Berlin, 20. August. AuS Landsberg wird der Tod eines Knaben an asiatischer Cholera gemeldet.
Berlin, 20. August. Der „Kreuzzeitung" wird aus Rom bestätigt, daß in der letzten Zeit von französischer Seite Versuche gemacht worden sind, eine handelspolitische Annäherung zwischen Frankreich und Italien herbeizuführeu. Man glaubt auch, daß der Boden soweit geebnet sei, um in nicht allzu ferner Zeit die Wiederaufnahme von Verhandlungen über die Regelung der handelspolitischen französisch italienischen Beziehungen zu ermöglichen.
Kiel, 20. August. Die Abreise der beiden nach dem oftafiatischen Kriegsschauplatz bestimmten Kreuzer „Cormorau" und „Condor" ist nach der „Nordostseezettung" auf den Anfang des October festgesetzt.
Wien, 20. August. Eine gestrige zahlreich besuchte Socialisten Versammlung hat beschloffen, die Agitation zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts mit allen Mitteln fortzuführen. Die Versammlung verlief ruhig.
Wien, 20. August. Die Bundesversammlung der deutschen Radfahrer Oesterreichs lehnte den Antrag, die Bundesleitung wöge die Initiative zur Gründung eines großen deutschen Radfahrerbundes, welcher sich auf alle deutschen Länder erstrecken solle, ergreifen, ab.
London, 20. August. Wie die „Times" aus Shanghai melden, sind die chinesischen Truppen bei Affan geschlagen worden. Für die nächsten Tage sind entscheidende Schlachten in Aussicht. >
Loudon, 20. August. Die „Morningpost" meldet, daß gegen die Absendung von italienischen Geheimpolizisten nach London zur Ueberwachung der dort weilenden italienischen Anarchisten ernstliche Hindernisie bestehen.
Liverpool, 20. August. Nachrichten aus Benin zufolge mußten mehrere Kriegsschiffe und Truppen nach dem englischen Schutzgebiete abgehen wegen eines dort ausgebrochenen Aufruhrs.
Petersburg, 20. August. Das Befinden des Ministerpräsidenten von Giers ist ein fortschreitend besseres, nur klagt der Präsident noch über große körperliche Schwäche.
Warschau, 20. August. Es verlautet, daß der Czar anläßlich der Vermählung des Thronfolgers alle wegen Thetl- nahme an der Kilinski-Feier Berurtheilten begnadigen werde.
Cocale» und j)vsvin;ielle»
Gießen, den 21. August 1894.
** Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 8. August den Lehrer an der Realschule zu Darmstadt Profeffor Dr. Wilhelm Zimmermann zum Lehrer an dem Realgymnasium daselbst, den Lehrer an der Realschule zu Oppenheim Georg Heil zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, den Lehrer an der Realschule zu Darmstadt Dr. Julius Stahl zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, den Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey Dr. Eduard Ottmann zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, den Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Gießen Rudolf Dieckmann zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms, den Lehrer an der erweiterten Volksschule in Vilbel Gustav Stammler zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt und den Lehrer an der Real- und Landwirthschastsschule zu Groß Umstadt Carl Henkelmann zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld zu ernennen.
** Der telegraphische Gruß Seiner Königlichen Hoheit zrq Großherzogs, welchen am vorigen Samstag die Delegtrten- Versammlung des Hessischen Feuerwehrverbandes auf das von derselben abgesandte Huldigungstelegramm erhielt, hat folgenden Wortlaut: „Den in Meiner getreuen Stadt Gießen versammelten Feuerwehrleuten entbiete ich Meinen landesherrlichen Gruß und wünsche den dem allgemeinen Wohle gewidmeten Arbeiten des 16. Hessischen Feuerwehrtages Erfolg."
** Das Feuerwehrfest hat mit den während des gestrigen Montags getroffenen Veranstaltungen seinen Abschluß gefunden. Im Allgemeinen wird man mit dem Verlauf desselben zufrieden sein müssen, denn, abgesehen von den durch Regen verursachten Störungen des Feftzuges und dem gestrigen Dauerregen ereignete sich nichts, was die Stimmung zu stören vermochte. Denn Feststimmung war von allem Anfang an vorhanden, sie mochte das garstige Wetter nicht zu verscheuchen,- ununterbrochen bewegte sich der Menschenstrom nach dem Festplatze, wo während des gestrigen Tages die Regimentsmusik unverdroffcn ihre schönen Weisen erklingen ließ. Besonders groß war der Zudrang am Abend, an dem die am Sonntag von der Festordnung abgesetzten lebenden Bilder zur Darstellung gelangen sollten. Die beiden Bilder „Rettung einer Familie aus Lebensgefahr" und „Die gerettete Familie" kamen wirkungsvoll, das letztere unter dem Choral: „Nun danket alle Gott" zur Darstellung) lebhafter Beifall wurde dieser Veranstaltung gezollt. Das gegen 10 Uhr abgebrannte Feuerwerk fiel vorzüglich aus und wurde in seinen einzelnen Abtheilungen beifällig ausgenommen, besonders als am Schluffe unter knatterndem und in allen Farben sprühendem Feuer das große Feuerwehrwappen farbenpräch:ig zur Darstellung gebracht wurde. Den letztbezeichneten Veranstaltungen kam es zu Statten, daß der Himmel vorher seine Schleußen geschlossen hatte. Den Schluß bildete Concerr und Tanz. Ohne Zweifel würde aber das ganze Fest großartiger und finanziell (besonders auch für die Wirthe) günstiger verlaufen sein, wenn das Wetter vom Sonntag Morgen Stand gehalten hätte. Erfreulich in hohem Grade war aber, dies sei nochmals wiederholt, die große Bethei- ligung der Einwohnerschaft Gießens an dem Feste; dies wird unsere Feuerwehr mit Genugthuung erfüllen; der reiche Schmuck der Stadt legte nicht minder Zeugniß ab für die Sympathie, welches man dem Feste entgegenbrachte. Der Festplatz war in allen seinen Theilen vortheilhaft,
besonders in Bezug auf die Anlage der geräumigen Wirth- schaften^ ausgenutzt und herrlich geschmückt; über die Ausschmückung und Anlage des Eingangsthores waren allerdings die Meinungen getheilt. Es steht fest, daß Gießen keinen geeigneteren Platz besitzt, alsOswaldsgarten; es sollte daher auch nach vielfachen Aeußerungen im Publikum darauf Bedacht genommen werden, daß derselbe in seiner jetzigen Größe belassen und nicht durch Bauten beeinträchtigt wird. Im nächsten Jahre steht uns das Mittelrheinische Kreisturnfest bevor und wird bereits in interessirten Kreisen die Frage erörtert, ob es nicht besser sei, das Fest auf dem Trieb abzuhalten. Von diesem Plane möchten wir entschieden abrathen. Erstens ist der Trieb zu entfernt von der Stadt, so daß er besonders für die Fremden nur mit Zeitverlust zu erreichen ist; zweitens würde da" Publikum bei so durchdringendem Regen, wie in den letzten Tagen, hinreichenden Schutzes entbehren; auch der rein turnerische Theil würde sich bei Wahl von Oswaldsgarten, falls Regenwetter eintritt, bester aus- führen lasten, denn es befinden sich in -unmittelbarer Nähe zwei geräumige Turnhallen. Die Annahme, daß der Oswaldsgarten für dieses Fest zu klein, ist kaum stichhaltig, wenn man berücksichtigt, daß mit einzelnen Festbauten bis in den Garten der Altceschule und Stadtknabenschule hineingegangen werden kann. (Bor Schluß des Blattes ging uns ein „Eingesandt" zu, dessen Inhalt sich mit unseren Ansichten hierüber deckt. Wir werden dasselbe in nächster Nummer veröffentlichen. Red.)
* * B. Die Beleuchtungsanlage des Festplatzes. Die gelegentlich des Feuerwehrfestes in hiesiger Stadt erstmalig in größerem Maßstab zur Anwendung gekommene electrische Beleuchtung zur Erhellung eines größeren öffentlichen Platzes verdient des allgemeinen Interesses wegen einiger Worte der Besprechung. Nachdem der Festausschuß dem vorgelegten Plan entsprechend beschlossen, Platz- und Hallenbeleuchtung mittelst electrischen Lichts, äußere Beleuchtung und Illumination der Eingangspforte mittelst Gas herzustellen und Herr Commerzicnrath Gail in dankenswerther Weise die vorzügliche 25 Pferde starke Dampfmaschine seiner Fabrik nebst Dynamomaschine seiner electrischen Beleuchtungs- einrichtung für das Fest zur Verfügung gestellt hatte, wurde die Ausführung der electrischen Anlage der bewährten Firma C. Buchner in Wiesbaden übertragen, welche — unter festamtlicher und geschäftlicher Mitwirkung unseres Gaswerks — in sachkundigster und zufriedenstellendster Weise ihre Aufgabe löste, so gut es die gegebenen Verhältnisse überhaupt ermöglichten. Die Beleuchtungsanlage des etwa 10000 qm. messenden Festplatzes sammt Wirthschaftshallen umfaßt fünf größere Bogenlampen mit je etwa 1000 (in einer einzigen Lichtquelle vereinigten) Normalkerzen, drei mittlere (für die große Wirthschaftshalle) mit je 600 Kerzen, eine kleine für das Ehrenpodium mit 150 Kerzen, sowie für die übrigen Hallen 95 Glühlichte von meistens 25, einige von 16 Normalkerzen. — Die erzielte Beleuchtung war in der Lichtentwickelung eine recht gleichbletbende und ruhige und für den vorübergehenden Zweck auch vollständig ausreichende, sie glänzender zu gestalten, war im vorliegenden Fall technisch nicht möglich, da die zur Verfügung gestellte Maschinenanlage nur bis zu der ihr eignen zulässigen Grenze (150^. Strommenge und 65 V Spannung) in Anspruch genommen werden durfte. — Die Rücksichtnahme auf die vorzunehmenden Uebungen der Feuerwehr machten es ferner unmöglich, Bogenlampen inmitten des Platzes aufzustellen, von wo aus die Vertheilung des Lichts eine wirkungsvollere gewesen wäre. Immerhin durfte man mit der Lichtentfaltung der inneren und äußeren Festbeleuchtung zufrieden sein. Als treue Arbeitsgenossin begrüßte die Gasbeleuchtung ihre jüngere Schwester, die electrische Beleuchtung, auf dem Festplatz, mit dem Wunsche und in der Ueberzeugung, daß sie einander zu fördern geeignet sind, und daß je nach gegebenen Verhältnissen eine jede Beleuchtungsart ihre besondere Berechtigung hat. — Die in den letzten Jahren auf dem Gesammtgebiet der Beleuchtungskunst gemachten Fortschritte beweisen hinlänglich, daß sich deren Vertreter ihrer schönen Aufgabe, „mehr Licht" zu schaffen, bewußt sind.
* * Von der Ausstellung von Löfchgeräthen und Aus- rüstuugsgegeust'ändeu, die sich stets eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, kann berichtet werden, daß sie Veranlaffung zu belangreichen Käufen gab. Die Aussteller haben sich durchweg befriedigt darüber ausgesprochen.
♦ * Bierverbrauch auf bcm Festplatz. Nahe an 200 Hecto- liter Bier verschiedenen Gebräus wurde während der Festtage verzapft. Der Verbrauch würde bedeutend größer gewesen sein, wenn besseres, bezw. wärmeres Wetter geherrscht hätte.
* * Der Finanz, und Hauptausschuß des Feuerwehrfestes halten heute Abend eine Sitzung ab zwecks annähernder Feststellung des finanziellen Ergebnisses. Je nach Ausfall desselben soll die Frage über die Abhaltung einer Nachfeier erörtert werden.
* * Vermißt. Am vorigen Sonntag Abend zwischen 10 und 11 Uhr hat sich ein geistesgestörter junger Mann von hier aus seiner elterlichen Wohnung entfernt und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Es wird befürchtet, daß ihm ein Leid zugestoßen ist. Derselbe ist 33 Jahre alt, groß, schlank, hat schwarzes, lanzes Haar und verwahrlosten Vollbart, blasses Gesicht und dunkle Augen. Bekleidet war derselbe mit dunkelblauem Ueberzieher, brauner, abgetragener Hose, schwarzem, kleinen Filzhut und Schaftenstiefeln. Von den Angehörigen ist Demjenigen, der Auskunft über den Verbleib desselben geben kann, eine Belohnung zugesichert worden.
* * Widerstand. Als gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr am Festplatz ein Kutscher ohne brennende Laterne mit seinem mit Feuerwehrleuten besetzten Wagen im Trab durch das Publikum fuhr und derselbe Zwecks Feststellung seiner Person von den dienstrhuenden Schutzmännern angehalten wurde, weigerte er sich, seinen Namen anzugeben, weshalb seine Festnahme erfolgte. Hierbei ergriffen zwei der im Wagen sitzenden Feuerwehrmänner für den Kutscher Partei, hinderten die Schutzmänner an der Verhaftung, indem sie dieselben
an den Kleidern sowie den Arrestanten festhielten; Letzterer,, hierdurch bestärkt, schlug mit den Fäusten auf die Schutzleute ein. Während der Kutscher nun auf der Sicherheitswache sich befand und deffen Persönlichkeit festgestellt wurde, wurde von ihm nachgefolgten Feuerwehrleuten vor der Wache demonstrirt und „heraus" gerufen, auch ist unterwegs nach den Schutzleuten geworfen worden. Die vor der Wache sich inzwischen angesammelten Feuerwehrleute wurde auf Ersuchen des wachehabenden Schutzmannes durch einen Obmann der Feuerwehr entfernt. Bei der Entlassung des Kutschers von der Wache wurde dieser von einem inzwischen wieder erschienenen Feuerwehrmann unter den Arm gefaßt und unter lautem „Bravo"-Rufen fortgesührt.
* * Ein „Arbeitsuchender". Gestern traf ein junger kräftiger Handwerksbursche ein und fragte bei einem Schmiedemeister nach Arbeit, die ihm auch zugesagt wurde, er sollte aber gleich eintreten. Dies behagte aber dem „Arbeitsuchenden" nicht, er wollte nur ein Geschenk. Der Meister setzte die Polizei in Kenntniß und als dem Burschen die Wahl gestellt wurde, entweder die Arbeit zu nehmen oder wegen Bettelns verhaftet zu werden, zog er Ersteres vor und trat ein. Ob er lange aushalten wird?
* * Nebenbahn Londorf.Grimberg. Die Arbeiten zum Bau der Bahnlinie Londorf-Grünberg sind, wie die „Frkf. Ztg." meldet, drei Unternehmern, Pfasf, Schwalb und Deubel in Lollar, übertragen worden.
* * Militärisches. Das Tragen der Paletots aus grauem Tuch nach dem Schnitt der Paletots der Infanterie-Offiziere ist nunmehr nach einer Bestimmung des Kriegsministeriums auch den zu den Unterbeamten zählenden Unterapothekern und einjährig-freiwilligen Apothekern gestattet worden. Die schwarzen Paletots find bis zum 1. April 1898 aufzutragen.
* * Wieseck, 21. August. Gestern Abend 11 Uhr tödtete sich hier in der elterlichen Wohnung ein junger Mann durch einen Revolverschuß, lieber das Motiv der That ist bis jetzt nichts festgestellt. Der junge Mann war in Gießen bei der Baubehörde für Nebenbahnen beschäftigt und harte sich gestern erst den Revolver in einem Gießener Geschäft gekauft.
-d- Albach, 20. August. Am Samstag Abend feierte der hiesige Krieger-Verein die Erinnerung an die Schlacht bei Gravelotte. Auf einem erhöhten Punkte vor dem Dorf wurde ein großer Scheiterhaufen abgebrannt. Ein alter Veteran, der Theil genommen hatte an jener Schlacht, feierte in einer längeren Ansprache die Helden des gerade für uns Hessen so ruhmreichen Tages, gedachte der Todten, die an jenem Tage ihr Leben laffen mußten und toastete zum Schluß auf Se.Maj. den deutschen Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog von Hessen. — Der Gaftwirth H. Euler aus Albach hatte ein Fäßchen Bier auf den Festplatz gebracht und so auch für die Durstigen gesorgt. Nachdem noch einige Vaterlandslieder gesungen waren, marschirte der Verein zurück nach der Euler'schen Wirthschaft, wo man noch bis zur späten Stunde gesellig zusammenweilte- Bei dieser Feier hatte der Verein Gelegenheit, seine erst jüngst angeschafften Gewehre zu proben. Es wurden mehrere Salven abgegeben.
Bad-Nauheim, 19. August. In der vorigen Woche sind 5 49 Kurfremde, im Ganzen jetzt 10,072 Personen, hier angekommen.
Friedberg, 19. August. Bei den Ausgrabungen in der Burg wurden weitere Ziegel mit Stempeln gefunden und zwar solche der 14. und 21. Legion;, letzteres ist noch nicht sicher, da der Stempel theilweise verwittert ist.
Grüuberg, 19. August. Am gestrigen Gedenktage der Schlacht von Gravelotte wurde von Seiten des Kriegervereins Grünberg an dem Kriegerdenkmal auf dem „Monumentsplatze" ein prachtvoller Kranz niedergelegt. Abends veranstaltete genannter Verein in seinem Vereinslocale eine Gedenkfeier, wozu auch Nichtmitglieder eingeladen waren.
A Aus dem Ohmthal, 17. August. Das miserable Ernrewetter hat nachgerade einen traurigen Character angenommen; die von Tag zu Tag erhoffte Besserung desselben bleibt aus. Kein Tag vergeht ohne größeres oder kleineres Regenwetter. Locken ein paar Sonnenblicke die Leute hinaus aufs Feld, das überreife Getreide zu schneiden, so jagen Regenschauer sie wieder von der kaum begonnenen Arbeit. Dabei ist die Temperatur merklich wärmer geworden, sodaß das auf dem Boden lagernde Getreide rasch zu keimen und zu wachsen beginnt. Das Wenden der Frucht hilft hierbei nicht viel, da das kaum begonnene Abtrocknen wieder von Niederschlägen abgelöst wird. So sieht der Landmann seine Hoffnvng, die er auf den reichen Erntesegen gesetzt, buchstäblich zu Waffer werden. Die durch das schlechte Erntewetter um Wochen verzögerte Ernte — im anderen Falle wäre Heuer dieselbe sehr früh beendigt worden — hat bei der Frucht die Ueberreife ein» treten lassen, so daß sie einbricht. Eben aus diesem Grunde muß dieselbe trotz des miserabelen Wetters geschnitten werden. In die Scheune ist außer Korn — und noch solches stcht im Felde — noch wenig Getreide gebracht worden. Weizen, Gerste und Hafer lagern noch zum größten Theile im Felde oder befinden sich noch auf dem Stande. Körner wie Stroh verlieren beträchtlich an Qualität durch feuchte Lagerung, ja gewachsene Frucht — man sieht nicht selten fingerlang gekeimte Gerste und Hafer — hat nur den halben Werth. Aus dem vorjährigen Extrem, der Trockenuug, sind wir in das andere, der Nässe, gerathen; extreme Witterungsverhältnisie sind aber stets unheilbringend für die Landwirthschast. BemerkenSwenh ist es, daß die Voraussagung Falbs bezüglich des August- monats sich bewahrheitet.
Büdingen, 20. August. Von allen Seiten des Bürger- thumS, sowie von unserem fürstlichen Hause beglückwünscht, feierten der Lehrer Kühn und seine Gemahlin in geistiger und körperlicher Frische gestern das Fest der goldenen Hochzeit.


