Sonntag den 11 Februar
Nr 35
Drittes Blatt.
1894
Kenerat-Mnzeiger.
Zlints- und 2lnzeigeblutt für* den Aiveis Gieren
Äefcartwn, epAlttoe und Druckerei:
Achulstratz« Mr.I.
Fernsprecher 5L
Die Gießener y*mUkalfi(hi »erden dem Anzeiger »öchentlich dreimal beigelegt.
Der chteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Greßemr Anzeiger M
Gratlsonlage: Hleßener Kamitienblätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Feuilleton.
Wochenbriefe aus der Residen?.
Darmstadt, 9. Februar 1894.
Kaschiugß Ende. — Eoncerte und Theater. — Die Hochzeit deS Großherzogs.
Nun ist die tolle Zett des Jahres, der lustige Fasching, auch wieder vergangen. Aschermittwoch ist erschienen und wenn er auch dem bunten Mummenschanz und den zahllosen Tanzvergnügungen u. s. w. noch keine Ende bereitet hat — denn noch zahlreiche Veranstaltungen dieser Art sind angekllndigt — so ist es doch wieder stiller geworden im geselligen Leben Darmstadts. Von den größeren Festlichkeiten, die noch vor dem osfiztellen FaschingSschluß gefeiert wurden, sei hier nur der große Ball des OssiziercorpS der Gardedragoner erwähnt, der in den prachtvollen Räumen des neuerbauten RegimentScasinoS abgehalten wurde. Der Großherzogltche Hos beehrte daS Ftst durch seine Gegenwart, es konnte denn ein glänzendes Gelingen der ganzen Veran- staliung nicht ausbleibcn. Unter coloflaler Betheiligung all§r Stände und BerusSkreise verlief dann auch der große Masken- ball der Carnevalsgesellschaft im städtischen Saalbau. Der große Saal war womöglich noch bunter herausgeputzt worden, q!8 an den vorhergegangenen Sitzungsabenden, er bot wirklich ein farbenprächtiges, reizendes Bild. Eine lange Reihe von Wagen brachte die MaSkenschaaren zum Saalbau und es dauerte gar nicht lange, da hatte sich ein fröhliches, lärmendes Maskenireiben entwickelt. Zwei Regimentscapcllen ließen ihre flotten Weisen erschallen, nach denen sich die Paare im Tanze tummelten. An allerlei Aufzügen und närrischen Gruppen fehlte eS nicht, manche Theilnehmer hatten sich in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt und sammelten während des Abends in verschiedenen Matkin für milde Zwecke ein ganz hübsches Sümmchen. Bis zur frühen Morgenstunde hielt daS bunte Treiben an, ja mancher wankte gar erst am
Hellen Tage den heimischen Penaten zu. Am Dienstag, dem HauptfaschingStage, folgte zum Schluß noch ein großer Maskenball der „Narrhalla", für den besondere Ueberraschungen ausgedacht waren. Wir verzichten auf einen näheren Bericht hierüber, um lieber von der prächtigen Aufführung des „Geplagden FamilienvaddaS", einer beliebten Dialecipoffe, am Montag zu erzählen. DaS humorvolle Merkchen unseres Landsmannes Dr. Georg Büchner wurde von einer Gesellschaft „Nichimitglieder des Duse-Ek sembles" unter Leitung des Herrn HosschauspielerS Wagner im närrischen Saalbau- Hoftheater gegeben und erregte w'eder wahre Stürme von Heiterkeit und Beifall. Die wackeren Schauspieler, natürlich durchweg Dilettanten, die als „Signors" und „Signorias" auf dem Zettel verzeichnet waren, gaben sich die größte Mühe mit ihren Rollen und lieferten ganz ausgezeichnete Leistungen. Schon der ProloguS, „sehr frei nach Leoncavalla" von einem „Bajazzo" vorgelragen, gefiel ungemein, und daß die gute Laune des Publikums dann auch während der Zwischenpausen erhalten blieb, dafür sorgten zwei ächte „Heiner" auf der Galerie durch laut geführte, originell-witzige Zwischenactsunterhaltungen. Die vortreffl'che Aufführung half über daS Bedauern hinweg, daß unS in diesem Jahre nicht irgend ein neuer Localpoet mit einer neuen Faschingsposse im Darmstädter Dialect beschenkt und sich den närrischen Preis von 111 Mark 11 Pfennigen in Gold „rrdichtet" hat. Nun, hoffen wir auf das kommende Jahr. Daß sich der „Geplagde Familievadda" vor gänzlich ausverkauftem Saale abspielte, braucht wohl gar nicht erst besonders bemerkt zu werden. Das MaSkenlreiben auf den Straßen war am Dienstag sehr lebhaft, wenn auch nicht so witzig und originell wie zu Zeiten der großen Fastnachlszüge. Im Hofiheater trug man der Faschingszeit durch Aufführung der ausgelassenen Farce „Charleys Tante" Rechnung, die sich wohl noch lange als guter Kaffenmagnet bewähren wird. DaS tolle Stück wurde natürlich mit großer Heiterkeit begrüßt und da es gerade zu Fastnacht erschien, ließ die Kritik ihm Gnade widerfahren,
Sllr Annoncen-Bureaux deS In- und Auslände« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
obgleich Verschiedentlich betont wurde, daß es eigentlich nickt in einen wahren Kunfttempel passe, an Fastnacht darf man eben nicht streng kritisch sein wollen.
Noch in dieser Woche beginnt eine große CycluS- ausführung sämmtlrcher Dramen Friedrich v. Schiller-, ein Unternehmen, das wohl alle Kunstfreunde mit großer Freude begrüßt haben werden. Francesco d'Andrade, der gefeierte portugiesische Sänger, beginnt demnächst sein drittes Gastspiel in Darmstadt, das wohl auch wieder große Zugkraft ausüben wird, zumal d'Andrade eine neue Rolle, den „Hans Herling" in MarschnerS Oper gleichen Namens zum ersten Male in deutscher Sprache singen wird. Dann stehen für die nächsten Monate, wie ein hiesiges Blatt zu melden weiß, auch Gastspiele von berühmten Wagnersängern bevor. Frau Rosa Sucter aus Berlin soll die „Isolde" und „Brünnhilde", Herr Max Alvary von Hamburg den „Tannhäuser" und Siegfried singen. Die beiden Künstler sind in Darmstadt noch nicht ausgetreten und somit darf ihrem Besuche mit viel Jntereffe entgegengesehen werden. An Concerten steht in Aussicht der dritte Clavierabend des kleinen Raoul Koczalski, der zwcimal mit ganz großartigem Erfolge concertirt hat und deffen Leistungen ja auch that- sächlich ans Wunderbare grenzen, und eine Aufführung von Haydns „Jahreszeiten" durch den Musikverein unter Mitwirkung bedeutender auswärtiger Künstlerkräfre.
Zum Schlosse unseres heutigen Brieses sei nicht vergeffen, zu erwähnen, daß in der Bürgerschaft bereits verschiedene Berathungen und Vorbereitungen gepflogen werden für die Hochzeit Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, die bekanntlich im April in Coburg stattfinden soll. Sobald die Berathungen über das Hochzeitsgeschenk der Darmstädter Frauen und Jungfrauen zu einem endgtlngen Abschluß gekommen sein werden, werde ich Ihren Lesern an dieser Stelle das Resultat mittheilen. Z.
Holzverkauf in fürstlicher Oberförstern Hungen Schutzbezirk Thiergarten,
am Mittwoch den 14. d. Mts., Vormittags 10 Uhr
Eichenstammholz: 25 fm 4—10 m lang, 40—60 cm Durchmesser, > _ Eichen: 7 rm Scheit, 5 rm Prügel, 25 rm Reiser, Buchenftammholz: 1,56 fm 5—6 m lang, 42—43 orn Durchmesser, Buchen: 2ö9 rm Schert, 195 rm Prügel, 558 rm Reiser, 89 rm Stöcke, • Elsbeere: 1,07 fm 4— 10 m lang, 13—30 cm Durchm., 2 rm Prügel, „ Linde: 0,62 fm 7—10 m lang, 21—22 cm Durchmesser.
Sammelplatz: Straße Hungen-Langd, am Waldeingang.
Hungen, den 8. Februar 1894. ' 1155
Ziegler-Stege.
Holzbersteigerung.
Freitag, 16. Februar 1894, von Vormittag 10 Uhr an, soll in dem Wiksecker Gemeindewald Di- strict Heeawald, das nachoerzeichnete Hol; versteigert werden.
A. Bau-, Werk- und Nutzholz: 202 Eichen stamme mit 44,58 fm, 58 Nadelstämme *„ 2*,24 „ 287 Eichenstangen „ 19,02 „
30 Nadelstangen „ 2,07 „
B. Brennholz.
Lchetth. ttnüppelh. Etockh Reish.
Rmtr Rmtr. Rmtr. Wellen Buchen: 85 8 6 1200
Eichen: 20 90 23 1480
Nadel: — — 9 250
Bemerkt wird, daß das Bau-, Werk- und Nutzholz zuerst zur 23er» steigerung kommt. Die Zusammenkunft ist zur angegebenen Stunde in dem genannten Diftrict oberhalb der Sandgrube.
Wieseck, am 9. Februar 1894.
Großh. Bürgermeisterei Wieseck. 1175 Sommerlad.
Waschbütte«
empfiehlt billigst (1080
Louis Sony, Bahnhofstraße 27.
Versteigerung.
Steittaussetzen. — Steinschlagen
Das Aufsetzen und Zerschlagen des Unterhaltungsmaterials für die nachstehend bezeichneten Staatsstraßen soll an den angegebenen Tagen und Orten für die Jahre 1894/95, 1895/96 und 1896/97, unter den näher bekanntgemacht werdenden Bedingungen looSweise versteigert werden, und zwar: 1. für die Straße Gießeu-
Marburg von AbtheUung 10—48 am 15. Februar, Vormittags 9 Uhr in dem Wirths- locale zur Wellersburg,
2. für die Straße Gießen- Frankfurt von AbtheUung 70—74 am 16. Februar. Vormittags 9 Uhr in dem Wirths- locale der Wütwe Schimmel zu Pohl-Göns,
3 für die Straße Gießen- Hersfeld, von Abtheilung 7—54, am 17. Februar, Vormittags 9 Uhr in dem Wirths- locale zur Ganseburg,
4. für die Straße Gießen- Bromskirchen AbtheUung 5—19, am 19. Februar, Vor-
i mittags 9 Uhr in dem Wirths-
| locale zum Windhof,
; 5. für die Straße Gießen- Gelnhausen, AbtheUung 6—63 am 21. Februar, Vormittags 9 Uhr im Russischen Hof zu Steinbach, für dieselbe Straße, Ab- theilg. 63—108, am 22.Febr., Vormittags 9 Uhr im Gasthaus zum Löwen in Hungen, für die Straße Lich Butzbach, Abtheilung 70—105, am 24. Februar, Mittags 12 Uhr im Wirthstocale zur schönen Aussicht bei Gambach.
Gießen, den 9. Februar 1894. Großh. Kreisbauamt Gießen.
Neuling. 1152
Donnerstag den 15. d. Mts. kommen in hiesigen Watdungen zur Versteigerung.
20 Eichen Stämme mit 17,62 fm Inhalt, zu Werkholz geeignet, 145 Nadel-Stämme mit 53,32 fm Inhalt,
97 Nadel-Derbstangen mit 5,42 fm Inhalt,
1599 Nadel-ReiSstangen mit 598 fm Inhalt, zu Baum- u. Bohnenstg., 40 rm Eichen-Knüppel in Schichten von 3 bis 4 Meter Länge.
Die Zusammenkunft ist im District Streubet, Vormittags 9 Uhr bei Stamm Nro. 1.
Bellersheim am 8. Februar 1894, Der Markmeister
1153 Bopp.
Ieikgeöotenes.
Gemüse- u. Lbsteonserven Dörrobst Südfrüchte.
432 J. M. Schulhof.
au von
5
——allere r st en Kjange s
V.on 2 - 100 T>ferdel\räften
Die Ataschenöier-Kandtung von Daniel Heil
Telephon Ar. 55 Etindenplatz 3 Telephon Ar. 55 empfiehlt
Bier der Actien-Brauerei Gießen: Wiener Bier ........Per Flasche 18 Pfg.
Bayerisch Bier „ 20 „
Exportbier, hellfarbig (Wiener Brauart) „ 23 „
do. dunkelfarbig (Märzenbier) „ 23 „
Jedes Quantum frei in’s Haus. 218
Das Wäsche- u. Ausstattungsgeschäft ton M. Kann, Kirchenplatz 8 unterhält stets großes Lager aller Ausstattungsartikel und empfiehlt sich zur Anfertigung von Wäsche jeder Art nach Maß und Angabe bei billigster Preisberechnung. 215


