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22.3.1894 Erstes Blatt
 
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kostete der Weizen stets mehr als daS Korn. Die schlechte - Cnaütät des diesjährigen Weizens, meist Hervorgei ufen durch eia Beregnen, verursacht diese Preisverschiebung. Am höchsten steht der Hafer im Preise, der durchschnittlich mir 17 Mark per Doppelcentner bezahlt wird. Der Grünberger Fruchkmarkt, der in diesem Nachwinter schlecht befahren war, zeigte letzthin wieder einen stärkeren Umsatz.

n- Alsfeld, 18. März. Zwecks Errichtung einer Klein- Kinder schule Hal sich hier ein Comitv gebildet, welches in kurzer Zeit so viel erreicht hat, daß bereits daS Local ge- miethet und die Anstellung einer tüchtigen Kindergärtnerin in Aussicht genommen werden konnte. Die Sammlungen bei diesiger Bürgerschaft, sowie die Bewilligung eines angemessenen Zuschusses von Seiten des Stadtvorstandes haben bewiesen, daß das Unternehmen freudig begrüßt wird. Durch eine oor Kurzem von den Schülern hiesiger Realschule veranstaltete declamarorisch - musikalische Unterhaltung konnten dem Comite 200 Mark wiederum zugewendet werden.

8 Oder-Sorg (Kreis Alsfeld), 18. März. Während des Brechens von Mauersteinen fand ein hiesiger Landwinh einen Topf mit altem Geld, österreichische Thaler, Louisd'ors, Württemberger Neun - Kreuzerstücke, aus den Jahren 1750 bi- 1760.

§ Lauterdach, 18. März. Eine neue Einrichtung be­züglich des Ersatzgeschäfts ift in unserem Kreise getroffen worden, derselbe ist nämlich in diesem Jahre in zwei Aus- dcbungsdezirke getheilt worden. Die südlicher gelegenen Orte Altenschlirf, Bannerod, NösbertS, Vaitshain, Weib-MooS, Bermuthshain, Crainfeld, Fleschenbach, Freiensteinau, Holz« mühi, Grebenhain, Gumpenau, Heisters, Wünschen - Moos, Zahmen, Ilbeshausen, Lanzenhain, MetzloS, MetzloS-Gehaag, Nieder Moos, Ober-MooS, Radmühl, ReichloS, Salz, Schlechten­wegen und Steinfurth bilden einen Aushebungsbezirk Greben- Ijain für sich. Für die Gestellungspflichtigen ist diese Neuerung von Bortheil.

§ Freiensteinau (Kreis Lauterbach), 18. März. Den lebigen, 73 Jahre alten Landwinh HeinrichRöhrig fand man heute auf dem Speicher des Fruchtbodens erhängt vor. Was den Mann zu dieser That getrieben, ist noch ^icht sestgestellt. Derselbe war ziemlich vermögend.

W. Oder-WidderShei», 18. März. Ein sehr bebauen lieber Unglücksfall ist dieser Tage bei uns vorgekommen. Der hiesige Faselhalter wollte den Faselochsen in den Stall [ Gingen, aber daS Thier wurde wüthend und ging auf seinen Herrn los, welcher am Leibe, an der Brust und am Kopfe 'j durch den Ochsen schwer verwundet wurde. Man zweifelt on dem Auskommen deS Verwundeten. Merkwürd-gig ist, daß der Ochse seither stets ruhig und ungefährlich war. Da sich Niemand mehr an daS Thier heranwagen wollte, wurde 11 abgeschafft. Der Unglücksfall zeigt von Neuem, daß selbst ganz frommen Thieren nie vollständig vertraut werden darf,- zugleich liefert der Fall aber auch wieder den Beweis, daß olle Faselochsen mit Nasenringen, an die man eine kurze Stange einhängen kann, versehen werden müßten. Auf diese Weise ift der stärkste und zornigste Ochse mit Leichtigkeit zu j bändigen, denn er folgt jedem Zug und Druck, der mit der Stange auSgeübt wnd, ohne Widerstand zu leisten.

Darmstadt, 20 März. Gestern Nachmittag um 5 Uhr fanb daS Leichenbcgängniß des in der Klinik zu Gießen an Den Folgen seines Sturzes mit dem Pferde verstorbenen Lieutenants Otto von Zangen III. statt. Der Trauer- >ug setzte sich vom Bahnhof aus in folgender Ordnung in '-Bewegung: Die Capelle des Felb-Art.-Regts. Nr. 25 zu Pferd und eine Abteilung reitender Artillerie als Trauer­parade, , sodann der sechsspännige Militärleichenwagen, an Men Seiten Unteroffiziere, welche Kränze mit Widmungs- 1 Inschriften auf den Schleifen trugen, ein wandelndes Spalier I bildeten. Hinter dem Leichenwagen wurde ein gesatteltes Pferd des Verstorbenen geführt. Nach den Anverwandten und dem Divisionspfarrer folgten sodann die Generalität so- o c das getammte dienstfreie Offiziercorps der Garnison. £,ne Abtheilung Artillerie zu Fuß bildete den Schluß des Zuges, scr sich unter den ergreifenden Klängen der Lrauerdioräle und Trauermärsche spielenden Musik durch die Vheinstiaße, Wilhelminenstraße und Heinrichstraße nach dem Darmstädter Friedhof bewegte. Dort batten sich Se. Königl. Öoheit der Großheizog und Se. Großh. Hoheit Prinz Wil- tdm, sowie zahlreiche Leidtragende emgefunben. Vor dem Friedhof saßen d>e Musiker und die berittenen Artilleristen

ab und wurde bann der Sarg von Unteroffizieren und Mann­schaften der Batterie deS Verstorbenen zu seiner letzten Rübe« stätte getragen, gefolgt von der ganzen zahlreichen Iraner Versammlung. Am Grabe hielt der Geistliche eine tiefergrei

| sende Rede, die allgemeine Rührung hervorrief. Die hierzu bestimmte Abthetlung der Artillerie gab aus ihren langen Armeerevolvern die üblichen Ehrensalven ab und daraus schloß sich unter den Klängen eines ChoralS das Grab über der irdischen Hülle deS unglücklichen jungen Offiziers.

nn. Darmstadt, 20. März. Dem Beispiel anderer Ge- | meinden folgend, haben sich nun auch zu Flonheim in I Rheinhessen, Reichelsheim im Odenwald und Roßdorf Orts- , geroerbeoercine gebildet, welche dem LandeSgewerbeverein beigetreten find. Damit umfaßt derselbe nunmehr 58 Vereine j mit über 6000 Mitgliedern.

Darmstadt, 20. März. Unsere Residenz wird demnächst 1 eine gar ansehnliche Versammlung in ihren Mauern tagen sehen. I Die StandeSherreu deSDeutschenReiches, die sich I gewöhnlich einmal in jedem Jahre zur Besprechung und Wahrung gemeinsamer Interessen und Angelegenheiten zu sammenfinden, haben diesmal Darmstadt als Versammlungsort I erwählt und werden sich in den Tagen vom 1. bis 5. April I hier aushalten. In unseren Gasthöfen ist man schon eifrig mit würdiger Unterbringung der Herren beschäftigt, denen für ihre Zusammenkünfte vom Großherzog Räumlichkeiten im Großh. PalaiS am Louisenplatzzur Verfügung gestellt worden sind.

A Kain. 20. März. In den Tagen des 10. und 11. Juni begeht hier der Deutsche Buchdrucker-Verein die Feier seines 25jährigen Bestehens und zwar in Ver­bindung mit der ordentlichen Hauptversammlung und der Jahresversammlung der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossen- schäft. In einem Aufruf ladet der Vorstand die gesammte deutsche Collegenschaft gleichviel, ob dem Verein angehörig oder nicht schon jetzt zur Feier des Ehrentags des Deutschen Buchdrucker - Vereins ein. Mainz, als Stadt Johann Gutenbergs, wird eS dessen Jüngern gegenüber gewiß an nichts fehlen lassen und sie herzlich willkommen heißen.

Mainz, 20. März. Betreffs der Feier der CharfreitagS richtet die Bürgermeisterei wieder einen Appell an die Bevölkerung, diesen Tag in gleicher Weise und ohne Rück I sicht auf das Glaubens- uod Religionsbekenntniß ass Feiertag ' anzusehen.

Mainz, 20. März. Ein junger Mann auS GernSheim, Joh. Heinrich Dann, der sich für den Colonialdienst halte anwerben lassen, ist zu W ind ho e k in Deutsch Sübwesl Afrika gestorben. Derselbe hatte in einem Gefecht gegen b'C Wilboi einen Schuß in die Brust erhalten und ift nun seinen Wunden erlegen. Dann diente früher bei den Pionieren in Metz.

Oppenheim, 18. März. Ein Opfer seines Berufs ist der Fährmann Jutzler von der Nachenstation Oppenheimer WäldchenKammerhot Schufterwörth geworden. I. fuhr am gestrigen Mittag einen Knaben über den Rhein, bei der Rückfahrt scheint er auf irgend eine Weise in das Wasser gefallen und ertrunken zu sein, denn das Fahrzeug wurde führerlos am linken Rheinufer aufgefunden. Der Verun­glückte hat als letzten Gang vor seinem Tod eine Prämie von 100 Mk. einkaisirt, welche er für eine Leichenländung verdient hatte.

* Die entzückenden Promenadeu-Toiletlen der Kaiserin für Abbazia (schreibt die BerlinerD. Warte") sind echte deutsche Moden undim Hause", d. h. im kaiserlichen Schlosse selbst, ge­schneidert worden. Für unsere Leserinnen wird es interessant sein, zu erfahren, daß die Kaiserin selbst bei dortigen Mode- »Warengeschäften ersten Ranges die Einkäufe der Stoffe ge­macht hat und daß vierzehn Schneiderinnen unter Aufsicht der Directrice eines dortigen bekannten Modewaaren Bazars in den letzten Wochen die gejammte Reifetoilette der hohen Frau hergestellt haben. Bisher waren es stets Pariser Moden, nach denen für die Kaiserin von dortigen Modistinnen gearbeitet wurde, ebenso wurden die dazu verarbeiteten Stoffe von Pariser Lieferanten bezogen. Diesmal jedoch hat die Kaiserin wie derB. L. A." meldet .sich bei der Haus­schneiderei lebhaft beiheiligt und die Moden zu den einzelnen Costümen selbst angegeben.

* Frankfurt a. M., 20. März, von der Messe meldet ein Berichterstatter derFranks. Ztg." Leid und Freud, so z. B, daß die Waaren eines KurzwaarenhändlerS vom Ge- nchlSvollzteher beschlagnahmt wurden. Ferner traf auf dim Juxplatz einen jungen Mann ein Schlaganfall vor Aulregung darüber, daß eine Depesche dem (hnpiänger einen Lottene- ge»)inn von mehreren tausend Mark anzeigte. E'N Kind verlangte an einem Spielwaarenstande eine Puppe, der man bie Haare abnehmen könnewie der Mama'. Unter schallendem Gelächter der Ohrenzeugen tog die Mama, diS in bie Puppen erröthend, daS enfant terrible von bannen.

Braunschweig, 20. März. Im benachbarten Wend- Hausen explobirre der Kessel derVieweq 'chen Papier­fabrik. Sin Arbeiter wurde getöbtet. Der Materialschaden ist bedeutend.

* Paris, 20. März. AuS Toulon wird nach hier berichtet: Gestern Mittag stürzte der bei der Scebehörde angestellre Beamte Aequatella bet seinem MittagSmahle plötzlich mit dem Rufe nieder:Ich bin vergiftet!" Er Der* starb nach wenigen Augenblicken. Der Beamte hatte See­fische gegessen, welche anscheinend vergiftet waren. Die Unter­suchung ist eingeleitet.

* Danzig, 20. März Heute früh wurden durch einen Erdsturz, welcher anläßlich deS AbgrabenS der Bastion Elisa­beth erfolgte, sieben Arbeiter verschüttet. Einer davon war sofort tobt, drei.wurden schwer verletzt, die anderen gerettet.

Bei der Redaction eingegangcne Bücher re.:

Die Wiedergeburt der Völker. Monatshefte herauS- flegeben von Dr. med. tilfreb Damm, ÄtcSdaden. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstaltcn (Nr 6921 tm Postcatalog), Preis vierteljährlich 1.50 Mk, einzelne Nummer 50 Pfg. Die Nummern der beiden letzten Jahrgänge sind einzeln oder zu ammen zu beziehen (pro Nummer 50 Pfg.. der Jahrgang 5 Mk.) duich den Verlag von Bruer & Co., Berlin W.) Bülowstraße 54 oder btrect vom Berfafier, Wiesbaden, Frankfurterstraße 42.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle iu Gießen.

11. Woche. Vom 11. März bis 17. März 1894.

Einwohnerzahl: angenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär).

SterbltchkeitSziffer: 28,23%o bei®. 9,41 nach Ausschl. der Ortsfremder».

Kinder

A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswär iS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Es starben an: Zusammen: Erwachsene

im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Diphtheritis

3 (3)

3 (3)

Lungenschwindsucht

1

1

Mtliartuberculose

1 (1)

1 (1)

1

O gan. Herzkrankheit

1

1

Neubildungen

Sonstige benannte

2 (1)

2 (1)

Krankheiten

2 (2)

1 (!)

- 1 (1)

Verunglückung

1 CD

1 (1)

Selbstmord

1

1

-

Summa:

12 (8)

8 (4)

4 (4)

Eingesandt.

Gießen, 20. Mär, 1894.

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