Ausgabe 
16.9.1894 Drittes Blatt
 
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1894

Sonntag den 16. September

Drittes Blatt.

Nr. 217

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

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Feuilleton.

Die Weißwurst vor dem Gerichtshof in München.

Richter (jum Angeklagten):Herr Z., St- haben gegen einen Strafbefehl Einspruch erhoben, nach welchem Sie wegen groben Unfugs zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt worden sind, weil Sie in der L.'schen Wirthschaft geschimpft und ge­lärmt und muthwillig einen Teller zerschlagen haben. Wie begründen Sie den Einspruch?" AngellsAha. muthwilli' ham'S g'sagt? Da vergang Eahna der Muthwill n bei auer solchenen Bedienung. Der Zorn wars, der mir kemma iS, wia i g'spannt hab, daß i um mein guetS Geld wieder a feuerrothe, auSg'sottene versalzene Weißwurscht krtagt hab. San denn döS heutzutag no' Wirthsmetzger. Da ktmmt so a Bauernbenkl in d' Stadt Münka etna, tragt an Streicher wia an Schleppsabel, a Haub n wia an Luftballon, macht Sprüch wia a Richtiger und iS a Patzer durch und durch. Schaug'nS, das feinste Fruahstuck in der Münchner- stadt mueß doch meiner Lebtog a richtig'S Paar Wetß- würschterln sein. Wenn Oaner in an WirthShaus a Weiß­wurscht essen thuet, na kenn i, wo er dahoambt is! Zum Beispiel a alter Münchner schneid', a paar Wärschtel quer in der Mitt'n durch, faßt a Hälfte beim Zipfl, ziagt d' Haut durch die Zähn, an Druck un fort is. Sehg'ns, da is der Saft und all S beinand. Der Feinere, der schneidt S nach der Läng auf, ziagt d' Haut aba und schiabtS bröcklweiS g'fchnitt'n etna. Dös is scho' a Gottesgab verhonakelt. Mit AuSnahm 'S thuet's Oana z'weg'n dem, daß er a mal

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daß mir d' Würscht uet guet gnua san und der hats dann selber bracht. Ich schneide an, der Wirth schaugt zua.und moant: Sie braucho net so hoagli san und meine Sache z veracht'«! Was fehlt denn dene Würscht? Damischer Tropf, sag i, Stockwürscht sanS, wia Du a Stock bist und wennst koa Weißwurscht macha kannst, na kauf Kreuzerwürs^ Jetz'n hoaß mi der Mensch an Schuester und an Aufdrahrer und sagt, i verstand gar net, was a guete Wurscht war. Drauf hab i'n Teller z'sammt die Würscht au Ofen hin- geworfen, weil mi der Zorn übermannt hat, und b n furt Dös war die ganze G'schicht." - Richter:Bezahl haben Sie nichts?" - Angekl.:Glei' darauf hab i meintCenzl g'schickt und fragen lassen, was i schuldig bin, aber der Wirth hat g'sagt: er kunntS nimma auSmacha, die Sach kam ans Schwurgericht. A Markl hab i eahm no anbot u, wenn- im Gueten ausganga wär, er hat aber g'sagt, da g langa koane dreihundert Stutzen." Ohne Zeugenvernehmung wurde die Strafe auf 3 Mk. herabgesetzt. Herr Z. wollte gleich seine Schuldigkeit bereinigen, wurde aber auf einen späteren Besuch des Gerichtsboten vertröstet - ^Auch «cht, meinte er,der Wagt ° Fufz gerl mehr« und mueß selber die Weißwürscht probir'n in dera Malefizkneip n, damit Oaner vom G'richt woaß, was döS für a Graffl iS. ®ie_ mit die Würscht, da hat» was !8 Beste i«, Sie schaug->» ,erft an, Wenns a Anderer ißt und nachher erst b stell n, mich krieagt Koaner mehr dran!" - Der Angeklagte kam mit einer leichten Strafe davon.

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aa Jemandem d' Haut o'ztag'n kann. A G'scheerter, der s b'stellt fich a Stücker viere, schneid'tS mit sammt der Haut auf und verdroffelt's z'sammt die Soatliug, daß nixa z Grund geht. Also ..." Richter:Bitte, Sie schweifen zu weit von der Sache ab, bleiben wir bet dem groben Unfug.

Angekl.:Entschuldigens, Herr Staatsanwalt, glei kemmia mir auf den grob'n Unfug von dera Wirthschaft. Also a richtige Weißwurscht mueß weiß, saftig und wollet sein. Dös Mollete kann mer Koan beschreib'n, dös mueß der Gusto auf'm Züugl geb'n, 'S mueß a Schnittling drinna sein und beiletb net z'viel Salz, aa koane hart n Krüsperln oder gar a wengl von an auSg'sott'na KalbSkopf. Und jetzn kemma mer auf das ganz conträre Gegentheil von aner Weißwurscht und solchene gibts beim Herrn X. m der Wirth­schaft. Da bin i also feit Jahr und Tag alle Fruah, bestell mir drei Stück und a Maß. Seit vierzehn Tagen hat der Wirth an neuch'n Metzger, so an Halbwild'n von der boarischen Ostgrenz und der Kerl macht Wür cht: . . erbarm- lich sag i Eahna. Wias etna schneid n, spritzt Eahna s Wasser ins Gesicht, 's Brat is roth und verschwemmt, g salz n san's wia di' Haring, von an Greanzeug fcf Spur und was d' Hauptfach is, Abends kann mer aa no Weißwürscht Yao n und dös woaß doch a jed's Kind in München, a Weißwurscht därf net Elfe läut'n hör'n. Am 5. Juli kriag t w eder drei Würscht und da sag i zur Kellnerin: Säh, Marie, wennö heut wieder so rar san wia gestern, na bleib i auS und geh zu der Babettl am Bictualienmarkt. Thuet mer leid, sagt dös Schnapperl, i steck net drinnet und machS aa^> dös müassn's an Metzger verzähln'n. Die sagt nachher n Wirth,

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