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21.6.1894 Erstes Blatt
 
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ein nationalliberaler Abgeordneter enthielten sich der Ab­stimmung.

Karlsruhe, 19. Juni. Heute wurde hier der 3 4. Ver­bandstag der Gas- und Wasserfachmänner er­öffnet. 400 Thetlnehmer sind anwesend. Namens der Regierung begrüßte Medicinalrath vr. Schenkel, Namens der Stadt Oberbürgermeister Schnetzler, Namens der Technischen Hochschule der derzeitige Rector Schuberg die Versammlung. Der Großherzog wird morgen eine Deputation des Vorstandes empfangen und zur Tafel ziehen. Kuno-Berlin eröffnete und leitete die Versammlung.

Brüssel, 19. Juni. Von der Umhüllung der Spreng­maschine ist noch kein Stück aufgefunden worden. Trotzdem steht fest, daß es sich um eine Dhnamitexplosion handelt und nicht um eine Gas- oder Pulverexplosion. Vom Thäter fehlt noch jede Spur.

Loudon, 19. Juni. In letzter Stunde sollen die Berg­leute von Midlothian und Westlothian ihren Lohnstreit mit den Grubenbesitzern dem Handelsminister zur schiedsrichter­lichen Entscheidung unterbreitet haben.

Cscalt* tmb provinzielle*.

Gießen, den 20. Juni 1894.

** Der Kaiser und der Rudersport. Bei Gelegenheit der am Sonntag in Grünau abgehaltenen Regatta soll sich der Kaiser befriedigt darüber ausgesprochen haben, daß der Rudersport allgemein Anklang finde. Se. Majestät erzählte, daß er sich eine Rudermaschine mit Gleitsitz angeschafft habe, auf der er jeden Morgen ein Stündchen im Zimmer rudere. Ich habe mich dadurch überzeugt, daß das Rudern der einzige Sport ist, der alle Glieder gleichmäßig in Thätigkeit setzt und kräftigt," bemerkte er dazu. Sehr bedauerlich fand der Kaiser, daß auf den deutschen Universitäten der Rudersport so wenig gepflegt werde. Ein musterhaftes Beispiel in dieser Beziehung seien die englischen Hochschulen Oxford und Cambridge. Der Kaiser regte an, daß die nöthigen Schritte gethan würden, um dem Rudersport auch in den Studentenkreisen Freunde und Anhänger zu er­werben. Der Kaiser erklärte, er werde in diesem Falle einen Ehrenpreis stiften, der speciell für Wettkämpfe zwischen studentischen Bootsmannschaften bestimmt sei. Als der Kaiser darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der Transport der Boote dadurch erheblich erschwert werde, daß die Eisenbahn- Verwaltung die Beförderung mit Personenzügen ablehne, rieth er, sich in einer Eingabe an den Eisenbahnminister zu wenden und darin zu betonen, daß er der Kaiser dem Wunsche der Rudervereine wohlwollend gegen- ü b e r st e h e.

** Der Schwimmunterricht beim Militär. Die abge­kürzte Dienstzeit bedingt, daß der Hauptwerth bei der militärischen Ausbildung auf die Kriegstüchtigkeit des Soldaten gelegt wird- es ist deshalb neuerdings bestimmt worden, daß der Schwimmunterricht bei den Truppen fernerhin nur als ein Nebendienstzweig ertheilt wird, der allem anderen, durch Vorschriften und Bestimmungen geregelten Dienst nachzustehen hat. Gleichzeitig ist darauf hingewiesen worden, daß keine übertriebenen Anforderungen beim Schwimmen gestellt werden sollen, ebenso sind die Lehrer mit besonderer Vorsicht auszu­wählen, und es ist beiwasserscheuen" Leuten jeder Zwang zu vermeiden. Nur bei der Cavallerie und den Pioniren soll der Schwimmunterricht in dem bisherigen Umfange-fort­geführt werden. Das kalte Baden der Soldaten im Sommer wird durch die neuen Anordnungen in keiner Weise berührt.

** Ehrensold. Zur Characterisirung der von einem Würzburger Comito ausgehenden Petition, betreffend einen Ehrensold für die Kriegsveteranen von 1870/71" äußerte sich nunmehr auch das Präsidium des Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenoffen-Bundes in einer Bekanntmachung an die bayerischen Vereine wie folgt:Wie wir in Erfahrung gebracht haben, hat das seiner Zeit in Würzburg sich con- stituirte Central-Comitö zur Erwirkung eines Ehrensoldes für alle Veteranen aus dem Kriege von 1870/71 seine Agitation a"ch auf verschiedene Vereine anderer Landes-Kriegerverbände ausgedehnt und dieselben zum Anschlüsse an diese Bestrebung ausgefordert. Nachdem sich dieses Comitö ohne jede Be­rechtigung alsCentral-Comitö der vereinigten Veteranen Deutschlands" bezeichnet, sehen wir uns veranlaßt, hiermit zu erklären, daß wir in keinerlei Beziehungen zu diesem Comits und seinen Handlungen stehen. Der von uns in fraglicher Angelegenheit eingenommene und bereits früher bekundete Standpunkt welcher nur ein ablehnender sein kann hat keine Aenderung erfahren, und wollen wir auch bei dieser Gelegenheit unsere Bundesvereine gewarnt haben, als solche sich dieser Agitation anzuschließen, da dieselbe dem Ansehen des Kriegervereinswesens geradezu schädlich ist und zur Erreichung dieses Zweckes nicht die geringste Aussicht besteht. Dagegen wird jenen Combattanten, welche glauben, rechtliche Ansprüche auf eine Pension oder Unterstützung geltend machen zu können, neuerdings empfohlen, sich mit einem ent­sprechenden Gesuche an die zuständige Behörde (das Bezirks- commando) wenden zu wollen."

r~ ** ?tnc Betreff der' Annahme von Ehrengeschenken von Setten öffentlicher Lehrer hat Großh. Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, untern 4. Juni folgendes Ausschreiben an die Direktionen und Kreisschul- ^outmissionen erlassen:Es scheinen in neuerer Zeit wieder die Falle zahlreicher zu werden, wo Lehrern schon nach kürzerer Dienstzeit und ohne daß ein Ausscheiden aus dem settherigen Dienstverhältnisse stattfindet, Ehrengeschenke über- reicht werden. Indem wir auf unser Amtsblatt Nr. 13 von 1876 Bezug nehmen, empfehlen wir Ihnen wiederholt, bei gegebenen Anlässen möglichst darauf hinzuwirken, daß solche Geschenke unterbleiben. Namentlich aber müssen wir darauf Hinweisen, daß wir solche Geschenke von Seiten der Schüler durchaus nicht für zulässig finden und zur Annahme von solchen für die Folge keine Genehmigung mehr erthcilen werden."

** Trinket Apfelwein! Das höchste Gut des Menschen ist die Gesundheit. Es wird daher alles Mögliche für die Erhaltung desselben gethan und dabei oft zu ganz ungeeigneten Mitteln gegriffen, die gerade das Gegentheil bewirken. Ohne ein reines, leichtes Blut aber ist eine volle Gesundheit und ein stetes Wohlbehagen nicht denkbar. Jeder Arzt wird dann rathen, ein blutreinigendes Mittel zu gebrauchen, und was liegt dann näher auf der Hand, als eilte Cur mit einem reinen Apfelwein vorzunehmen. Aber nicht nur, um krankes Blut gesund zu machen, sondern um sein gesundes Blut rein zu erhalten, sollte Apfelwein täglich getrunken werden. Reiner Apfelwein sollte in keiner Familie und an keinem Tische fehlen, da er zur Verdauung beiträgt und ein Wohlbehagen verursacht, wie kein anderes Getränk. Mit Recht nennt man den Apfel den König der Früchte und findet man im Apfelwein folgende Bestandtheile: 1. Die Apfelsäure, welche dem Apfelwein die erfrischende Eigenschaft verleiht. 2. Zucker, welcher sich durch Gährung in Alkohol und perlende Kohlensäure verwandelt. 3. Gerbstoff oder Tannin, wie er besonders in gutem Traubenrothwein vorkommt.

** Warnung vor allzukalten Getränkeu. Das Wies­badener Regierungspräsidtum nimmt Veranlassung, das Publikum vor dem Genuß eiskalter Getränke zu warnen.Von beachtenswerther Seite", so heißt es in der Bekanntmachung, ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen rc. feilgehaltenen Mineralwässer, wie Selterser, Soda Wasser rc., an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden, und daß der Genuß so kalten Wassers, der schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, in der gegenwärtigen Jahres­zeit die Neigung zu derartigen Erkrankungen befördere. Auf ministerielle Veranlassung werden die Verkäufer von Mineralwäsiern im Ausschank angewiesen werden, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob Cholera droht oder nicht, nur in ' einem der Trtnkwasser - Temperatur entsprechenden Wärme­grade von 10 Grad Celsius abzugeben.

Butzbach, 18. Juni. Die hiesige Pfarrcuratstelle ist durch Herrn Caplan Ambos, einen gebürtigen Heppenheimer, besetzt und demselben zugleich die Seelsorge für die Katholiken in der Zellen st rafan st alt übertragen worden. Ein Ungenannter hat zur Dotation der katholischen Pfarrstelle Werthpapiere im Nominalbeträge von 15 100 Mk. geschenkt.

*** Friedberg, 18. Juni. Die Freiwillige Feuerwehr hier feiert am Sonntag den 24. Juni ihr diesjähriges Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr findet eine Hebung, Fuß- und Geräthe Exercieren, Sturm-Angriff statt. Auf­marsch mit den erschienenen Gästen auf dem Schloßplatz. Hierauf erfolgt die Decortrung von 18 Mitgliedern mit der von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge verliehenen DienstauszeichnunL. Nachmittags und Abends Concert der Feuerwehr-Capelle. Ansprachen. Heberreichung von Diplomen an Ehrenmitglieder. Volksfest.

§ Von der Ohm, 19. Juni. Wer den Ufern des Fluß­laufes und namentlich den Mühlgräben seine Beobachtung schenkt, wird das ungewöhnlich häufige Vorkommen der Wasserratten bemerken. Während man dieses abschreckende Thier sonst nur selten bemerkte, sieht man es jetzt an allen Uferrändern. Fischer fangen häufig Wasserratten in ihren Netzen. Es wäre von besonderem Interesse zu erfahren, ob die Wasserratte dem Krebs- und Fischbestand Schaden bringt.

R. Ranstadt, 19. Juni. Die Ernte von den Kirschbäumen an der großen Staatsstraße, die von Gießen nach Gelnhausen zieht, ist dieser Tage versteigert worden und es zeigte sich hierbei, daß am westlichen Fuße des Vogelsberges noch recht schöne Kirschen gedeihen. Die besten Versteigerungsresultate lieferte die Gegend bei Kohden und Unterschmitten- ähnliche Erträge zeigte sich auf der Strecke Ranstadt- Selters-Bleichenbach, sowie bei dem Dörflein Hain- Grün dau, unterhalb Büdingen an der südlichen Grenze von Oberhessen. Aber auch an der Straße Hersfeld-Hanau, die durch den Baubezirk Nidda führt, giebt es recht schön behangene Kirschbäume, besonders in dem oberen Mddathale bei Lißberg und Ortenberg. Diese Erträge geben dm Landwirthen deutliche Fingerzeige, wo sie ansetzen müssen, um bei den tiefgesunkenen Körnerfruchtpreisen doch lebens­fähig bleiben zu könnnen. DerGießener Anzeiger" machte vor einiger Zeit darauf aufmerksam, daß der Erlös aus Kirschen einer der ersten aus landwirthschaftlichen Erzeugnissen wäre. Schon um Pfingsten, oder bald danach, werden die Kirschen reif und es geht Geld dafür ein. Wir haben eine Masse von Plätzen bis in die Thäler des Vogelberges hinauf, wo Kirschbäume trefflich gedeihen. Mit welchem Jubel be­grüßen die Kinder die ersten Kirschen, selbst der ärmste Arbeiter opfert einen Nickel und macht feinen Kindern eine Freude mit einem Pfund Kirschen. Daraus folgt, daß noch viele Jahre vergehen können, bis eine Ueberproduction von Kirschen befürchtet werden müßte. Wahrscheinlich geschieht es nie. Dem Einsender sind Fälle bekannt, daß ein Bauer von etlichen Kirschbäumen dieses Jahr 64 Mark emnahm. Die Bäume tragen fast jedes Jahr, Arbeit und Auslagen dafür sind nicht nennenswerth. Wie viel Land muß einer bebauen und to.e muß er sich abarbetten, um 64 Mk. reinen Ertrag zu haben? Man hat bei uns mit der Heuernte begonnen, denn die Gräser fangen an Überständig, hart und holzig zu werden. Leider haben wir seit einigen Tagen Regenwetter, wodurch die Heuernte gestört und die Güte des Futters beeinträchtigt wird. Der Monat Juni hat sich Überhaupt bis jetzt recht ungemüthlich angelassen; die erste Hälfte war rauh und frostig, die zweite ist naß. Es steht aber alles sehr schön in den Feldern. Nebenbei bemerkt hat es bis zur Stunde noch keinen Tropfen zu viel geregnet, nur die wochenlange Sudelei und Spritzerei mit der unbe­stimmten Witterung ist lästig, weil nicht richtig dabei gearbeitet werden kann.

§ Vom Vogelsberg, 19. Juni. Am 1.und2. Juli l.J.

i findet in Schlierbach bei Wächtersbach ein größeres Sang er fest des Vogelsberger - Kinzigthaler Sänger­bundes statt.

Klein-Welzheim, 17. Juni.Die Maulsperre", welche gewöhnlich nur in Folge heftigen Gähnens vorzu- kommen Pflegt, fiat vorgestern die 20 jährige Tochter des hiesigen Bürgers K. infolge übermäßigen Lachens überrascht. Es entstand sogar eine beiderseitige Luxation der Kinnlade. Die Operation, durch welche das liebel beseitigt wurde, besorgte Herr Chirurg Jöckel in Seligenstadt.

A Mainz, 19. Juni. Das elfte deutsche Bundes­schießen, das sich bei seinem Beginn am Sonntag des prächtigsten Wetters zu erfreuen hatte, wird feit gestern sehr von der Unbill der Witterung beeinflußt. Verschiedene Mal während des gestrigen Tages eingetretene Platzregen benahmen gar manchem Schützen und Fremden die Lust, sich auf den Fest­platz zu begeben, zumal schon am Morgen dorten die durch- wässertcn Wege gerade keine angenehmen Spaziergänge boten. Hierdurch trat erst gegen Abend, als die Mainzer Zeit fanden, nach dem Schützenplatz zu ziehen, einiges Leben ein, das auch ziemlich rege wurde, bis ein nach 10 Uhr wieder eingetretener heftiger Regen, der bis zum heutigen Morgen anhielt, Alles in die Hallen zwang und das Festtreiben wesentlich trübte. Zudem, daß die Wege zu und auf dem Schützenplatz infolge der Niederschläge der Nacht am heutigen Morgen nicht sehr einladend waren, traten auch zeitweise wieder Regenschauer ein, die um die Mittagsstunde von einem äußerst heftigen Gewitter überholt wurden, das von starkem Hogelschlag und wolkenbruchartigem Regen begleitet war. Daß hierdurch für Fremde wie Mainzer am heutigen Nachmittag die Lust zum Besuche des vollständig durchweichten Festplatzes nicht gehoben wurde, ist selbstverständlich, zumal sich ab und zu neue Regen­güsse etnstellten. Unter diesen Umständen ist es nur natürlich, wenn allgemach eine etwas gedrückte Stimmung eintritt, die sich besonders Derer bemächtigt, die sich große geschäftliche Versprechungen gemacht, oder nennenswerthe Beiträge zum Garantiefonds gezeichnet haben.

Mainz, 19. Juni. In ein Juwelier-Geschäft der Schusterstraße trat gestern Nachmittag eine elegant ge­kleideteDame" und wünschte eine Brosche zu kaufen. Man legte ihr eine Anzahl werthvoller Stücke vor, dieDame" aber konnte sich zu keiner Wahl entschließen und entfernte sich endlich mit dem Bemerken, sie werde sich die Sache noch einmal überlegen und morgen wieder vorkommen. Kaum war dieDame" fort, bemerkte die Verkäuferin, die Tochter des Besitzers, den Abgang einer werthvollen Brosche. Heftig erschrocken, sorderte sie ihren Bruder auf, derDame" nach- zulaufen und dieselbe anzuhalten. Der Knabe war auch so glücklich, die Diebin in der Gymnasiumsstraße zu treffen. Er faßte sie am Kleide und tagte:Sie haben bei uns eine Brosche gestohlen, geben Sie dieselbe sofort wieder zurück." Die Diebin schien bestürzt, sie griff rasch in die Tasche, gab dem Knaben die verlangte Brosche und bat:Machen Sie mich um Gotteswillen nicht unglücklich, ich bin in der größten Geldnoth und nahm deshalb den Schmuck." Der Knabe, froh, den gestohlenen Gegenstand wieder zu haben, ließ die Diebin gehen und lies nach Hause. Als er hier glückstrahlend in den Laden trat und das Schmuckstück übergab, brach feine Schwester in Thränen aus, denn mittlerweile hatte dieselbe entdeckt, daß nicht eine, sondern zwei Broschen gestohlen waren. Die kostbarere im Werthe von 250 Mark hatte die Diebin behalten und die weniger werthvolle dem Knaben zurückgegeben.

Vernmischtes.

* Falkenau, 18. Juni. Der bei dem letzten Ausstand entlassene Arbeiter Newald hatte sich mit seiner Familie in einer Höhle des gräfl. Nostiz'schen Steinbruchs eingenistet. Obwohl er das Gewölbe durch Bretter stützte, brach es gestern Abend zusammen und begrub die Familie im Geröll. Newald arbeitete sich heraus und vermochte auch seine schwer verletzte Frau zu retten. Ihre zwei Kinder von zwei und sechs Jahren, deren Lager im Hintergründe war, wurden furchtbar verstümmelt herausgezogen.

* Trier, 18. Juni. In dem benachbarten Butzweiler wurde auf dem gestrigen Kriegerfest bet einem zwischen Burschen ausgebrochenen Streite die einem derselben zu Hülse eilende Mutter erstochen.

* Saarlouis, 18. Juni. Ein Schlosser tödtete mit Kohlengas wegen Nahrungssorgen sich, seine Frau und zwei Kinder. Ein Kind wurde gerettet.

* Creseld, 18. Juni. Heber die Verunglückung des Luftschiffers Lattemann sagt heute Fräulein Paulus Folgendes: Wir unternahmen gestern zum dritten Male den Doppel-Fallschirm-Absturz, der uns in Dortmund und Düssel­dorf geglückt war. Wir hatten eine Höhe von etwa 2000 Mtr. erreicht. Lattemann gab mir das Zeichen zum Absturz, der sich bet der herrschenden Windstille in bester Weise vollzog. Einen Augenblick nur hatte ich in der Luft geschwebt, da sah ich Lattemann blitzschnell an mir vorbeischießen. Sein Ballon hatte die Form eines Regenschirms, aber die Oesfnung war nach oben gekehrt. Die Schnürvorrichtungen müssen sich ver­wickelt und eine der beabsichtigten entgegengesetzte Wirkung hervorgebracht haben. Ich sah, daß Lattemann, der sich mit Riemen an das unter dem Ballon hängende Eisengestell fest­geschnallt hatte, sich in der Lust mit den schlauchförmig zu­sammengeschlagenen Theilen des Ballons mehrmals überschlug und dann mit voller Gewalt niederstürzte. Das ganze Netz­werk des Ballons erschien mir während der Fallzeit von zwei Minuten wie ein verwirrter Wollstrang. Hebrigens bin ich selbst bei dem Fallschirm - Absturz in Düsseldorf nur mit knapper Noth dem Tode entronnen. Dort gerieten wir mit dem Ballon in einen Gewlttcrsturm und als ßattemann mir das Zeichen zum Absturz gab, versagte die Auslösevorrichtung. Der Ballon riß in zwei Theile. Kaum 10 Mtr. von der Erde entfernt, gelang mir erst durch äußerste Kraftanstrengung, den Fallschirm zur Entfaltung zu bringen. Nach dem gestrigen