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seit. 187 Zweites Blatt. Sonntag dm 12. August
1894
Der Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamtttenvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.
chratisöeikage: Gießener Kamikienökatter
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15. Beitrag zu den Kosten
des Landes«
der
Ausschuß-
für
unvorherzu-
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A. Einnahmen.
Ord. Nr.
1.
B.
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Zur Ausgabe.
Aus diesem Betrage sollen die landw. Bezirksvereine Alsfeld, Büdingen und Lauterbach den Betrag von je 1200 Mk., die landw. Bezirksvereine Friedberg, Gießen und Schotten je den von 1000 Mk., die Vogelsberger Zuchthöfe ferner denjenigen von 2400 Mk. erhalten mit der Maßgabe, daß die einzelnen landw. Bezirksvereine aus diesen denselben zugewiesenen Beträgen die in den betreffenden Kreisen bestehenden Zuchtvereine nur Zuchtgenossenschaften zu
unterstützen haben sollen.
Der hier vorgesehene Betrag soll zur Unterstützung der in der Provinz bestehenden Ziegenzuchtoereine derart verwendet werden, daß die betreffenden Vereine ihre mit genügender Begründung belegten Ansprüche auf Unterstützung an die Directoren der landwirth- schaftlichen Bezirksvereine einzureichen haben sollen, welche dieselben alsdann nach Anhörung der betreffenden Ausschüsse dem Präsidium des Prooinzialvereins zu weiterer Verfügung übergeben werden.
11. Diese 1200 Mk. sollen in gleichen Beträgen wie seither den landw. Bezirksvereinen nach erfolgtem Nachweis der Verwendung für Abhaltung landw. Vorträge in den Bezirken ausgezahlt werden.
13. Aus diesem Betrage erhält zunächst der Obftbauverein und die Obstbauschule zu Friedberg den V.trag von 2600 Mk., während 600 Mk. aus denselben in gleichen Beträgen den landw. Bezirksvereinen zugewiesen werden sollen, der Rest aber mit 545 Mk. zur Verzinsung und theilweisen Tilgung des vom Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen zum Zweck der Errichtung des pomologischen Gartens in Friedberg
aufgenommenen Kapitales dient.
14. Dieser Betrag soll dem Oberhessischen Bienenzüchterverein zur nachzuweisenden Verwendung überlasten werden.
17. Dieser Posten mußte mit Rücksicht auf die im Jahre 1895 herankommende, zu Gießen abzuhaltende Hauptversammlung der drei landw. Provinzialvereine des Großherzogthums, verbunden mit einer Ausstellung landwirthschaftlicher Producte in dieser Höhe vorsorglich eingestellt werden.
offenbar aus dem Grunde, weil die Versicherungen I der Oberhessischen Landwirthe bei genannter Gesellschaft | zurückgegangen sind, eine Erscheinung, die im Jntereste des Vereins zu bedauern ist.
Ueberschuß aus vorigem Rechnungsjahre
Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskaste ständig
Zuschuß aus derselben für Hebung der Viehzucht
Zuschuß aus derselben für Förderung des Obst- und Gemüsebaues
Zuschuß aus derselben für Hebung der Bienenzucht
Ausschustes
16. Transportkosten Mitglieder
17. An Rücklage und sehende Fälle
6. Beitrag der Aachener u. Münchener Feuer-Versicherungsges ellschaft
7. Beitrag des Landes - Pferdezucht- Vereins
-8. Beiträge der Vereinsmitglieder
Summe
B. Ausgaben.
1. Bureau, Kaste und Rechnungswesen
2. Antheile der landwirthschaftlichen Bezirksvereine
3. Kosten der landw. Zeitschrift
4. Gehalt des Wiesenbaumeisters
5. Für die landw. Winterschulen
6. Beitrag zu den Kosten des deutschen Landwirthschaftsrathes
7. Beitrag zu den Kosten der Vertretung in den Eisenbahnbeiräthen
8. Für Hebung der Rindviehzucht
9. Für Hebung der Ziegenzucht
10. Zur Unterstützung der Provinzial- Fohlenweide
11. Beitrag zu den Kosten der landwirthschaftlichen Vorträge
12. Für die Haushaltungsschule in Lindheim
13. Zur Förderung des Obstbaues, sowie der Gemüsezucht
14. Zur Hebung der Bienenzucht
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
geb. 1. Juni 1816 zu Schotten, gest. 7. August 1894 zu Stuttgart.
Ein Gedcukblatt auf das Grab eines hessischen Dichters.
(Nachdruck verboten.)
E. M. Ein hoher Siebziger, hat Otto Müller Abschied genommen vom Leben, dessen Vollwerth er in einer Reihe warm empfundener und anschaulich durchdachter Gestalten klarzulegen vermochte. Wiederum hat uns ein Dichter verlassen, der den Berus des Poeten nicht über die Aufgaben deS beliebten und gelesenen Tagesschriftstellers vergaß, dem sich das Weltbild nicht in Einzelzüge zersplitterte, der es als Ganzes schaute und es als solches in seiner Phantasie verarbeitete.
Es sind nicht nur ästhetische Betrachtungen allgemeiner Natur, die sich bei diesem Hinscheiden einstellen, es sind auch localpatriotische Gesichtspunkte, die sich angesichts dieses Todes zu Wort melden dürfen. Daß Otto Müllers Wiege in Schotten gestanden, daß er also von Geburt ein Oberhesse ist und überdies social vielfach mit dem Hessenlande verbunden erscheint, gehört in das große Gebiet der Zufälligkeiten, — doch mehr will es bedeuten, daß Otto Müller als Poet und Romancier ein so starkes HeimathSgesühl offenbart, daß er, dessen Erfindungskraft sich mit Vorliebe an weitschichtigen Stoffen und umfastenderen Culturbildern versuchte, dem hessischen Boden, der seiner Phantasie die ersten Eindrücke übermittelt hatte, dichterisch tributpflichtig bleibt, indem er aus ihm mehr als einmal das Milieu formt, aus dem die Personen seiner Romane mit innerer Naturnothwendigkeit hervorgehen Otto Müller kennt noch nicht das Wort „Milieu" im Sinne der neuen Romantechnik, aber die Sache selbst hat er sehr bald mit richtigem Künstlerinstinkr ergriffen. Otto Müller ist kein moderner Geist- seine durch einen großen Zeitraum sich erstreckende schriftstellerische Thätigkeit, die einen Complex von Romanen und Novellen abgesetzt hat, bewegt sich in den Formen der alten Schule und darin unterscheidet er sich merklich von vielen seiner jüngeren Landsleute,
die auf die Zeichen des neuen Stils zu achten begannen. Otto Müllers Sprache ist gediegen, klar und von einer gewissen Gemessenheit. Nie verlegen um den schlagenden characteristischen Ausdruck, verschmäht sie die glänzenden Dialogpointen, die das Glück verschiedener Modeschriftsteller ausmachen. Es war auch niemals Müllers Sache, in seinen Romanen im ersten Capitel sozusagen mit der Thür ins Haus zu fallen und sich und uns die Einleitung zu schenken. Er hielt die Vorbereitung für nichts Unwesentliches oder gar Ueberflüssiges. Sorgfältig und genau zimmerte er die Bühne, auf welcher Personen und Ereignisse zu stehen kamen. Die Schilderung von Ort und Zeit war ihm die nothwendige Voraussetzung für Entwickelung der Charactere. Was letztere anlangt, |o liebte er auch die Gründlichkeit. Gründlichkeit ohne Breite war überhaupt der hervortretendste Zug in Otto Müllers Dichtertndividualität. Er sagte Alles, was direct oder indirect zum Thema gehört, aber nichts darüber, nichts, was von der Sache abbiegt.
Aus dieser seiner Grundeigenschaft heraus erklärt es sich, daß sein poetisches Empfinden sich vor Allem zu breit angelegten Stoffen hingezogen fühlte und daß er immer der Characterschllderung den Vorrang vor der Situationsmalerei geben mußte. Die inneren und äußeren Daseinsbedingungen eines Menschen darzulegen und seine Handlungen aus sie zurückzuführen, dieser schwierigsten aller dichterischen Aufgaben hat er sich mehr als einmal gewachsen gezeigt. Seine Psychologie entbehrte der spitzfindigen Dialectik, aber sie pflegte den Kern zu erreichen. Die Helden der Müller scheu Romane blenden nicht, aber wir gewinnen Versiändniß für sie und sie beschäftigen unsere Phantasie noch, wenn wir auch schon längst das Buch aus der Hand gelegt haben.
Darin zeigte Otto Müller sich als echter Dichter, daß seine Auffassung und Darstellung den verschiedenstep Lebeps- uormen gerecht zu werden vermochte. Wenn eö in dem Roman „Bürger" die Wiedergabe einer stürmischen, zerrütteten, groß und vielseitig angelegten Dichternatur galt, (es ist auffallend, daß anläßlich des 100jährigen Gedenktags des Dichters der „Leonore" die Reporter und Essayisten mit keinem Wort dieses bedeutenden biographischen Romans gedacht haben. Hier liegt ein offenbares Versäumniß vor!), wenn uns in „Altar und Kerker", im unseligen Schicksal des Pfarrer Weidig, das Bild eines Kämpfers und Märtyrers in plastischer Wahrheit entgegentrat, so wurden an anderer Stelle auch kleine, bescheidene Durchschnittsexistenzen, die kein eigentliches Romanloos haben, vom Dichter mit Liebe und Sorgfalt ergründet. Kein Freund zugespitzter Tendenz, hat doch Otto Müller immer Sinn und Interesse für die großen Fragen seiner Zeit und seines Volkes behalten und demzufolge auch solche Sujets, die in das Gebiet deS Zeitgeschichtlichen und Socialpolitischen fallen, der dichterischen Bearbeitung unterzogen. Dahin gehören „Georg Volker" und „Altar und Kerker". Von letzterem Romane sagt Joh. Proelß mit Recht: „Was das Localcolorit wie die Schilderung eigen« thümlicher Originalcharactere des Volks- und Hoflebens betrifft, so muß die Kritik bekennen, daß nur ein Kind des hessischen Oberlandes, dem das Leben frühe Eingang in die verschiedensten Kreise der Hauptstadt des Großherzogthums damaliger Zeit verschaffte, dies echte deutsche Culturbild mit solcher Naturwahrheit har schreiben können."
Die Nahrung, welche der heimathliche Boden Otto Müllers Anschauungs- und Empfindungsweise geboten, zeigt sich auch in dem ausgeprägten Sinn für das Naturlebenseine landschaftlichen Stimmungsbilder sind nicht bloß Staffage, sie beruhen auf liebevollen Naturstudien. Die Eindrücke, welche die Umgebung des Geburtsorts Sch ottett' in die empfängliche Seele deS Kindes legte, haben später dem Dichter gute Früchte getragen. In dem klaren, gesunden Zuge, der durch Otto Müllers sämmtliche Schriften geht, spüren wir etwas von der frischen, scharfen Vogelsberger Höhenluft. .
Als ich Otto Müller vor einigen Jahren m Darmstadt sprach, wo er zu Besuch bei seinen Schwestern weilte, fühlte sich der ruhige, alte Herr noch frisch und froh im Besitz einer ungebrochenen Schaffenskraft. Mit neuen, weitausschauenden Plänen trug er sich freilich nicht mehr, aber er verarbeitete die alten Eindrücke und war beschäftigt, die Resultate seines emsigen Fleißes zu ziehen.
Nun har sich auch über ihn das große Schweigen gelagert, — und es ist wieder Einer weniger geworden von Denen, welche es verstehen, auf des Lebens buntes Wechselspiel zu lauschen und sich inmitten der sie umgebenden Mißklänge die Harmonie des eigenen Wesens zu wahren.
Summe
Bemerkungen.
Zur Einnahme.
6. Der Beitrag der Aachener und Münchener Feuer- Versicherungs - Gesellschaft ist vom früheren Betrag von 750 Mk. auf 500 Mk. herabgesetzt worden,
Bekanntmachung.
Nachstehend bringe ich den vorn Ausschuß des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen für 1894/95 festgestellten Voranschlag zur öffentlichen Kenntniß.
Laubach, den 31. Juli 1894.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen, gez.: Friedrich Graf zu Solms-Laubach.
Voranschlag
des landwirthsch. Vereins von Oberhessen für dasJahr 1894/95.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Amtliche* Theil.
Gießen, den 9. August 1894.
B etr.: Die Eintheilung des Kreises Gießen in Wildschadens- Bezirke. ,
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
sm die «rstzh. Bürgermeiftereieir M «reifes.
Sofern in dem Personalbestand des mit unserem Ausschreiben vom 19. December v. I. — Gießener Anzeiger Nr. 1 von 1894 — veröffentlichten Verzeichnisses inzwischen Veränderung eingetreten sein sollten, sehen wir Ihren diesbezüglichen Berichten entgegen. Ist der Ersatz eines Taxators oder Stellvertreters in Folge Ablebens, Wegzugs oder aus anderen Gründen nothwendig geworden, so wollen Sie mit dem Gemeinderath sofort hierüber Beschluß fassen und Protokoll einsenden.
v. Gagern.
Staats-
Vereins-
fonds «z/4 H
fonds
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2144.—
8000.—
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7000.-
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3745.-
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300.—
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500.-
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250.—
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6700.—
19045.—
9594.—
1600.—
2167.50
2800.—
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2125.—
300.—
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200.—
100.—
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9000.-
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500.-
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500.-
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1200.—
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680.—
3745.—
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300.-
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600.—
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250.-
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2571.50
19045.—
9594.—


