Nr. 296 Zweites Blatt.2 Dienstag den 18. December
Der chi-hener Jltqeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
1894
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Feuilleton.
Eine FeldMgs-Weihnachts-Erinnerung.
Bon Curt v. Galen.
(Nachdruck verboten.)
„Mein Gerhard, daß Du noch kommen konntest, ist doch die schönste Ueberraschung, welche mir heute geworden," sagte die Hausfrau, indem sie sich behaglich zur Seite ihres Erft- geborenen in dem Kreise niederließ, welchen die erwachsenen Familienmitglieder um daS Kaminfeuer gebildet hatten, nach' dem die Lichter an dem Wethnachtsbaume erloschen und die jubelnden Stimmen der jüngeren Kinder in de« Schlaf- gemächern zur Ruhe gebracht waren. Innig küßte der junge Mann die seine Hand, welche liebkosend über seine frischen Wangen strich, uud meinte : „In der That, Mama? Jetzt darf tchs wohl sagen, daß mir das Herz schwer ward bei dem Gedanken, .zum ersten Male in meinem Leben das Weih- nachtSfest nicht bei Euch feiern zu sollen. Obwohl ich mich selbst drum schalt- denn warum sollte ich eS besser haben als so viele der Kameraden?" „Ein Hoch Deinem Oberst, daß er Dir doch noch Urlaub gab," sagte die sechzehnjährige AgneS, dem Bruder das frisch gefüllte PunschglaS zureichend. „Ja, wahrhaftig I" weinte Gerhard und leerte sein GlaS in langen Zügen. „Er hatte die unverheiratheten Offiziere, welche in der Garnison bleiben, alle auf heute Abend in seinen Familienkreis geladen." „Das ist recht, wie mein alter Freund stets zu handeln pflegte," sagte der Vater, „da hättest Du schon zufrieden sein können." „Gewiß, Papa, aber zu HauS istS doch noch besser." „Nur einmal habe ich meinen Weihnachtsabend bei meinem Oberst verlebt — den werde ich aber nie vergessen," sagte Onkel Franz und warf den Stumpf seiner Cigarre in die Flamme. „Magst Du's unS erzählen, Onkel?" sagte sein Liebling, die sanfte blonde Blanko, welche ihm zur Seite saß. „Bitte, Onkel, erzähle
unS davon," rief AgneS, indem sie geschäftig die Gläser füllte. „Wenn die Eltern die alte Geschichte noch wieder hören mögen?"
„Nun denn! Ich'war um wenige Jahre älter als Du jetzt, Gerhard, wie der Tanz mit Frankreich loSging. Ihr wißt, mein Regiment hat scharf heran gemußt und schwere Verluste gehabt. Als wir nun den 20. December in der Umgebung von Xville Quartier nahmen, war ich zum Adjutanten aufgerückt und einer der wenigen Offiziere, die seit Beginn deS Feldzugs beim Regiment gewesen. Ich hatte den Commandeur schätzen gelernt: unter einem kühlen gemessenen Aeußeren und streng soldatischer Haltung barg er ein warmfühlendes Herz und wahrhaft väterliche Sorge für alle seine Untergebenen- reiche Gelegenheit bot sich mir, so» Wohl seine ruhige Besonnenheit in der größten Gefahr, als auch die Schärfe seines Ueberblicks, seine klare Umsicht in jeder Situation zu erkennen- so wie bei ihm war mir die seltene Gabe schneller Oriemirung noch nicht entgegengetreten. Schon am Tage nach unserem Eintreffen verlegte er sein Quartier aus der Stadt ; heraus, eine halbe Stunde Wetter thalaufwärts, nach Chateau d'A . . . wo ein neuerbautes, mit allem modernen LuxuS ausgestattetes Schloß sich am Südhange einer Anhöhe, aus herrlichen Parkanlagen erhob. Doch nicht in diesem, sondern in einem bescheiden am Ausgange des Parkes belegenen Hause, welches die Dorfbewohner le vieux chäteau nannten, nahm er selbst seine Wohnung zum Verdruß seines Quartiermachers, der wohl den Kopf schüttelte, in den nächsten Tagen aber einsah, daß der Oberst sich schneller, als er in der Oertlichkeit zurechtgefunden, und daß seine Abänderungen in den Lispositionen des Quartiermachers völlig das Richtige? getroffen hatten. Chateau d'Y . . . war von seinem Besitzer verlassen- die trefflichen Vorräthe in Küche und Keller entsprachen aber dem Reich- thum der ganzen Einrichtung und eS konnte unseren Kochkünstlern nicht schwer werden, hier den gemeinsamen MtttagS-
tisch der Offiziere gut zu versorgen. Die Einwohner deS freundlichen Dorfes, das ebenfalls den' Namen d'N • • • führte, hatten sich anfänglich scheu und abweisend verhalten, waren aber bald durch daS persönliche Erscheinen deS Oberste« in ihrer Mitte für einen durchaus freundwilligen Verkehr mit unseren Leuten gewonnen. ES war eine überaus anmuthige Gegend, in der wir uns befanden- selbst daS winterliche Gewand, daS sie zur Zeit trug, konnte kaum ihren Reizen Eintrag thun. In sanften Windungen zieht ein kleiner Fluß zwischen graSreichen Wiesen und prächtigen Waldungen durch daS Thal, an dessen nordöstlichem Ausgange daS Städtchen Xville liegt. Malerisch gewellte Hügelketten ziehen sich allmählich ansteigend zu beiden Seiten des Flusses hin, zugleich den Horizont abgrenzend- fruchtbare'Ackerfelder bedecken ihre Abhänge und dazwischen blicken größere und kleinere Ortschaften aus dem dichten Kranze der sie umgebenden Fruchtbäume hervor. Ein Kirchlein weist mit seinem schlanken Schindelthurme gen Himmel, schüchtern, möchte man sagen, im Vergleich zu den hohen geschwärzten Fabrikschornsteinen, die, so breit und wuchtig über ihre weithin sichtbaren Fabrikgebäude hinauSragend, daS feine Thürmchen fast erdrücken möchten.
Als ein stiller, klarer Wintertag breitete der 24. De- cembec sich über das liebliche Thal. Der Oberst hatte Sorge getragen, daß der anbrechende Abend sich für jeden seiner Leute so freundlich festlich, wie es die Umstände er* laubten. gestalte - in allen Wachlocalen brannten die Lichterbäume. Er selbst versammelte seine Offiziere in einem der Säle deS großen Schlosses um den geschmückten Christbaum. Wie es da bei unS zuging? Wie soll ich es Euch beschreiben? Wir hatten dem Tode ins Auge gesehen und der nächste Tag konnte unS ihm wieder entgegenführeu.
(Schluß folgt.)
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