1894
Sonntag dm 23. September
Amts- unb Anzeigeblatt für den TLrers Gieren.
chralisöeikage: Gießener Kamitienölätter.
Dierteljähriger
ZldonuementspreiA: 2 Warf 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rcdaction, Expedition und Druckerei:
Kchutstraßc Wr.7.
Fernsprecher 51.
Neueste Nachrichten»
Wolffö telegraphisches Lorrespondenr-Bureau.
Thorn. 21. September. Ein Scharfschießen aus 600 Geschützen, das den Abschluß der 14tägigen FestungS- manöver bildet, hat heute Mittag in Gegenwart des Kriegs- Ministers begonnen. ,
Balassa-Gyarmat, 21. September. Nach Schluß des heutigen Manövers sprach der Kaiser beiden Corps- Commandanten seine Zufriedenheit für das vorzügliche Manöveriren aus. Der Kaiser reift Abends mit dem Prinzen Leopold von Bayern zur Hirschpürsche nach Visegrad.
Newyork, 21. September. Meldung des Bureau Reuter. Einem Telegramme aus Colon in Columbien zufolge ist der Präsident Nunez am Dienstag an gastrischem Fieber
Shanghai, 21. September. Reuter - Meldung. Eine Depesche aus Kobe bestätigt die aus chinesischen Quellen stammende Meldung, daß bei dem Seegefecht am Yula- Flusse drei japanische Kriegsschiffe verloren gegangen feien; die Namen würden jedoch nicht angegeben. Die officrellen japanischen Berichte seien augenscheinlich unvollständig.
Yokohama, 21. September. Den letzten Berichten zufolge betrug der Verlust der Japaner in der Schlacht bet Ptngyang 11 Offiziere und 154 Mann todt, 30 Ossi- ziere und 521 Mann verwundet. Den Chinesen wurden
Cocofc» nn6 provinzielle».
Sieben, den 22. September 1894.
Abonnements Einladung
Zum Bezug des „Giehener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" btc Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich- ten-Burcaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den —cser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhesscn ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur'Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhesscn betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- wcrthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen m H aus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Em gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als llnterhaltungsftoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenftei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswätts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abounements- bettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung ersolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch).
flott Gemacht.
Warschau. 21. September. In Lipno im Gouverne- ment Plozk kam es anläßlich des Transports eines cholera- tränten Inden zu argen Ausschreitungen zwischen der PaUzei und sanatischen Juden. Zwei der letzteren wurden getötet, sechs schwer oerwundet.
Der
Gießener Anzeiger erscheint tägliche mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener
Aamiktendtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Nr. 223 Erstes Blatt
halt der Broschüre.
Berlin, 21. September. Wie der „Berl. Börsen- Courier" hört, wird zum Beginn der nächsten Woche der Finanzrath I. Rasalicz aus St. Petersburg, der wohl als die rechte Hand des gegenwärtigen russischen Finanzministers Herrn v. Witte bezeichnet werden kann, hier ein» treffen. Man nimmt an, daß die Reise desselben nach Berlin mit den im Zuge befindlichen Verhandlungen über Die Wieder- gewährung der Beleihungssähigkeit russischer Werthe im Zusammenhang steht.
Kiel, 21. September. Für die im Sommer 1895 in Königsberg stattfindende Norddeutsche Gewerbe- Ausstellung ist eine Betheiligung der kaiserlichen Marine höheren Ortes in Aussicht gestellt worden.
Oppeln, 21. September. Neuerdings wurden in Laura- hütte drei, in Slawitz zwei, in Siemianowitz eine Erkrankung an asiatischer Cholera sestgestellt. In Myslowitz und Laurahütie kamen je zwei Cholera- Todesfälle vor. ,
Oppeln, 21. September. Der Regierungspräsident hob wegen der fortdauernden Choleragesahr alle Krämer- und Viehmärkte in den Kreisen Oppeln, Kreuzburg und Myslowitz auf.
Breslau, 21. September. Dem hiesigen „General- Anzeiger" zufolge ist die Ernennung des Fürsten v. Hatz- feldt-Trachenberg zum Oberprästdenten von Schlesien bereits erfolgt. , _ „ ,
Paris, 21. September. Die Blätter erörtern die Rede des Präsidenten Casimir Perier in Chateaudun und geben der Ansicht Ausdruck, daß man in dieser Rede den Mann der Pflicht erkenne. Wenn Dupuy dem Präsidenten der Republik etwa Opposition machen wollte, so sei Dupuys Niederlage unzweifelhaft sicher.
Paris, 21. September. Seitens der republikanischen Presse wird constatirt, daß in der gestrigen Rede des Präsidenten Casimir Perier der Regierung ein in allen Punkten vollständig abgegrenztes Programm vorgezeichnet worden sei. Wenn die Regierung bestrebt sei, dieses Programm zu verfolgen, so würde durch daffelbe die Möglichkeit gegeben sein, jede weitere Ausdehnung der socialistischen wie auch der anarchistischen Ideen zu vereiteln.
Loudon, 21. September. Telegraphischer Meldung aus Tokio zufolge bewegen sich japanische Truppen in Eilmärschen gegen Widschu und Mukden. — Die japanische Kriegsanleihe ist von der Bevölkerung dreimal über- zeichnet worden. , , , .
London, 21. September. Aus Shanghai wird über das Seegefecht zwischen Japanern und Chinesen noch gemeldet: Alle bei demselben betheiligt gewesenen, nicht ganz zerstörten Kriegsschiffe wurden derart beschädigt, daß deren Reparatur Monate in Anspruch nehmen wird. Außer den drei in den Grund gebohrten chinesischen Kriegsschiffen wurden sieben andere chinesische Schiffe schwer beschädigt. Von der japanischen Flotte trugen nur zwei Heinere Schiffe Havarie leichter Art davon. Die Verluste der Japaner an Todten und Verwundeten betrugen insgesammt 66 Mann.
Antwerpen, 21. September. Infolge des auf der Schelde herrschenden dichten Nebels scheiterten em italienisches und zwei englische mit Getreide beladene Transportschiffe. Zwei der Schiffe wurden heute Nachmittag wieder
** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 5. September der Arbeiterin Elisabeth Hofmeister aus Bodenheim, im Dienste des Perlenfabrikanten L. Wagner zu Mainz, das allgemeine Ehrenzeichen „Für Verdienste" zu verleihen.
Sitzung Großh. Handelskammer vom 14. September i»w- Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Homberger, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Die Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung definitiv Stellung zu der in Aussicht genommenen Erweiterung der Unfallversicherung auf solche Betriebe, die seither von der Ver- sicherung noch nicht umfaßt waren, namentlich, soweit Betriebe im Handel in Betracht kommen. In Uebereinstimmung mit der Großh. Handelskammer Mainz erklärte man sich im Princip für eine Erweiterung der Unfallversicherung, glaubte aber in wesentlichen Punkten, namentlich hinsichtlich der Form der Versicherungserweiterung, dem Entwurf die Zustimmung versagen zu müssen. Einzelne Handelszweige, mit denen tn erheblichem Umfang eine Lagerung von Fässern und Kisten re. in Kellern, Speichern u. s. w. und ein beträchtlicher Waaren- transport, ein Heben, Tragen und Fahren großer Lasten verbunden ist, erachtet die Kammer für durchaus versicherungspflichtig. Hinsichtlich anderer Handelsbetriebe, wie das Bank- und Agenturgeschäft, wünscht die Kammer von der Versiche- rungspflicht ausgeschlossen zu sehen. Die Erweiterung der Entschädigungspflicht der Berufsgenossenschaft, für deren fernere Beibehaltung sich die Kammer erklärt, auf Unfälle, welche versicherten Personen bei persönlichen oder anderen Dienstverrichtungen für den Betriebsunternehmer Motzen, hält man für geboten. Auch erachtet die Kammer es für zweckmäßig, daß in den versicherungspflichtigen Betrieben Handlungsgehilfen und Handlungslehrlinge, falls sie mit dem technischen Theil des Betriebs in Berührung kommen, ebenfalls für versicherungspflichtig erklärt werden. Dem Auftrag höchster Staatsbehörde entsprechend übermittelte die Kammer derselben ihre Stellungnahme zu dem fraglichen Entwürfe. Das Kaiser!. Patentamt theilt den Eingang der in unserm Bezirk gesammelten Waarenzeichen mit und dankt namentlich für die werthvolle Übersendung der aus die Tabakbranche bezughabenden Freizeichen. — Vom Grotzy. Ministerium des Innern und der Justiz ging der Kammer wiederum eine Zuschrift, betr. die Verpackung deutscher zum Export bestimmten Maaren zu, über deren Mangelhaftigkeit von den deutschen Consulen sehr geklagt wird. Etwaige Wünsche, näheren Aufschluß über die Herstellung einer allen Anforderungen entsprechenden diesbezüglichen Verpackung zu erlangen, bittet man an unö zu richten. — Von höchster Staatsbehörde ging der Kammer ferner die Abschrift eines Berichts des Kaiferl. GewerbeconsulS in Cairo, den deutschen Exporthandel nach Egypten betr., zu. Interessenten liegt derselbe auf dem Büreau zur Kennt- nißnahme offen. — Die Speditions - Firma Knauth, Nachod und Kühne übersendet der Kammer ein Exemplar des neuen Zolltarifs der Vereinigten Staaten von Amerika und stellt ihre Dienste den deutschen Exporteuren zur Verfügung. — Der Verein „Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin" veranstaltet am 17. uno lö. October l. I. eine Gersten- und Hopfenausstellung in Berlin. Man macht hiermit die Interessenten auf dieses Unternehmen mit dem Bemerken aufmerksam, daß die aw stellungssatzung-n auf unserem Biireau eingesehen werden können. — Das Directorium der polytechnischen Gesellschaft Gewerbeverein für Leipzig lenk: die Aufmerksamkeit der in- teressirten Kreise auf die seit 1890 in Leipzig bestehende, nunmehr wegen ihrer für die Aussteller vorteilhaften Wirkung zum dritten Male vergrößerte dauernde Gew erbe- ausftellung. Don Seiten der Ausstellungsleitung sind der Handelskammer eine Anzahl Anmeldescheine zugestellt worden mit der Bitte, diese den Gewerbetreibenden des Kreises zur Verfügung zu stellen und sind solche Scheine auf unferm Büreau in Empfang zu nehmen. — Da nach dem endgültigen Entwurf des Winterfahrplans bet &e' \. Ludwigsbahn Zug 41a an den Wochentagen in Wegfall kommen soll, wurde beschloffen, eine eingehend modificirte Eingabe an Großh. Ministerium der Finanzen zu richten, höchste Staatsbehörde möge die Direction der Ludwigsbahn veran- laffen, daß dieser Zug wieder zur Einstellung gelange. Desgleichen wurden die Schwesterkammern Frankfurt a. M. und Mainz um Unterstützung gebeten.
•* Der Fackelzng, welchen gestern Abend die Schuler des Realgymnasiums und der Realschule ihrem aus dem Amte
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger.
Annahmr von Anzeigen zu der Nachmittag- für den «okgcndcn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
zweitausend Mann getödtet. Die Zahl der Verwundeten . fehlt noch. ___
Depeschen de» Bureou .Hervtd'.
Berlin, 21. September. Wie der „Reichsanzeiger" mit- theilt, hat die Wittwe des Bauraths Wentzel der königl. Akademie der Wissenschaften die Summe von l'/z Mill. Mk. gestiftet zur Förderung umfassender, größere Aufwendung erfordernder wiffenfchaftlicher Unternehmungen aller Art. Jedem ordentlichen Mitgliede der Akademie steht das Vor- chlagsrecht für die Verwendung der Stiftung zu.
Berlin, 21. September. Wie der „Localanzeiger" mit- theilt, wurde der Verfaffer der Broschüre „Der Wucher und feine Geldleute", Fritz Krause, polizeilich festgenommen. ES handle sich um ein ErrnittelungSversahren über den In-


