Eintrittsgeldes, ev. Erniedrigung des Beitrags zur Sprache, was jedoch als nicht zeitgemäß vertagt wurde. Der Verein „Allgemeine Sterbekasse" kann auch diesmal wiederum mit Befriedigung auf das Ergebniß des abgelaufenen Jahres zurückblicken.
• • GefellfchaftSvereiu Tietzev. Bei der am SamStog vor« genommenen Vorstandswahl wurde Herr AmtSgerichtSrath Gebhardt einstimmig zum ersten Director wiedergewählt. Neu eingetreten find in den Vorstand die Herren LandgerichtS- rath Wehner und Fabrikant Schirmer.
Zaristisches. Für Gerichtsaccefüsten und Afiessoren solle« diesen Winter wieder juristische Vorträge gehalten werden. Zunächst wird Herr Landgerichtsrath Dr. Schäfer im Plenarzimmer des Landgerichts Dienstag den 11. December, Nachmittags 5 Uhr, über die Errungen- schaftSgemeinschaft nach althesfischem Recht sprechen.
• * Wasserleitung. Heute Vormittag entstand am Selters- weg ein Röhrenbruch. Der Schaden konnte bald auS- gebeffert werden.
• * Schlägerei. In einer Wirthschaft in der Sonnenstraße kam es in verflossener Nacht zwischen einem Arbeiter und einem Bauer zum Streit. Beide schlugen sich gegenseitig die Köpfe blutig, wobei Biergläser zum Schlagen benutzt wurden.
♦ * Wege« fortgesetzter Ruhestörung bezw. Belästigung deS Publikums wurden in verstossener Nacht drei Personen in vorläufige Haft genommen.
* * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Eine Lehrerinnenstelle an der kathol. Schule zu Dieburg mit einem nach dem Dicnstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1100 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-KainS- bach, Kr. Erbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, Kr. Offenbach, mit einem jährlichen Gehalte von 1000 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu HebloS, Kr. Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienft verbunden.
Laubach, im December. Mit Beifall muß der in seiner letzten Sitzung von dem hiesigen Stadtvorstande gefaßte Beschluß, im nächsten Jahre noch einen zweiten städtischen Baum wart anzustellen, begrüßt werden. Aus städtischen sowie aus Mitteln, die der Landwirthschaftliche Verein zur Verfügung stellen wird, soll ein junger Mann eine richtige Ausbildung in einem länger andauernden Obstbaum Cursus in Friedberg erhalten und diesem soll dann gegen einen bestimmten Gehalt die Wartung einer größeren Anzahl der städtischen Obstbäume übertragen werden.
Bad - Nauheim, 7. December. Das K nderhospital I „Elisabeth Haus" ist gegenwärtig von 22 meist un- | bemittelten Pfleglingen besucht. Es ist geplant, den Armen aus sreiwilligen Gaben eine kleine WeihnachtSbescheerung zu veranstalten.
Vermischtes.
* Berlin, 9. December. Erschossen hat sich Freitag früh aus der Pankower Feldmark beim Exerzierplatz zur einsamen Pappel ein Schloffermeister B. Der unglückliche Mann hatte bei Schwindelbauten sein kleines Vermögen eingebüßt. Seine Ehefrau hatte darüber den Verstand verloren und mußte als unheilbar geisteskrank in der Dalldorfer Irrenanstalt Aufnahme finden. Da B., ein Mann in den sechSziger Jahren, nun Nahrungsmangel litt, hat er sich aus Verzweiflung daS Leben genommen.
• Xrakehuen, 5. December. Als Geschenk des verstorbenen russischen Czaren an unseren Kalser trafen auf dem hiesigen Bahnhofe 27 Stück Schwarzwild, 20 Sauen und 7 Keiler ein. Einer der größten Keiler kam leider tobt an; er maß über 2 Meter in der Länge, lieber die Heimath der schwarzen Borstenthiere berichtete der russische Forstbeamte, der den Transport begleitete, intereffante Einzelheiten. Der Wald, aus dem die Thiere gebracht worden sind, hat einen Flächenraum von mehr als 20 Ouadratmeilen. Er ist in seinen meisten Theilen Urwald, in dem noch der Auerochse haust. Das Einfangen der Thiere hat nicht geringe Mühe gemacht. 600 Treiber waren aufgeboten, und erst nach vier Tagen war die mühsame Arbeit vollbracht. Man hatte ein dichtes Gehege gefertigt und trieb die Thiere dort hinein. Doch verschiedene Male brachen die mitgebrachten Auerochsen durch das Gehege und bahnten so den eingefangenen Schweinen den Weg zur Freiheit, und die Arbeit mußte nochmals begonnen werden. Erst als man sich beeilte, an den verletzten Stellen des Geheges ein Feuer anzünben, gelang das Werk. Das Feuer hielt das Schwarzwild zurück. Aber die gefährlichste Arbeit blieb noch übrig, bas Einbringen ber Gefangenen in die bereit gehaltenen Käfige. Drei Arbeiter wurden dabei von den wildgemachten Thieren verwundet. Als Gegengeschenk sollen von unserem Kaiser Hirsche nach Rußland abgesandt werden.
* Da8 Kutscher-Examtn. Aus Wien berichtet das Neue Wiener Tagblatt: Die Genoffenschaft der Wiener Einspänner hat sich vor einigen Tagen in einer Ausschußsitzung mit der Prüfungsordnung für Kutscher befaßt. Ein Wiener Kutscher, sei es Fiaker oder Einspänner, darf nämlich nicht ungeprüft durchs Leben fahren- die Realisirung des von Knabenmund so oft gehörten Wunsches: „Ich möcht' Kutscher werben", ist geknüpft an das Bestehen einer Prüfung, eines Kutscher-ExamenS, bas ganz wie die mebicinischen, auS einem „practicum" und einem „theoreticum“ besteht. DaS
wpracticum", daS von einem Wiener Kutscher verlangt wird, ist eine Probefahrt, deren Resultat von polizeilichen Organen beurtheilt wird. Bei der Polizei findet auch die theoretische Prüfung statt und es scheint, daß der Ausschuß der Einspänner- genoffenschaft auch diese Theorie grau findet. Wozu, so wurde in der Sitzung ventilirt, stellt man einem Kutscher Fragen, wie: wer Goethe und Schiller, Radetzky und Laudon gewesen, oder wie die Uniformen der deutschen Garde aussehen und was die Figuren dieses oder jenes Brunnens bedeuteten. Das ist wahrscheinlich nicht buchstäblich zu nehmen, sondern es soll eine drastische Charactertstik der „mitunter verfänglichen Fragen" sein, die ein Wiener. Kutscher bei seinem Examen zu beantworten hat. Schiller und Goethe haben mit der hohen Fahrschule nichts zu thuu, dasür aber soll es nach der Anschauung der Herren Ge- noffeuschaftsvorstände vorkommen, daß ein Fremder von einem Wiener Kutscher halbe Tage lang kreuz und quer geführt wird, weil sich der Kutscher in Wien ebensowenig auskennt, wie sein Fahrgast. Das, so wünscht es der Ausschuß und der Vorsteher der Genoffenschaft, soll anders werben und kann es auch, wenn beim theoretischen Kutscher-Examen der Candidat nach entfernteren Gaffen, Straßen, Plätzen und nach der kürzesten Fahrroute dahin gefragt würde. Und auf eine falsche Antwort des Candtbaten Jobses würde dann der Durchfall und die Verweigerung der Fahrlizenz folgen. Die Genoffenschaft wünscht in diesem Sinne eine Reform der Prüfungsordnung für daS Kutscher - Examen, und der Genossenschaft der Nichtkutscher dünkt diese Sachlichkeit auch berechtigt.
verehr, Land- «nd volkrwirthschaft.
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MrchttcheAnzeigen der evang. Gemeinde.
Montag den 10. December, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanne-kirche. Erster Brief deS Johannes, Cap.3: Ein Blick in die Zukunft des Herrn. Pfarrer vr. Naumann.
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