Ausgabe 
11.10.1894
 
Einzelbild herunterladen

* CocaUt uwb pVSvkmksaer.) '

Gießen, den 10. October 1894.

* Bon der Universität. Mit Statut vom 25. Sep­tember 1894 ist auch an unserer Hochschule eine Einrichtung getroffen worden, die anderwärts bereits längere Zeit besteht und vielen Segen gestiftet hat. Von der Landesuniversität ist eine Kaffe errichtet worden, die den Zweck hat, erkrankten Studirenden ärztliche Behandlung und Pflege zu Theil werden zu lassen. An der Spitze steht eine Commission, bestehend aus dem Rector als Vorsitzenden, den Directoren der medict- nischen, chirurgischen, ophthalmologischen und psychiatrischen Klinik und dem juristischen Mitglied des Engeren Senats. Jeder Studirende der Landesuniversttät ist Mitglied der Kasse, wofür er einen Semesterbeitrag von 2 Mk. zu leisten hat. Hierdurch erhält er Anspruch auf Behandlung und Ver­pflegung in der seiner' Krankheit entsprechenden Klinik auf Kosten der Kaffe, sobald von Setten des betreffenden Directors die Aufnahme für nöthig erachtet wird. Die Studirenden haben außerdem das Recht aus unentgeltlichen Rath Seitens der klinischen Directoren oder Assistenten in den Sprechstunden, sowie auf Verabfolgung der von diesen verordneten Medika­menten aus der klinischen Apotheke auf Kosten der Kranken­kaffe. Die in die Kliniken aufgenommenen Kasscnmitglieder haben das Recht auf Verköstigung I. Klaffe,- auch sollen sie soweit der Platz reicht Einzelzimmer erhalten.

* * Oberheffifcher Geschichtsverem Gießen. Vor längerer Zett wurden in einer öffentlichen Vereinssitzung im Casö Balzer u. A. zwei geschriebene Bücher von Conr. JuftuS, dem Kalendermann vom Veitsberg vorgezeigt. Eins derselben, Occavband in Pappe mit allerlei Handzeichnungen und Text über einen damals sichtbaren Kometen und über­haupt über Kometen, saubere, schöne Handschrift ist damals irgendwie abhanden gekommen. Gütige Mittheilungen über den Verbleib des Buches werden dankend entgegen genommen auf der Universitätsbibliothek oder von Dr. O. Buchner.

* * Neues Theater. Am Donnerstag den 11. October tritt Herr Alexander Otto in einem neuen Lustspiel von G. v. Moser auf. Wir wollen nicht versäumen, auf diese , Novität, die sich überall eines durchschlagenden Erfolges zu k erfreuen hatte, besonders aufmerksam zu machen.

* * Neues Theater. Ueber die gestrige zweite Aufführung : des LustspielsDer Herr Senator" können wir im j wesentlichen nur das wiederholen, was wir schon am Montag sagten. Leider fand das flotte Spiel der Darsteller vor » schlecht besuchtem Hause statt. Vor Allem verstand es auch gestern wieder Herr Alexander Otto, wie es nach der Vorstellung am Sonntag nicht anders zu erwarten war, durch sein lebensfrisches Spiel und seine glänzend sichere Darstellung zu seffeln. Gerade die Rolle des Doctor Gehring scheint seiner künstlerischen Individualität vollauf Gelegenheit zu geben, sich zu entfalten. Auch über Herrn Hacker können wir nur Lobenswerths berichten- die Correctheit seiner Auffassung sowohl, als seiner Darstellung verdient volle Anerkennung. Herr Baum blieb diesmal mehr im Character seiner Rolle; wenn sein Senator Andersen uns auch hie und da noch etwas zu derb aufgetragen schien, so war er doch im Ganzen natürlich. Auch die Damen trugen wacker zum Erfolg des Stückes bet. Fräulein Hamm zeigte sich erst so recht in ihrem Fahrwasser, als sie die unnatürliche fischblütige Kälte der Hamburgerin ablegen durfte, dann aber gewann sie doppelt durch ihr anmuthigeS Spiel. Wenn wir auch Frau Director Rein ers in manchen anderen Rollen etwas mehr Sparsamkeit in ihren Bewegungen anempfehlen möchten, so lag doch die Lebhaftigkeit diesmal so sehr im Character der jungen Pensionsdame, daß wir die Darstellung derStefi" als sehr wohl gelungen bezeichnen können. Fräulein B i s ch o f f war als Sophie Petzold durchaus sympathisch. Auch die übrigen Darsteller fanden sich mit ihren Rollen gut ab.

* * Streit. Ein Händler und eine Händlerin verur­sachten gestern Mittag in der Schulstraße einen Menschen­auslauf dadurch, daß sie sich gegenseitig zankten und zwar um ein Stückchen altes Packtuch, das keine 3 Pfg. Werth hatte. Ein Strafbefehl wird die Folge des Auftritts sein.

* * Befitzwechsel. Das Grundstück Grünbergerstraße 47 (Restauration Pfeil Wwe.) wurde gestern von Herrn Carl Lenz, Wirth, für den Preis von 32,000 Mark käuflich erworben. Letzterer, welcher am 15. Januar das An­wesen übernimmt, wird neben dem Wirthschaftsbetrieb auch eine Metzgerei betreiben.

* * Milch Revision. Bei einer heute Vormittag abgehal­tenen polizeilichen Revision wurden 20 Ltr. als zu stark gewässert befunden und beschlagnahmt.

* * Ein Preisausschreiben betr. die Verwerthung der städtischen Abfall stosse hat die Deutsche Landwirthschafls- Geseüschaft in Aussicht genommen und zur Beschaffung der Mittel die Städte um Beiträge angegangen.

* * Preis- und Schanfechteu. Am 6. und 7. d. M. sand in Mannheim das 15. Preis- und Schaufechten des Gau­verbandesMittelrheinischer Fechtclubs" statt, bei welchem der Leiter der Fechtriege im Gießener Turnverein, Herr Adolph Noll, zugleich Mitglied des Butzbacher Fecht­clubs, 3 Preise errang und zwar: im Fechten mit Schläger den 7., mit Floret den 10. und mit Säbel den 14.; gewiß eine anerkennenswerthe Leistung in Anbetracht dessen, daß das Fechten im Turnverein seither wenig gepflegt wurde und dieserhalb sich sehr wenig Gelegenheit zur Uebung bot. Die Betheiligung am Fechten ist in letzter Zeit eine bessere, da die Riege einen schönen Zuwachs zu verzeichnen hat. Es ist Wünschenswerth, daß eine möglichst große Zahl junger Leute diese Fechtübungen aufnähmen, wozu ihnen der Turnverein die günstigste Gelegenheit bietet.

* * Fechtverbaud Gießen Lahr. Gestern Abend sand im Kaiser Friedrich" eine recht gut besuchte Generalver­sammlung mit der Tagesordnung 1) Vorstandswahl und 2) Verschiedenes, statt. Außer der Wahl des Herrn Buch- acker hat das Wahlresultat im Vorstand keine Aenderungen

gegeben. Derselbe verthcilt sich wie folgt: 1. Verbands- > sechtmeister Herr Pfeffer, 2. Verbandsfechtmeister Herr Nicolai, 1. Schriftführer Herr Stiasny, 2. Schrift­führer Herr Buch acker, Kassier Herr Weiler. Beisitzer: Die Herren Huppert und Schlich er. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren Horn und Bast. Betreffs der Vereinsdtenerangelegenheit wurde die Erledigung derselben bis zur nächsten Generalversammlung am 30. October in denzwölf Aposteln" verschoben. Hierauf erfolgte die Auf­nahme von neun neuen Mitgliedern.

* * Auszeichnung. Auf der Saatgut- und Molkerei- Ausstellung, welche am 30. September d. I. in Wetzlar stattfand, war auch die hiesige Dampfmolkerei Lahr mit ihren Producten vertreten. Herr Lahr hatte Butter in ver­schiedenen Aufmachungen, süße und sauere Sahne, Voll- und Magermilch ausgestellt. Die Firma wurde mit einem Diplom ausgezeichnet.

* * Der Verband der Milil'är-Zuvaliden Deutschlands be­reitet eine Petition an den Reichstag vor, welche die Erhöhung der Pension und Verftümmelungszulage, gleich­mäßige Vergütung für Nichtbenutzung des Civilversorgungs- scheineS. Superrevision, Belassung der Pension an alle Reichs­und Staatsbeamten und die bessere Versorgung der Wittwen und Waisen betrifft.

* * Postpersonalnachrichlen. Es sind ernannt: Der Ober- Postdirectionssccrctär Simm er in Bensheim zum Postdirector, die Ober-Postdirectionösecretäre Elling in Mainz, Klin - kott in Offenbach (Main) und Elsässer in Worms zu Postkassirern, der Postsecretär Jungmann in Darmstadt zum Oberpostkassenbuchhalter und der Ober - Postassistent Ritzinger in Gonsenheim zum Postverwalter. Versetzt sind: Der Postsecretär Pethke von Darmstadt nach Ziegenhain (Bez. Cassel) behufs Uebernahme der Vorsteherstelle des Post­amts II daselbst, der Postsecretär Wagner von Wermels­kirchen nach Darmstadt, der Ober-Postassistent Schupkevon Offenbach (Main) nach Gießen, die Postverwalter Roth von Niederwöllstadt nach Lindenfels und Vogel unter Ernen­nung zum Telegraphenasiistenten von Lindenfels nach Darm­stadt, die Pvstassistenten Schäfer von Mainz nach Londorf behufs Uebernahme der Vorsteherstelle des Postamts III da­selbst und Dahmer von Lauterbach (Hessen) nach Gießen.

** Zn Amerika verstorbene Hessen. New-Aork City, N. D.: Ferdinand Oppenheimer, 41 Jahre alt, aus Groß- gerau. Brooklyn, N. A.: Joseph Wingenfetd, 54 Jahre alt, aus Heideshetm. Chicago, Jll.: Michael Grünebaum, 70 Jahre alt, aus Eppelsheim. Cleveland, O.: Christian Oßmann, 63 Jahre alt, aus Zwingenberg.-

Friedberg, 8. October. In der vorletzten Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Friedberg wurde den Bezirks­bauaufsehern Zörb in Friedberg, Jung in Vilbel und Metzger in Butzbach der TitelKreistechniker" verliehen.

E. Echzell, 9. October. Das Schloß zu Bingen­heim wird gegenwärtig mit einem neuen, blaugrauen Be­würfe versehen, welcher dem Gebäude und der ganzen Um­gegend zur Zierde gereicht. Die Arbeit kostet mehrere Tau­send Mark, der Staat thut eben viel mehr für Unterhaltung der interessanten Gebäude, als in früheren Jahren.

W. Weckesheim, 9. October. Ein hiesiger Obstprodu­zent, der einen sehr reichlichen Ertrag an Zwetschen hat, lieferte einen zweispännigen Wagen mit 50 Gentnern Zwet­schen zu 50 Mark nach Friedberg ab. Der Gentner Zwet­schen frei nach Friedberg zu einer Mark geliefert, ist ein Ereigniß, wie es seit 1847 nicht mehr vorgekommen ist. Damals galt das Obst auch sehr wenig. Der Gentner Zwetschen zu einer Mark macht das Pfund zu einem Pfennig. Kürzlich wurde in dieser Zeitung darauf hin­gewiesen, daß dieses Jahr ein Gentner Birnen nicht mehr kostet, als ein Pfund Süßrahmbutter. Das Pfund Zwet­schen zu einem Pfennig ist ein Ereigniß, welches in den Annalen des Obstbaues jedenfalls Beachtung verdient. Das Kartoffelgeschäft belebt sich etwas. Besonders gesucht sind die sogenanntenMäuskartoffeln", welche eine schlanke, läng­liche Form besitzen, ziemlich fest und etwas seifig sind, wo­durch sie sich vorzüglich zu Kartoffelsalat eignen. Der Doppelcentner dieserMäuse" wird willig mit 6 bis 8 Mk. bezahlt- sie sind nicht sonderlich reich tragend. Die Speise­kartoffeln finden zu 2 Mk. 75 Pfg. bis 3 Mk. Abgang. Da dieses Jahr die Zwischenkulturen: Erbsen, Wicken u. dgl. sehr zurück sind, ergänzen die Leute den Ausfall durch Stoppel­klee, welcher trefflich gediehen ist. Im vorigen Jahre gab es fast keinen Halm, die Aecker waren meistens mit Hunds' kamillen überwuchert.

Worms, 8. October. DieW. Ztg." schreibt:Wir theilten kürzlich einen Fall von plötzlicher Erblindung eines hiesigen Einwohners mit, und allgemein war die An- theilnahme an diesem schweren Mißgeschick. Zur großen Freude können wir heute mittheilrn, daß ärztliche Behand­lung den Betroffenen auf den Weg der Besserung seines Zustandes geleitet, und alle Aussicht vorhanden ist, daß das Augenlicht in voller Weise wieder zurückkehren w:rd.

* Frankfurt a. M., 9. October. Ein junger Mann, der mit dem Einkleben von Jnvalidenmarken für die Stadt beschäftigt war, ist verhaftet worden. Derselbe hat gegen 1200 Mark unterschlagen. Der Verlust ist von dem aufsichtführenden Beamten gedeckt worden.

Wiesbaden, 8 October. Aus dem gesammten Taunus laufen Klagen ein über die Verheerungen, die in diesem Sommer die Raupe des Buchenspinners angerichtet hat. Ganze Buchenwaldungen sind von den gefräßigen Thieren bis auf das letzte Blättchen abgefressen. Von der Hohen Kanzel zwischen Niedernhausen und Schloßborn bis zu den l Abdachungen des großen Feldberges erstrecken sich die Ver- 1 Wüstungen.

* Koblenz, 8. October. Heute Vormittag erschoß sich in seiner Stube der Sergeant und Futtermeister Klasfke vom 23. Feldartillerie-Regiment. Ueber die Beweggründe ist noch nichts bekannt geworden.

* Berlin, 9. October. Die 21jährige Schauspielerin Elisabeth Mondry erdrosselte sich, weil sie sich von ihrem Liebhaber verlassen glaubte, dessen Brief erst nach ihrem Tode eintraf.

* Leipzig, 6. October. Technische Sachverständige vom Reichsamt des Innern besichtigten in den letzten Tagen den rasch fortschreitenden gewaltigen Bau des neuen Reichs­gerichtsgebäudes, den in wenigen Wochen die für denselben bestimmte Idealfigur krönen wird. Auf das Be­stimmteste können wir versichern, daß Nachforderungen für den Bau nicht an den Reichstag gelangen werden.

* Karlsruhe, 8. October. Der Schnellzug Basel- Straßburg-Frankfurt entgleiste auf der Station Germers­heim. Die Locomotive ist umgekippt, Packwagen und Per­sonenwagen mannshoch aufgethürmt. Schwere Verletzungen sind glücklicherweise nicht vorgekommen.

* Mannheim, 8. October. Auf der Welt-Aus­stellung Antwerpen 1894 hat die internationale Jury der Firma Heinrich Lanz in Mannheim die höchsten Preise zuerkannt, nämlich: 1. den großen Preis, höchste und einzige Auszeichnung dieser Art für Locomobilen: Klaffe 22 für industrielle Zw-.cke, Klasse 63 für Landwirthschaft; 2. den großen Prcis für landwirthschastliche Maschinen.

* Brüssel, 8. October. Aus Antwerpen kommt »die Nachricht, daß Feuer im Ausstellungsv iertel Alt- Antwerpen ausgebrochen ist. Der Brand in Alt-Antwerpen entstand in der Schenkwirthschaft neben dem Hause, wo die ältere und neuere Gemälde-Gallerie Maillard ausgestellt war. Letztere wurde gerettet. Im Ganzen sind acht Häuser ab­gebrannt, die linke Seite des alten Platzes. Das freuet griff außerordentlich rapid um sich. Militär und Feuerwehr waren indeß schnell an Ort und Stelle, so daß es nach, einer Stunde Arbeit gelang, das Feuer zu ersticken.

* Die maßlose Verschwendungssucht eines jungen Mannes, Namens N. in Berlin, hat es fertig gebracht, das sehr bedeutende Vermögen seiner Eltern in kurzer Zeit verschwindew zu lassen. Noch bei Lebzeiten seines Vaters, der sich mit seinem Vermögen von mehr als 1 ,/2 Millionen Mark vor mehreren Jahren vom Geschäft zurückgezogen, hatte der Sohn im Laufe seines Militärjahres nicht weniger als 90000 Mk. durchgebracht. Nachdem der Vater vor 1^/z Jahren gestorben, ertheilte die Mutter, da sie krank geworden, ihrem Sohne Generalvollmacht. Dieser hat diese Vollmacht in dem Maße ausgenutzt, daß von dem ganzen großen Vermögen nichts übrig geblieben ist, und die kranke Mutter dieser Tage in das Hospital der Gemeinde, der sie angehört, gebracht: werden mußte! Die beiden Schwiegersöhne der armen kranken Frau waren, wie dieAllg. Fleischer-Ztg." mittheilt, über die Vermögensverwaltung ihres Schwagers so erbittert, daß sie, als die alte Frau von ihm aus ihrer einst prachtvollen Wohnung ins Hospital gebracht wurde, den verschwenderischem Schwager arg durchgebläut haben.

Eine Automateusteuer hat die Gemeinde Zehlendorf bei Berlin eingeführt. Alle innerhalb des Gemeindebezirks ausgestellten Waaren-Automaten werden in Zukunft zu einer Angabe von 3 Mk. jährlich für jede Etnwurf-Oeffnung heran- gezogen werden, gleichviel, ob sie im Freien oder in öffent­lichen Localen aufgestellt sind. Die Fahrkarten-Automaten auf den Bahnhöfen sind von dieser Steuer befreit. Die Automaten stellen allerdings einen regelrechten Gewerbe­betrieb dar.

* Gegen die Ueberlreler der Sonntagsruhe, speciell gegen die Inhaber von Engrosgeschäften geht die Berliner Polizei jetzt mit ganz besonderer Schärfe vor, da festgestellt ist, daß gerade in den Engrosgeschäften das Gesetz der Sonntagsruhe vielfach übertreten wird. Bei der Ermittelung solcher Eontravenienten ist die Griminalpolizei thätig, und Beamte derselben haben schon in vielen Fällen feststellen können, daß das Personal von Engrosgeschäften während der Kirchstunden arbeiten muß. Gegebenenfalls wird aber auch gegen die Angestellten einer solchen Firma vorgegangen - so entdeckte z. B. am gestrigen Sonntag ein Criminalbeamter de- 18. Polizeireviers, daß in einem Engrosgeschäft der Neuen Königsstraße das gesummte Personal während der Sonntags­ruhe thätig war. Da die jungen Leute erklärten, daß sie beschäftigungslos auf ihren Ehef warteten, so wurden sie nach der Polizeiwache gebracht, um hier ihre Personalien sestzustellen. Eine halbe Stunde später erschien ein zweiter Beamter in demselben Geschäft und fand die Thür verschlossen/ da er jedoch in den Jnnenräumen Geräusch vernahm, wurde ein Schlosser geholt und die Thür geöffnet. Hier fand man das Personal in voller Arbeit, und es erfolgte eine nochmalige Feststellung der Uebertreter der Sonntagsruhe.

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gieße«.

40. Woche. Vom 30. September bis 6. October 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militärs SterblichkeitSztffer: 16,47°/« bezw. 9,41 nach Ausschl. der Ortsfremden»

Es starben an: Zusammen: Erwachsme: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr: Lungentuberculose 1 (1) 1 (1)

Tuberculose der Ge­

hirnhäute 1 1

Apoplexie 11 ~

Brechdurchfall 1 1 /n.

Lebensschwäche 2 (2) 2 (2)

Altersschwäche________1___________1____________~ ~ __

Summa: 7 (3) 3 (1) 3 (2) 1

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel« der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke fommai.

Universität». Nachrichten.

Jena, 8. October. Professor Rotzbach in München, der früher« iDirector der medicinischen Klinik an der hiesigen Universität, ist gestern gestorben.