Ausgabe 
16.2.1894 Zweites Blatt
 
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>n trauerooller unserer lieben .seren herzlichen

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Rr. 39 Zweites Blatt.

Freitan den 16. Februar

1894

Äebtictuin, Hypcbttioe und Druckern:

FchutSr-tzeAr.^

Ferusprecher öl.

Vierteljähriger

2 Mark 90 Pfg. mit vringerlohn.

Dmxh die Post btjogm

9 Mark 50 Pfg.

Die Gießener I«mtkiea0tä11er werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Oirßeuer Zuzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.

Hratisöeikage: Gießener Kamitienökätler

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Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nchuw» Anzeigen für denGießener Anzeiger^ entgege».

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

passirt. PostdampferColonia" ist am 12. Februar von Ham» bürg via Havre in St. Thomas angekommen. Postdampser Baumwall", von Hamburg nach Philadelphia und Baltimore unterwegs, ist am 13. Februar, 5 Uhr Morgen-, Dover pasfirt. PostdampferScandia" ist am 13. Februar,/i Uhr Morgen-, von Rewyork in Hamburg angekommen.

Der PostdampferRhynland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 10. Februar wohlbehalten in New- york angekommen.

Obstbaucurse an der Alkerbauschule zu Friedberg während des Frühlings und Sommers 1894.

I. Obstbaucursus für Baum - und Straßen- Wärter in der Gesammtdauer von 10 Wochen. Der erste Theil beginnt Montag den 5. März und dauert vom 5. bis 21. März und vom 9. April bis 5. Mai. Der zweite Theil findet im Juli oder August für die Zeit von 3 Wochen statt.

Die Theilnehmer müssen das Alter von mindestens 16 Jahren haben und sich allen Arbeiten in den Pomologischen Gärten und anderen Obstanlagen willig unterziehen. Der Unterricht für hessische Baum- und Straßenwärter ist frei; das Honorar für solche Theilnehmer aus Hessen, welche lediglich im eigenen Interesse den CursuS besuchen, beträgt 10 Mark, für Nichthessen 15 Mark.

Vermischter.

Essen, 8. Februar. Wegen Vergehen gegen das Dynamitgesetz wurde ein Schneidergeselle Billig aus Gladbeck von der hiesigen Strafkammer zu drei Jahren Zucht­haus und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. G. hatte im November vorigen Jahres auf ZecheGras Moltke" drei Dynamitpatronen, vier Zündkapseln und eine Zündschnur entwendet, um, wie er selbst zugesteht, ein Verbrechen damit zu verüben.

* Paris, 8. Februar. In acht großen Städten Frank­reichs sind Versuche zur Bestellung von Telegrammen vermittelst des Velocipeds gemacht worden und haben ausgezeichnete Resultate ergeben. Infolge dessen hat die Oberverwaltung des Post- und Telegraphenwesens beschlossen, diese Maßnahme auf alle Städte mit einer Bevölkerung von 20 000 Einwohnern und darüber auszudehnen.

Schiffsnrrchvichten.

Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Aclien-Gesellschaft.

PostdampferGalicia", von St. Thomas via Havre nach Hamburg bestimmt, ist am 11. Februar, 11% Uhr Abends, Dover

Derfcbr, £anO» tmfc VoUrrvirthschaft.

Nachweisung

über den telegraphischen Verkehr der im Kreise Gießen belegenen, zum Ober-PostdireclionSbezirk Darmstadt gehörigen Post- bez. Telcgraphrn- anstalien im Jahre 1893.

K. Reichelt: Obstsortenkunde, Obstbaumpflege, Obst­baumzucht, Krankheiten des Obstbaumes, schädliche Thierc, Obstverwerthung; Demonstrationen und practische Arbeiten.

L. Fel sing: Hebungen im geschäftlichen Aufsatze, Be­rechnungen.

II. Repetitions-Curfus für Baum- und Straßenwärter vom 2. bis 7. April. Solche Baum- und Straßenwärter, welche schon einen Cursus im Obstbau durchgemacht oder längere Praxis hinter sich haben, können an diesem Cursus theilnehmen. Nach bestandener Schluß­prüfung erhalten dieselben, wenn sie ein Alter von 20 Jahren besitzen, den TitelVcreinSbaumwart des Oberhessischen Obstbauvereins". Der Cursus ist honorarsrei.

III . ObstbaueursuS für Lehrer uüd Freunde des Obstbaues, erster Theil vom 7. bis 12. Mai, -weiter Theil von 10 Tagen nach Hebereinkunft im Laufe deS Sommers. Honorar für Hessen 10 Mark, für Nicht-

Baumwäner, welche eine Hnterstützung Seitens des zu- sündigen landwtrthschaftlichen Bezirksvereins (im Kreise ! Friedberg bis zu 75 Mark) zu ihrer Ausbildung wünschen, i müssen sich bei dem Director des landwirthschaftlichen Bezirks- Greins melden und den Bedürftigkeitsnachweis erbringen. f

Während des CursuS wird in folgenden Fächern Hnter- \ eicht ertheilt von nachbenannten Lehrern:

vr. von Peter: Grundzüge des Pflanzenlebens, i äußerer und innerer Bau des ObstbaumeS, Boden- ' künde und Düngung, Lebensthätigkeit des Obst- l baumeS.

Morphologie, Anatomie und Physiologie deS Obst- baumeS.

K. Reichelt: Geschichte des Obstbaues, Pomologie, Obstbaumpflege und Schnitt der Zwergbäume, Obstbaumschädlinge, Baumkrankheiten, Obstver­werthung- Hebungen und Demonstrationen.

IV . Obstbaucursus für Freunde des Obst- baues vom 10. Mai ab. Dauer desselben nach Heberein­kunft. Wöchentlich 2 bis 3 Vorträge und circa 6 Stunden Hebungen und Demonstrationen. Honorar 10 Mark für Hessen, 15 Mark für Nichthessen. Programm der Vorträge wie unter III.

Je nach Bedürfniß können auch während der Sommer­monate noch weitere Gurfe abgehalten werden.

Anmeldungen zu diesen Cursen werden möglichst früh­zeitig erbeten und sind schriftlich an den Dirigenten der Acker­bauschule, Dr. von Peter, zu richten.

Der Aufsichtsrath der Ackerbauschule zu Friedberg.

Dr. Braden.

j Hessen 15 Mark. Täglich von 8 bis 11 Hhr Vorträge, Nachmittags von 2 biß 5 Hhr Hebungen und Demonstrationen den Pomologischen Gärten und Baumgütern.

Die Vorträge erstrecken sich auf folgende Themata: Dr. von Peter: Ausgewählte Capitel aus der

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Allendors (Lumda)

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326

395

219

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Bellersheim (seit 10./7.)

120

1

121

113

64

1

Beuern (Hessen)

174

1

175

97

85

1

Gießen 1

18537

2063

20600

20465

11308

21

Gießen 2

94251083

10508

8281

6899

2

Gießen

27962.3146 31108

28746

18207

23

Großen-Buseck

203

8

211

190

132

2

Großen-Linden

274

3

277

236

143

1

Grünberg (Hessen)

797

15

812

916

418

1

Hungen

1410

62

1472

1625

937

2

Langgöns

125

1

126

190

57

1

Langsdorf

138

138

214

69

1

Ltch

939

48

987

1212

612

2

Lollar

1245

81

1326

1506

1050

2

Londorf

384

7

391

529

262

1

Reiskirchen

125

4

129

129

78

1

Steinbach (Hessen)

158

1

159

175

78

1

Treis (Hessen)

86

86

89

49

1

Dillingen (Hessen)

75

2

77

56

43

1

Wieseck (Hessen)

242

15

257

256

169

1

Summe

34772 3406138178

36674

22672

44

Feuilleton.

Aus der Kriegsgefangenschaft.

DieVoss. Ztg." schreibt: Heber einen in großem Maßstab geplanten Ausbruch französischer Kriegsgefangener, die 1870 in Ulm und Dillingen intemirt waren, bringt derTempS" einen interessanten Bericht. Der Gewährs­mann desTemps" war nach der Hebergabe von Metz mit einer großen Anzahl anderer Gefangenen über Saarbrücken, Mannheim, Baden-Baden, Stuttgart und Ulm nach Dillingen übergeführt worden, wo sie bei ihrer Ankunft französische Soldaten vorfanden, die bei Retchshofen in deutsche Gefangen­schaft gerathen waren. Dort wurden die Franzosen in fünf Abteilungen gethetlt und in verschiedenen Kasernen unter­gebracht. Jede Abteilung wurde, da sich unter den Ge« fangenen keine Offiziere befanden, einem der gefangenen Unteroffiziere unterstellt, zu denen auch der Gewährsmann desTemps" gehörte, der jetzt in einem Ministerium einen verantwortlichen Posten ausfüllt. Seiner Schilderung nach hatten sich diese Unteroffiziere vieler Freiheiten zu erfreuen, durften sie doch sogar ohne Bewachung die Stadt verlassen und sich in einem Umkreis von drei Kilometer ergehen. Auf diesen Spaziergängen reifte in den Leuten der Wunsch, zu entfliehen. Um den 15. November will der Verfasser der Mittheilungen imTemps" von seinem Vater eine Postkarte erhalten haben, die ihm in stenographischen Zeichen zwischen den Zeilen meldete, daß einer seiner Freunde, ein Sergeant Namens A. Humblot, der auch der Stenographie kundig war, in dem benachbarten Ulm intemirt sei. Mit diesem Sergeanten setzte sich der Gefangene von Dillingen in Verbindung. Sie wechselten in stenographischen Zeichen abgefaßte offene Briefe, die regelmäßig ihren Bestimmungsort erreichten, und schließ­lich kamen die beiden zu der Ueberzeugung, daß man in Anbetracht des Umstandes, daß in Ulm 25,00030,000 Gefangene von ungefähr 1000 bayerischen Soldaten und in Dillingen 2500 französische Soldaten von 200 Landwehr­

leuten bewacht wurden, eine Massenflucht wagen könne. Der Sergeant Humblot aus Ulm meldete seinem Freunde in Dillingen, daß viele von seinen Schicksalsgefährten sich auf ihren Spaziergängen in der Stadt Revolver und andere Waffen gekauft hätten und daß mehrere von ihnen auf den Gedanken gekommen seien, daß es ein Leichtes sein würde, sich der Festung zu bemächtigen. Diese Idee fand bei dem Gefangenen von Dilligen Anklang, er sprach mit einigen Vertrauten und schließlich kamen sie überein, alle in Dillingen internirten Unteroffiziere inS Vertrauen zu ziehen. Humblot wurde von diesen Entschlüssen in Kenntniß gesetzt und er­widerte auf eine Anfrage, daß er und feine Kameraden in Ulm es nicht nur übernehmen wollten, sich durch einen Hand­streich zu Herren der Citadelle zu machen, sondern daß sie sich auch anheischig machten, die Eisenbahnen zn besetzen, falls ihnen von Dillingen aus Unterstützung zu Theil werde. So­bald sie sich zu Herren der Festung gemacht, sollten in Ulm genügend Leute zurückbleiben, um die Stadt im Schach zu halten und die übrigen Franzosen sobald wie möglich nach Augsburg ziehen, in dessen Umgegend 40,000 französische Kriegsgefangene in einem Barackenlager untergebracht waren. Auf diese Weise hofften die Franzosen innerhalb 24 Stunden 60,000 Mann zu vereinigen und binnen vier Tagen eine Stärke von 100,000 Mann zu erreichen. Am 16. December, um 1 Uhr Morgens, sollten die Gefangenen von Dillingen unter den Mauern von Ulm eintreffen. In Dillingen machte man sich eifrig an die Arbeit. Bereits am 8. December hatten die Gefangenen Duplicate zu den Schlüsseln der Waffenmagazine und zu den von ihnen bewohnten Ställen des ersten bayerischen Ulanenregiment« in ihrem Besitz. ES war verabredet worden, daß sechs von den Entschlossensten für die Zerstörung der Drahtleitung sorgen sollten, vier Turkos sollten sich gleichzeitig auf die Schildwachen werfen und sie erwürgen, was um so leichter ausführbar erschien, als die deutschen Soldaten diesen Leuten sehr wenig Beachtung schenkten und der Rest der Gefangenen sollte sich auf die bewachenden Mannschaften werfen und sie alle niedermachen, die versuchen

sollten, Widerstand zu leisten. Am 15. December, um 9 Uhr Abends, sollte der Plan ausgeführt und darauf sofort der Marsch nach Ulm angetreten werden. Alles war auf das Sorgfältigste vorbereitet und die Bayern schienen nichts von dem Bevorstehenden zu ahnen. Da erschienen um 8 Uhr Abends mehrere deutsche Offiziere mit 15 Soldaten in den von den Gefangenen bewohnten Räumlichkeiten, bemächtigten sich der sechs Unteroffiziere, denen die einzelnen Gefangenen­compagnien unterstellt waren, und schafften sie in das Arrest­local. Dort wurde ihnen der rechte Daumen an den rechten Fußknöchel gebunden, worauf ihnen ein Offizier in gutem Französisch miüheilte, daß ihr Anschlag verrathen worden fei, wie es sich später herausstellte, von einem Corpora! der Garde-Voltigeure, der an demselben Tage aus der Kaserne verschwunden war und nie wieder von seinen Kameraden ge­sehen worden ist. An 36 Stunden liefe sich, wie der Ge­währsmann desTemps" versichert, bei den gebundenen Unteroffizieren kein Mensch sehen. Dann erhielten sie Wasser und Brod und darauf gab es wieder nichts zu essen bis zum vierten Tage. Die Leute waren vollkommen darauf gesafet, dafe man sie erschießen würde, und waren nicht wenig er­staunt, als man sie am fünften Tage ihrer Gefangenschaft losband und ihnen gestattete, sich wieder zu ihren Genossen zu begeben. Sie wurden vor den französischen Platzcom- mandanten Cymon de Canneville geführt, der ihnen den Text las und ihnen erklärte, daß eS ihm große Mühe gekostet habe, für sie Straflosigkeit auszuwirken, da die deutschen Militärbehörden die Absicht gehabt hätten, sie füsiliren zu lassen. Später erfuhren die Gefangenen in Dillingen, daß ihre Ulmer Schicksalsgefährten gleichfalls verrathen worden waren und zwar von einem Unteroffizier der Garde-Grenadiere. In Folge dessen war die Besatzung der Ulmer Citadelle durch Truppen aus Stuttgart und München verstärkt worden. Die Ulmer Rädelsführer haben 14 Tage Dunkelarrest und während dieser Zeit nur jeden zweiten Tag zu essen bekommen.