*• Procetz Schulhof. Wegen Betrugs verurteilte gestern die hiesige Strafkammer den Bankier Julius Schulhof von hier zu 2 Jahren Gefängntß, 2500 Mk. Geldstrafe und in sämmtltche Kosten. Schulhof setzte, wie aus der Begründung des Urtheils hervorgtng, unter der Bevölkerung argentinische Papiere (sog. Cedulos), um und erhob dafür Beträge, welche bedeutend den eigentlichen Cours überstiegen. Da die Käufer in den Besitz eines Courszettels nicht gelangen konnten, waren dieselben auf die Ehrlichkeit des p. Schulhof vollständig angewiesen, weicher seinerseits beim Angebot wiederholt die Versicherung gab, daß die Papiere in dem Cours- werthe, wie er ihn angab, ständen. Es wurden aus dem Verfahren eine Anzahl Fälle wegen ungenügenden Beweismaterials ausgesondcrt, sodaß nur 8 Vergehen hier in Betracht gezogen werden konnten. Das Gericht begründete das Urtheil damit, daß Schulhof, welcher über die verschiedenen CourS- schwankungen als Bankier unterrichtet sein mußte, das Vertrauen der Kundschaft mißbrauchte und so durch falsche Vorspiegelungen sich unrechtmäßige Vermögensvortheile verschaffte.
** Neues Theater. Wir verfehlen nicht, darauf aufmerksam zu machen, daß heute Freitag Abend das Lustspiel „Cornelius Voß" von F. v. Schönthan zur Aufführung kommt, welches einen genußreichen Abend verbürgt.
an Deutschland ausgeliefert zu haben.
Paris, 8. November. Wie „Eclair" meldet, herrscht in officiellen und militärischen Kreisen die Ansicht, daß Haupt-
Adreßbuch. Der Theil des Namensverzeichniffes für das neue Adreßbuch von Buchstabe G. (Graulich) bis einschließlich L. (Lepper) liegt zur Einsichtnahme bis zum Montag den 12. ds. Mts., Mittags 12 Uhr, auf dem Büreau Großh. Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, dem Meldebureau Großh. Polizeiamts und der Verlagsbuchhandlung C. v. Münchow auf.
** Fürsorge für Sieche. Im hiesigen Bürgerh ospitat ist nunmehr durch Ausbau der früheren Kirche und PräcisionS- Atche Raum geschaffen für eine Anzahl Siecher, ältere Leute, welche dauernder Pflege bedürfen. Ein Gang durch das Hospital überzeugt den Besucher, daß für die Insassen heute in liebevollster und ausreichendster Weise, soweit es eben in einem solchen Hause möglich ist, gesorgt wird. In richtigem Verstandniß der Armenpflege hat die betr. Commission der Stadtverordneten, an ihrer Spitze der Herr Ob e r- bürgermeister, unterstützt von dem Verwalter Herrn Grüneberg und dessen ebenso thätiger Frau, den alten und kranken Leuten ein behagliches, sorgenfreies Heim eingerichtet. Die Zimmer sind insgesammt hell, sehr sauber gehalten, die Kost eine reichliche und gute. Zum ferneren Wohlbefinden trägt bet, daß eine in der Krankenpflege tüchtige Diaconisstn in der Anstalt selbst untergebracht ist, welche stets um die Siechen selbst sich direct bemüht und manches Gebrechen vermindern hilft. — Wer in früheren Jahren, unter anderen Verhältnissen, dort sich umsah, wird heute freudig erstaunt sein über die Zustände, welche nunmehr dort herrschen. Des Dankes der alten und hilfsbedürftigen Leute dürfen Alle, welche sich so um ihr Loos bekümmern, gewiß sein.
•* Die Schwurgerichts'Sihuugeu im Großherzogthnm Hesse» beginnen nack einer Mittheilung der „Darmst. Ztg." für das 4. Quartal Mittwoch den 5. December, Vormtttags 9 Uhr. Zu Vorsitzenden wurden ernannt für die Provinz Starken- burg Herr Oberlandesgerichtsrath Jost zu Darmstadt, für 6 C Oberhessen Herr Landgerichtsrath Wehner
zu Gießen und für die Provinz Rhein Hessen Herr Landgerichtsrath Thal er zu Mainz.
r . *’ Di- 3>/zpro--lttig-ll Großh. Hessischen Obliga,ionen sind an der Berliner Börse neu eingeführt worden.
•* Die Cigarrendiebe, welche in voriger Woche Gießen einen Besuch abstatteten, scheinen in Darmstadt „gearbeitet" zu haben. Die „Darmst. Ztg." meldet nämlich: Heute Nacht ist in einer Cigarrenfabrik in der Waldstraße eingebrochen und eine größere Menge Cigarren gestohlen worden. In einem Nachbargarten ließen die Einbrecher eine ebenfalls gestohlene Kiste mit 5000 Cigarren liegen.
. ** Geoeral-Versammluug der hessische» Zweigvereiae
der Gustav-Adolf Stiftung fand am 6. d. M. in Frankfurt a. M. statt. War die Versammlung auch nur schwach besucht, und konnte auch der Jahresbericht von keinem großen Fortschritt der VeretnSsache und VereinSthätigkeit
berichten, so vermochten doch die anwesenden Mitglieder hierin keinen Grund zu sehen, in der Arbeit des Vereins nachzulassen. Sie waren vielmehr von der Hoffnung ge« tragen, daß durch eine für den Verlauf dieses Winters geplante Vortragsreise des um die Thättgkeit des Deutschen Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke hochverdienten Herrn Dr. Brändel neues Interesse geweckt werden würde, zumal gerade in den Kreisen der Aerzte mehr wie je die Notwendigkeit dieser Deretnsbeftrebungen erkannt wird. In den Vorstand wurden die Herren Oberbürgermeister Gnauth in Gießen und Pfarrer Wenck in Darmstadt, letzterer als Geschäftsführer, neu gewählt.
* Diphtherie - Heilserum. Wie von zuständiger Sette uns mitgetheilt wird, ist das neue Behring'sche Diphtherie- Heilserum jetzt, nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten genügender Herstellung fund des Bezuges überwunden sind, in einem solchen Vorrathe eingetroffen, daß die Direction der neuen Kliniken, nach einigen Vorversuchen, welche hier wie anderwärts einen günstigen Erfolg bei rechtzeitiger Anwendung erhoffen laffen, bereit und im Stande ist, in jedem geeigneten Falle das Mittel zur Anwendung zu bringen. Zu wünschen wäre nur, daß die Erkrankten möglichst sofort nach festgestellter Diphtheritis zunächst auf die neuen Kliniken eingeliefert würden, weil nur bei Anwendung möglichst frühe ein sicherer Erfolg zu erwarten steht. Wie wir hören, wird für die Zukunft durch staatliche und anderweite Hülfe die Anwendung des vorerst in seiner Wirkung noch nicht allseitig geprüften und bisher noch recht theuren Mittels, auch in der privaten und ländlichen Praxis erleichtert werden.
Die Folgen sind Gicht, Rheumatismus, Vollblütigkeit, Herzkrankheiten u. s. w., das ganze Gefolge von Leiden, welchen zu gut lebende Menschen unterworfen sind. Die Pflanzennahrung hat diese Mängel nicht,- das Fleischshstem sündigt eben durch das Zuviel ihrer Eigenschaften.
Man ersteht aus den obigen Ausführungen, daß es am besten ist, die Nahrung zu mischen.
Die Vegetabilien fordern eine zu starke Ausgabe der Verdauungskräfte,- man muß also die Arbeit vermindern, indem man einen Theil der Ration durch Fleisch ersetzt. Das Fleisch muß bei dem gesunden Menschen ein Beiwerk der Ernährung sein, es darf nicht die Basis derselben bilden.
Die obigen Ausführungen sind an den Menschen unserer Klimate gerichtet. Man kann sich leicht denken, daß die Ernührungsfrage stark unter dem Breitengrade, unter dem man lebt, wechselt. So sieht man unter dem Aequator die Eingeborenen sich ausschließlich von Mais, Reis und Früchten ernähren. Sogar die Spanier, die Neapolitaner, die Türken und Araber sind fast ausschließlich Vegetarier.
Dagegen muß man, je mehr man sich nach Norden wendet, die Fettration vermehren, um die Ursache der Kälte zu compensiren.
Aus demselben Grunde müssen wir unter den gemäßigten Breitegraden das Nahrungsshstem während des Sommers und während des Winters vollständig anders ge- C": Ä nicht so leicht, wie man glaubt, für jeden
Nahrung zu wählen und sich unaufhörlich Sen klimatischen Veränderungen anzuschmiegen.
Oftmals werden wir von Krankheit befallen, die weiter nichts ist, als eine Folge der falschen Ernährungsweise. Studiren wir diese recht genau, so werden wir bald zu schönen Resultaten gelangen und nicht mehr nöthig haben, unsere Zuflucht zu Medicamer.ten zu nehmen, die zum Theil ohne jeglichen Werth sind.
** Sisverei». Wir machen unsere Leser nochmals auf die tm Juseratentheil erlassene Bekanntmachung des Eis- Vereins aufmerksam. Es empfiehlt sich, die Mitgliedsquittungen, welche beim Umgang deS Dieners nicht in Empfang genommen wurden, vor dem 15. November bei Herrn Friseur Gerhardt (Ltndenplatz) einzulösen, da Nichteinlösung als AustrtttSerklärung betrachtet wird und der Betreffende eventuell neues Eintrittsgeld zahlen muß.
** Der Zitherverein Alpenröschen veranstaltet morgen, Samstag Abend, im Festsaal des Cafe Leib eine Abend- Unterhaltung mit Zither-Concert und darauffolgendem Theater, lebenden Bildern rc., wozu auchNichtmitglieder ein- geladen sind. (Siehe Inserat.)
*♦ Kaufmännischer Verein. Der nächste Vortragsabend findet am 19. November statt. Herr Dr. Eduard Engel aus Berlin wird über Eisenbahnreform und Zonentarif sprechen.
rcr-chltche Anzeige« be* Stadt «Siehe«.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst
Sonntag den 11. November. 25. Sonntag nach Trinitatis.
I« der Gtadttirche.
Vormittags 9</s Uhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 11 Ubr: Kinderk.rche. Pfarrer Schlosser
Nachmittags 5 Uhr: Pfarroerwalter Dr. @ rein.
2« der JohanrreSkirche.
Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Lukasgemeinde.. Pfarrer Dingeldey.
Montag den 12. November. Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanne-kirche. Erster Brief des Johannes, Cap 1: Woher des Johannes Wort? Wahrhaftigkeit gegen Gott. Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
Sonntag den 11.November. 26. S- n. Pf.
Samstag:
Nachmttt^S^um 4ye Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur Sonntag:
Vormittags von 6'/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;
w um 6i/, Uhr erste hl. Messe.
„ um 7y2 Uhr Austheiluna der hl. Communiou;
, um 8 Uhr zweite hl- Messe;
„ um 9V, Uhr Hochamt mit Predigt.
Abends um 6 Uhr Andacht.
Glogau, 8. November. Zu den Magen- und Darm- «ann Drehfuß zum Tode verurtheilt werden müsse. Die erkrankungen einzelner Mannschaften des 58. Infanterie- j Beweise für seine Schuld seien unwiderleglich. „Eclair" fügt Negtments wird amtlich gemeldet, daß die Erkrankungen mit I hinzu, die Verhaftung des Hauptmanns Romani -habe nichts der Cholera nichts zu thun haben. Sämmtliche erkrankten I mit Dreyfuß zu thun.
Soldaten waren bereits gestern genesen. Die Ursache der I Paris, 8. November. Der gegenwärttg hier weilende Erkrankungen konnte noch nicht ermittelt werden. I französische Generalconsul Jin Chicago wird dem-
Kassel, 8. November. Freiherr von Ri e desel I nächst eine Rundreise nach den französischen Industriestädten wurde vom Provinziallandtage zum LandeSdir ector der i antreten, um die Industriellen über die für sie durch die neue Provinz gewählt. 1 amerikanische Tartfbill geschaffene Lage zu unterrichten.
Köm, 8. November. Angesichts der gegenwärtigen! London, 8. November. Der Justizminister beschäftigt Saalsperre socialistisch en Veranstaltungen I sich mit der Untersuchung gegen die in den letzten Tagen in MeßCm«Ti n 'Ordert das hiesige socialdemokratische Blatt, I London eingetroffenen fremden Anarchisten, denen die ote „Nhetn. Ztg.', in einem längeren Aufrufe auf, den Boykott I Urheberschaft an dem letzten Attentat zugeschrieben wird, über solche Wirtschaften zu verhängen, deren Inhaber ihre I Diese Anarchisten solken aus Brüffel über Paris gekommen sein. Sale nicht hergeben wollen. Wie es heißt, soll in den nächsten I London, 8. November. Nach einer Meldung der „Central Tagen hierzu bestimmt Stellung genommen werden. I News" haben die von China um Intervention ersuchten
München, 8. November. Die officiellen militärischen I Mächte erklärt, den Wunsch Chinas in ernste Erwägung ziehen Darlegungen in der Fuchsmühleaffaire werden durch I zu wollen. 1 0 9
des Pfarrers von Wiesau, wonach die Bauern I London, 8. November. Wie aus Shanghai gemeldet
keinen Widerstand mit den Werkzeugen geleistet hätten, stark I wird, sind trotz des Befehls Li-Hung-Tschangs an das
angezweifelt. I Peyang-Geschwader, Port Arthur zu verlassen, zwölf Schiffe
~ 6. November. Im Gasthaus zum Hirsch fand I dort zurückgeblieben. Um zu verhindern, daß diese von den
gestern Abend eine von etwa mehr als 100 Personen besuchte I Japanern genommen werden, werden die Schiffe in die Luft
anarchistische Versammlung statt. Auf der Tages- I gesprengt werden müffen.
Referat über „Internationale Reactions- I Petersburg, 8. November. Czar Nikolaus, die ; Als der Referent nach einem kurzen Ueberblick l Kaiserin -Wittwe, die Prinzessin Alix und alle Uber die anarchistische Bewegung in Amerika und Spanten I Großfürsten verlassen heute mit der Leiche des Kaisers
auf Ravachol zu sprechen kam und die Meinung äußerte, zur I Alexander Livadia. Die Ankunft in Petersburg wird am
Pachtung Ravachols liege kein Grund vor, ließ der über- I 13. d. M. erfolgen. — Am Samstag werden der Reichs-
i^ob P^lizeicommisiar die Versammlung auf Grund des I apfel, die Krone und das Scepter nach Moskau gebracht.
9 0 R.-St.-G. für aufgelöst erklären. Die Dauer der I Petersburg, 8. November. Sofort nach der Beisetzung Versammlung belief sich auf nur 10 Minuten. Ausschreitungen I des Czaren Alexander wird die Thronbesteiguna
»-bei »Ich« v°r Nikolaus II. durch besondere Botschafter Bei den Höfen
"0M, 8. November. Es verlautet, daß der Papst ! notificirt werden.
beabsichtige, sich beim Begräbniß des Czaren durch einen I Petersburg, 8. November. In ganz Rußland wird auf nIaffe£u « . ^fehl des Czaren eine Subscriptiou zur Errichtung eines
Rom, 8. November. Die Presse erhält über die Ver- I Denkmals für Kaiser Alexander III. in Moskau Handlungen in den Konferenzen, betreffend die Vereinigung I eröffnet werden.
orientalisch-katholischen I Petersburg, 8. November. Infolge starker Schnee- Mittheilung. ES ist nur soviel bekannt, I Verwehungen ist der Eisenbahnverkehr Orlow-Wittebok oast ote Konferenzen in den nächsten Tagen geschloffen werden | gegenwärtig untelbrochen. Die Bahnverwaltungen über- Ionen unö daß die Patriarchen der orientalischen Kirche mit I nehmen keine Verantwortung für das rechtzeitige Eintreffen dem Verlauf der Verhandlungen sehr zufrieden sind. I der Güter. — Der Kamafluß ist bereits mit dichtem Eis Rom, 8. November. Bei der Mittelm eerb ahn ! bedeckt.
wurden bedeutende Unterschleife durch Fahrkarten- I ----------
™nnnn£Cn ,CnthCtfl". ^fe bcr Fälschungen beträgt j WB. Potsdam, 9. November. Der Kaiser emvfioa wurd-u verhaftet ber Mitt-lm-erbahu ! heute V-rmütag deu LandeSdirector der Prootn Hannovers
November. Der „Courier" meidet, daß die Sr°.h°rru von Hamm-rsteiu.Ldn-n.______________
katholischen Vereine beschlossen haben, in sämmtlichen Ge- S - _
«rinden eine Propaganda gegen die Socialisten s KSXOle» «Nv prootnztülles
! ne ®0Claliften butd! Meetings und j Siehe», den 9. November 1894.
Paris, 8. November der <5 oio n a e.2I f f a fr I x -r ** drooinziolauSschtchSitzung. SamStag den 10. November g-h-L'Lt'" S i6 ü“« die'AusL^d? ^'«^^Üng'd^Prov^iL^


