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22.7.1894 Erstes Blatt
 
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die Ursache für die jetzigen Mißstände im Bauwesen darin gesucht, daß die Bauhandwerker ohne gehörige Prüfung der einschlägigen Verhältnisse in die ArbeitScontracte eintreten, sondern auch anerkannt, daß selbst bet vorsichtiger Geschäfts­handhabung die Bauhandwerker von nicht wenigen Verlusten betroffen würden. Dies Schicksal theilen die Bauhandwerker aber mit den Übrigen Gewerbetreibenden. Auch ist nicht außer acht zu lassen, daß sie einen Theil ihrer Verluste wieder eiubringen, indem sie ihre Preise unter Einstellung erheblicher Verlustprämien berechnen. Wie hoch sich übrigens die Verluste belaufen, dürfte in einer allerdings nicht zuverlässigen, aber vielleicht für annähernde Schätzungen brauchbaren Weise die neuerdings veranstaltete mittelbare Erhebung ergeben. Auch wird es von dieser abhängen, ob und wieweit es nöthig sein wird, daß die Regierung von ihrem bisherigen Standpunkt abwetchen muß.

Der hier vorgeschlagene Schutz ist nur ein scheinbarer und rechnet nicht mit der Praxis. Die wohlthätige Bestim­mung kann nämlich umgangen werden- die Bauunternehmer brauchen in die Verträge mit den Handwerkern nur den Verzicht auf die Sicherheitshypothek aufzunehmen und jene werden sich der Bedingung fügen, von demselben Concurrenz- gesetze genöthigt, welches ihnen die Forderung der Baar- und Vorauszahlung verbietet.

Beim Bauschwindel ist der Unternehmer nur Stroh­mann, vorgeschobene Person, der gegenüber selbstder Kaiser sein Recht verlieren" würde, weil eben von ihnen nichts zu haben ist. Da macht denn dasKl. Journ." doch einen praktischeren Vorschlag, der dahin geht, daß die Cauttonsleistung des Unternehmers zur Vorbedingung der Bauerlaubniß erhoben werden soll. Die Handhabung des massenhaften Häuserbaues, wobei derUnternehmer" nur die Coulifse ist, hinter welcher der bemittelte Speculant seine Bereicherung auf Kosten der Arbeiter bewerkstelligen kann, ist nicht eine der Erhaltung würdige und im Namen der Gewerbefreiheit zu schützende Geschäftsform. Die Cautions- forderung ist gerechtfertigt durch die gemachten Erfahrungen, durch den Beruf und die Pflicht des Staates, Uebervor- theilungen der capitalöschwachen Bürger durch bte capitals- starken nach Möglichkeit vorzubeugen, und durch active Mit­wirkung der Staatsbehörde bei dem Baugeschäft mittels der Ertheilung der Bauerlaubniß. Diese Mitwirkung ist un­sittlich, sobald eine große Klasse der auf sie Anspruch machen­den Geschäfte als unreell und ausbeuterisch erkannt worden ist. Uebrigens wird der wirklich creditwürdige Unternehmer die Cautionssumme credidirt erhalten.

Selbst vom Standpunkte der Gewerbefreiheit läßt sich gegen diesen Vorschlag nichts Durchschlagendes einwenden. Man kann auch die Leistungen der Bauhandwerker nicht unter das Risico des sonstigen Geschäftsverkehrs stellen- denn jene Leistungen kommen unmittelbar und dauernd einem Grundstücke zugute und erhöhen den Werth desselben, während sich bet sonstigen Geschäften die Leistung häufig genug ver­flüchtigt und niemand recht zu gute kommt.

CoeaUs uir- ProvLirrrette»

Gießen, den 21. Juli 1894.

* Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädtgst geruht: am 18. Juli die Lehr- amtsaffessoren: Dr. Gustav Siebert an der Realschule zu Butzbach, Ludwig Hönig an der Realschule zu Michel­stadt, Dr. Peter Dittmar an der Realschule zu Oppen­heim, Dr. Franz Schmitt an dem Gymnasium zu Gießen, Hermann Hüffei an der Realschule und dem Progymnasium zu Friedberg, Fritz Henk an dem Real­gymnasium zu Darmstadt, Jakob Partenheimer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey, Rudolf Block an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießejn, Paul Hager an der Realschule zu Bingen, Franz Reitz an der Realschule und dem Progymnasium zu Fr t e d b e r g , und Theodor Hof an der Realschule zu Alsfeld zu Lehrern an diesen Anstalten zu ernennen.

* * Die Einweihung des Wingolshauses fand am 18. Juli programmmäßig statt. Etwa 100 Alte Herren hatten sich zu dem Fest eingefunden. Nach dem Festessen in Steins Garten zog die Verbindung mit ihren Alte» Herren von der alten Kneipe in der Grünbergerstraße durch die Ludwigstraße unter einem wahren Blumenregen nach dem neuen Haus in der Wilhelmstraße, wo der Vorsitzende deshessischen Wingolfs­verbandes" das Haus an die active Verbindung übergab. Erwähnt sei hier noch, daß die Verbindung dabei die Ehre hatte, die Fahnenschleife, die Seine Königliche Hoheit der Großherzog allen den Corporattonen verliehen, welche sich an den Einzugsfeierlichkeiten des jungvermählten Paares in Darmstadt betheiligt haben, zum ersten Mal öffentlich in Gießen zu tragen. Am Abend fand in den geräumigen Kneipsälen unter starker Betheiligung die erste osficielle Kneipe im neuen Haus statt.

* * Regatta. Die Ehrenpreise sind seit gestern in einem Erker der Firma Wilh. Reiber ausgestellt und bestehen inSgesammt aus prächtigen Stücken. Der Wanderpreis der Stadt Gießen und derjenige des Deutschen RuderverbandeS sind werthvolle Pocale, welche unseren Lesern vom vorigen Jahre her noch bekannt sein dürsten; für die übrigen bedeutenderen Rennen sind der Ehrenpreis der Damen, den wir kürzlich schon erwähnten, sür Junior- Vierer, der Ehrenpreis der Universität ein schwerer echt silberner Pocal im Rococco-Styl für An­fänger-Vierer, der Ehrenpreis der passiven Mit­glieder ein mächtige«, von einem Giganten getragenes, mit einem Ruderer bekröntes Horn sür den zweiten Vierer und der Ehrenpreis de» Regatta-Comitös Neptunus, auf einer Perl Muschel thronend, eine mit Wasserpflanzen gefüllte Seemuschel tragend sür Dollen- Bterer bestimmt worden. Auch sür die übrigen Einer- und Zweter-Rennen ist bezüglich der Ehrenpreise eine gute Wahl

getroffen. Die goldene Meisterschaftskette mit Brillant- steru, sowie daS goldene Erinnerungszeichen, welch' beide Herr Rübsamen am vergangenen Sonntage nebst dem Titel Meister von Deutschland" in Hamburg errang, find ebenfalls mit ausgestellt und sind Pracht- und Werthstücke im wahren Sinne des Wortes.

* * Kriegerkameradfchaft Haffia. Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat in Ueberetnsttmmung mit den Wünschen der Vereinsmitglieder den Oberstlieutenant z. D. CaSpary zum Präsidenten der Kriegerkameradschaft Hassia ernannt.

* * Bon hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Portier Josef Berghofer, 43 Jahre alt, aus Innsbruck, vom Staatsanwalt in Gießen wegen Unterschlagung- Metzger Jacob Frdch. Hagelauer, 21 Jahre alt, aus Mainz, vom dortigen Amtsanwalt wegen Diebstahls - Conditor Carl Kraft, 24 Jahre alt, aus Constanz, vom Amtsanwalt in Bingen wegen Diebstahls - Taglöhner Frdch. Sch n epp er, 17 Jahre alt, vom Amtsanwalt I in Darmstadt wegen Diebstahls- Taglöhner Nikolaus Vollrath, etwa 30Jahre alt, aus Fürth i. O-, vom Staatsanwalt in Mainz wegen Unterschlagung- Bäckergehilfe Carl Wiener, 20 Jahre alt, aus Heidelberg, vom AmtSanwalt I in Darmstadt wegen Diebstahls.

** Patent Anmeldung. Zugverminderungsvorrichtung an Regulieröfen (Zusatz zum Patente Nr. 60666): Hugo Buderus in Hirzenhain, 23. Februar 1894.

W. B. Lang-GönS, 19. Juli. Anfang dieses Monats wurde unserem freiwilligen Feuerwehr - Corps resp. unserer Gemeinde von der Feuerwehr-Requisitenfabrik Beduwe in Aachen durch deren Vertreter Herrn Gail, Hauptmann der Gießener freiwilligen Feuerwehr, eine neue Feuerspr ttze überliefert, welche zugleich als Saug- und Druckspritze gebraucht wird und mit einem Schlauchhaspel versehen ist. Dieselbe wurde bet An­wesenheit der Herren Amtmann Dr. Wallau, Feuerwehr- inspector Schön, Gail und unseres OrtSvorstandS auf ihre vor­schriftsmäßige Leistungsfähigkeit geprüft und dabei constatirt, daß die Leistungen der neuen Feuerspritze recht befriedigten. Nach der Probe wurde eine kleine Alarmübung von einem Theil unseres freiwilligen Feuerwehr-Corps mit der neuen Spritze vorgenommen, die ebenfalls zur Zufriedenheit der Anwesenden ausfiel. Möge unser fretw. Feuerwehr-Corps auch weiterhin blühen und gedeihenGott zur Ehr, unseren Nächsten zur Wehr."

Friedberg, 20. Juli. Das Verbandsfest der Mittel­rheinischen Ev. Arbeitervereine wird am 29. Juli hier gefeiert. Der hiesige Verein ist nach Kräften bemüht, das Fest so zu gestalten, daß es alle Theilnehmer befriedigt. An Rednerkrästen sind gewonnen u. A.: Pfarrer Dr. Rade und Pfarrer Naumann aus Frankfurt, Professor Stamm aus Gießen, Pfarrer Wenk aus Darmstadt und Stadtmissionar Jagdstein aus Wiesbaden. Musikaufführungen der Feuerwehr­capelle werden mit Liedervorträgen hiesiger Vereine und der GesangSabtheilungen auswärtiger Arbeitervereine in ansprechen­der Weise abwcchseln. Es dars daher eine recht große Be' theiligung aus hiesiger Stadt und Umgegend erwartet werden.

§ Bermuthshain, 20. Juli. Der Erfinder des Holz- Fahrrades, Sebastian Volz, arbeitet jetzt an einem neuen Rad, welches er noch zu verbessern gedenkt.

§ Aus dem Ohmthal, 20. Juli. Die Kirschen, so­genannten Vogelktrschen, sind in diesem Jahre in einem Maße gediehen, wie es selten vorkommt. Obgleich eine kleine Frucht, biegen sich die Aefte der Bäume doch von der Last. Durch das nasse Wetter sind die Kirschen auch bemerkenswerth voll­kommener als sonst. Auf der Landstraße liegen die Kirschen oft wie gesäet- Schwärme von Staaren, die auf den Kirsch­bäumen tafeln, haben sie herabgeworsen. Die Leute kochen aus den Kirschen Honig und verwenden sie zu Ktrschenkuchen und Gel^e, wozu sie sich ihres hohen Zuckergehaltes wegen sehr gut eignen. In demselben reichen Maße hängen auch die übrigen Steinobstbäume voller Früchte. Gab es im vorigen Jahre schon sehr viele Pflaumen, so giebt es Heuer noch viel mehr. Ebenso reichversprechend ist die Zwetschen- ernte. Aepfelbäume müssen vielfach gestützt werden, sollen anders nicht die Aeste brechen. Auch das Beerenobst liefert ungemein reichen Ertrag- Johannisbeeren und namentlich Stachelbeeren giebt eS in Masse. Während man erstere zu Gelüe einkocht, werden letztere zu Wein verwandt. Die Bereitung eines guten Hausweins aus dem Beerenobst zieht immer weitere Kreise in der Landbevölkerung. Ist doch ge­rade der Beerenwein bei einigermaßen sachverständiger Her­stellung viel billiger und auch besser als der auf dem Lande hier zu habende Wein. Die Heidelbeeren, welche aus der nördlichen Gegend der Kreises Alsfeld hierher gebracht werden, sind nicht so billig wie in' anderen Gegenden, man bezahlt für den Schoppen (t/2 Liter) 8 Pfg. Bei solch zwei guten Obsternten wie in diesem und vorigen Jahre wird die Kraft der Obstbäume stark ausgebeutet. Darum darf es nicht ver­gessen werden, dieselben gehörig zu düngen, waS schon jetzt geschehen kann.

§ Vom höheren Vogelsberg, 20. Juli. Das in den letzten Tagen hier herrschende Regenwetter hat die Heuernte etwas htnausgeschoben und wird das darniederliegende Heu­gras wahrscheinlich verderben. Der Kornernte wird sich un­mittelbar die der übrigen Getreidearten anschlteßen. Der Sommerfrucht, Dickwurz, Kraut, Kartoffeln rc. ist der Regen noch sehr zu Hülfe gekommen; der Stand derselben ist jetzt ein ausgezeichneter und darf man auf eine gute Ernte hoffen. Ebenso steht eine ziemlich gute Ernte an Aepfeln und Birnen in Aussicht, weniger dagegen an Steinobst, wie Zwetschen, Pflaumen rc. Die Preise in Rindvieh und Schweinen sind bis jetzt sehr hohe, doch dürften sie bei noch länger an­haltendem Regenwetter wieder zurückgehen.

Bermersheim, 18. Juli. Das Großh. KreiSamt Alzey macht soeben bekannt, daß die im hiesigen Bezirke ausge- | brochene Schweinepest erloschen ist.

vermischte,.

* Frankfurt a. M., 20. Juli. Zum ersten Male feit längerer Zeit läßt sich in Frankfurt wieder eine Völker­karawane sehen. Vierzig Männer, Weiber und Kinder aus dem Centralafrikanischen Lande der Dinkah, am Flusse Djur, treffen kommende Woche ein, um im Zoologischen Garten Quartier zu nehmen. Dieses Volk stammt aus einer Gegend, die seit derRettung" Egyptens durch die Engländer, d. h. seit dem Verlust des Sudan an den feindlichen Madt, von Europäern nicht mehr besucht werden kann. Die Dinkah gehören zu den größten Afrikanern, die es giebt und haben eine höhere Cultur als die ihnen nahewohnenden Völker der Ntam-Niam, die zum Theil noch Menschenfreffer sind. Für Freunderer Geschichte sei gesagt, daß die Dinkah in ihrer Heimath gegenwärtig in der Eisenzeit leben- ihre Gewohn­heiten und Lebensweise werden so viel rote möglich dem Publikum zur Anschauung gebracht werden. Bezüglich der Kleidung mußten einige Aenderungen geschaffen werden; was aber die Wohnungen und Beschäftigungen betrifft, so ist der heimathliche Character vollständig beibehalten. Die Dauer des Aufenthaltes der Schwarzen im Zoologischen Garten wird sich vom 25. Juli bis zum 13. August erstrecken.

* Koblenz, 20. Juli. Gestern Nachmittag wurden auf Anordnung der Gerichtsbehörde mehrere photographische Auf­nahmen an der Unfallstelle des neuen Körnermagazins gemacht. Eine Leiche der verunglückten Arbeiters wurde gestern Abend bis zu den Fußgelenken freigelegt. Die Füße stecken noch in den Balkentrümmern. Die zweite Leiche liegt noch einige Meter tiefer im Sand und Holztrümmern. Die Ber­gungsarbeiten gehen nur sehr langsam von Statten und müssen mit großer Vorsicht ausgeführt werden. Getadelt wurde gestern das Absprießen der Wände durch schräg stehende Balken - sicherer seien die zu den Bohlen in rechtem Winkel stehenden Keile. Die Untersuchung über die Ursache des Unglückes wird eifrig betrieben.

* Köln, 20. Juli. Ein auf dem hiesigen Postamte am 14. Juli aufgegebener, nach Coblenz bestimmter Ein­schreibebrief, 30 000 Mark Werthpapiere enthaltend, kam in Koblenz an, indeß waren die Werthpapiere verschwunden. Die Criminalpolizei erließ diesbezügliche Weisung an särnrnt- ltche Bankeffectengeschäste.

* Lipporg, 17. Juli. Eine brave That vollbrachte hier bei dem letzten Brande ein Metzgerbursche aus Hamm. Er war auf der Brandstätte Zeuge, wie eine Mutter hände- ringenb nach ihrem Kinde rief, das in dem brennenden Hause zurückgelassen worden war. Schnell ließ der Metzger sich die Einrichtung des Hauses erklären, stürzte hinein und nach einer Minute bangen Wartens lag das Kind ge­rettet in den Armen der Mutter. Der Retter hatte kaum das brennende Haus verlassen, als es prasselnd zusammen­stürzte.

* Heiligenstadt, 18. Juli. Die Mittheilung, nach welcher in Kreuzeder ein Vater seinem Kinde beide Hände ab­gehauen haben sollte, wird von derElchSseldia" alsschauer­licher Hundstagsvogel" bezeichnet.

* MoSkau, 20. Juli Beim Wallfahrtsort Tabinsk sank eine überfüllte Fähre in dem Flusse Belaja, wobei gegen hundert Personen ertranken.

* Von den fieben weiblichen Aerzten, die in Kopenhagen practiciren, hat der Tod die tüchtigste und beliebteste, Frau Dr. Emmy Lange, im Alter von nur 45 Jahren hinweg- gerafft. Sie hatte 1880 die medicinischen Prüfungen glänzend bestanden, lebte mit einem Arzte in glücklichster Ehe und starb jetzt im ersten Wochenbette, nachdem sie zwei Söhne zur Welt gebracht hatte.

* Eine Ehrenrettung. Der Cardinal Nicolaus von Cusa schrieb im Jahre 1452 ein Werk unter dem Titel:Con- jecturen", und verkündete darin, im Jahre 1734 würde die Erde durch eine zweite ndf luth untergehen. Als die Prophezeihung nicht in Erfüllung ging, erschien eine Broschüre, in welcher zur Ehrenrettung des Cardinals erwiesen wurde, daß besagte Sündfluth nicht aus Mangel an Sünden, sondern aus Mangel an Wasser unterblieben sei.

* Ueber das Gehalt des Präsidenten der franzöfischen Republik lesen wir in derStraßb. Post": DaS Gehalt, welches das Staatsoberhaupt der französischen Republik be­zieht, beträgt 600000 Francs jährlich, zu denen besondere 600000 Francs als Vergütung für Repräsentationen und Reisen kommen. Diese Summen stehen aber nicht fest, sondern sind der alljährlichen Budgetberathung unterworfen. DaS jetzige Gehalt ist durch das Finanzgesetz vom 16. September vorigen Jahres festgelegt worden. Die Repräsentations- und Reisekosten dagegen betrugen bis 1873 nur 162 400 FrcS. und wurden von da aus 300000 und 1876 auf die jetzige Höhe gebracht. Die von Casimir - Pörier bezogenen 1 200 000 Frcs. werden ihm monatlich in zwei Theilzahlungen von je 50000 Frcs. auSgehändigt. Die Gehaltsauszahlung beginnt mit dem Tage des Amtsantritts, im neuesten Falle am 28. Juni, so daß Casimir-Pörier am 30. Juni 9999 Frcs. und 99 Centimes erhielt. Früher zahlte man in Frankreich dem Staatsoberhaupte in folgender Weise die Entschädigung für die Staatsvertretung: Die Nationalversammlung be­willigte am 26. Mai 1791 dem Könige eine Civilliste von 25 Millionen, die aber am 10. August des folgenden Jahres wieder aufgehoben wurde. In der Verfassung vom Jahre.3 wurde das Gehalt des Vertreters der höchsten Gewalt auf den Werth von 50000 Myriagramm Weizen ober 10222 Gentnern" festgelegt und erst die Verfassung vom Jahre 8 warf wieder 50000 Frcs. für den ersten Consul aus. Der Artikel 15deS daS Kaiserreich begründenden Senatsbeschusses vom 28. Floreal deS Jahres 12 brachte wiederum die Civilliste von 25 Mil­lionen. Diese wuchs bei der Restauration auf 32 und ging bei der Juli-Monarchie auf 13 Millionen zurück. Bei der Revolution von 1848 erhielt daS Staatsoberhaupt General Cavaignac 12 000 Francs. Durch die Verfassung vom 4. November wurde das Gehalt des Präsidenten auf 600000 Francs festgesetzt, daS Elysve zur Präfidialwohnung