Petersburg. 15. März. Nachdem die Annahme des deutsch-russischen Handelsvertrages gesichert ist, erwärmen sich die russischen Blätter immer mehr für den neuen Curs. Die „Nowosti" betonen, Kaiser Wilhelm habe sich In Handelsfragen als Politiker ersten Ranges gezeigt, indem er diese aufs genauste verfolgte, sich über alle Einzelfragen unterrichtete und sich mit Bismarck versöhnte, wodurch sich desien Gegnerschaft abschwächte. Keine Unternehmung des jungen Kaisers sei so glänzend durchgedacht und ausge- führt, wie diese, so daß der bisher stets angegriffene und verspottete neue Curs als Mittel zur Sicherung des europäischen Friedens eine sympathische Gestalt anzunehmen beginnt. Deutschland stehe nunmehr thatsächlich an der Spitze der neuen wirthschaftlichen Richtung, in der sich die Völker einander nähern sollen. Andere Blätter versteigen sich zu der Hoffnung, Deutschland werde eine Abrüstung anregen.
Sitzung der Stadtverordneten
am 15. März 1894.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Guauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, EmmeliuS, Faber, Flett, Dr. Gutfleisch, Habeuicht, Helfrich, Hehligenstaedt, Homberger, Keller, Löber, Orbtg, Dr. Ploch, Schwall, Dr. Schäfer, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.
Nach Eröffnung der Sitzung richtete Herr Oberbürgermeister Gnauth an die Versammlung folgende Ansprache:
Meine Herren!
Hundert Jahre sind am heutigen Tage verflossen, seit ein berühmter, vielleicht der berühmteste Sohn unserer Stadt das Licht der Welt erblickte: am 15. März 1794 ist Friedrich Diez als Sohn eines HosgertchtSfecretarS in bem nunmehr Faß'schen Hause in den NeuenbSuen geboren.
In dem Pädagog unserer Stadt geschult, an unserer Hochschule zum größten Theil gebildet, hat Diez vom Jahre 1822 ab an der Universität Bonn 54 Jahre lang gewirkt; was Jacob Grimm für die Germanistik, das ist er — ein Deutscher — für das ganze romanische Sprachgebiet geworden, feine Romanische Grammatik und sein Etymologisches Wörterbuch der romanischen -sprachen sind die Grundlagen und Ecksteine einer ganz neuen Wissenschaft, er selbst der anerkannte Schöpfer und Begründer der romanischen Philologie geworden. Und heute noch steht sein Werk hoch und stattlich da; DtezenS Methode, seine Wege und seine Ziele beherrschen heute noch fein ganzes Fach.
Der schlichte Forscher aber, den alle Akademien und gelehrten Institute zu ihrem Ehrenmitglied ernannt, dem die Monarchen Europas ihre höchsten Orden verliehen, der hat — als vor 22 Jahren, bet seinem 50jährtgen Docentenjubtläum, feine Vaterstadt ihn zum Ehrenbürger ernannte — meinem damaligen Amtsvorgänger geschrieben, „daß in seinem Bewußtsein diese ihm zu Theil gewordene Auszeichnung das Maß seiner wtffenschastltchen Leistungen oder Bestrebungen weit übersteige."
Ich glaube, mehr Recht hatte ein französischer Zett- und Fachgenosse von Diez, welcher schrieb: „M. Diez appartient ä cette claaae de aavanta allemande, dont le aavoir n’eat aurpasse que par leur extreme modeatie.“
Diese seine Bescheidenheit — bet allen Erfolgen seiner Lebensarbeit — nicht minder wie seine ungewöhnliche Leutseligkeit und innige Herzensgute sind eS gewesen, welche in Diez neben dem großen Gelehrten auch den liebenswürdigen Menschen verehren hießen: ganz besonderen Dank aber schuldet ihm unsere Stadt für die Anhänglichkeit, mit der er häufig und gerne in ihr einkehrte, „an sie gefesselt" — wie er sagte — „durch Jugenderinnerungen, wie DerwandtschaftS- und Freundschaftsbande der schönsten Art."
Und wenn heute der Name von Friedrich Diez im gemeinsamen Gedächtntß gefeiert wird von Romanen und Germanen, wenn in der versöhnenden Einigung seiner Wiffen- schaft die Schranken weichen, welche das politische Leben zwischen den einzelnen Völkern beider Sprachgebiete heute noch festhält, dann darf auch unsere Stadt mit besonderem Stolze thetlnehmen an der gemeinsamen Feier.
Lassen Sie uns heute die höchste und doch wieder so schlichte Auszeichnung, welche in der Ernennung zum Ehrenbürger unsere Vorgänger dem damals noch Lebenden erwiesen, erneuern und bekräftigen, indem Sie zu Ehren des Dabin- gegangenen und zum äußeren Ausdruck auch des dankbaren Gedächtnisses der Nachwelt von Ihren Sitzen sich erheben.
Die Bekanntgabe des Ergebnisses ter Rechnungsprüfung der Stadt Gießen für 1891/92 hat nach Maßgabe der einschlägigen Bestimmungen in Abwesenheit des Bürgermeisters zu erfolgen. Herr Homberger übernahm den Vorsitz. Derselbe theilte mit, daß die Rechnung geprüft sei und keinerlei Anstände ergeben habe, ebenso der Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei. Die Finanzcommission hat darnach beantragt, die Crediie auf Grund der angeführten Beläge in Höhe von 67 167,05 Mk. und 83 639,60 Mk. zu Lasten der nachge- toicicnen Mittel zu erteilen, sowie ferner das Ausstände- Berzeichniß mit 3682,02 Mk. und das Vorlagen-Verzeichniß mit 688,08 Mk. zu genehmigen. Die Versammlung beschließt antragsgemäß.
Es folgte die Berathung des Voranschlags der Stadt Gießen für 189 4/95. Hierzu bemerkte Herr Oberbürgermeister Gnauth: Der Voranschlag habe mit Erhöhung des Communalsteuer-Coesfizienten von 28,2 auf 26,8 gerechnet, weil die Feststellung der Steuercapitalien bei Aufstellung des Voranschlags noch nicht Vorgelegen, was in' zwischen geschehen sei. ES sei erfreulich, daß sich darnach die Communalsteuercapitalien um rd. 30 000 Mk. erhöht hätten. Trotzdem hätte von einer Erhöhung des Coeffizienten nicht Abstand genommen werden können, weil sich Mindererträge auS den Waldungen ergeben hätten. Der größte Theil der Holzversteigerungen sei beendet und so könne man jetzt schon ersehen, daß der Tartspreis nicht in dem gewohnten Maße überschritten wurde,- es würden statt der veranschlagten 99 640 Mk. rd. höchstens 90 000 Mk. aus den Waldungen gelöst werden, so daß die Einnahmen um 15 000Mk. hinter bem Vorjahr zurückblieben. Diese Mindereinnahmen aus Waldungen würden also das PluS an Communalsteuern aufheben. Auch andere Rubriken des Voranschlags stellten höhere Erträge nicht in sichere Aussicht- das Gaswerk werde wegen der beschlossenen Herabsetzung deS GaSpreiseS einen höheren Ertrag nicht abgeben und die Erträge des Wasserwerkes würden vorerst noch durch die Verzinsung deS AnlagecapitalS und dessen Amortisation ausge-
: braucht. Es sei zu hoffen, daß sich der nächste Voranschlag günstiger gestalte, weil die Stadt voraussichtlich in erhöhten Genuß des Gas- und Wafferwerks trete. Die Schulden berechnen sich für 1894/95 auf 5 219 568 Mk., sie haben sich gegen das Vorjahr vermehrt um 875 262,82 Mk., das Vermögen der Stadt berechnet sich auf 6 678 814,94 Mk., es hat sich vermehrt um 845 843,92 Mk., so daß eine Verschiebung des Abstandes zwischen Schulden und Vermögen um rd. 30 000 Mk. stattgefunden. Diese Schuldenvermehrung sei in der Hauptsache auf rentable Anlagen zurückzuführen. In der Generaldiscussion bemerkte Herr Löber, daß auch er den veranschlagten Mehrerlös von 20 000 Mk. aus Waldungen für zu hoch gehalten habe und damit einverstanden sei, daß die Finanzcommission denselben auf 12000 Mk. herabgesetzt habe. Es frage sich, ob es nicht rathfam fei, für die nächsten Jahre weniger Holz zu schlagen, um höhere Preise zu erzielen. Herr Vogt glaubt den Mindererlös auf die durch die oberhefsifchen Nebenbahnen erleichterte Con- currenz des Vogelsberger Holzes zurückführen zu können. Herr Dr. Thaer weift auf den Windbruch in den norddeutschen Forsten hin, der ein Fallen der Holzpreise nicht nur in den betr. Gegenden, sondern auch bei uns zur Folge haben werde. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß der milde Winter und die durch die ungünstigen landwirthschaftlichen Ver- hältnssse des letzten Sommers verursachte Verminderung der Kaufkraft der ländlichen Brennholzconsumenten die Erzielung höherer Holzpreise verhindert hätten- auch seien die früher erzielten Preise verhältnißmäßig hohe gewesen- ob ein Mindereinschlag wirthschaftlich sich empfehle, werde der Erwägung der Forstdehörde anheimzugeben fein. Herr Wallenfels möchte für die Zukunft eine Communalsteuer-Erhöhung vermieden und möglichst Sparsamkeit geübt wissen- auch die Kirchensteuer, auf welche die Stadtverordneten-Versammlung leider keinen Einfluß habe, fei erhöht worden. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß wohl Alle das Gefühl hätten, daß eine Erhöhung der Communalsteuer nicht willkommen sei, aber sie fei nicht zu umgehen gewesen- was die Kirchensteuer betreffe, so halte er es im Gegensätze zu Herrn Wallenfels gerade für gut, daß die Stadtverordneten - Versammlung hierüber nicht zu entscheiden habe, die Festsetzung der Kirchensteuer gehöre in die Evangelische Gemeinde-Vertretung. Herr Beigeordneter Grüneberg ersuchte Herrn Wallenfels, geeignete Vorschläge über diejenigen Rubriken zu machen, an denen gespart werden könne.
Hierauf wurde in die Einzelberathung des Voranschlags, den wir mit den von der Finanzcommission nachträglich be-
antragten und angenommenen Aenderungen hier folgen lassen,
eingetreten:
Einnahme
A. Betriebs Rechnung.
Ausgabe
JL
<x
84308.12
Rest aus vorderen Jahren
46055.78
6231.50
Gebäude
2119.—
29116.68
Grundstücke
9112.28
91640.-
Waldungen
30404.70
57800.-
Gaswerk
—
41783.11
Wasserwerk
—
26117.50
Schlachthaus
13132.61
3340.-
Jagden
—
3000.—
Märkte
782.29
120.—
Atchanftalt
647.—
1200 —
Waaganstalten Kirchen
541.48
57462.80
59477.72
2409.72
Friedhöfe
4957.08
1241 44
Volksschule und Fortbildungsschule
83906.76
27197.29
Höhere und erweiterte Mädchenschule
5616266
170-
Realgymnasium und Realschule
28281 99
50.-
Handwerkerschule
3314.63
i —
Vorschule des Gymnasiums
800.—
60-
Aliceschule
836.83
—
Orffentliche Feierlichkeiten
500 —
—
Denkmäler
100.—
—
Gemeinnützige Zwecke außerhalb der
2168.60
städtischen Verwaltung
6368-
Stratzenunterhaltung
21465.20
25.-
Stratzenretnigung und Kehrichtabfuhr
36275.60
—
Straßenbeleuchtung
25500.-
200.-
Orfsintliche Anlagen
9377.20
——
Brunnen
8747.72
120.-
Bäche
• 880.—
—
Canäle
6300.—
—
Entwässerungsanstalten
969.26
2760.-
Filialarbeitshaus
‘£760.—
500.-
Tonnenanstalt
307 89
—
Feuerlöschanstalten
2482.38
—
Faselvieh
700.—
2824.45
Gemarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen, Pai cellenverrnessung und Grundbuchskosten
200.-
50 —
Werth und Schadenersatz von Feldstrasen
50.—
—
Vertilgung schädlicher Thtere
300.-
—
Armenpflege
41350.—
1840.-
Versicherung der Arbeiter
3710.—
—
Impfung
360.—
5226.71
«Stiftungen
4959.42
—
Zwecke des Kreises und der Provinz
67000-
1800-
Milttärzwecke
5000.—
4696.57
Polizei
46543.81
108.—
Oeffentliche Sicherheit
2003.—
10597.—
Allgemeine Verwaltung
67620.41
—
Pensionen und Wiltwengehalte
4251.84
3000-
Schuldentilgung
39700.—
320.-
Grundzinsen und Anerkennungsgebühr
——
56.-
Einzugs- und Einfchreibgeld
—
10824.78
Eapitalzinfen
196000 —
115750.—
Octroi
32566.—
3620.-
Hundesteuer
226.67
38.—
Antheil von Stempeltaxen für Wanderlager
—
80-
Für die Landesuniversität
924.46
5607.94
Fleischbeschau
5704 —
1800.-
Rettungsanstalt und Cholerabaracke
4712.49
_
Beitrag zum Einkommen des Reichsbank- agenten
100.—
500.36
Zusammenlegung von Grundstücken
31156
—
AuSgeltehene Capitalten
842 29
—
Reser vesond
2000 —
—
Betrtebscapttal
4361.35
398914.73
Commrinalsteuern
15250.—
_
Rente der Oberhefsifchen Etsenbahn- Gelände-Entschädtgung
5761.74
1010642.43
Summa der Betriebs-Rechnung
1010642.43
B. Vemnögens-Rechnnng.
73961.57
Rest aus vorderen Jahren
84378.89
—
«sttftunascapttalien
An- und Verkauf von Gebäuden und
—
2500.-
Grundstücken
25000 —
Erbauung gemeinheitlicher Gebäude u. dgl.
171787.59
18808.60
Erbauung von Straßen und Wegen u. dgl.
99202.24
400.-
Canalbauten
9377.04
——
Erbauung eines Gaswerks
11000.—
—
Erbauung eines Wasserwerks
567350 —
—
Obstbaumpflanzung
—-
—
Außerordentliche Kosten für die Feuerwehr
1094 —
—
Außerordentliche Kosten deS Friedhofs
—
—
Stiftungen
—
905819.59
Capttalaufnahme und Rückzahlungen
32300.—
1002069.76
Summe der Vermögens-Rechnung _
Wiederholung.
Summe des Voranschlags für die
1002069.76
1010642.43
Betriebs-Rechnung Summe des Voranschlags für die
1010642 43
1002069.76
Vermögens-Rechnung
1002069.76
20i2712.19
Hauplfumme
2012712 19
Zu pos. 6, Wasserwerk, bemerkt Herr Oberbürger bÜrgermeister Gnauth, daß mit der Rohrlegung für d>e Neubauftrecke Queckborn-Gießen begonnen worden sei und eine Besichtigung der Arbeiten demnächst stattfinden könne. — Herr Hehligenstaedt bezeichnet den Termin, bis zu welchem die Maschinen und Keffel geliefert werden müßten, als etwas zu kurz bemessen, dies hätte vielleicht manchen Lieferanten veranlaßt, vom Mitbewerb abzusehen.
Herr Sch mall tritt bei pos. 13, Fried h ö f e, für Errichtung von Bedürfnißhäuschen in dec Nähe des Friedhofs ein.
Bei pos. 16, Realgymnasium und Realschule, wünscht Herr Löb er, daß das Schulgeld nicht weiter erhöht werden möchte, wozu Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß diese Erhöhung gleichzeitig mit Ausgleichung der Unterschiede zwischen den einzelnen Städten Hessens und zwar auf Anordnung des Großherzoglichen Ministeriums eingetreten sei- es würden jedenfalls noch Formen zu finden fein, wonach es weniger Bemittelten ermöglicht fei, ihre Kinder in die Realschule zu schicken, etwa durch Vermehrung der Frei stellen.
Bei pos. 32, Tonnenabfuhr , bemängelt Herr Schmal die Mißstände, welche durch die Tonnenabfuhr am Tage hervortreten, er fragt an, ob es nicht möglich fei, die Abfuhr Nachts oder Morgens vorzunehmen. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß dies wohl angängig fei, aber große Kosten verursache. Herr Löber ist im Interesse der Erholungsbedürftigen gegen die Abfuhr am Abend- Herr Habenicht weist ebenfalls auf die Verkehrsstörungen hin, welche Tonnen- und Kehrichtabfuhr am Tage verursachtet:.
Zu pos. 52, Octr oi, verlangt Herr Schmal! baldige Regelung des Octroiwesens, über welches schon seit 3 Jahren verhandelt werde, man möge eoent. eine Commission Sachverständiger zusammensetzen, welche die nötigen Schritte vorbereiten könne, damit endlich einmal Ordnung in das vielumstrittene Octroiwesen komme. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß er diesen Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzen wolle, lieb wäre es thm aber, wenn Seitens der Mitglieder des Collegiums einige Directiven gegeben würden.
Die öffentlichen Bauten betreffend, bemerkte Herr Löber, daß einzelne derselben, so die Schuldienerwohnung in der Schillerstraße, der Uebergang beim Hotel Lenz, der Anbau am Bourgeois'schen Hause hinter der Kirche wenig geschmackvoll ausgeführt feien, wogegen das Feuei löschgeräthe-Magazin der Stadt zur Zierde gereiche. — Herr Sch mall betont, daß bei manchen Bauten hätte gefpait werden können, man solle nicht so maisig bauen. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß alle diese Sauten nach von der Stadtverordneten - Versammlung genehmigten Plänen gefertigt feien- wenn die Bauten sich den Laien anders repräfentirten, als nach den Plänen, so müsse man es sich, wie bei allen öffentlichen Bauten gefallen laffen, daß darüber geredet werde, der Geschmack sei eben verschieden. Was die Schuldienerwohnung in der Schillerstraße betreffe, so konnte diese nicht so monumental gebaut werden, wenn sie als Schuldienerwohnung erkannt werden sollte- der Anbau am Bourgeois'schen Hause mußte so angelegt werden, damit er sich in die Bauart des Ganzen einfüge; von Sandsteinbauten, die Herr Schwall als theuer bezeichnete, hätten Laien andere Ansichten als Techniker, die Mehrkosten feien nur gering und ihre Verwendung im Vergleich zu dem übrigen Material sehr minimal. Es handle sich um öffentliche Bauten und diese rechtfertigtrn wohl die Pflege der Kunst in dem hier recht bescheidenen Maße. — Herr Keller bezeichnet die Summe von 50 Mk., über welche der Bürgermeister verfügen kann, wenn Arbeiten aus der Hand vergeben werden, als zu gering, er b'ttet diesen Betrag zu erhöhen- Herr Löber ist gegen Erhöhung, da viele kleine Posten doch in die Hunderte gingen. Die Herren Emmelius und Hehligenstaedt sprachen sich ebenfalls für Erhöhung der Summe aus. Herr Obcr< bürgermeister Gnauth bezeichnet es auf diesbezügliche Anfrage des Herrn Beigeordneten Grüneberg für erwünscht, daß die thm für aus der Hand zu vergebenden Arbeiten zur Verfügung gestellte Summe erhöht werde, er wünsche inbeB, daß er seine Verantwortung darüber mit der Baudeputation theilen könne, bezw. daß diese Vergebungen durch die Bau- beputation erfolgen. Der Antrag des Herrn Keller wird auf Vorschlag des Herrn Wal len fei« auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt. — Der Vorschlag des Herrn Hehligenstaedt, entlang dem nördlichen Trottoir der Alicestraße ein Geländer, ähnlich wie in den Anlagen zu errichten, wird an die Baudeputation verwiesen. — Herr Oberbürgermetfter Gnauth theilt noch mit, daß die Stadt demnächst einen Versicherungsvertrag gegen die ihr aus dem Hast Pflichtgesetze etwa erwachsenden Ansprüche eingehen werde. Der an die Versicherungsgesellschaft zu entrichtende jährliche Betrag belaufe sich auf 750 Mk. (Schluß folgt.)


