1894
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Scala, die abwärts bis zu leisem Erzittern des Bodens und | ru jenen mikroseismischen Erdpulsationen ausklingt, welche 1 erst die neueste Zeit mit Hilfe sehr feiner Instrumente kennen | gelehrt hat. Große Erdbeben breiten ihr Erschütterungs- gebiet meist über einen erheblichen Th eil der Erdoberfläche aus. Das gewaltige Erdbeben von Lissabon (am 1. November 1755) wurde in Deutschland, Scandtnavien, Island und Grönland, am Ontariosee, auf den Antillen und in Nordafrika verspürt, so daß damals mehr als der 13. Theil der ganzen Erdoberfläche erzitterte. Noch weitfgrößer würde seine Ausbreitung erschienen sein, wenn man, zu jener Zeit die feinen Meß- und Beobachtuugsapparate besessen hätte, die der heutigen Wissenschaft zu Gebote stehen. Mittels dieser hat sich z. B. herausgestellt, daß das japanische Erdbeben von Kumawaro am 28. Juli 1889 sich durch leises Zittern des Bodens in Potsdam und Wilhelmshaven (wo selbstregistrirende Instrumente aufgestellt waren) bemerkbar machte. Dieses Erzittern wurde von den Apparaten 67 und 225 Minuten nach dem Stoße in Japan ausgezeichnet, und zwar entspricht die erste Schwingung der directen Wellenbewegung des Bodens westwärts von Japan durch Asien über Rußland nach Norddeutschland, auf einer Strecke von 8860 Kilometer, die zweite den Erschütterungswellen des Bodens, welche durch den Großen Ocean, über Nordamerika durch den Atlantischen Ocean ostwärts verliefen auf einem Wege von 31,140 Kilometer. Die erste ergibt eine Geschwindigkeit im Fortschritt des wellenförmigen Bodenerzitterns von 2,2 Kilometer in der Secunde, die andere eine solche von 2,3 Kilometer. Fast die nämliche Geschwindigkeit ergibt sich bei dem japanischen Erdbeben am 18. April des gleichen Jahres, andere Erd- bebenkatastrophen führten auf Werthe von 3 Kilometer oder etwas darüber. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit ist größer bei heftigen als bei schwachen Stößen, und ebenso größer in festem, dichtem Gestein als in lockerem Boden, wo die Bewegungswellen rasch zum Erlöschen kommen. Versuche haben ergeben, daß durch Pulverexplosionen erzeugte Bodenerschütte« rungen sich in Sandstein mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Kilometer, in dichtem Granit mit einer solchen von 2,4 bis 3,1 Kilometer in der Secunde bewegen. Da nun die von den Apparaten angezeigten schwachen Schwingungen, die sogenannten mikroseismtschen Bewegungen, auf Geschwindig-
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Nr. 162 Zweites Blatt
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feiten von mehr als 2 Kilom. für die Secunde führen, und da diese Schwingungen sich meist in großer Tiefe fortgepflanzt haben, so kann man daraus schließen, daß die tiefer liegenden Schichten des Erdkörpers aus festem Gestein nach Art des Granit bestehen. Derjenige Punkt der Erdoberfläche, an welchem die Erschütterung zuerst eintritt, wird Epicentrum genannt und man muß annehmen, daß er derjenigen Stelle im Innern der Erde, von wo die Erschütterung ausgeht, also dem eigentlichen Herd der Erscheinung, am nächsten ist. Man hat verschiedene Methoden ersonnen, um über die Tiefe jenes Herdes unter der Erdoberfläche Aufschluß zu erhalten, allein diese Methoden sind nicht einwurfsfrei, auch erfordern sie genauere Beobachtungen, als bei Erdbeben angestellt werden können. So viel ergibt sich jedoch mit Sicherheit, daß der Herd der Erschütterungen keineswegs in sehr großen Tiefen, sondern verhältnißmäßig nahe der Oberfläche in den festen Gesteinsmassen der Erdrinde zu suchen ist. Wahr, scheinlich überschreitet diese Tiefe niemals 40 bis 50 Kilometer. . _ , :c.
Die Art der Bodenbewegung bei großen Erdbeben ist sehr verschieden, nahe dem Epicentrum kommen verticale Be- wegungen vor, in weiter Entfernung meist nur wellenförmige Schwingungen. Im einzelnen ist die Wirkung der letzteren, wie sie sich in den angerichteten Zerstörungen offenbart, sehr verschieden. Bet dem Erdbeben von Rtobamba in Ecuador am 4. Februar 1797 wurden Baumpflanzungen, die vordem parallel waren, gekrümmt, Aecker, auf denen verschiedenartige Getreidepflanzen standen, erschienen später ineinandergereihr, und als Humboldt den Grundriß der zerstörten Stadt auf» nahm, zeigte man ihm die Stelle, wo das ganze Hausgerath einer Wohnung unter den Ruinen eines andern gefunden worden war. Agatino Longo erwähnt, daß bei einem Erdbeben zu Catania mehrere Bildsäulen herumgedreht wurden und man die Richtung einer großen Steiumasse um 25 Gr. verändert sand. Beim Erdbeben zu Valparaiso am 19. November 1822 wurden mehrere Häuser umgebrrht und man fand später drei Palmen wie Weiden umeinander gewunden.
(Fortsetzung folgt.)
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Einiges über Erdbeben. I
Die Erderschütterungen, welche vor Kurzem Griechenland und einen Theil von Südamerika, sowie in den letzten Tagen Theile der Türkei heimsuchten, haben die allgemeine Aufmerksamkeit diesen verderblichen Naturerscheinungen zugewandt und daher mag es angezeigt sein, an dieser Stelle etwas näher auf Dasjenige einzugehen, was die Wissenschaft über die Erdbeben, ihr Auftreten und ihre Ursachen ermittelt hat.
Starke Erdbeben find die furchtbarsten Naturerscheinungen, welche der Mensch durch die unmittelbare Erfahrung kennt, es ist keine andere Kraftäußerung bekannt, die in gleich kurzer Zeit und auf gleich ausgedehnten Theilen der Erdoberfläche dem Menschengeschlecht auch nur entfernt so verderblich wäre. Dazu kommt, daß ein Theil der Erdoberfläche von Erschütterungen völlig frei ist und Niemand Ort, Zeit oder Heftigkeit eines Erdbebens bestimmt vorher angeben kann. Glücklicherweise gibt es ausgedehnte Gebiete, innerhalb deren viele Jahrhunderte hindurch starke Erdbeben nicht Vorkommen. Selbst in den Rheinlanden, deren Boden während des letzten Jahrtausends wenigstens sechshundert Mal erzitterte, ist die Gefahr verderblicher Erschütterungen, welche Leben und Eigen- thum der Bewohner vernichten, erfahrungsgemäß so verschwindend, daß Niemand daran denkt, es könnte jemals der Wunderbau des Kölner Domes durch ein Erdbeben vernichtet werden. Zu Lima in Peru aber hätte die Erde nicht einmal gestattet, eine solche Kathedrale zu vollenden. In Griechenland duldete sie in gewiffen Bezirken nur während unbestimmter Epochen der Ruhe große Bauten. So am Festplatz zu Olympia den wunderbaren Tempel des Zeus. Weder die rohen Horden der Gothen, noch die Befehle des Kaisers Theodosius, daß alle heidnischen Tempel zerstört werden sollten, konnten den gigantischen Bau völlig vernichten- erst die furchtbaren Erdbeben des sechsten Jahrhunderts ^zerschmetterten das Wunderwerk zu einer wilden TrÜmmerhalde und warfen über die Stätte uralter Herrlichkeit eine mächtige Decke von Schutt.
Die gewaltigen Erschütterungen, welche ganze Städte umstürzen, Tausende von Menschenleben in einem Augenblick vernichten, Felsstürze Hervorrufen und bisweilen kilometerlange Bodenspalten erzeugen, sind die äußersten Stufen der
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