scheidenden Lehrer, dem Prof. Dr. Buchner darbrachten, zeigte eine recht stattliche Anzahl Fackelträger. Der Zug bewegte sich von der LudwigSftraße durch die Alicestraße nach der Wohnung des Herrn Prof. Buchner. Vor letzterer hielt ein Primaner eine Ansprache, die mit einem Hoch auf den Gefeierten schloß. Nachdem derselbe hierauf der in der Wohnung erschienenen Deputation seinen Dank für die Ovation ouSgesprochen, wurden durch die Militärcapelle einige Musikslücke aufgeführt. Der Zug setzte sich darauf wieder in Bewegung und zwar über die Liebigstraße, Bahnhofstraße, Neustadt nach Oswaldsgarten, woselbst unter dem „Gaudeamus igitur“ die Fackeln verbrannt wurden.
** Der Eisenbahuuufall, welcher sich am vorigen Mittwoch in der Nähe von Vilbel ereignete, kann vielen Reisenden als Warnung zu der bekannten Verordnung, „während der Fahrt mit der Eisenbahn sich nicht dem Fenster hinauszulehnen", dienen: Der am genannten Tage Abends 3/*10 Uhr von Frankfurt kommende Personenzug 101 traf mit eingeschlagenen Fensterscheiben an einem Wagen 3. Klaffe auf dem Vilbeler Bahnhof ein. Die Paffagiere dieses Wagens hatten etwa 1000 Meter vor dem Bahnhof Vilbel einen äußerst heftigen Schlag wahrgenommen, wobei die Fensterscheiben gleichzeitig zertrümmert einfielen und infolge dessen einige Paffagiere leichte Verletzungen im Gesicht erhielten. Die Ursache wurde bald festgestellt und ergab, daß eine Seitenthür eines Wagens 3. Klasse des nach Frankfurt fahrenden Zuges 104 aus ihren obersten Charnteren gefallen war, das untere Charnier hatte die Thüre festgehalten, somit hatte sich dieselbe derart nach unten geneigt, daß ein Berühren der sich an genannter Stelle kreuzenden Züge 101 und 104 stattfand. Kleine Beschädigungen an der einen Seite mehrerer Waggons des Zuges 101 fanden außerdem noch statt, die Thüre selbst, wurde an genannter Stelle in zerschmettertem Zustande durch einen Bahnbediensteten der Station Vilbel aufgefunden und aus dem Geleise entfernt. Wie nun, wenn Jemand sich „dem Fenster hinausgelehnt" hatte?
** Prämiirnug. Der Oberhessische Obstbauverein erhielt auf der Obftausstellung in Berlin folgende Preise: Für „Sortimentsausstellung" die große silberne Medaille des Vereins zur Beförderung des Gartenbaus, für „Verpackungsmethode" die silberne Provinzialvereinsmedaille, für „Aepfel. wein" die broncene Staatsmedaille, für „Beerenwein" von Lenz, Sturmfels ein Diplom, für „Sekt" von Sturmfels die broncene Provtnzialvereins-Medaille.
** Eine reiche Kartoffelernte steht in Aussicht. Drei an einem Strauch auf dem Nahrungsberg gewachsene Kartoffeln wurden ans heute vorgezeigt, welche das stattliche Gewicht von 31/4 Pfd. haben, wovon auf den größten allein l3/4 Pfd. kommen.
** Das Liebig-Denkmal in Gießen ist von der Liebigs Fleisch-Extract Compagnie als geeignetes Object zur Ausstattung ihrer neuesten, künstlerisch ausgeführten Plakate erkoren worden. Die rechte Hälfte des Plakats zeigt den Landungsplatz der Gesellschaft bei ihrer Fabrik zu Fray Bentos, an welchem zur Verschiffung ihrer Producte Seeschiffe bereit liegen- links davon erhebt sich das Gießener Liebig-Monument aus einem sehr naturalistisch ausgeführten Stillleben mit Wildpret und den verschiedensten Gemüsen, zwischen denen zwei naturgetreu abgebtldete Fleisch-Extract- Töpfe mit dem blauen Namenszuge lagern. Ein junger Koch in weißem Küchenanzng steht inmitten der Herrlichkeiten und reicht dem Erfinder einen Palmzweig dar. Geschmackvoll arrangirte Stierköpfe füllen die Ecken. Ueberaus fein und rasfinirt ist die Farbenzusammenstellung: Zu dem in einem satten Roth gehaltenen Fond des Plakats bildet die in Gold gehaltene Inschrift „Liebig Companys Fleisch-Extract" einen wirkungsvollen Comrast.
** Amtliche Meldung über den Stand der Cholera in Bürgeln: Die Desinfection der Baracke und ihres Inhalts ist vorgestern beendet worden. Gestern wurde mit dem Abbruch der Baracke begonnen.
** Ueber das Wetter ist mit Recht bis vor ungefähr 14 Tagen weidlich geschimpft worden. Wie verschieden aber zu derselben Zeit die Temperatur im Deutschen Reich war, ergibt sich daraus, daß in Danzig seit etwa 6 Wochen kein Regen gefallen ist und infolge der herrschenden Hitze kürzlich dort mehrere Leute vom Hitzschlag betroffen worden sind.
** Die nächstjährige internationale Geflügel- und Vogel- ansstellung wird in Mainz statifinden.
** Saatgut- und Molkerei-AuSstellung in Wetzlar. Zum ersten Male versucht der Kreis Wetzlar eine Ausstellung zur Belehrung der Landwirthschaft zu arrangiren. Der erste Versuch ist nun, wie jetzt festgestellt werden kann, derartig geglückt, daß die Ausstellung für jeden Landwirthschaft Treibenden von allergrößtem Jntereffe zu werden verspricht und können wir daher unsere verehrten Leser nicht eindringlich genug auffordern, dieselbe zu besuchen, um aus dem dort Gebotenen Nutzen zu ziehen.
** Der Getreidemarkt. Im Getreidemarkt machte sich während der abgelaufenen Berichtswoche eine etwas bessere Stimmung geltend. Speciell zeigte sich in Roggen ein ziemlich erhebliches Deckungsbtzdürfniß, welches ein entsprechendes Anziehen der Preise in diesem Artikel zur Folge hatte, auch Weizen profitirte einigermaßen von dieser günstigeren Tendenz. Recht fest war im Allgemeinen wieder Haser, da die Deckungsfrage in letzterem Artikel sich stets erneuert, was selbstverständlich auf die Preise belebend zurückwirkt. Die inzwischen eingetretene schöne Herbstwitlerung scheint die anhebende Haussebewegung zunächst nicht beeinträchtigen zu wollen. Notirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm 124 bis 140 Mk., Roggen 112 bis 120 Mk., Gerste 95 bis 130 Mk., Hafer 107 bis 146 Mk.
** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Der Arbeiter Leonh. Hch. Andr. Barth aus Buckau, zuletzt in Groß-Gerau, vom Amtsgericht Osthofen wegen Körperverletzung- Fuhrknecht Martin Bindewald aus Ober- Seibertenroth, zuletzt in Eichelsdorf und Glashütten im '
Dienst, vom Untersuchungsrichter I in Gießen wegen Meineids- Posthilfsbote Carl Horn aus Hungen, zuletzt in Gießen, von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Unterschlagung- Taglöhner Johann Anton Walter aus Wiffels- heim und Schuhmacher Joh. Eberle aus Langenkandel vom Amtsgericht Offenbach wegen Strafvollzugs.
** Statistik des Biehstandes in Hessen. Aus den Mittheilungen der Centralstelle für die Landesstatistik des Groß- herzogthums Hessen entnehmen wir folgende intereffante Daten über den Viehstand im Großherzogthum: Der Viehstand der Provinz Starkenburg beläuft sich auf 20,777 Pferde, 105,931 Stück Rindvieh, darunter 62,261 Kühe, 27,312 Schafe, 101,144 Schweine, 56,006 Ziegen, 9693 Bienenkörbe- Ober- heffen besitzt 16,240 Pferde, 150,571 Stück Rindvieh, darunter 83,423 Kühe, 62,356 Schafe, 106,953 Schweine, 27,043 Ziegen, 9045 Bienenkörbe. Die Provinz Rheinhessen hat einen Vteh- stand aufzuwetsen von 15,422 Pferden, 65,139 Stück Rindvieh, darunter 45,062 Kühe, 1609 Schafen, 38,816 Schweinen, 32,109 Ziegen und 13,669 Bienenkörbe. Die größte Anzahl von Pferden hat der Kreis Friedberg mit 5133, an Rindvieh der Kreis Gießen mit 31,909, darunter 17,785 Kühe, an Schafen ebenfalls der Kreis Gießen mit 12,657, an Schweinen der Kreis Friedberg mit 26,474, an Ziegen der Kreis Bensheim, an Bienenkörben der Kreis Alzey mit 4326. Die Gesammtbestände des Großherzog- thums betragen: 52,439 Pferde, 321,641 Stück Rindvieh, darunter 190,746 Kühe, 91,277 Schafe, 246,913 Schweine, 115,158 Ziegen und 32,407 Bienenkörbe.
** Victnalienpreise im Monat August. Nach den Ermittelungen der Großherzogl. Centralstelle für Landesstatistik schwanken in 11 Städten des Großherzogthums die Preise für Ochsenfletsch a) mit Beilage zwischen 68 und 76 Pf., b) ohne Beilage zwischen 85 und 93 Pf., für Rind- oder Kuhfleisch a) mit Beilage zwischen 60 und 70 Pf., b) ohne Beilage zwischen 70 und 80 Pf., für Kalbfleisch a) mit Beilage zwischen 60 und 76 Pf., b) ohne Beilage zwischen 75 und 86 Pf., für Schweinefleisch a) mit Beilage zwischen 60 und 80 Pf., b) ohne Beilage zwischen 75 und 100 Pf., Hammelfleisch a) mit Beilage zwischen 60 und 70 Pf., b) ohne Beilage zwischen 65 Pf. und 100 Pf., Schasfleisch a) mit Beilage zwischen 50 und 56 Pf., b) ohne Beilage zwischen 63 und 75 Pf. Das billigste Ochsenfleisch mit Beilage ist in Alzey (68 Pf.), das theuerste in Darmstadt, Gießen, Bensheim (76 Pf.), der Höchstpreis für Rind- oder Kuhfleisch mit Beilage wird gezahlt in Darmstadt, Worms, Gießen, Bingen, Bensheim, Friedberg und Lauterbach, der Niedrigstpreis in Mainz- Kalbfleisch ist am theuersten in Darmstadt, am billigsten in Lauterbach, Schweinefleisch am theuersten in Offenbach, am billigsten in Friedberg, Hammelfleisch am theuersten in Darmstadt, Offenbach und Alsfeld, am billigsten in Bensheim, Bingen, Alzey und Lauterbach. — Die Brodpreise schwanken zwischen 12 und 9,5 Pf. per V2 Kilo für gemischtes, zwischen 11 und 9 Pf. für Roggenbrot,- die Butterpreise zwischen Mk. 1.30 und 89 Pf. per Kilo - Milch kostet 16—21 Pf. per Liter, Eier 5-8 Pf. das Stück.
** Nachklänge ans dem Manöver. „Andre Städtchen, andre Mädchen" — „Es lebe der Reservemann!" — schallt es aus den dichtgefüllten Dorfschenken. Die Poesie des Soldatenlebens treibt gerade am Schluß der Manöver, vor der Entlassung der alten Mannschaft, so recht ihre Blüthen. Welch anstrengenden Marsch hatten doch, so wird dem „D. T. A." vom 19. d. M. geschrieben, gestern die Infanterie-Regimenter Nr. 115 und 116! Sie zogen von Traisa über Nieder- und Ober-Ramstadt, Ober-Modau, Reinheim und Lengfeld ins Gefecht bis vor Groß Umstadt und bezogen um 4 Uhr Quartier in der Gegend von Groß- Bieberau- ein Weg von etwa 50 Kilometer. Gar Mancher blieb am Wegrain erschöpft zurück, aber bald bricht der Soldatenhumor wieder durch und des Tages Mühen sind vergessen. Sehr gelungen ging es in dem letzten Biwak bet Reichelsheim zu. Die zwei- und dreijährige Mannschaft begrub nach alter Sitte mit großer Feierlichkeit die nun entbehrlichen kostbaren Löffel. „Offiziere" mit Stroh Abzeichen und Schärpen führten im Parademarsch die Bataillone vorüber. Die nahen Waldungen lieferten die wuchtigen Waffen, mit denen die Compagnien die üblichen „Griffe" klopften. Mancher Zuschauer staunte über die Schneidigkeit und den nordischen Accent, wie diese Vogelsberger und Odenwälder Söhne sie von ihren früheren Vorgesetzten abgeguckt und abgelauscht hatten und jetzt als „Avancierte" zum Ausdruck brachten. Alles klappte, wenn nur die Offizierspferde, die man sich aus dem nahen Biwak der Dragoner geholt und die freilich nicht die edelsten ihrer Rasse waren, sich mit etwas mehr militärischem Schick benommen hätten. So aber mußten die meisten vor der Compagnie förmlich fortgeschoben werden, andere schlugen nach allen Himmelsgegenden aus und nicht wenige trugen unter dem Gelächter der wirklichen Offiziere die ungewohnten Reiter mit dem Strohzügel im Galopp zurück in das Lager ihrer vierbeinigen Kameraden. — „O, welche Lust Soldat zu sein!" — Heute geht es noch einmal mit der ganzen Division gegen den markirten Feind, der sich von Wersau nach Dieburg zurückzteht, und dann zur Garnison — zur Heimalh.
F Friedberg, 21. September. Die Anlieferung und Verarbeitung der Zuckerrüben ist im besten Gange. Die zu Ende gegangene Woche mit ihrem Hellen, warmen Sonnenschein war von günstigem Einfluffe auf die Rüben, deren Zuckergehalt bei dieser Witterung sich täglich bessert. Einsender und seine Nachbarn erzielten 12, 12^ und 13 pCt. Zucker, womit man zufrieden sein kann.
Friedberg, 20. September. An 205 Dienstboten ihres Bezirks oertheilt die Sparkasse „Mathildenstift" gegenwärtig Prämien von je 10 Mk. Die prämiierten Dienstboten sind länger als 5 Jahre bei einer und derselben Herrschaft, haben gute Führungszeugniffe und sind bei der Herrschaft in Kost und Wohnung. Darmft. Ztg.
F. Ans dem südlichen Kreise Friedberg, 21. September. Das Obstgeschäft belebt sich immer mehr und zwar durch einen Factor, der im vorigen Herbste ausgeblieben war, nämlich: Die Württemberger Händler. In unserem Kreise ist es gerade so, wie kürzlich aus dem Kreise Büdingen im „Gießener Anzeiger" gemeldet wurde, nämlich: es gibt reichlich Zwetschen und Birnen, aber weniger Aepfel. Das- selbe Verhältniß besteht in ganz Südwestdeutschland und daher kommen nun die Württemberger Consumenten und helfen unseren Markt beleben und bessern. Man bietet bereits 6 Mk. und darüber für Schüttelobst, während es in voriger Woche nur 5 bis Mark galt. Für befferes Brech- und Tafelobst zahlt man willig 10 Mark und darüber.
H An8 dem Horloffthale, 21. September. Die Sechserdeputation, welche nach Darmstadt ging, um unsere Bahn- angelegenheiten an allerhöchster und höchster Stelle zur hochgeneigten Berücksichtigung und möglichsten Beschleunigung zu empfehlen, war gerade abgereist, als ein Telegramm vom Hofmarschallamte eintraf, welches die Herren auf Samstag den 23. d. Mts. zur Audienz bei Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzoge befahl. Da die Herren aber nun doch in Darmstadt waren, machten sie ihre Besuche beiden Herren Ministern und Räthen, wo sie mit ausgezeichneter Freundlichkeit ausgenommen und ihnen die Zusicherung gemacht wurde, daß das Project mit allen Kräften gefördert würde. Eine Sitzung des Finanzministeriums, in welcher darüber beschlossen wird: ob der Anschluß in Oberwtddersheim oder in Nidda zu erfolgen hat, steht in aller Nähe bevor. Die Herren betonten noch besonders, daß die beiden Linien Hungen-Friedberg und Nidda-Friedberg gleichzeitig angefangen und vollendet werden müßten.
A Mainz, 21. September. Die allgemeine deutsche Gartenbauausstellung wird übermorgen, Sonntag Abend, geschloffen. Der Besuch derselben war ein überaus zahlreicher und wird es jedenfalls zu einem finanziellen Ueber» schuß kommen. Der Schluß der Ausstellung erfolgt mit einem großen Gartenfest, welches mit einem Feuerwerk und Illumination der gesammten Ausftellungsanlagen abschließt. — Die hiesige militärische Conservenfabrik hat ihren Betrieb wieder ausgenommen. Der Betrieb wird nicht den früheren Umfang haben,^da ein Theil der für die Armee und die Marine benöthigten Fleischconserven in Spandau angefertigt wird. Die Lieferung des Großviehes wurde sowohl für die hiesige wie auch für die Spandauer Conservenfabrik der Firma Simon & Heister hier übertragen. — Die Verwaltung der Hessischen Ludwigsbahn hat eine lobenswerthe Anordnung getroffen. Dieselbe hat nämlich bestimmt, daß auf ihren Linien mittellose Kranke, Blinde, Taubstumme, Waisen, Krankenpflegerinnen, sowie die Zöglinge der Kadettenanstalten die Schnellzüge ohne Lösung von Zuschlagskarten benutzen können. Im Uebrigen können bei der Ludwigsbahn Schnellzüge mit erhöhtem Fahrpreis von allen anderen Militär- Personen mit Militärfahrkarten nur gegen Lösung der vorgeschriebenen Zusatzkarten benutzt werden.
Vom Odenwald, 20. September. In Erbach ging vor vier Wochen zwei Metzgern ein Ochse durch. DaL Thier war alsbald ganz verwildert und konnte nicht eingefangen werden- auch mehrere Treibjagden blieben erfolglos. Am Dienstag Abend erlegte der Forstgehülfe Köbler im Gemeindewald vermittelst einer Kugel das stattliche und seltene „Wildpret".
Von der Bergstraße, 20. September. Die Hopfenbauer sind auch dieses Jahr leider abermals wieder enttäuscht- denn in den letzten Tagen wurden bereits viele Verkäufe abgeschlossen. Je nach Lage und Qualität wurden 50 bis 80 Mk. pro Centner erlöst. In früheren Jahren hat öfter der Centner 150 bis 200 Gulden gekostet. N. H. B.
Unserem Buchner.
Von Einem von anno 60.
Bejahrte Väter, Söhne blicken heut Gerührt und dankbar auf zu ihrem Lehrer, Der goldnen Samen emsig ausgeftreut, Des Guten, Wahren Fördrer stets und Mehrer. Der unentwegt ein Menschenalter fast Geweckt, gepflegt der Jugend beste Triebe - Der nie gemurrt hat unter jener Last, Die nur ertragen hilft — Geduld und Liebe.
Gar wundersam und gar empfindlich ist Das Denken unsrer lieben Jungen - Wer da den rechten edlen Tact vergißt, Ist ernstlich nicht ins Leben eingedrungen. Hier lag die Kunst: — Kein einseitiger Zwang, Mit Güte und Humor die Strenge paaren, Kein Unterschied, kein hoher, niedrer Rang, Er rechnete mit Menschen, Gaben, Jahren.
Wie lockt sein Ruf, wenn er an uns erging: „Um zwei Uhr morgen gehen wir in Heßler!" Da gab es Keinen, der nicht Feuer fing, Kein Schläfer, Drücker und auch kein Vergeßler. Das waren Stunden, lehrreich, lusterfüllt, Die unsre jungen Herzen fast berauschten - Wenn wir den Wald durchstreiften froh und wild Und dann dem klaren ernsten Vortrag lauschten.
Der Meisten Steckenpferd war die Chemie - Ich selbst hab kein Diplom darin beseffen, Die Ungeheuer, ich vergaß sie nie, Die Formeln all von chemischen Prozeffen. Gar oftmals standen wir in Reih und Glied Und Mancher hatte etwas — abbekommen. Das stärkte sehr und wie die Wange glüht, So hat auch rasch die Weisheit zugenommen.


