Ausgabe 
16.9.1894 Zweites Blatt
 
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Nr 217 Zweites Blatt. Sonntag den 16. September

1894

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BaldenSberger, der sein Kommen nicht nur als einen Beweis des tiefen Interesses der theologischen Facultät am kirchlichen Leben betonte, sondern auch als Zeichen, daß Kirche und Wissenschaft Hand in Hand gingen. Auch auS dem Kreise der inneren Mission wurde der Verein begrüßt, der ja auch ein Stück innerer Mission sei. Herr Landgerichtsrath Küchler, der die Begrüßung im Namen des Zweigvereins desEvangelischen Bundes" in Darmstadt auSsprach, lud gleichzeitig die Versammlung zu der Vorstellung des Gustav- Adolf-Festspiels von Otto Devrient ein, die der Schwester­verein zu Ehren der Gäste veranstaltet habe.

Am Abend fand unter Mitwirkung der drei hiesigen

Vermischtes.

* Die reiche Amerikanerin Miß Carol, welche, wie be. richtet, seit mehreren Tagen in Bayreuth Aufenthalt ge­nommen hat und dort einen täglichen Aufwand von 10,000 Ml. machte, hat sich mit dem Grafen Karl von Teuffkirchen zu Göttenburg auf Iben, Secondelieutenant im 3. Bayerischen Cheveauxleger-Regiment verlobt.

entrichten. 1 ~ . k

Für die fernere Unterstützung der evangelischen Gemeinde zu Saarburg, der zweiten größten evangelischen Gemeinde zu Lothringen, die da gleichsam als ein Vorposten im Westen und als ein Bollwerk des Deutschthums dasteht, wurde von ihrem geistlichen Vertreter in warmen, zündenden Worten plaidirt. Das Gleiche für ihre Gemeinden thaten der Pfarrer von Groß-Moyeuvre (in der Nähe des Schlachtfeldes von St. Privat) und drei czechische Herren, die für arme Ge- meinten der böhmischen Martyrerkirche in beredter Weise eintraten. Gar armselig ist besonders die Gemeinde von Neustadel daran, die 30 Kilometer von der nächsten Eisen­bahnstation entfernt unter den denkbar traurigsten wirthschaft- lichen Verhältnissen lebt. In sehr beredten Worten schildert ein ungarischer Geistlicher das geistige und leibliche Elend einer Gemeinde im südlichen Ungarn, die vor HO Jahren der humane Kaiser Joseph II. dorthin verpflanzt habe und die hauptsächlich aus Angehörigen der Neckar-, Rhein- und Moselgegenden zusammengesetzt gewesen sei. Um thatkrästtge Hilfe wurde der Gustav-Adolf Verein ferner angegangttt von den Vertretern evangelischer Gemeinden auf spanischem Boden. Die evangelische Gemeinde zu Barcelona, die sich zu Zwe^ drittel bereits selbst erhalten, aber der Unterstützung noch keineswegs entbehren kann, hat große Liebesarbeit zu leisten, an den Seeleuten, Handwerksbvrschen, jungen deutschen Kauf­leuten und nicht zuletzt an den Anarchisten, welche in Barcelona sozusagen ihre Hochschule haben.

Redner schloß seine von der Versammlung mit großem Interesse aufgenommenen Darlegungen mit einem spanischen Sprichwort: ..Einer mit Gotr ist immer eine Majorität!

Hofprediger Dr. Braun versprach im Namen des Centralvorstandes, daß der Gustav-Adolf Verein keine dteser Gemeinden versäumen wolle.

Noch während der Versammlung liefen aus dem Kreise der Anwesenden bereits verschiedene Liebesgaben ein.

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Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für ; das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebens! ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lau- senden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz I Oberhessen ansässige Berichterstatter, istlder Gießener ! Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen bettiebenen Landwirthschäft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- wetthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gießener Familienblütter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärüge Leser, | ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzuttetende erhalten vom Tage der | Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zu- ! gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­bettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger"

Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).

Das neue Waarenschuhgesetz.

In dem gewaltigen Concurrenzkampfe der Neuzeit hat j-.de renowmirte Fabrik und jedes bedeutende Handelshaus ein großes Interesse daran, diejenigen Maaren, welche sie mit gewissen guten Eigenschaften Herstellen oder vertreiben lassen, vor Nachahmungen und Täuschungen von Seiten der Con- currenten zu schützen. Gewöhnlich geschah dies bisher durch Anwendung einer Handelsmarke, welcher ein gesetzlicher Schutz eingeräumt wurde. Da nun aber der Waarenschutz nicht nur durch die Schutzmarke, sondern auch noch durch andere Mittel der Fabrikanten und Kaufleute vollzogen wird, so hat sich eine Reform des Waarenschutzgesetzes nöthig gemacht, die mit dem 1. October dieses Jahres in Kraft tritt und für alle handel- und gewerbetreibenden Personen sehr wichtige Neuerungen enthält. Nach dem neuen Gesetze giebt es nicht nur Schutzmarken, sondern sämmtliche Waarenzeichen, wie Marken, Etiquetten, Werthzeichen, Devisen u. s. w. können zum gesetzlichen Waarenschutz verwendet werden, wenn ste bei dem kaiserlichen Patent-Amte in Berlin, welches vom 1. October ab als Waarenzeich en- Centralstelle fungirt, angemeldet werden. Das Patent-Amt prüft jede Anmeldung in B--zug auf ihre gesetz­liche Berechtigung, und hat das Recht, Anmeldungen, welche mit bereits bestehenden Schutzmarken und Waaren­zeichen Verwechselungen hervorzurufen im Stande sind, ab- zulehuen. In Couflictfällen können Inhaber collidirender

Waarenzeichen ihre Berechtigung, bez. ihr alleiniges Recht durch gerichtliche Klagen herbeiführen. Phantasieworte sind auch schutzfähig, nur dürfen sie nicht die Waaren nach Ort, Zeit, Beschaffenheit, Maß und Gewicht bezeichnen. Der- packungsarten und Ausstattungsformen sind nur dann schutz- fähig, wenn in denselben das Publikum die Zeichen gewiffer charakteristischer Eigenschaften einer Waare erblickt. Damit wird aber auch der Nachahmung gewisser renommirter Ver­packungsarten ein Riegel vorgeschoben. Verboten sind ferner nach dem neuen Waarenschutzgesetze unrichtige, also auf Täuschung 'des kaufenden'! sPublikumS berechnende Angaben

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wie eine Säule aufragt, rankenartig umwunden von den vom Sopran getragenen Melodien:O Jesu Christe, Lamm

Die 47. Hauptversammlung des evange- lischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung. i @otte6".

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(Fortsetzung.) | unter so mannigfachen geistlichen Segnungen verlaufenen

M. An den feierlichen Eröffnungsgottesdtenst schätz sich i - $ g ber Versammlung in eine kurze Ansprache

gleich der erste Tag der Generalversammlung des Gustav- I '^rrwnfaßte, aus welcher u. A. der Gedanke hervortrat, Adolf Vereins. I daß dieses Hochfest der gebenden und nehmenden Liebe in den

Nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Vor- I ®ftebexn uncerer zersplitterten evangelischen Kirche den er­sitzenden H^rrn Superintendenten Braun- (Stuttgart) verlas l Eindruck einer inneren, festen Zusammengehörigkeit

Herr vr. Hempel (Leipzig) den Jahresbericht des Vereins. 1 M

Das Vereinsiahr 1892/93 zeigt stille Fortentwicklung. Die I Hauptthätigkeit des zweiten Tages erstreckte sich

Wege, die der Verein zu gehen hat, um das zu retten, was I Verkeilung der Liebesgaben. Für die große in Gefahr steht, verloren zu werden, liegen klar vorgezetchnet. 1 tion 18000 Mark waren vom Centralvorstand die

Neben dem Aufschwung macht sich freilich auch ein Stillstand I @emeinben F^lda (Hessen-Kassel), Sacken (Schlesien) und des Werkes bemerkbar. Einige Provinzen stehen dem Verein I - , (B^rn) in Vorschlag gebracht worden. Aus der noch fern, an anderen Stellen ist die Gefahr des Müde- I ^brtimmung ßtng Sacken als Sieger hervor mit 79 Stimmen, werdens zu fürchten. I auf F^da entfielen 71, auf Zwiesel 20 Stimmen. Die

Mehr als je tritt an bte evangelische Kirchenheit die I genonntcr Gemeinden gelangten darauf zum Wort,

Aufgabe heran, wachsam zu sein und ihrer Mission eingedenk I Dank für die ihnen gespendete Theilnahme zu

zu bleiben. Von den Gemeinden in der Diaspora laßt sich ß y in dieser Hinsicht viel lernen- sie beschämen uns in ihrem Eifer und treuen Festhalten und find daher eine Erziehungs­anstalt für unsere jungen Geistlichen. 1OAAA ,

Die Einnahme deS Vereins hat sich um 18 000 Mark gesteigert, sodaß die ganze Jahreseinnahme 1839 000 Mark betrug. Diese hohe Summe ist hauptsächlich einer großen Anzahl von Vermächtnissen zu verdanken- 22 sind dem Verein | in diesem Jahre zugeflossen. Die Jahresberichte der Zweig­vereine enthalten nur Gutes. Besondere Anerkennung gebührt

i den Frauenvereinen, deren verborgene Arbeit reichen Segen stiftet. 29 Kirchen wurden eivHeweiht, davon 5 in Posen, an 16 Orten wurden Grundsteine gelegt- als bedeutsamste verdienen der Erwähnung die zu Bingerbrück und Paris- 9 Pfarrhäuser, viele Schulen entstanden und 55 Gemeinden sind dem Verein beigetreten. Aber die Noth ist noch immer groß, denn durch die Freizügigkeit werden überall hin evan­gelische Christen versprengt, die ohne Pastorisatton der Pro. paganda der Römlinge anheimfallen. Besonders fühlbar tst der Mangel an evangelischen Schulen, unser Schmerzenskind in dieser Beziehung ist Oesterreich. Für Confirmanten-

I anstalten muß auch noch mehr gethan werden- der Anfang I ^E^^^^rlas der Vorsitzende die schriftlichen Begrüß­ungen, die aus Wien, Paris, Mähren, Teschen rc. eingelaufen I Hierauf erhielt Probst von der Goltz als^Vertreter des evangelischen Oberkirchenraths das Wort und sprach tem Verein seinen Dank aus für die Hilfe, die er vielen Ge­meinden geleistet hat. Danach sprachen Herr Generalsuper­intendent Baur als Vertreter des Zwischen, Herr Super­intendent Fuchs als Vertreter M Wtotn eon^^ftotin^l8 und Herr vr. Müller, Landesbischof von Stebenbürgen, im Auftrage der obersten Kirchenbehörde der evangelischen Landeskirche in Siebenbürgen. Doll tiefen Ernstes war das Wort dieses Geistlichen, der als Vertreter eines wetterharten Geschlechts, das seit 3Vr Jahrhanderten an der äußersten Peripherie am Evangelium und seit siebenhundert Jahren am

I Deutschthum festhält.

Herr Stadtpfarrer Waa'S unterbrach bte Reihe der Begrüßungen durch die Mtttheilung, daß durch eine Samm­lung der Darmstädter Confirmanden dem Verein 223 Mk. geschenkt worden seien. .

Unter den weiteren Rednern sind noch zu nennen der I Vertreter der theologischen Facultät aus Gießen, Herr Prof.