Ausgabe 
21.7.1894 Zweites Blatt
 
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1894

Samstag den 2L Juli

Nr. 168 Zweites Blatt

Amts- und Anzeigcblutt für den Ureis Gieren.

chratisöeikage: Gießener Aamitienökätter.

Alle Annoncm-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Die Gießener AamitienvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal dcigrlegt.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Nachrichten über den Saatenstand im Grostherzogthnm Heflen UM die Mitte des Monats Juli 1894.

Zusammengestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschaftlichm Behörde.

Vierteljähriger ASonnementspreis: 2 Mart 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mart 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchulgraße Kr.7.

Fernsprecher 51.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Provinzen

Rote 1

Saatenstand.

= sehr

guter, 2 guter, 3 mittlerer, 4 geringer, 5 sehr geringer Stand.

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Durchschnitt für Oberhessen

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Durchschnitt für Rheinhessen

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2

$R*mprfitnaen Die Verhältnisse haben sich gegen den vorigen Monat nur wenig geändert, und der gegenwärtige Bericht zeigt

rßar dn uÄbffiiefen Ätnbert.' Di- H-u«nt- ist beend-., di- R°gg-n-rn.° ha. b-g°nn-n.

2tmtlid?cr Theil.

Bekanntmachuua.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 1. Bataillon des Jnfanterie-Regiments Kaiser Wil­helm Nr. 116 auf der Schaafweide bei Wißmar Freitag den 27. l. Mts., Nachmittags von 4 Uhr ab, eine Schießübung mit scharfen Patronen abhält.

Die Schußlinie läuft vom Bogen der Lahn her tn nordwestlicher Richtung gegen den Krofdorfer Forst und wird daher vor Betreten des gefährdeten Feldes und Waldes und der durch dieselben führenden Wege innerhalb 4000 Meter nordwestlich der Schaafweide, sowie der von Wißmar nach Crumbach, Kirchoers und Salzböden di- rect führenden Waldwege und vor Passiven der Straße Wißmar-Ruttershausen zur Zeit der Schießübung gewarnt.

Gießen, den 19. Juli 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 25. Juli 1894, Vormittags 10 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller (Westanlage), zu Gießen eine Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.

Alle Mitglieder der landwirthschastlichen Bezirks- und Orts-Vereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden hierdurch ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Tagesordnung:

1. Bericht über die Thätigkeit des Bezirksvereins in den letzten Jahren.

2. Vortrag des Herrn Dr. Fr. Giersberg von Köln über die FrageIst Deutschland im Stande, seinen Bedarf an Getreide selbst zu bauen und welche Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels nöthig?"

3. Vorlage der Rechnung des landwirthschastlichen Bezirks- Vereins Gießen für 1893/94.

4. Vorlage des Voranschlags des landwirthschastlichen Bezirks. Vereins Gießen für 1894/95.

5. Ersatzwahl des Vorstandes des landwirthschastlichen Bezirks- Vereins. Es haben auszutreten und find durch Neuwahl zu ersetzen:

a. Der unterzeichnete Director des Vereins.

b. Der Stellvertreter desselben, Herr Gutsbesitzer Schlenke auf der Hardt.

c. Der Secretär des Vereins, der nach Darmstadt versetzte Großh. Oberconsistorial - Assessor Nebel daselbst.

6. Ersatzwahl eines Mitgliedes des Ausschusses an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Pracht zu Grünberg.

Gießen, den 10. Juli 1894.

Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen C. Jost.

Vermischter

* Humor im Deutschen Reichstag. T. Szafranski hat ein Buch:Humor im Deutschen Reichstage" (Berlin, Her­mann Walther), zusammengestellt, das auf 200 Seiten aus dem Reichthum freiwilliger und unfreiwilliger Humoristik und denkwürdiger Aussprüche, aus der stattlichen Summe von Intelligenz, Lebensweisheit und bitteren Wahrheiten, die dem Munde von Mitgliedern des deutschenhohen Hauses" und der Regierungen entströmten, die Quinteffenz giebt. An hervor- ragender Stelle stehen in dem lesenswerthen Buche mit Leistungen unfreiwilliger Komik der frühere socialdemokratische Reichstagsübgeordnete Sabor und der nationalliberale Abg. Gehlert. Abg. Sabor sprach am 17. December 1884 sein oft cirirtes Wort aus:Das läßt tief blicken in die Maschine." Ferner ist er der Vater folgender Redeblüthen:Ich fahre in meinem Gegenstände fort, ohne zu untersuchen, was das bedeutet . . ." Ferner am 18. 4. 85:Wir stehen also vor der ungeheuerlichen Thatsache, daß, wenn ich jeden Ar­beiter als Familienvater annehme, um nicht zu sagen, als verheirathet, auf jeden die Unglückszahl von 13 Kindern kommt." Nicht weniger tiefsinnige Sprüche der Weisheit

sind von dem Abg. Gehlert verzeichnet. So:Wenn ich mein Bischen Verstand bei Seite legen wollte, würde ich der natürliche Anwalt der Kunstbutter sein." 26. 3. 87:Die einzige Gefahr, die wir modernen gezwungenen Raubritter der Industrie laufen, ist die, daß wir vom Staate zu Commerzienräthen ernannt werden." 25. 1. 88:Was meine Wenigkeit betrifft, so bin ich nicht deshalb Gegner des Freihandels, weil ich ihn nicht kenne, sondern weil ich die Höschen des Freihandels ausgezogen habe1.12.87. Auch zahlreiche andere parlamentarische Redner haben dre Richtigkeit des Bamberger'schen Wortes an sich erfahren müssen: Ohne Absicht amüsant zu sein, ist das Allerschlimmste, was einem passiren kann." Wir citiren weiter: Abg. v. Kar- dorff:Deutschland ist dasjenige Land, welches von allen Ländern allein wirklich werthvolle Lumpen hat ich meine nicht zweibeinige 13. 12. 76. - Abg. Dr. Meyer:

Aber daS kann ich sagen: aus der gesammten Lectüre, die ich gepflogen habe, habe ich die Ueberzeugung nicht gewinnen können, daß wir in der Production von Kohl hinter anderen Nationen zurückstehen." 17. 3. 85. - Abg. Dr. Braun:

Hat der Redner eine Hypothek auf mein Ohr, dann habe ich, vermöge des Gesetzes der Gegenseitigkeit, auch ein Recht eine Hypothek zu haben auf seinen Mund." 12. 2. 74. Abg. Miquel:Meine Herren, ich will nur kurz zur Auf- klärung sagen, damit das Haus weiß, was es beschließt." 18. 12. 74. Abg. v. Ludwig:Esist eine ganz gemeine Sache, die wir hier behandeln." 18. 3. 80. Abg. Schultz:Er (der Freihandel) ist der Kubus der reinen Vernunft." 17. 12. 87. Abg. Menzer:Ich bin über­zeugt, daß viele von Ihnen eine Kuh von einem Ochsen schwerlich mehr als theoretisch unterscheiden können." 7.2.91. Abg. Flügge:Meine Herren, ih trete von diesem Plane ab mit dem Bewußtsein, daß meine Ausführungen nach keiner Seite hin Beifall erlangt haben dürften." 14. 2. 85. Abg. Auer:Ich will nebenbei sagen, daß

sogar bei den frühem sechs Jahren Schulzeit ganz respectable Jungens herangewachsen sind- ich bin ja noch einer davon." 4. 12. 85. Abg. Schwartz:Meine Herren, wir haben als Schiffsjungen alle unsere Prügel gekriegt." 15. 1. 92. Abg. Rickert:Der Herr Finanzminister v. Scholz thut so, als ob derjenige ein thörichter, dummer Kerl wäre, der es überhaupt nur wagt, darüber noch zu streiten. Ich bin so einer." 25. 5. 86. Abg. GrafAdelmann von Adelmannsfelden:Während in Deutschland auf 2,9 Ein­wohner ein Rindvieh kommt, kommt schon auf zwei Schweizer ein solches." 25. 2. 86. - Abg. Prinz Radziwill: Meine Herren, ich sage nur, was wir vertraulich ist mit- getheilt worden." 9. 3. 74. Abg. Dr. v. Schwarze: Nehmen Sie den ganz gewöhnlichen Fall, daß die Ehe­frau ihren Liebhaber bittet, den Ehemann zu tödten, mit dem Versprechen, ihn dann zu heirathen." 10. 2. 76. Abg. Dr. Windthorst:Ich sage meines TheilS, ich nehme den Sperling in die Hand und jage der Taube auf dem Dache nach." 14. 6. 81. Abg. v. Ludwig:Wer die deutsche Geschichte kennt, wer in der jüngsten Vergangenheit den beut» schen Ackerbau beobachtet, wird nicht bestreiten, daß der Flachsbau eine uralte deutsche Art des Feldbaues ist." 19. 5. 79. Abg. Westphal:Wenn eine ausgepreßte Citrone noch mit Fußtritten regaliert wird, dann wird er doch schließlich zu arg!" 15.12.81. Abg. v.Schalscha: Wir müssen doch gleichartige Zeiträume vergleichen und nicht beliebig in den Topf der Geschichte greifen." 10. 2. 86. Abg. Dr. Hartmann:Was die Ausführungen des letzten Herrn Vorredners anlangt, so steht er auf dem Stand­punkte der Commission bezw. des bekannten Triumvirats der fünf Männer14. 2. 91.

Weife eingekeilt. Erster Fähnrich (auf dem Ball): Nun, Herr Kamerad werden Sie nicht den eingelegten Walzer ranzen?" Zweiter:Nee, ich reiche sonst nicht mit meinem Unterhaltungsstoff."