = 24 Runden. Der Preis für den Sieger bestand in einer goldenen Remontoireuhr und einem goldenen Ehrenzeichen mit dem Titel, „Meisterschaftsfahrer von Heffen und HeffenMaffau der A. R. U. 1894/95". Als Bewerber um diesen Preis erschienen am Start vier Radfahrer, unter denen besonders M. Gehrig (B.-Cl. Frankfurt) und der auch aus dem Kampfe mit dem mexianischen Reiter Cody bekannte Dauerfahrer C. Lauterwann (Unionist Darmstadt) iu Frage kamen. Das Rennen selbst gestaltete sich hochintereffant, alle vier Fahrer blieben geschloffen aufeinander und passirten schließlich das Ziel mit nur je 1/5 Secunde Abstand voneinander. Als Sieger ging hervor C. Lautermann mit 16 Minuten 32/5 Secunden. Ihm zunächst war M. Gehrig, -dem ein Führungspreis zuerkannt wurde. Ihr Ende er
reichten die Festlichkeiten in dem am Abend im „< stattgefuudenen Balle, an dem sich neben den hiesigen SportS- freunden noch eine große Menge auswärtiger Gäste bethei- ligten, die erst am Montag Darmstadt verließen.
Im Großherzogl. Hoftheater finden noch immer Gastspiele neu zu engagirender Mitglieder statt, die das lebhafteste Interesse unserer Theaterbesucher wach halten. So hatten wir in der vorigen Woche Gelegenheit, die in Aussicht genommene neue Coloratursängerin zum ersten Male zu bewundern, in der That, bewundern mußte man dlese „Susanne" (in „Figaros Hochzeit") der Frau Pfeiffer-Siß- maun. Wir haben hier schon Sängermnen gehört, deren Stimme klangreicher und wuchtiger war, aber größere technische Fertigkeit und Gewandtheit in Gesang und Spiel haben wir seit den Tagen von Frl. Steinmann bis jetzt bei noch keiner Vertreterin dieses Faches hier gefunden. In derselben Vorstellung zeigte Frl. Borchers, die als „Fidelio" wohl infolge ihrer hochgradigen Erregtheit nicht so besonders gefallen hatte, daß es ihr dock möglich ist, einen günstigeren Eindruck zu erzielen. War ihre „Gräfin" auch noch nicht frei von Mangeln, so zeigte sich doch, daß die Darstellerin sowohl überglänzende Mittel verfügt, als auch die nöthige schauspielerische Routine besitzt. Der zu Entlastung des Herrn Bär neu zu engagirende Tenor, Herr Hauschild, hat leider die Erwartungen nicht erfüllt, die man nach feinem ersten Auftreten als „Lohengrm auf ihn allgemein gesetzt hatte. Seine Leistung als „Mannco in Verdis „Troubadour" am letzten Freitag zeigte wiederum, daß der Künstler über eine mächtige und recht angenehm klingende Stimme verfügt, allein in schauspielerischer Hinsicht war dieser Mannco furchtbar minderwerthig, steif und eckig im Auftreten und geradezu unschön in der Darstellung. DaS mag wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb die Hostheater-Direction keinen Vertrag mit dem Sänger abschloß, denn Herrn Bärs Stelle als Heldentenor kann der Gast nur schwer und in der nächsten Zeit jedenfalls nie be- friedigend vertreten, einen lyrischen Tenor jedoch, der allen
Amtlichem Theil.
Gießen, am 20. September 1894. Betr: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungseides. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzev au die Grofth. Bürgermeistereien des Kreises.
Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungseides der neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Groß- herzoglich hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheiratet haben, soll, wie nachstehend angegeben, stattfinden: t L
1. Der Orts» und Staatsbürger aus den m den Amtsgerichtsbezirken Sich und Butzbach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen
Donnerstag den 4. October d. Js., Nachmittags 2 Uhr
in dem Rathhause zu Lich; c , L a. xx
2. Der Orts- und Staatsbürger aus den tn den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen
Samstag den 6. Oktober d. Js., Vormittags 9 Uhr
in dem Rathhause zu Grünberg-
3. Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen
Donnerstag den 11. Oktober d. Js., Nachmittags 2 Uhr
in dem Rathhause zu Hungen;
4. Der Orts- und Staatsbürger aus den m dem Amtsgerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden
Dienstag den 16. Oktober d. Js., Vormittags 11 Uhr
in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen.
Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.
Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.
v. Gagern.
Gichmer Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Durchschnitt für Rheinhessen | 2,81 2 5 || 2,2 || 2,8
Durchschnitt für das Großherzogthum | 2,71| 2,2 11,7 || 2,8
30
23
5 Mk. und auf den Ende März 1895 einzusendenden Quittungen auf 10 Mk. abzurunden.
Der Beginn der Lehrzeit braucht auf den Quittungen nicht angegeben zu werden.
________ v. Gagern.___
Nachrichten über den Saatenftand im Großherzogthum Hessen
um die Mitte des Monats sevtember 1894.
Zusammengestellt bet der Großherzoglichen Oberen landwtrthlchaftltchen Behörde. .
u
Provinzen
— mittlerer, 4 — geringer, 5 — sehr geringer Stand.
und
?!
K
stau kg r bet ggen
u
•***
lNrmau In 100 Wintert o
Erhebungsbezirke.
-2
•e s
<3 ।
ä
Provinz Starkenburg.
2
2 |
18
1
Kreis Bensheim......
1
—
2
„ Darmstadt......
2
2
1
—
18
3
„ Dieburg......
2,5
1,5
—
—
22
4
„ Er back.......
3
2
—
—
28
5
6
„ Groß-Gerau.....
„ Heppenheim.....
2
3
1
1
1
—
28
16,8
7
„ Offenbach......
3
2
2
—
17
Durchschnitt für Starkenburg
2,5
1,6
1,2
—
21
Provinz Oberhessen.
3
8
Kreis Alsfeld.......
-
—.
24
9
„ Büdingen......
3
2,5
2
—
16
10
„ Friedberg......
3
3
20
11
„ Gtetzen.......
2,5
2
2
17
12
„ Lauterbach......
2
20
13
„ Schotten......
4
2
1 2
18
Durchschnitt für Oberhessen
2.9
2,4 || 1,7
1 -
19
Provinz Rheinhessen.
4,5
30
14
Landw. VeretnSbeztrk Alzey . .
2
3
15
„ „ Bingen . .
3,5
3
2,5
2,5
20
16
„ „ Flonheim .
3
3 5
2
2
28
17
„ „ Ingelheim.
3,5
2,5
3
3,5
28
If
„ „ Mainz . .
3
2
2
2.5
30
1£
„ „ Nieder-Olm
3
1
2
3,5
36
2C
„ „ Oppenheim
—
—
—
21
„ „ Osthofen .
3
3
_
2,5
28
22
„ „ Pfeddersheim
2
2
2
1 2
28
2c
„ „ Wöllstein .
2
2
2
2
24
24
„ „ Wörrstadt.
3
—
4
28
2!
Worms .
3
12
| 2
II3
48


