Umständen den Schröder belaste, sagte er: Ja, Sie sollten nur erst mal unter der Wucht eines Brüggemann stehen.
Im Anschlüsse an diese letzte Aeuherung wird beschlossen, weil Kölsch erklärt, sich nicht äußern zu wollen, die Angeklagten Brüggemann, Schröder und Franz auS dem Saale zu entfernen, um Kölsch Gelegenheit zu freier Aussprache zu geben. Der Herr Staatsanwalt nimmt Veranlasiung, Kölsch daraus hinzuweisen, daß für ihn unter Umständen von dem Eingeständniß der Wahrheit und von der Characterisirung seines Verhältnisies zu Brüggemann vieles abhängen könne. — Angeklagter Kölsch: Als ich im Jahre 1883 in den damaligen Creditverein eintrat, war Brüggemann bereits Director. Bis 1892 stand ich vollständig unter dem mir maßgeblichen Einflüsse BrüggemannS; erst dann wagte ich, Brüggemann energisch entgegenzutreten, als es mir gar zu toll mit der Wirthschast wurde, da aber saßen wir schon zu tief in der Patsche drin. — Beisitzer Amtsrichter Sarrazin: Nun sagen Sie auch, Kölsch, wer den Anlaß zu den Differenz-Geschästen gegeben hat, Franz oder Brüggemann? — Kölsch: Mir gegenüber hat von Anfang an Brüggemann den Franz als denjenigen bezeichnet, für den die Differenzgeschäft gemacht wurden. Staatsanwalt: Wie verhält es sich nun mit den Bekundungen der Frau Klein? — Kölsch: Ich bleibe bei meinen protokollarischen Aussagen.— Staats anwalt: Hat im Gefängniß etwa eine Verabredung zwischen Ihnen stattgesunden? — Kölsch: Nein. — Staatsanwalt: Sollten Ihre Redensarten nun thatsächlich bedeuten, daß Sie Schröder für unschuldig hielten?—Kölsch. Durchaus nicht. Ich machte die Aeußerungen nur im Gefühle deS Mitleids für Schröder und wollte gesagt haben, daß ich seine Schuld Lurch die Untersuchungshaft als gesühnt erachte. — Beisitzer Amtsrichter K cller: Wie äußerte sich denn der Einfluß BrüggemannS auf Sie? — Kölsch: Ich war ja lange nicht so energisch, wie Brüggemann und was er wollte, geschah. — Beisitzer: Welche Gründe gab Ihnen Brüggemann für den Beginn der Differenzgeschäfte an? — Kölsch: Er sagte, den Franz müffe der Bankverein zum Kunden gewinnen, daS ginge nur, wenn man ihm betreffs der Differenzgeschäfte enrgegenkomme. — Staatsanwalt: Haben Sie denn dem Brüggemann nicht vorgestellt, daß die ganze Sache ein böses Ende nehmen könne? — Kölsch: Gewiß. — Staatsanwalt: Was sagte denn Brüggemann darauf? — Kölsch: Er meinte, es würden schon noch beffere Zeiten kommen. — Rechtsanwalt Lübke: Kannten Die die genaue Höhe des Franz'schen Contos? — Kölsch: Nein, Brüggemann hatte das geheime Conto, das er für Franz führte, unter Verschluß. — Rechtsanwalt Sello: Aber Sie wußten doch ungefähr Bescheid? — Kölsch: Ich war nicht genau orientirt, aber ungefähr. — Staats anwalt: Als im Jahre 1890 die Differenzen 681 000 Mk. betrugen, also etwa die Halste des ganzen ActiencapitalS des Bankverein-, wurden da nicht die Mittel erwogen, wie man die Sache bessern könne? — Kölsch: Allerdings, aber Brüggemann meinte, man müffe auShalten. — Rechtsanwalt Dr. Sello: Kann Kölsch jetzt vielleicht sagen, wann Franz bezüglich der Differenzen die Aeußerung gemacht: „wie sie gekommen, müssen sie auch verschwinden" ? — Kölsch: Im Frühjahre 1892. — RechtSanwalt Scheele: Werner hat Franz die Anerkennung seines Saldos gegeben? — Kölsch: Ich habe überhaupt erst 1892 erfahren, daß keine Anerkennung der Differenzgeschäfte von Franz da sei und habe auf diese gedruogeu. — RechtSanwalt Scheele: Somit haben Sie nur aus BrüggemannS Der- sicherung hin geglaubt, daß für Franz seit 1888 die Geschäfte gemacht würden. — Vorsitzender: Wer hat die Corre- spondenz betreffs derDifferenzgeschäfte gesührt?" — Kölsch: Ich, Brüggemann hat überhaupt nicht gerne gearbeitet. — (Große Heiterkeit.)
Die Angeklagten erscheinen wieder und werden mit dem Inhalte der Vernehmung bekannt gemacht.
Staatsanwalt: Also, Brüggemann, Sie machten die Differenzgeschäfte mit dem Gelbe des Bankvereins für Franz- wenn Sie nun gewonnen hätten, würden Sie den ganzen Gewinn an Franz abgegeben haben? — Brügge- manu: Gewiß hätte ich das gethan.
Damit ist die Beweisaufnahme bis auf einen Zeugen, der erst morgen erscheinen kann, beendet. — Die Sitzung wird auf Samstag 11 Uhr vertagt. Morgen die Plaidoyers.
v ««Achtes.
» Frankfurt L. M., 9. Juni. Eine dieser Tage verstorbene Frau, die in nicht sehr glücklicher Ehe lebte, har noch knrz vor ihrem Tode ihrem Gatten einen schlimmen
Streich gespielt. Sie verbrannte 7000 Mk. Papiergeld, so daß der Mann nur noch die Asche der Scheine vorfand. Ob er in den Wunsch „Saust ruhe ihre Asche" auSbrach, vergißt der Berichterstatter zu melden.
* Ein Zeichen für die in Berlin zur Zeit herrschende Noth dürfte folgende Thatsache sein: Line Speiseanstalt suchte einen jungen Mann zur Führung der Bücher gegen ein monatliches Gehalt von 40 Mk. Für diese Stelle haben sich nun nicht weniger als 260 Bewerber des verschiedensten Alters gemeldet.
* Leipzig, 11. Juni. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Eisenbahnschaffner-Schuld», sowie der sechzehn Viehhändler im Hamburger Fahrkartenschwindcl. Der Prozeß fand im vorigen Jahre im December statt.
* Coburg, 10. Juni. Nach den hiesigen Vermählungsfeierlichkeiten im April d. I. ist noch eine goldene Aufgabe zu lösen, das ist die Dertheilung der von den zahlreichen fürstlichen Gästen für die Hofdienerschaft hinterlassenen Trinkgelder, deren Gesammtbetrag sich auf nicht weniger als 35000 Mk. beläuft. Der VertheilungSplan unterliegt noch der Genehmigung des Herzogs, die nach dessen Rückkehr von Schloß Greinburg zu erwarten ist.
* Bremen, 9. Juni. Die Auswanderung nach Amerika hat stark abgenommen. Der amtlichen Statistik zufolge sind in diesem Jahre bis jetzt 19280 Personen gegen 45 800 im Vorjahre ausgewandert. Bis Schluß Mai war die Zahl der Auswanderer nur 4445, gegen 169 50 bis Schluß Mat 1893.
e Metz, 10. Juni. Aus Beseh! deS CorpScommandeurS Graf Haefeler wurde der Branntweinverkauf in den Cantinen verboten. Jetzt ist auch den Kleinverkäufern in der Stadt von der Polizei, unter Androhung der ConcessionS- entziehung, eröffnet worden, daß sie Soldaten bloS noch Branntwein zum Genuß auf der Stelle, nicht mehr aber Über die Straße verkaufen dürfen.
* Einen eigenartigen Selbstmordversuch machte in vergangener Woche ein Zuchthaussträfling in Prag. Der wegen Ermordung deS eigenen SohneS zum Tode verurtheilte, zu 18 Jahren Kerkers begnadigte Taglöhner Ferdinand Köhler setzte in der Goldleistenwerkstätte des StrafhauseS Bory bei Pilsen, wo er beschästigt war, in einem unbewachten Momente die Circularsäge in Gang und legte den HalS daran. Bevor das Aufsichtspersonal beispringen konnte, war der HalS vollständig durchschnitten, so daß der Kopf an der Haut allein mit dem Rumpfe zusammenhing.
* Antwerpen, 11. Juni. Während Uebungen englischer und anderer sremder Feuerwehren stürzte heute Nachmittag auf dem St. Johannplatz eine Zuschauer tri bün e ein und begrub zahlreiche Personen unter sich. Während der RettungS- arbeiten stürzte eine zweite Tribüne zusammen. Die Panik war unbeschreiblich. Die Zahl der Opfer ist bisher noch unbekannt, jedenfalls aber bedeutend.
Bei der Redaction eingegangcne Bücher rc.:
— Zu beziehen durch jede Buchhandlung: Die stimmong von Mino pikcherS n«d XWt
Hamlet-Erklärung. Von Hermann Türk. Preis 1 Mk.20Pf. Fr. MauteS Verlag («. Schenk) in Jena.
- Lexikon der gekämmten Lechnik und ihrer SW*1 Wissenschaften. Die Deutsche VerlagsAnstalt in Stuttgart bringt demnächst ein Werk von der höchsten Bedeutung für alle Techniker und Gewerbetreibende in den Buchhandel: ein das ganze Gebiet der Technik und ihre Hllfswtffenschasten umfassendes Lrnkon. Bei dem Unternehmen — dessen Herausgeber Professor und Etvil-Jngenieur Lueger in Stuttgart ist - find die hervorragendsten Männer der Wissenschast, der Kunst und der Praxi» als Mitarbeiter betheiltgt; e» soll in dem Lexikon nicht nur jeder technische Begriff, zede wissenschaftliche Bezeichnung, jede» mathematische, physikalische oder chemische Problem in Lriginalabhandlungen kurz, aber klar btftnirt, sondern auch durch ausgewählte Liter alurangaben und Verweisung auf Quellen das eingrhmdste Studium jeder Specialität ermöglicht werden. In unserer Zeit, in welcher ein Th eil der Techniker fich auf Specialtläten werfen muß, um in der Goncurrenz zu bestehen, während dem anderen, in der Verwaltung thätigen Theile eine große Anzahl von Aufgaben aus allen Gebieten gestellt werden, die er unmöglich alle gleich virtuos beherrschen kann, muß ein solches Werk doppelt willkommen sein. Es ist übrigens so angelegt, daß eS — vielleicht mit Ausnahme der mathemathtschen Abhand- lungen — auch dem Laien verständlich wird und sich deshalb in den Kreisen nichttechnischer DerwaltungSbeamten viele Freunde er- werbm dürste. Reich illuftrstt, klar geschrieben, ohne unnothigen wissenschaftlichen Ballast, doch streng wissenschafllich, eignet sich diese» vorzügliche Buch, in welchem die Stichworte alphabetisch geordnet find, als Ersatz für eine ganze technische Bibliothek zur schnellen, sicheren Orientiruug, wie sie bis jetzt nirgends in diesem umfange zu finden war. DaS Werk wstd in 25 Abtheilungen (von je 10 Bogen Lertkonformat) zum Preise von L Mk. 5 — erscheinen. Um jeDtm sich dafür Jnteressirenden Gelegenheit zu geben, daS "^xuon der geiammten Technik" kennen zu lernen, gelangt bu erste AdlHeilung in zwei Hälften (i Mk. 2. 50) zur Ausgabe von welchen die erste Häiste dann durch jede Buchhandlung zur Ansicht zu erhalten ist-
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m, auch die in dem bis- üom 30. November 1874 itzlck behalien sollen, bei Mg in die neue Zeichen- , neuen Gesetzes wird bit en als ein Freizeichen hrist auch auf die bereit» dieselben neu angemädet eabstchtigt, für die Zwecke irüfung der Anmeldungen •biete im Verkehr bennd- . veranstalten.
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Nr. 135
Zweites Blatt
Mittwoch den 13. Juni
1894
Meßmer Anzeiger
Kenerat-Mnzriger.
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Ter
Hießener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags.
Ter Liegener Bankkrach vor Gericht.
W. Siegen, 8. Juni.
XI.
Nach Wiedereröffnung der Sitzung gibt der Gutachter Director Siebert die Auskunft, daß die von ihm monirten 147 000 Mk. aufgeklärt sind- diese Gelder befinden sich auf dem Giro Conto der Reichsbank und nicht in den Büchern des Bankvereins, weil ihre Nichtbuchung in diesem Falle zur Verschleierung der Differenzen nothweudig war. — Bors.: Durfte sich Schröder nun bei der Revision bei den Franz'schen Wechseln, wenn er sie sah, beruhigen? — Gutachter: Wenn Schröder gehörig aufmerksam war, wenn er sah, daß sie nicht bestempelt waren, nicht acceptirt, wenn ihm mehrere solche Wechsel aufstießen, so hatte er wohl Veranlassung, dem AussichtSrath Mittheilung zu machen. — Beisitzer Amtsrichter Sehbe r th: Mußte Schröder nicht, bei der ganzen Sachlage, sich sagen, daß bei der Verbindung mit Franz, dem Speculanten, dem Bankverein Gefahr drohe? — Gutachter: Allerdings, der AussichtSrath hätte darüber bestimmen müssen, ob nicht der Credit für Franz einzuschränken fei - unter allen Umständen war im Derhältniß zu den Mitteln deS Bankvereins die Creditüberfchreitung deS Conto Franz viel zu hoch. — RechtSanwalt Lenzmann: Ist der Gutachter der Ansicht, daß Schröder unter den hier klar gelegten Verhältnissen deS Bankvereins die Absicht hatte, den Bank« verein zu schädigen? — Gutachter: DaS kann ich nicht beantworten- ich kann jedoch vielleicht etwas zur Sache sagen im Hinblick aus einen mir bekannten anderen Fall. ES war ein AussichtSrathSmitglied, daS bei der Revision sah, daß eine Firma mit Wechseln zu sehr engagirt war. Anstatt sofort Anzeige zu machen, suchte er die Sache im Lause eines Jahres zu reguliren und vermied so den Krach. Es ist in solchen Fällen sehr leicht möglich, daß der gesammte Aufsichtsrath überstürzte Schritte thut. — Staatsanwalt: Schön, dann werden also in solchen Fällen unter der Hand Sicherheiten geschafft. — Rechtsanwalt Lenz mann: ES ist ja eine Sicherheit durch FuchS'sche Wechsel mit 800000 Mk. geschafft worden. — Staatsanwalt: Dann bitte ich, durch Brüggemann festzustellen, ob Schröder auch nur das Mindeste zum Erlangen der Sicherheit gethan hat, ob er sich nach der Revision überhaupt um das Conto Franz gekümmert hat. — Brüggemann: In keiner Weise, ich allein habe die Sicherheiten beschafft. — Kölsch: Der AussichtSrath hat von den Bestellern der FuchS'schen Sicherheit (Wechsel) nichts gewußt.
Dritter Gutachter, Buchhalter H o g g e von der Preußischen Hypotheken - Versicherungsbank Berlin, bekundet, daß die Gesammtdifferenzverluste deS Siegener Bankvereins bei dieser Firma 385 000 Mk. betragen. Der Gesammtumschlag der Differenzgeschäfte bei dieser Firma innerhalb der vier Jahre, die sie mit dem Bankverein arbeitete, betrug ca. 55 Millionen Mark.
Vierter Gutachter, Buchhalter Profil vouSewarS u. Co., bekundet, daß ursprünglich die Absicht, Differenzgeschäfte zu machen, nicht vorlag; die Geschäfte waren Ankauf von Papieren zur wirklichen Abnahme, durch Prolongation aber entstanden schließlich Verluste im Betrage von 46 000 Mk.
Fünfter Gutachter, Buchhalter der Firma Buffe u. Co., Pulvermacher, bekundet, daß der Gesammtumschlag des Siegener Bankvereins bei der Firma 57 Millionen Mk. betrug; die Differenzverluste betragen im Ganzen 316 000 Mk.
Sechster Gutachter, Kaufmann W. Schneider, zugleich Zeuge, bekundet, daß ihm bekannt gewesen, daß Franz große Getreidegeschäfte gemacht habe und daß ihm anscheinend die Geschichte über den Kopf gewachsen ist. Auf Deranlaffung des VertheidigerS, RechtSanwaltS Lenzmann, gibt btr Gut- achter zu, daß Summen von 30000 bis 60 000 Mark im Getreidegeschäft nichts Seltenes seien, daß also auch Kunden- wechsel von diesen Beträgen nicht gerade aufzufallen brauchten; ob indeß Schröder die zahlreichen Wechsel nicht auffallen mußten, kann er nicht sagen.
Dierunddreißigster Zeuge, Frau Gefangenwärter Klein, auf Veranlassung deS RechtSanwaltS Lenzmann geladen, soll Aeußerungen des Brüggemann und Kölsch bekunden, die den Schröder zu entlasten geeignet seien. Die Zeugin bekundet. Nach Schluß der vorigen Verhandlung im Februar sagte Brüggemann zu Schröder: Louis, wenn sie Dich nur loS- gelassen hätten, Du hast ja mit der Sache nichts zu thun. Ferner Hot Kölsch einmal geäußert, Schröder habe lange genug unschuldig gesessen; ein anderes Mal meinte er, der Schröder dauere ihn, der habe nichts gemacht, und als lch ihm antwortete, es sei doch nicht recht, daß er unter diesen


