Nr. 295 Viertes Blatt. Sonmay den 16. December
1894
Der •kimt «scheint täglich, eit lu-nahme bet Montag».
Die Gießener p<eetn<*iratlti »crkit dem Anzeiger »GchmtNch btcieel veigelegt.
Meßener Anzeiger
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Feuilleton.
"Wochenbriefe ans der Residenz
(Originalbericht des „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 13. December.
Vom Zudilhfest 1894. — Hofmufik Eoucert. — Allerlei.
Nach sechsjähriger Unterbrechung wurde am vergangenen Samstag wiederum das Judith fest in althergebrachter Weise gefeiert. Nahezu 5U0 Thetlnehmer mögen eS gewesen sein, dre des Abends um 8 Uhr zu dem „historischen Judirh- bilde" im großen Saale deS Städtischen Saalbaues pilgerten, um, nachdem Amtsmiene und philiströser Sinn in der heimischen Studirstube zurückgelass n waren, „Judith", der Schutz^öttin der hessi'chen Beamtenwelt, den schuldigen Tribut auf dem Altar der Freude zu opfern. Leider war Se. Kgl. Hoheit der Großherzog am Erjcheinen verhindert, dafür beehrte jedoch Se. Kgl. Hoheit Prinz Wilhelm von Hessen das Fest mit Allerhöchst Seiner Anwesenheit. Zu- gegen waren ferner sämmtliche Minister, die Spitzen der Behörden und eine statt.tche Zahl besonders geladener Ehrengäste. Punkt 8 Uhr begannen die Feierlichkeiten mit dem Vortrag der Ouvertüre zu d. O. „Zampa" durch das unter Leitung des Herrn Kreisamtmann Weber stehende Hoforchester. Nawdem Herr GerichtSaccessist Gehn er darauf einen den Zweck und die Bedeutung deS Juotthfesles erklärenden Pioiog gesprochen, folgte die zum Feststück htnüber- führrnde Ouvertüre zum „Kalts von Bagdad". Das eigens für den Tag gedichtete und componirte Fefistück führte den Titel: „Bims, BamS, BumS oder der entlarvte MopiuS, eine hoch- mitunter auch tiefromantuche Oper in der Mundart der Darmstädter. Die Handlung ist theils auf theilS abregend, sie entwickelt sich von selbst und spielt zwischen mehreren Personen. Ort: eine unentdeckie, wüste, apoka- lyp.iswe aber doch ganz leidliche, wüste Insel. Zeit: Alleweil. Der Verfasser ist gänzlich unbekannt und thut deshalb gar nichts zar Sache". Das äußerst humorvolle Stückchen schildert die Erlebnisie der drei Accessisten Bims, Bams,
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Bums, welche, da ihnen der Boden in der Heimath zu heiß geworden, eine Vergnügungsreise nach dem Orient unternahmen, unglücklicherweise in den Harem des Pascha Mopsus geriethen und dort die drei Kellnerinnen ihres früheren Stammlocals als Favoritinnen des Gewaltigen antreffen. Der Tod ist ihnen sicher für ihr frevelhaftes Eindringen in den Harem, da gelingt es, in dem Pascha den lange gesuchten Dieb zu entdecken, der vor zwei Jahren das Darmstädter Pfandhaus geplündert. Durch Geschenke von silbernen Löffeln, die er in Darmstadt gestohlen, an die Eingeborenen hat er sich zum Herrscher gemacht, doch ihn erreicht die gerechte Strafe, er wird entlarvt, festgenommen und die Accessisten werden Herr des Reiches. Das Stück enthält eine Reihe prächtiger Solopartieen, in denen die Leiden und Freuden der Finanz-, Lehramts- und Gerichtsaccessisten in humorvoller Weise geschildert werden. Lange anhaltender Beifall lohnte das Werk und die Darsteller, vor allem die „Prima Ballerina Dissohita“. An die Aufführung schloß sich das Festessen an, während dessen Herr Regierungs- Assessor vr. Weber, der Vorsitzende des Eomites, den ersten Toast auf Se. Kgl. Hoheit den Allerhöchsten Landes- Herrn ausbrachte. Die Festrede hielt Herr Regierungsbauführer Wagner, der die Bedeutung der Judithfeste für das Bewußietn der collegialen Zusammengehörigkeit der Beamten Heffens darlegte. Sein stürmisch aufgenommenes Hoch galt dem Judithfeste 1894. Herr Oberconsistorial- Präsident Dr. Goldmann Exc. dankte dem Conine für seine hervorragenden Bemühungen um das glänzende Fest und Herr GerichtSaccessist Mahr der Hofsolotänzerin Fräul. Swoboda, den Herren Hofmusikdirector Keifer und Hof- schauspteler Wagner für ihre opferfreudige Sorge um die Einstudirung des Stückes. Der anschließende Festcommers sowohl roie der am nächsten Tag abgehaltene Kater-Frühschoppen und Exbummel verliefen in der urfidelsten Weise. —
Ein seltener Kunstgenuß wurde unserem Eoncertpublikum am vergangenen Montag zu Theil. Zu dem dritten Eoncert im Großh. Hoftheater zum Besten des Wittwen- und Waisen- sonds der Ho^musik war eS nämlich gelungen, als Solisten den genialen spanischen Geigenvirtuosen Pablo de Sara säte
zu gewinnen. Sein Name allein schon bürgte für ein aus- verkaufteS Haus. Der Künstler spielte das Violinconcert von Mendelssohn und die Jntroduction rc. Rondo capriccioso für Violine und Orchesterbegleitung von Saint-Saens. Wie er sie spielte, das läßt sich eben nicht beschreiben, das muß man selbst gehört haben, Sarasates Talent steht einzig da auf der weiten Welt, seine Technik, wenn man überhaupt bei ihm von Technik reden darf, ist vollendet, dazu seine Haltung und seine Bewegungen beim Vortrag frei von aller Aufdringlichkeit. Der Beifall des enthustasmirten Publikums nach beiden Leistungen kannte buchstäblich keine Grenzen. Unser heimisches Orchester hatte neben solchen glänzenden Concurrenten selbstverständlich keine leichte Stellung. Jn- deffen bewährte es, das muß zu seiner Ehre gesagt werden, wiederum in hervorragendem Maße seine eigne Künstlerschaft nnd die Tüchtigkeit seines Dirigenten Herrn HofcapellmeisterS W. de Haan besonders in der äußerst exacten Begleitung des Spieles des Helden des Abends. Auch die übrigen Programmnummern Maestros e Allegro von G. F. Haendel, „Hirtenmusik" aus dem Weihnachtsoratorium von I. S. Bach und besonders die „Ozean-Symphonie" von A. Rubinstein wurden mit gewohnter Meisterschaft gegeben. Da das finanzielle Ergebniß des Abends sehr bedeutend war, dürfte dem Waisenhaus eine stattliche Summe zugeflossen sein.
Scheu sind allem Anscheine nach die Aussichten für die kommende Faschingszeit. Der opferfreudige Sinn für deffen Freuden scheint stark int Abnehmen begriffen zu sein, wenigstens ging vor einigen Tagen eine Notiz durch die hiesigen Blätter, wonach der Carneval-Zug-Verein in Anbetracht der „ungünstigen Zeitverhältnisse" von der Veranstaltung von Sitzungen, Anfzügen rc. in der kommenden Fastnachtszeit abzusehen und nur den üblichen großen Maskenball am Faftnachtsdienstag abzuhalten beschlossen hat. Einen Vorthetl hat auch das schließlich- wird nämlich von Setten der Vereine nicht znvtel geboten, so kommt das dem Hoftheater zu Gute, das diesmal für den Fasching, wie man hört, besondere Vorbereitungen im Auge habe.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Lumda für 1895/96 liegt vom 17. b. 9K. an acht Tage lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht der Jntereffenten offen. 10186
Lumda, den 14. December 1894.
Großh. Bürgermeisterei Lumda.
In dem Concurs über das Ver-। mögen der F rma Werner Dietz zu Gießen ist in Gemäßheit des §150 der K.-O. Schlußtermin auf Donnerstag, 3. Januar 1895,
Vormittags 10 Uhr, bestimmt.
Gießen, am 7 December 1894. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
Gebhardt. 10182
Montag den 17. prdir.,
Nachmittags 2 Uhr, werden Bahnhofstraße 57 ein großer Eisschrank, für Molkereien, Butter- Handlungen u.s.w. besonders geeignet, 1 Butterknctmaschine, hölzerne Tröge ui .> Gestelle, 1 großer, sehr guter Kassenschrank, 1 Vricsschrank, 1 Comptoir- Doppelpult, 1 ' Stehpult, 1 Hängelampe, 1 Ofen, 1 Stost- karren, eine große Parlhie Kisten, 1 Schcibenbüchse mit Zubehör, 1 fflobertgewehr u. s. w. versteigert. Bet dieser Gelegenheit kommt auch eine Bierpression mit großem eisernen Ständer, auch zum Behälter für Sprit oder Petro leum geeignet, einige alte Thüren rc. zum Ausgebot.
10045 ff. Hoffmann.
•5^ Werners WaarenhauS 1WS
H. C. Werner, [10191 lüisichgärterr 10.
Bekanntmachung.
Wegen deS an den beiden WeihnachtS- tagen stattfindenden Ausfalls der Güter- zÜge empfiehlt es sich olle die Güter, welche von der dadurch beding en Ver- aöfleruni nicht betroffen werden sollen, möglichst frübzettig aufzulie»ern, damit sie noch vor den Festtagen dni Empfängern zuoestellt werden können.
Cassel, den 16. December 1894.
Königliches Eisenbah i-Betrtebs-Amt.
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