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12.5.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 109

Samstag den 12. Mai

Zweites Blatt.

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Amts- und Airzeigeblatt füv den Uveis Gieren.

chratiskeikage: chießener Kamikienöl'ätter.

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Kenerat-Unzeiger.

Feuilleton.

Pfingfyaubtr.

Von Marte Langner.

("Nachdruck verboten.)

Pfingsten, du lieblichstes aller Feste! Du Fest der Maien und Blüthenzeit, der Liebe und glühenden Lebens! Gleich der Braut am HochzeitSmorgen, so schmückt sich die jungfräuliche Erde mit ihrem FesteSkleide. DaS zarte Grün ihres Gewandes hat sie mit tausenden von bunten Blumen übersäet und ihre süßen Düfte sendet sie dem Bräutigam ent­gegen, unter defien Kuß sich all dies blühende, lachende Leben entfaltet. Niemals findet die Poesie willigeren Eingang in unsere Herzen, als gerade am Pfingstfeste, im fröhlichen, lachenden Pfingstjubel.

In hellen Schauren enteilen die Menschen der AlltagS- statte, hinaus strömen sie in den Tempel der Natur, alle- Leid und Weh des eigenen Herzens auSklingen zu lassen in dem Accord der Liebe, die die Wunder der Schöpfung so lebendig predigen. Wie milder Balsam legt eS sich auf schmerzende Wunden, den Kranken erweckt eS fröhliche, lebens- warme Hoffnung, dem Griesgrämigen entlockt eS ein Lächeln und läßt daS Blut in seinen Adern schneller kreisen, gedenkt er der Tage seliger Jugend und frohen GenießenS, und selbst dem verknöchertsten, hartherzigsten Menschen wird daS Herz weich, wenn die jungen KnoSpen und BlÜthen zitternd vor Freude Uber die Gabe neu erwachten Lebens, sich kosend und flüsternd zu einander neigen, träumend von süßem LiebeSglück und Lust, Alle, Alle hält eS mit seinem holden Zauber umfangen.

In den lachenden Pfingftmorgen hinein schreitet ein alter Mann; seine bewölkte Stirn, seine finster blickenden Augen haben noch gar nicht- gemein mit all der blühenden Lust um hn her. Er lüftet die Mütze, daß ihm der kühle Morgen­wind fein erhitzte- Gesicht kühle. ES ist eine kernige, kraft­volle Gestalt, der Buchenbauer, noch ungebeugt von der Fülle der Jahre, wenn auch der Scheitel weiß, mit fester Hand hält er noch die Zügel der Wirthschast in Händen und hat seine Herrschaft, seine Autorität noch immer bewiesen, Allen gegenüber, bis ja, bis gestern.

Da war seinem Buben der Kamm geschwollen, daß er ihm den Gehorsam ausgekündigt, ihm dem Buchenbauer. Und dazu noch in einer Sache, die deö BaterS Lieblings- wünsch gewesen, die er eingefädelt und auSgedacht bis auf daS

Tüpfelchen beim i. Die Scene gestern Abend im Wohn­zimmer stand noch einmal lebendig vor seiner Seele.

Und ich sag Dir, Bater, die Emerenz wird meine Frau, oder sonst keine."

So hatte sein Bub' zu ihm gesprochen, der sonst so ruhige, gesügsame Junge. Welcher Kuckuk mochte in ihn ge­fahren sein, daß er eS wagte, dem Bater so zu begegnen?

Und ich sag Dir, Junge, solch eine Bettelprinzessin kommt mir nicht auf den Buchenhof. Ho, ho, glaube schon, daß ihr daS paffen thät, von der Magd zur Herrin kein unübler Tausch. Verlohnte sich wirklich, die Leimruthe auSzuwerfen nach dem Gimpel, der auch pflichtschuldigst daran hängen blieb."

Daier!" war da der Bursche in maßloser Empörung aufgefahren,red nit so von der Emerenz, sie ist daS bravste, fleißigste Mädel im Dorf, wenn auch arm, aber auch recht- schaffen und stolz wie Eine. Denkst Du, ich hält ihr schon einmal vertraulich nahen oder ihr von meiner Liebe sprechen dürfen? Keine Prinzessin könnt stolzer sein auf ihre Ehre und ihren Ruf, wie Emerenz."

Sie versteht daS Schauspielern recht gut, sie würde sich wohl nicht zweimal besinnen, Bäuerin auf dem Buchenhof zu werden, aber so lange ich leb, geschiehtS nimmer, Du sollst heirathen, ich hab mir meinen Auszug schon zurecht ge­macht und sehe das Regiment gern in jüngeren Händen, aber ich hab mir schon eine Schwiegertochter ausgesucht. Die Kathi vom Berghof ist ein bildsauberes Mädel, sogar eine Gebildete, zwei Jahre in der theuren Pension gewesen und versteht nebenbei doch daS Schaffen. Sie hat auch ein Äug' auf Dich, wie mir die Mutter verrathen, nun, was hast Du gegen das Mädel?"

Nicht-, als daß ich sie nicht gern hab, sondern die Emerenz. Sieh, Vater", hatte er dann in weichem, bittenden Tone weilergesprochen,ich war Dir stet- ein guter Sohn und weiß recht gut, wie daS vierte Gebot lautet, aber nur diesmal kann ich Dir den Willen nicht thun, denn mein ganzes Lebensglück steht auf dem Spiele. Hast Du niemals geliebt, Vater, daß Du e- weißt, wie's einem umS Herz ist, wenn man a Dirndl so unmenschlich lieb hat und man soll'S laffen ?"

Der Bauer hatte sich energisch gewehrt gegen die weiche Stimmung, die unwillkürlich über ihn gekommen.Geh mir mit solchen Alfanzereien vom Leibe, hab mein Lebrag nichts auf solche Narrethei gegeben, die für einen ordentlichen Bauer nichts taugt. Morgen zum Pfingstfest fahren wir hinüber zum Berghof zur Brautschau."

Und ich sag Dir, ich fahr nit mit, morgen aber in aller Frühe soll eS daS ganze Dors wtffen, daß ich der Emerenz ihr Freier bin, der sie auch zu seinem Weibe machen wird."

Damit war der Toni gegangen, hocherhobenen Haupte-, trotzig und bestimmt, und der Vater hatte zum ersten Male in seinem Leben nicht daS letzte Wort gehabt, aber er wollte es dem Burschen schon eintränken und seinen Trotz brechen, that er'S doch nur zu seinem Besten. Und mit diesem Ent­schluß war er eingeschlafen. Gar beängstigende Träume hatte« aber den kurzen Schlummer gestört. Er hatte seinen Jungen vor sich gesehen, blaß und starr, wie eine Leiche, mit durch- schoffener Brust und sie hatten alle mit Fingern aus ihn ge­zeigt: Da steht der Mörder! Als kaum im Osten die ersten lichten Strahlen den Morgen verkündeten, da war er auf­gesprungen, draußen im Freien Ruhe und Erquickung suchend.

Jetzt war die Sonne ganz aufgegangen, ein leuchtender, glänzender Ball, stieg sie strahlend in die Höhe, die Welt in ein Meer von Purpur tauchend, die liebe, lachende Pfingst- sonne! Und um ihn her auf der kleinen Anhöhe blühten die Heckenrosen, von unten aus dem Thale schimmerten tu weiß, roth und grün die blüthenbeladenen Bäume, die klemen ge­fiederten Sänger schmetterten jubelnd ihre FesteShymne zum Preise deS Höchsten aus ihrer kleinen Kehle, und von unten tönten hehr und feierlich Glockenklänge zu ihm herauf, sie läuteten eS ein, Hosianna, daS Pfingstfest.

Dem Alten wurde es wunderbar weich zu Muthe. Die schön war die Welt und wie groß Gottes Güte auch gegen ihn! Bor seinen Blicken breitete sich der Buchenhof in feiner ganzen Stattlichkeit mit seinen Feldern und Wiesen auS, der Segen Gottes war mit ihm gewesen sein Lebtag, waS er auch begonnen, er hatte ihm Reichthum und Glück gegeben in Fülle, einen Sohn und Erben, auf den er stolz sein und der sein Werk fortführen konnte, in seinem Sinne, treu, recht­schaffen und bieder, ein ganzer Mann. Sein Tont! Wie die Augen der Mädchen alle leuchteten, wenn er zur Kirch- weihe eine zum Tanze begehrte, wie gern sie ihm alle in die fröhlichen Augen schauten, seinem hübschen, krausköpfigen, trotzigen Buben! O ja, er konnte wohl schon um seiner selbst willen geliebt werden, er brauchte nicht erst des Buchen- hosbauern Sohn zu sein. Und die Kathi, die reiche, stolze Kathi, wollte seine Schwiegertochter werden, die alle An­träge ihrer Freier bis jetzt so schnippisch obgewtesen, seinem Toni hatte sie sich gleichsam selbst angetragen, wie ihn da- schmeichelte! (Schluß folgt.)

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Verdingung.

Die Vergebung derWeiftbinder- srbciteil zur Erbauung von Markl- lauben vom 5. d. Mts. wurde nicht genehmigt, weßhalb eine nochmalige Vergebung dieser Arbeiten, unter tar-schluß der Rabitzgewölbe, auf Lamstag, den 19. Mai d. I., Bormittags IV/2 Uhr, cngesetzt ist. Bedingungen rc. liegen cul dem Stadtbauamte offen, woher euch Formulare zu Angeboten, die h« zum genannten Termin, mit ichtiger_ Aufschrift versehen, einzu- r ichen sind, bezogen werden können.

ließen, den 9. Mai 1894.

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An den beiden Pfingsttagen, den 13. und 14. Mai, - sollen zwischen Marburg und Weidenhausen folgenoe Sonderzüge gefahren werden.

Marburg ab 12 Uhr 30 Min. Nachm.

Weidenhausen an 1 Uhr 34 Min. Nachm.

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Marburg an 3 Uhr 00 Min. Nachm. f

Diese Züge halten wie die übrigen Züge an jeder Station, mit

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