1894
Samstag den 15. September
Anrts- und Anzeigel>latt für den TLreis Gieren.
chratisöeikage: chießener Kamitienktätter.
Weiters wegen abgesagt werden, dach am Sonntag sand er
verneurS besagt, datz di- Angreifer aus den Hasenplatz »ilwa mit einem B-rlust- von 37 Tobten und 9 Gesungenen üb« den Mawudiflutz zurückgeworsen worden seien und datz in den benachbarten Küstenplützen Lindi und Mikindani Ruhe herrsche. ___________________
von allen Seiten holen.
— Die Unruhen im südlichen Küstengebiet Deutsch-O st afrikas, von denen zunächst Meldungen aus englischer Quelle Kunde gaben, scheinen von keinem größeren Belang zu sein. Ein Telegramm des stellvertretenden Gou-
Bierteljähriger „Monnementepreto r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
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anhalten. .
Ein anderes „Ereignitz" der vergangenen Woche war der interessante sportlich - Kamps zwischen dem amerika- Nischen Obersten Cody und Herrn Konrad L°ut-rm-nn vom hiesigen Radsahrerverein. Es galt, in mehrstündigem W-ttkampse s-stzust-ll-n, ob Cody zu Pferde oder Lautermann aus seinem „Stahlross-" -in- gr°b-r° Str-cke zu-ückl-g-n könnte. Am Samstag mutzte der Wettkampf de« schlechten
Rr. 216 Erstes Blatt
Feuilleton.
Wochrndriese ans der Residenz.
(Originalbericht für dm „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 13. September.
Dom Gnstav-Adols Feste. — Ein Sportskampf. — Aus dem Kuustlebe». — Allerlei.
Die vergangene Woche erhielt ihr besonderes Gepräge dadurch, daß in den Mauern unserer Stadt die 47. Hauptversammlung des Gustav-Adolf - Vereins abge- halten wurde. Aus allen Theilen Deutschlands und Oesterreichs waren Angehörige der großen evangelischen Vereinigung herbeigeeilt, um hier an den wichtigen Beratungen und Verhandlungen theilzunehmen. Die Stadt Darmstadt hatte sich schon lange für den Empfang ihrer Gäste gerüstet. Seit Monaten hatte man alle Vorbereitungen für das Fest sorgsam getroffen und so konnte ein Gelingen gar nicht ausbleiben. Schon seit Montag wehten von den protestantischen Kirchen und zahlreichen Privatgebäuden die hessischen Flaggen als Willkommengruß für die eintreffenden Gäste. Am Dienstag Nachmittag erfolgte dann die feierliche Begrüßung der Theil- nehmer durch Se. Excellenz Herrn Staatsminister Finger, die Vertreter der obersten Kirchenbehörde, der Stadt usw. Um 5 Uhr war Festgottesdienst in der Stadtkirche und hier hatte -sich auch Se. Königl. Hoheit der Großherzog eingefunden, der schon durch den Herrn Staatsminister dem Verein seine Glückwünsche hatte aussprechen laffen. Die folgenden Tage brachten Verhandlungen und auch Festlichkeiten allerlei Art. Einen Glanzpunkt hat das Festprogramm durch die Aufnahme des Gustav'Adolf'Festspiels von Dr. Otto Devrient erhalten. Ihr Eorrespondent hat zwar der gestrigen eigentlichen Festvorstellung, die in erster Linie zu Ehren der Fremden aufgeführt wurde, nicht beigewohnt, doch kann er Ihren Lesern auf Grund des Besuchs früherer Vorstellungen berichten, daß das begeisterte Lob, das man hier allgemein der Darstellung
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schenkt, nur gerechtfertigt ist. Der Regisseur, Herr | Dr. Bassermann aus Mannheim, bietet nicht nur eine schöne und vornehme Leistung in der Titelrolle, auch um die Jnscenirung des Stückes hat er sich große Verdienste.erworben. Man bedenke, welche Schwierigkeiten die Einftudirung eines solch schwierigen Werkes verursachen muß. Weit über hundert Dilettanten mußten eingeübt werden und das hat Herr Dr. Bassermann ausgezeichnet fertig gebracht. Die Massen- scenen wirken in dem nun endlich zu einem größeren und wirklichen Bühnenraum umgebauten Saalbausaal äußerst malerisch und die einzelnen dilettantischen Mitwirkenden widmen sich ihren Aufgaben mit der größten Hingebung. Auch Frl. Gündel vom Frankfurter Schauspielhaus, die Darstellerin der Königin, verdient große Anerkennung für die Durch» führung ihrer schwierigen Rolle. Die Ausstattung endlich ist sehr schön- wie man hört, hat die Lutherstiftung in Jena die farbenprächtigen Costüme geliefert. Die erste Vorstellung wurde durch einen Prolog, den Otto Roquette gedichtet hatte und den Frl. Johanna Schneider vortrug, eröffnet. Einen zweiten Prolog sprach dieselbe Dame am Montag Abend aus besonderem Anlaß. Se. König!. Hoheit der Großherzog nebst Seiner hohen Gemahlin und Prinzessin Alix wohnten nämlich an diesem Abend der Vorstellung bei und Herr Dr. Bassermann erhielt bei dieser Gelegenheit von unserem Landesherrn die goldene Verdienstmedaille für Kunst und Wiffenschafr eigenhändig überreicht. Noch mehrere Vorstellungen des schönen Werkes sind vorgesehen und sicherlich wird das Jntereffe des Publikums dafür noch längere Zeit
statt und Cody gewann dabei gegen Lautermann mit saft drei Runden. Das Rennen dauerte zwei Stunden und zwar legte Cody in der ersten 33,232 Kilometer zurück, mann 33. Das Endresultat stellte sich für Cody auf 68,206, für Lautermann auf 65,875 Kilometer. Lautermann hatte wohl ein befferes Resultat erzielt, wenn die Rennbahn nicht unter dem anhaltenden Regen gelitten gehabt hatte. -Als schneidiger und fabelhaft gewandter Reiter erweckte der Amerikaner die Bewunderung der zahlreichen Zuschauer.
Aus dem Kunstleben der letzten Woche wäre hauptsächlich die Aufführung von Sardous Lustspiel „Madame Sans- Gene" zu erwähnen, das nach den Preßberichten einen glänzenden Erfolg errang, der durch die ausgezeichnete Wiedergabe und die prachtvolle Ausstattung erzielt wurde. So dürste denn das Hostheater bereits zu Beginn der Saison seinen Kaffenmagnet gesunden haben.
Im communalen Leben unserer Stadt hat sich in dieser Woche auch ein bedeutungsvolles Ereigniß vollzogen. Die Stadtverordnetenversammlung hat nämlich die schon lange vroiectirte Wahl eines juristischen Beigeordneten vollzogen. Herr Rechtsanwalt Köhler wurde zu dieser ehrenvollen Stellung ausersehen und wird dieselbe schon in nächster Zeit antreten. Der Gewählte erhalt sur die nächste« sechs Jahre 6000 Mark Gehalt, für die Folgezeit 7000 Mark. Herr Oberbürgermeister M o r n e w e g sprach selbst m der Stadtverordnetenversammlung aus, daß nun eine neue Epoche in der Verwaltung der Stadt beginnen werde und die Ein- stimmigkeit der Wahl bewies ja auch, daß sich der gewählte neue Beigeordnete bereits des größten Vertrauens in der Bevölkerung erfreuen darf. Mit seiner Wahl ist einem alten Wunsche der Darmstädter Einwohnerschaft endlich Genüge aeleistet worden. Die wachsende räumliche Ausdehnung Darmstadts hat naturgemäß die Arbeit der städtischen Verwaltungsvorstände ganz erheblich gesteigert, da ließ sich die Ernennung eines juristischen Beigeordneten auch wirklich nicht länger umgehen ober aufschieben.
(sticheuer Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
। begab. In Swinemünde wurde der Monarch u. A. von I seinem erlauchten Gast bei den Flottenmanövern, dem Erz- I Herzog Karl Stefan von Oesterreich, sowie vom Prinzen Adalbert von Preußen, dem drittältesten Sohne des Kaiser- paareS, welcher bekanntlich als „jüngster Lieutenant' der Marine angehört, begrüßt.
— Seit längerer Zeit hat kein Ereigniß auf die öffentliche Meinung in Deutschland so eingewtrkt, als die bedeutsame Rede des Kaisers in Königsberg. Sie ent- fesselte in der TageSpresie eine wahre Sturmfluth von Betrachtungen, Vermuthungen und Behauptungen und nur ganz allmälich beginnen sich die Wogen dieser lebhaften DiS- eussion wieder zu glätten. Daß die Commentare zu der kaiserlichen Kundgebung zum Theil auseinandergehen, dies ist bei dem verschiedenen politischen Standpunkte der einzelnen Zeitungen wohl erklärlich, inwieweit sie jedoch hierbei das Richtige getroffen haben, das wird vermutlich erst die ! weitere Entwickelung der Dinge zeigen. — Inzwischen wendet sich das Interesse mehr und mehr der herannahenden Reichs- tagSsession zu, deren Eröffnung Mitte November zu gewärtigen ist, während der BundeSrath bereits Ende September wieder zu seinen regelmäßigen Sitzungen zusammentreten dürfte. Doch hört man von dem Arbeitsprogramm für die neue Reichstagssession bis jetzt noch immer nicht viel । Bestimmtes; die hierüber durch die Preffe gehenden, vielfach noch widerspruchsvolle.i Mittheilungen sind jedenfalls mit Vorsicht aufzunehmen. Was die Frage eines neuen Vorgehens gegen die Bestrebungen der Umsturzparteien anbelangt, welche ja in der Kaiserrede von Königsberg mit eine hervorragende Rolle gespielt hat, so läßt sich über ihre fernere Entwickelung ebenfalls noch nicht bestimmt urtheilen. Sicher scheint nur zu sein, daß zwischen den Bundesregierungen Verhandlungen über eine Verschärfung der von Majestät«- beleidigung, Hochverrat und Aufreizung zu Gewaltthatig- keiten handelnden Bestimmungen des Strafgesetzbuchs, ferner über eine Verschärfung des Preßgesetzes und weiter über gesetzgeberische Maßnahamen gegen das Boycottunwesen schweben. Bemcrkenswerth ist, daß die „Nordd. Allg. Ztg. aufs Neue für ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien gegen die Socialdemokratie plaidirt, indeffen wird sich das osficiöse Blatt hierbei vermuthltch nur abermalige Absagen
Berlin, 13. September. Den Kaisertagen und Kaisermanövern in Ostpreußen sind ähnliche festlich Hewegte Tage an den Gestaden Pommerns gefolgt, denn seit Donnerstag haben in den Gewässern bei Swinemünde nun , die großen Hebungen auch der deutsche n Flotte in < Gegenwart des Kaisers begonnen, welche durch die Bethei' ligung von nicht weniger als 52 Kriegsschiffen diesmal ein ganz besonders imposantes und fesselndes militärisch-maritimes Schauspiel gewähren. Wenn die am Mittwoch zu Ende ge- gangenen Kaisermanöver des 1. (ostpreußischen) Armeecorps gegen das 17. (westpreußische) Corps erneut den Beweis für die militärische Bereitschaft und die sich auch im Frieden zeigende Kriegstüchtigkeit der deutschen Landtruppen erbracht { haben, so steht von den jetzt in Scene gegangenen Flottenübungen in der Ostsee mit Zuversicht zu erwarten, daß durch dieselben die vaterländische Marine die gleichen Eigenschaften ' zeigen wird. Der Kaiser traf, von Schlobitten kommend, am Donnerstag in den frühen Vormittagsstunden in Swinemünde ein, wo er sich alsbald an Bord der „Hoheuzollern"
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «olgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
Amtlicher Theil. |
Gießen, am 13. September 1894. Betr.: Remunerirung des Polizeiaufsichtspersonals.. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.
Zur Remunerirung des Polizeiaufsichtspersonals ist uns auch für das Etatsjahr 1894/95 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eine Summe zur Verfügung ge* fiettt ®^noöen un6 daher binnen 14 Tagen die Polizei- bediensteten Ihrer Gemeinden, welche sich durch besonders gewissenhafte Pflichterfüllung einer Belohnung würdig gezeigt haben, bezeichnen, und hierbei deren Lebens- und Dienstalter, sowie weiter genau angeben, rote viele Polizet- anreiaen dieselben in dem Etatsjahre 1893/94 erhoben haben und ob das außerdienstliche Verhalten derselben zu Klagen keinen Anlaß gegeben hat.
Diejenigen Polizeibedienfteten, welche Sie einer Beloh- -nung nicht würdig erachten, wollen Sie uns ebenfalls unter Anaabe der Gründe namhaft machen.
I. V.: Dr. Wüst.____________
Deutscher Reich.
Ausland.
— UeberauS traurig lauten alle Berichte über die Lage der chinesischen Armee im nördlichen Korea. Die Japaner haben den Chinesen alle Zusuhren abgeschnitten und scheinen selbst in einer unangreifbaren Stellung zu Weu. Vermuthlich bleibt den eingeschloffenen Chinesen nichts übrig, als zu verhungern ober sich ben Japanern zu ergeben, wen« nicht balb Ersatz kommt. Japan und Korea haben miteinander ein förmliches Bündniß gegen China abgescbloffen.
Neueste Nachrichten.
Wolff« telegraphisches Correspondenz- Bureau.
Berlin, 13. September. Die Kaiserin tras heute srüh an der Wildparkstation ein und begab sich nach dem „Neuen Palais". _.
Marienwerder, 13. September. Die ganze Grenze des Regierungsbezirks Marienwerder mit Ausnahme! des BahnwegS über Ottlotschin und des Wasserwegs über Schillno ist für ben Personenverkehr aus Rußland gesperrt 100 Swinemünde, 13. September. Die Flottenparade verlief aufs Glänzendste- die ganze Flotte war in Doppellinie ausgestellt. Sobald die „Hoheuzollern sichtbar wurde brachen die Mannschaften in dreifaches Hurrah aus. Der Kaiser suhr zwischen beiden Geschwadern hindurch und ließ eine einfache Schiffslinie formiren. Die ganze Flo te dampfte sodann in der Richtung nach Oie ab und wird Abends auf die hiesige Rhede zurückkehren.
Posen, 13. September. Aus Verfügung des Regierungspräsidenten wurden die russischen Händler, die den hiesigen Wochenmarkt besuchen wollten, nicht zugelasjen und mußten die Heimreise antreten.
Rom, 13. September. Aus dem Vatikan stammende Informationen erklären die Meldung der „Srtbuna' über Die Verhaftung zweier Individuen in den vatikanischen Gärten für grundlos. e . .
Artenay, 13. September. DieManöver des vierten und elften Armeecorps wurden heute in ^r Nahe von Patay begonnen, bei Sougy kam es zu einer großen Schlacht.


