Ausgabe 
14.12.1894 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Hausen gemacht. Er habe sich demselben offenbart und dieser ihm einen verhängnißvollen Nath gegeben. Steinhaufen habe ihm erzählt, daß er einen Oberstabsarzt a. D. einmal aus einer gleich verzwickten Lage geriffen. Er habe dem- selben Quellen genannt, wo er Wein beziehen könne, den er vermöge seiner Stellung leicht an Militär-Lazarethe und in Bekanntenkreisen absetzen könne. Dasselbe Verfahren solle der Angeklagte mit Cigarren ausführen. Der Angeklagte sei darauf eingegangen. » Er habe bei verschiedenen Firmen große Bestellungenzu Cantinenzwecken" gemacht und da er sich in der Unterschrift einfach alsMajor" bezeichnete, so hätten die Lieferanten geglaubt, daß da- Regiment der eigentliche Besteller fei, und ohne Wettere» (Siebte gegeben. Seine Hoffnungen, bei den Canrinen Absatz zu finden, fei fehlgeschlagen, und so habe er die Cigarren anderwärts ver­schleudern müssen, um zu leben. Im August habe er sich von feiner Familie getrennt und sei nach Berlin gezogen. Seine Frau hatte damals bereit» die Ehescheidungsklage ein­geleitet. Der Angeklagte lernte eine Sängerin kennen, welche in einem Tingeltangel auftrat. Er knüpfte ein ver- hältniß mit ihr an und al» ihm im Herbste 1890 der Boden in Berlin zu heiß wurde, ging er mit ihr nach London. Er hat sie dort gehetrathet, nachdem seine erste Ehe gerichtlich getrennt worden war. Die Mittel zu der Reise nach Eng­land hatte er sich in recht bedenklicher Weise verschafft. Als die Beziehungen zu seiner Familie noch nicht gelöst waren, begab er sich zu einem Tischlermeister in R xdorf und kaufte dort eine Wohnungseinrichtung für seine Tochter zum Be­trage von mehreren Tausend Mark. Da die Erkundigung, die der Lieferant einzog, dahin beantwortet wurde, daß der Angeklagte thatsächlich eine Tochter habe, die mit einem Hauptmann verlobt sei, so wurde demselben Credit gegen Wechsel gewährt. Als die Verlobung aufgehoben wurde, verkaufte der Angeklagte sämmtliche Möbel und ging mit dem Erlöse und der Sängerin nach England. Er wurde steckbrieflich verfolgt. Im Jahre 1893 fiel dem Angeklagten eme reiche Erbschaft zu. Ein verstorbener Onkel hinterließ ihm 340,000 Mk. Was aus dieser coloffalen Summe ge- worden ist, wurde aus der Verhandlung nicht recht klar. Thatsache ist, daß der Angeklagte wieder nichts besitzt. Er hat es gegen Hinterlegung von 10,000 Mk. erwirkt, daß der Steckbrief zurückgenommen wurde. Er will dann einen Rechtsanwalt beauftragt haben, seine sämmtlichen Gläubiger zu befriedigen, dies sei aber nicht geschehen. Ein Theil der von ihm geschädigten Lieferanten ist bezahlt worden, eS bleiben aber immer noch gegen 5000 Mk. übrig, welche der Angeklagte zu begleichen außer Stande ist. Der Staats Anwalt betont, eS sei tief betrübend, einen Mann von der Stellung des Angeklagten, der einem bevorzugten Truppen­teil ang hörte und dessen erstes Bestreben es sein mußte, sein Schild fleckenlos zu halten, zum gemeinen Betrüger herabsinken zu sehen. Er beantragte anderthalb Jahre, das Urtheil lautete aus ein Jahr Gefängniß bei sofortiger Verhaftung.

* Eine Berliner Einrichtung wird nach Paris verpflanzt werden. Parts wird, wie derConfecnonär" mittheilt, Stehbierhallen nach dem System Aschinger erhalten, sie werden nur womöglich noch eleganter und dem Pariser Geschmack angepaßt eingerichtet werden. DaS Unternehmen segelt selbst- verständlich unter französischer Flagge, obgleich zwei deutsche Brauereien, deren Bier in den betreffenden Bierhallen ver- schänkt wird, demselben angehören. Es werden zuerst 10 solcher Stehbierhallen auf den großen Pariser Boulevards eingerichtet.

* Trau Gerlach ist dem Zuchthaus in Hassenberg

übergeben worden. Wie der Transporteur berichtet, hat sie auf dem ganzen Wege bis zum Zuchthaus gebetet, dabei auch ihreVergehen", wie sie sagte, theilweise zugegeben. In Coburg, wo die Fahrkarten erneuert werden mußten, hatte die Berurtheilte harte ZorvesauSbrüche der versammelten Menge auszuhalten. Sie bewahrte aber auch diesem Sturme gegenüber ihren Gleichmuth, der erst wich, als die Mauern des Zuchthauses sie umfingen und als sie mit dem reglements- mäßigenDu" angeredet wurde.

* Ein sehr empfehlenswertes Weihnachtsgeschenk für Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren ist das von Julie Lutz, Lehrerin der Frauenarbeitsschule, Heilbronn, heraus- gegebeue Werk:Für fleißige Kinderhände", töuftrirte An­leitung und Muster zur vollständigen Bekleidung einer Puppe. Dasselbe ist aus der Verlagsbuchhandlung von Robert Lutz iu Stuttgart hervorgegangen und hat alsbald nach Erscheinen den Beifall der Mütter gefunden. ImStaats- Anzeiger für Württemberg" urtheilt eine Frau wie folgt über das Werk:Den noch fröhlich mit der Puppe spielen­den kleinen Mädchen, denen nach der Schule, wenn die Auf­gabe für dieselbe mit Fleiß und Pünktlichkeit vollendet sind, noch Zeit und Muße bleibt ihr Püppchen zu kleiden, ist dies Merkchen geweiht. Welche Mutter wird nicht mit Verlangen nach einer Anleitung greifen, welche es kleinen Mädchen, die schon etwas stricken, häkeln und nähen können, möglich macht, nach einer leicht faßlichen Beschreibung und den ein­fachen, in natürlicher Größe auf starkem Papier ausge­schnittenen Mustern die vollständige Bekleidung ihrer Puppe selbst anzufertigen? Die Schnittmuster sind von erster Güte, so daß zuverlässig darnach gearbeitet werden kann." DaS Werk ist in zwei Ausgaben vorhanden, in einer Ausgabe mit Puppe (in eleganter Pappschachtel) zum Preis von Mk. 6. und in einer solchen ohne Puppe (in hübscher Mappe) zum Preis von Mk. 3.50.Für fleiß ge Kinder­hände" kann außer von der Verlagshandlung von jeder Buch- oder Spielwaarenhandlung bezogen werden.

* Folgende Städte und Dörfer sind bei dem jüngsten Erdbeben in Italien gänzlich ober theilweise zerstört worden: Bagnara, Palmi, Sant' Eufemia, San Proeopio, Sinopoli, Seminara, Melinucci, Plati, Santa Cristina und Cosoleto, außerdem noch 10 bis 15 kleinere Dörfer, lieber 2000 Häuser sind unbewohnbar oder vernichtet, 40000 Personen obdachlos, über 500 Personen verwundet. Die Zahl der Todten beträgt bisher 86. Die materiellen Schäden betragen über 30 Millionen Lire. Außerdem sind schwer beschädigt: Scilla, Oppido, Tresilico, Reggio Calabria, Catona, Gallico, Villa San Giovanni, Vallepodio, Gioiola-Jonica, Messina und Milazzo. Regierung, Bürger, das ganze Italien unter­stützen um die Wette, das Unglück ist zu groß, die Roth unbegrenzt.

Condoleuzfchreibeu eine» Kameruner». Der schwarze Sergeant Rumba in Kamerun, der in Berlin beim Militär ausgebildet worden ist und schon wiederholt durch Briefe Zeugniß von feiner Anhänglichkeit an feine dortigen Freunde gegeben, hat jetzt an den Prediger Schall auf Kladow ein Condolenzschreiben zu dem Tode seines Sohnes gerichtet. Herr Schall hat dem Kameruner Religions Unterricht ertheilt. DaS Schreiben hat folgenden Wortlaut:Kamerun, 23. October 1894. Lieber Herr Pastor! Betribt vernahm ich durch Ihr lieben Brief die trauriche Nachricht vom Hin- scheiden ihres lieben verstorbenen Sohnes. Es thut mir un­endlich leid, daß der Hebe gute Martin schon so früh das Leben lassen mußte. Indem nochmals innichftes Beileid auS- drücke, verbleibe ich mit bestem Gruß Ihr ganz ergebener Sergeant Martin Paul Zamba. Sind meine Bilder bei

Ihnen angekommen, dann bitte mir selbe zu' senden. Er thäte mir leid, wenn verloren gehen. Im Weihnachsteu machen wir im Busch bei Gefecht mit dem Bufchlente. Bitte Ihnen sagen Sie mir, daß ob richtig ist oder nicht. Also wenn ich bei Gefecht ein Mann todtgeschossen habe, ob das nicht gut oder gut ist bitte Antwort. Ich habe auch am 16. Oktober einen Orden bekommen, bei Seine Majestät Wilhelm II. Mit nachmal Gruß D. O." Interessant ist die Thatsache, daß Zamba einen Orden be- kommen hat. Welche Auszeichnung ihm zu Theil geworden, berichtet er allerdings nicht.

Ein sonderbarer SangeSbruder. Sepp, der größte Raufbold des Dorfes, Mitglied des Orls-GesangSvereinS, geschätzt feiner kräftigen Baßstimme halber, ergreift anläßlich einer im Wirthshause staufindenden großartigen Rauferei ein BierglaS und singt mit wuchtiger Stimme:Wem bring' ich wohl das erste Glas?"

Citeratur rrird ICunfL

- Dr. Otto» Universal-Hau»-Lexikon (Verlag von O. Hemfler, Vertin C. 22) ist jetzt b,S zum lüaiten Hefte jur Aus­gabe gelangt. AuS dem Inhalte der drei letzten Hefte heben wir folgende Artikel hervor, um den Lesern unseres Blattes die Reich­haltigkeit dieses Werkes oor Augen zu führen. Baumkuchen, Bedenk­zeit, Begießen der Gewächse, Begrüßung, Beleidigung, Benzoe alS Schönheitswasser, Berufung, Bienen, Birne, Blumen, Blumensprache, Blutvergiftung, Bohnen, Branntweindereitung, Brautstand, Brod zu backen, Butter, Cession, Champagner fürs Haus, Champignon, Chocolade, Cholera, Dienstboten usw. Vollständig in 50 Liefer­ungen, deren jede 20 Pfg. kostet. Zu beziehen durch alle Buch­handlungen.

In Band 8 der Sammlung »Polterabend und Hochzett" (Preis je 1.20 Mk), erschienen im Ty.alervkllag Eduard Bloch, Berlin C. 2, findet man neues M-terial, die Ueberretchung der ideale« Che-Jnsignten in feierlichster Weife zu gestalten.

Wa» koste« die de« vierten Bataillonen verliehene« neuen Fahnen I Das n<ue, achte Heil dee Detanntrn Fami ten- »ettfchltft ,3»r gnten Stunde" (Berlin , Deutsches Verlagshaus Bong & Co, Peers d.s V erzehntaghestes 40 Pfg) beantwortet diese Frage in einem bochinteressanten Artikel von Diet,ich Theben:Rur Fahnenweihe." F üher wurden bekanntlich die Fahnen gemalt; seit Kaiser Wilhelm II. Regierungsantritt werd'» sie gestickt. Dadurch ergibt sich in den Preisen ein starker Unterschied. Diese stellten sich bei der He'stellung der Fahnen im Jahre 1887 wie folgt: Der Seidenstoff kam im Durchschnitt auf 46 Mk., die Malerei schwankte zwischen 130 und 150 Mk, ferner wurden berechnet: für die Stange 7.50 Mk., für die Spitze 13.50 Mk, für den Ring (mit der Be­zeichnung des Regiments und Bataillons) 4 Mk., für den Schuh 1.50 Mk., für 100 Nägel 3.50 Mk. für die Banderolle 31 Mk., für den Ueberzug 5 50 Mk. und die Ueberzuaskappe 12 Mk., für da« Zuichneiden und Nähen des Tuches 12 Mk., für datz Anpassen der Beschläge 1.75 Mk. Der Gesammtprets einer Fahne erreichte die Höhe von nicht ganz 280 Mk. Der (Sefammtbetrag ist heute ein höherer und in der Hauptsache durch die Stickerei bedingt. Diese stellt sich auf 700 bi6 725 Mk. für die Fabne. Der Seidenstoff erfordert pro Fahne eineAusgab^ von 65 bi« 75 Mk. Der zur Ver­wendung gelangende, einen halben Meter breit liegende Brokat stellt sich für den laufenden Meter auf 90 Mk. Wenig oder gar nicht gegen früher abweich,nd sind die kleineren Ausgaben:

Spitze mit Namenszug......13.50 Mk.

Graoirter Fahnenring......5.50

Ueberzug (ohne Futter, von amerikanischem Ledertuch) 7.50

Schuh.........1.50

Metallkappe zum Ueberzug!..... 1250

Für die gestickten Fahnen zur Schonung der Stickerei neu eingesührt ist ein Ueberzug von Barchent, der mit 4 50 Mk, berechnet wird. Die für jede Fahne zur Verwendung gelangenden und wie sämmtliche Beschläge seueroergoldeten Nägel (100 Stück) kosten 4 50 Mk. Die Stangen werden in Schwarz mit 7.50 Mk., in Weiß mit 8 75 Mk. angesetzt. Der Preis sämmtltcher neuer Fahnen belief stch auf rund 113 000 Mk.

Mäusburg 13.

Beförderung und Verbrennung.

7989

Cbr. Schopbach

Neuen Baue 7. Neuen Baue 7»

empfiehlt sein Lager in fertigen Särgen in allen Grössen und Preis­lagen, sowie Metallsärge für Eisenbahn-

Neue große Mandeln 85 Mg.

N-ue Haselnußkerne: -.85 I Neue «orinthen ^*.30

Sultaninen.50 , «itronat u Orangeat 1.00

* AA"«,<40 I Gestoßenen Zucker -.30

sft. Blutherrrnehl

sowie alle übrigeniBedarfsartikel der Feinbäckerei, billigst 9866

o fv wluui i uiuuni □iiir#i' M M IL L zIF fal Kiiun.i.1 lal

3 vvW Möbelfabrik ®

Asterweg 47 und Ederstrasse 8 w

ä empfiehlt sein reichhaltiges Lager in [1873 J

Polster- und Kastenmöbeln aller Art. 2

® Eigene Tapezier- und Schreiner-Werkstätte. £

Versuchen

Sie gefl.

^A^den vielfach preisgekrönten-W^ß

Schnsfers JAVA- katfef

von

M. Schuster in Bonn Dampf - Caffee - Brennerei MH gegr. 1857 EMH zu 85, 90, 95 u. 100 Pfg. d.

Vr Pfund. Verkaufsstelle: Gießen Hch. Wallach, Markt. 8.

Emser Pastillen mit Plombe, dargestellt aus den echten Salzen der König Wilhelms-Felscnquellen, sind ein bewährtes Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Magen­schwäche und Verdauungsstörung.

Um keine Nachahmungen zu er­halten, beachte man, dass jede Schachtel mit einer Plombe ver­schlossen ist und verlange ausdrücklich

Emser Pastillen

mit Plombe.

Vorrätbig in 616886(1 bei: 9804 Hob.; Wallach, in der Engelapotheke, M Krause, Hirechapotheke.

Süd-Weine und Spirituosen

Eigener Import von Friedrich Leo, Giessen.

»)

1.30

1.40

1.20

1.40

1.50

1.50

2.

2.

2.

2.

2.

Tarragona Valdepennas Malaga Xeres Pajarete

Malaga JL. 2.50

Madeira JL 2.50 Portwein Sherry

(süss) JC 1.50 u. Portug. Gebirgswein

u.

u.

Span. Rothwein Aragon pr.Fl. JL.95 Cötes

Priorato (herb u. mild)

Alicante Muscateller Burgunder California (Riesling) Samos Marsala Bordeaux Medoc Chateaux Margeanx Menescher Ausbruch Rüster Ausbruch Tokayer Ausbruch X Capwein

pr.Fl. ,*2.50 » n ,, 2.50 » », ,, 1.10 ,, 1.30 » n 1 40 » »» ,, 2. ,, ,, 140 ,, ,, 160 ,, 1-80 1-80 3 Q. ,, n 2.

» » » 2.60

Franz. Cognac, p./< Literfl. JL 3. u. 4. | Bata via-Arac, p. '/i Literfl. JL 3.50 DeutscherCognac */< 1.40 2. | Jamaica-Rum Vi 4.

Ferner empfehle ich mein Lager in [9430

Deutschen und selbstbereiteten Beeren-Weinen.

Die

von

U. I. Kansmann in Aonn faflt und älteste en gros-Aampf-Kaffee-Kreiinekki _____ empfiehlt ihre extra fein gebrannten Java-Kaffees

ju v4t. 1.50, 1.60, 1.70, 1.80 und 1.90 per 1/2 Kilogramm, in Packet en von Vs und V« Kilogramm.

Niederlagen in Giessens

Georg 915hl, Bahnhofstraße, Carl Schulze II., SchillerstraHe,

Heinrich Zell, Neustadt. W. Hammel, Grünbeegrrftraße,

Georg Kinkel, Kreuzplatz. Heinrich Hahn, Bismarckstraß«,

Jacob Häueser, Ludwtgstraße. 9674