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Nr. 272 Zweites Blatt. Dienstag den 20. November
1894
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Im , krage des Mädchea- nub Zraaea-Laroells.
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Noch nirgends ist uns in dem bisher Gesagten etwas auf unser eigentliches Thema bezügliches entgegengetreten; ja wir mußten in der Einleitung bekennen, daß das Turnen des weiblichen Geschlechtes noch keine Geschichte habe. Woher diese merkwürdige Erscheinung? Dieser Frage, wollen wir uns nun zunächst widmen. Sie hängt aufs innigste zusammen mit der Frauenfrage überhaupt. Wenn wir als Quintessenz zu dem unter I gesagten den Satz aufstellen können: „Wo immer in der Völkergeschichte der Kampf ums Leben den ganzen Mann erforderte und das insbesondere auch in körperlicher Beziehung, da bedurfte es keiner künstlichen Uebung des Körpers- sobald aber die Arbeit für uns verrichtet wurde, sei es durch andere Menschen (Sklaven oder in Folge der Durchführung deS Princips der Arbeitsteilung), sei es durch Maschinen, da kam nothwendigerweise als Ersatz für die natürliche körperlicheThätigkcit die künstliche Leibespflege auf", so muß dieser Satz, will er wirklich von allgemeiner Bedeutung sein, auch hinsichtlich des Frauenturnens gelten. Und dies ist fürwahr der Fall. Jahrhunderte, Jahrtausende lang kannte man eine Frauenfrage im modernen Sinne nicht. Die Frau war vollauf da beschäftigt, wo man glaubte, daß sie allein hingehöre, im Hauswesen, und dieses nahm sie körperlich und geistig völlig in Anspruch. „Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben", die Frau gehört ins Haus, das war ein Grundsatz, an dem von der weitüberwiegenden Mehrzahl der Volksgenossen niemand zweifelte- wo er aber, wie insbesondere in den materiell günstiger situirten Kreisen, nicht zur Geltung kam, da beweist diese Ausnahme wiederum die Richtigkeit unseres obigen Satzes: denn hier mangelte es der Frau an natürlicher Thätigkeit, und alsbald kam der vornehme Sport des Reitens, Ruderns, Jagens oder dgl. auf- wo aber die Frau aus materiellen Gründen gar den Mann in der Erwerbsthätigkeit unterstützen mußte, da gilt für sie alles unter I Gesagte. Diese ehemaligen Ausnahmen bilden heute leider nahezu die Regel- in immer weiteren Kreisen ist die Thätigkeit des weiblichen Geschlechts dem Hause entrückt worden- zwei, einander feindliche, Ursachen sind hieran schuld: einmal das durchaus anerkennenswerthe Be
dürfnis nach höherer Bildung und vergeistigterer Cultur, das Streben nach Kunst und Wissenschaft, aber auch das völlig verwerfliche Streben seitens eines großen Theils der Volksgenossen nach verkehrter Pracht, nach einem Luxus, der selbst für wenige nur erreichbar ist, wenn viele andere dafür darben- dann aber die sociale Roth, welche die Frau zwingt sich immer mehr dem Erwerbsleben zu widmen. Beide Ursachen wirken zusammen, und wo sie nun zur Wirkung gelangen, da ergiebt sich annähernd folgendes Bild: Die Frauen, so in Anbetracht günstiger äußerer Lebensverhältnisse ächteHausfrauen sein könnten und sollten, jagen vielfach einem schon an sich verkehrten Vergnügen nach oder werden durch ihr Streben nach Kunst und Wissen zu weit geführt (species emancipata); bei der großen Mehrzahl aber läßt die Roth des Lebens die Gründung einer Familie überhaupt nicht zu, und wo sie dennoch gewagt wird, da muß die Frau zum Erwerb des Mannes mit beitragen. Das Ergebniß bleibt überall das gleiche: Das Hausfrauenthum geht bedauerlich zurück. Damit aber erleidet die vornehm sie und schönste Pflicht des weiblichen Geschlechts großen Abbruch: die Mutterpflicht, die Pflicht dem Volke neue Bürger und Bürgerinnen zu schenken und dieselben zu pflegen und zu erziehen. Das muß immer und immer wieder gepredigt werden! Nur die Aufhebung der herrschenden socialen Mißstände bei einem großen Theil des Volkes vermag da zu helfen- aber nicht die Beteiligung des Weibes am gewerblichen und politischen Leben, die sog. Emanzipation. Die Frau gehört dem Hause mit ihrer Mutterpflicht — alle übrigen materiellen Haus- srauenpflichten werden mit dem Zurückkehren aller zu den notwendigen physischen Bedürfnissen mehr oder weniger gegenstandslos werden — und mit der Pflege alles Schönen. Das ist das Ziel der heutigen Bewegung. Seit ihrem Beginn nun bis auf den heutigen Tag ist es aber nur dahin gekommen, daß das Weib seiner natürlichen Thätigkeit entrückt ist, sei es, weil es in der Lage ist, andere für sich sorgen zu lasten, sei es, weil es genöthigt ist, dem Erwerbe nachzugehen. Damit ist aber in beiden Fällen die Nothwendigkeit des künst- lichen Ersatzes gegeben: Das Turnen ist heutzutage für das weibliche Geschlecht eine unabweisbare Nothwendigkeit. Aber auch wenn die weitere Entwicklung einmal diejenigen Bahnen eingeschlagen
haben toirbj, welche wir ihr zuweisen zu müssen geglaubt haben, auch dann wird das Turnen, als künstliche Körperübung, zu den Pflichten der Frauen und Mädchen gehören. Das Bild noch weiter auszumalen, dürfte einstweilen nur zu Utovieen führen.'^Mit Gesagtem glauben wir zur Genüge nachgsewiesen zu haben, wie die Bestrebung des Frauenturnens entstanden ist, und daß sie vollauf berechtigt ist. Der festen Organisation aber bedarf sie vor allem, weil nur geschlosten das Vorurthetl der großen Menge gegen das Turnen des weiblichen Geschlechts überwunden werden kann- auch wird nur in der Vereinigung der Gleichgesinnten die nöthige Garantie für den Fortbestand der Bewegung gegeben sein.
* Bremen, 14. November. Ein Bild entsetzlicher Rohheit entrollte hier eine Schwurgerichtsverhandlung. Der 31jährige Obersteuermann Hermann Theodor Spree hat auf einer Reise der Bremer Bark „Paul Isenberg" de« etwas linkischen und wenig gewandten schwedischen Matrosen Charley Petersen zu Tode mißhandelt. Auch der Capitän Biet betheiligte sich daran, er ist noch auf See und wird später abgeurtheilt werden. Man weiß, daß es unter den Schiffsmannschaften faule Leute gibt, die nur durch Bestrafung angetrieben werden können, aber die Behandlung des , Petersen spottet jeder Beschreibung und ist eine Mißachtung aller Menschlichkeit. Er mußte, nur mit eine« Hemd bekleidet, auf Deck in der Kälte und im Regen zu- bringen, Spree peitschte mit einem dicken Tauende auf ih» ein und begoß die blutenden Wunden mit beißendem Seewasser. Petersen wurde so hinfällig, daß er keine Straft mehr zur Arbeit hatte. Da ließ Spree ihn fast eine Stunde am Mast baumeln. Petersen lechzte vergeblich nach Master, wurde irrsinnig und sang fromme Lieder. Als er einmal von selbst los kam, wurde er wieder mißhandelt und hochgezogen, wobei ihm das Tau die Brust zuschnürte. Bald war er eine Leiche und die empörten Matrosen sahen, daß der Körper des Unglücklichen mit Striemen und Blutschwielen förmlich bedeckt war. Der Angeklagte wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt.
Feuilleton.
Die verhängnißvoiien Wärmflaschen.
Ein Schmuggelgeschichtchen von der sächsisch-böhmischen Grenze. Don A. Härtner.
lNachdruck verboten.)
An einem schönen, aber froftscharfen Wiuternachmittag saß im traulichen Hinterstübchen deS durch seinen „guten Tropfen" weit berühmten Gasthauses deS „Heffenjörgel" im nordböhmischen Grenzorte R. eine kleine Gesellschaft lustig plaudernd zusammen. Es waren angesehene Einwohner aus dem einige Stunden entfernten sächsischen Grenzdorfe HelmerS- walde, nämlich der Oberförster Breitbach und besten Frau und Schwester, sowie der Lehnrichter Seifert nebst Gattin und Tochter. Außerdem war noch der junge Forstgehilfe Mauckisch mit von der Parthie, infolge gnädiger Einladung seines Vorgesetzten, des Oberförsters, hatte er die Vergnügungsfahrt nach R. auf dem Pritschenfitze des sehr geräumigen obersörsterlichen Tafelschlittens mitgemacht.
Die Stimmung in dem kleinen Kreise war Dank der vorzüglichen Weine des „Heffenjörgel", wie der Gast- und Weinwkrth Georg Heffe im Volksmunde hieß, rasch eine sehr fröhliche geworden. Vergnügt unterhielt man sich bei dem feurigen Ofener Adelsberger, welchen die Herren tranken, und bei dem süßen Rüster Ausbruch, von dem die Damen ganz herzhaft „nippten", von diesem und jenem, und auch der anwesende joviale Wirth trug sein Theil zu der obwaltenden gemüthlichen Stimmung bei. Mittlerweile waren die Hängelampen — Gas gab es zur Zett unserer wahrhaftigen Erzählung in R. noch nicht — über dem Tisch angezündet worden und die Frau Oberförster begann im Verein mit der Frau Lehnrichter darauf aufmerksam zu machen, daß eS doch allmählich Zeit werde, an die Heimkehr zu denken. Die respectiven Gatten erhoben zwar allerhand Eluwendungen, aber die verbündeten Frauen drangen mit ihren Gründen für die Nothwendigkeit, endlich die Heimfahrt anzntreten, schließlich doch durch, und mit einem geheimen Seufzer schickten sich die männlichen Mitglieder der Tafel
runde an, zum letzten Male ihre Gläser zu leeren. Da kam der Wirth mit einem Compromißvorschlag, er erhob sich, rückte sein Käppchen und sagte:
„Mit Verlaub, meine Herrschaften, i mein holt, auf a Diertelstuud dürfts doch nit ankommen, Ihre beiden Gäul, Herr Oberförster, find solch flotte Traber, daß die Herrschaften in längstens fünfviertel Stunden wieder daheim sind, noch dazu bei dera herrlichen Bahn. Wenns Jhna recht ist, da probtren wir derweil noch a ganz besondere Sort, die ich drunten liegen hab, 'S ist a Erlauer AusleS, wie sie nit oft wieder sürkommt."
Trotz des halben Protestes der Damen war der schlaue Wirth bei seinen letzten Worten aus dem Zimmer geeilt, um bald darauf mit einer staubbedeckten Flasche wieder zu erscheinen. Er entkorkte dieselbe, ließ von der Kellnerin frische Gläser bringen und schenkte in dieselben den kräftigen, duftenden, in ganz eigeuthümlicher Röthe schimmernden berühmten Ungarwein ein.
„Donnerwetter," sagte Oberförster Breitbach, ein Wein- kenner ersten Ranges, „das ist mal ein prächtiger Tropfen, solch ein köstliches Gewächs kann man aber auch nur bei Ihnen finden, lieber Herr Heffe!"
Der würdige Forstmann setzte daS Glas an die Lippen und sog den edlen Trank mit sichtlichem Behagen ein, auch der Lehnrichter und der Forstgehilfe schlürften den Erlauer unter Kundgebungen des Entzückens und sogar die vier Damen, welche ebenfalls den Erlauer kosten mußten, thaten so, als ob die Erlauer Auslese des „Heffenjörgel" in der That etwas ganz Ausgezeichnetes sei.
„Gelt," meinte der Wirth schmunzelnd, dem Oberförster und dem Lehnrichter den Nest der Flasche einschenkend, „so was is a Hochgenuß! Wie wars, Herr Oberförster, wenn Sie sich a paar Dutzend Flaschen von dera Sort mitnehmen thäten, in Ihrem Schlittenkasten bringen's daS Zeug ganz gut fort?"
Breiteubach schüttelte indeffen langsam den Kopf und entgegnete:
„Nein, nein, für uusereineu find gleich ein paar Dutzend Flaschen von diesem Stoff denn doch zu theuer
und dann ist ja auch noch der hohe Zoll, da wird die Sache denn doch zu kostspielig, wir wollens also lieber sein laffen."
Freund „Heffenjörgel" kratzte sich nachdenklich an dem glattrafirten Kinn und bestätigte nachdenklich:
„Hm, ja, der verflixte Zoll grab auf biesen Weinen . . . na, vielleicht könnten Sie's aber ohne Zoll risktren, wenn wir bte Flaschen recht zu unterst in ben Schlittenkasten legen unb barauf viel Heu legen thun, als wenus für bie Gäul wär . . .*
„Um Gotteswillen nicht, bas wäre ja gepascht," fiel ba die Oberförsterin erregt ein, „denke doch nur, Männchen, wenn sie Dich an der Grenzstation erwischten, Dich, den königlichen Beamten, das gäbe ja einen schönen Spektakel in der ganzen Umgegend. Nein, Arnold, aüf diese gefährliche Geschichte darfst Du Dich bestimmt nicht einlaffen."
Verdrießlich neigte der Oberförster den Kopf, er sah das Bedenkliche des Vorschlags, den der „Heffenjörgel" gemacht, ein, und trotzdem wurmte es ihn, nicht wenigstens einige der Flaschen des köstlichen Ungarweins unverzollt mitnehmen zu können - auch der Lehnrichter Widerrieth einem Versuche des „Paschens", obgleich der alte Herr ebenfalls ganz gern etwas von dem edlen Stoff mit über die Grenze genommen hätte.
In diesem Augenblicke räusperte sich der Forstgehtlfe und sagte, zu seinem Vorgesetzten gekehrt: „Wie wäre es, Herr Oberförster, wenn man die vier großen zinnernen Wärmflaschen, welche im Schlitten liegen und deren Waffer inzwischen kalt geworden ist, ausschütten ließe und sie anstatt mit neuem warmem Waffer mit dem Erlauer füllte? Ich möchte jede Wette eingehen, daß die Herren von der Finanzwache, falls sie überhaupt auf den Gedanken kommen sollten, Ihren Schlitten zu revtdireu, die Wärmflaschen ganz ungeschoren laffen würden! Für die Damen aber könnten wir sehr rasch Fußhüllen aus Strohsäcken improvifiren, dieselben verrichten vielleicht ihren Dienst ebenso gut wie die Wärmflaschen." (Forts, folgt.)


