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10.7.1894 Erstes Blatt
 
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Nr 158 Erstes Blatt. DicnSka den 10. Juli

1894

Der Hießen,r Anzeiger erscheint täglich, 4nit AliSnahme des Montags.

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Amtlicher» Theil.

Betreffend: Die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb i des Großherzogthums.

Bekanntmachung.

Das Gomite zur Abhaltung des Viehmarkts in Vilbel beabsichtigt mit dem am 22. August l. I. daselbst ftattfindenden Markte eine Verloosung von Vieh- und Gebrauchsgegenständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämiirung von Vieh zu gewinnen.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver- loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 4000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 6O°/o des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gebrauchsgegenständen zu verwenden sind, und zugleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen und dem Kreise Offenbach gestattet.

Gießen, den 6. Juli 1894.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Betreffend: Die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums.

Bekanntmachung.

Der Ortsvorstand zu Nidda beabsichtigt mit dem am 10. September l. I. daselbst ftattfindenden Herbstmarkt eine Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen Geräthschaften und sonstigen Gebrauchsgegenständen zu verbinden, um die Mittel zur Hebung der Viehzucht zu gewinnen.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver­loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 0,50 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind, und zugleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet.

Gießen, den 6. Juli 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Die Monopolbestrebungen auf dem Weltmarkt für Petroleum.

Seit einiger Zeit bestehen bekanntlich zwei große Ver­einigungen von Petroteumproducenten zum Zwecke der völligen Beherrschung des Petroleummarktes, auf welchem also künftig die Preise zu Gunsten der betreffenden Producentengruppen künstlichgemacht" werden sollen. Die eine dieser Ver­einigungen stellt die Standard Oil Company dar, welcher die allermeisten der Petroleumquellen-Besitzer Nordamerikas angehören, während der anderePetroleumring" durch die vereinigten russischen Petroleumproducenten gebildet wird, mit den Häusern Rothschild-Paris und Nobel-London als Haupt- intereffenten. Die amerikanische Petroleum Compagnie ver­suchte es in der rücksichtslosen Art der Yankees zunächst, die russischen Concurrenten möglichst vom Petroleummarkte zu verdrängen, welches Unternehmen indessen infolge der festen Stellung der russischen Petroleum-Industrie auf dem Welt­märkte durchaus scheiterte. Nunmehr schlug die Standard Oil Company den entgegengesetzten Weg ein, indem sie Unter­handlungen mit der russischen Concurrenz behufs einer Ver­schmelzung der beiderseitigen Unternehmungen zu einem einzigen großenRinge" etnleitete. Die führenden Petroleumprodu­centen Rußlands nahmen dies Anerbieten nicht ungünstig auf und heute sollen die Verhandlungen über die Vereinigung der Standard Oil Company mit der geschloffenen Gruppe der russischen Petroleum Industriellen soweit gediehen sein, daß das Zustandekommen des Unternehmens mehr und mehr wahr­scheinlich geworden ist.

Falls es in der That gelingen sollte, diesen Plan zu verwirklichen, dann wäre allerdings das angestrebte Welt­monopol für den Petroleumhandel fertig. Es braucht wohl kaum des Näheren ausgeführt zu werden, welche einschneidende wirthschaftliche Wirkung eine Allianz zwischen den beiden großen Petroleumringen diesseits und jenseits des Oceans haben würde. Denn diese mit überreichlichen Geldmitteln ausgestattete Vereinigung der Besitzer der wichtigsten Petroleum- districte der Erde hätte es alsdann in der Hand, die Preise für das werthvolle Erdöl auf dem Weltmärkte nach Belieben zu reguliren, was selbstverständlich nur auf Kosten der Consu-

menten geschehen würde, während zugleich die bislang noch extstirenden wenigen unabhängigen Petroleumproducenten und Petroleumfirmen die Waffen vor der übermächtigen Concurrenz strecken müßten. Schon jetzt kämpfen die der Standard Oil Company nicht angehörigen amerikanischen Petroleumprodu­centen einen schweren Kampf mit den ihnen auf dem Welt­märkte gegenüberstehenden beiden großen Vereinigungen. Sollte jedoch wirklich deren Verschmelzung gelingen, dann dürfte es für dieOutsiders", wie im geschäftlichen Jargon Amerikas die einer Ringgruppe nicht angehörenden Unter­nehmer bezeichnet werden, unmöglich sein, ihre unabhängige Stellung noch weiter zu behaupten und nachher würde es selbstverständlich auch mit der Lebensfähigkeit der wenigen Petroleumhäuser in Deutschland, welche sich noch nicht unter das Joch der Standard Oil Company haben beugen lassen, vorüber sein.

Bislang haben sich in Deutschland und wohl auch in den meisten übrigen Ländern die Petroleumpreise noch immer auf einem im Allgemeinen mäßigen Niveau gehalten. Kommt jedoch die angestrebte Vereinigung der Standard Oil Company mit den russischen Petroleumproducenten noch zu Stande, dann würden die Preise für Petroleum mit einem Male gewaltig in die Höhe schnellen, denn die wenigen unabhängigen Petroleumproducenten könnten dem Weltbedarf in Petroleum nicht im Entferntesten genügen.

Es ist darum die höchste Zeit, daß die Regierungen und sonstigen maßgebenden und einflußreichen Factoren sich endlich mit den schweren Gefahren, welche dem volkswirthschaftlichen Leben der einzelnen Länder durch eine Weltmonopolisirung der Petroleumhandels drohen, beschäftigen und Mittel und Wcgc ausfindig machen, durch welche die aufgetauchten MonopolisirungSbcstrebungen vereitelt oder doch in ihren Wirkungen wenigstens abgeschwächt werden können.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Juli. Die Nordlandsreise des Kaiser­pa areö verläuft bis jetzt programmgemäß und im Allge­meinen von schöner Witterung begünstigt. Am Donnerstag Abend trafen die hohen Reisenden nach herrlicher Fahrt durch den malerischen Hardanger Fjord bet dem Städtchen Odde ein, welches ungemein pittoresk am Ende des östlichen Seiten- armes des Harbanger Fjords gelegen ist. Hier gingen die Majestäten am Freitag, Morgens um 7 Uhr, ans Land und unternahmen eine Parthie nach dem Buar Brae, woselbst sie 2% Stunden bet prächtigem Wetter zubrachten.

DerVorwärts", das socialistische Centralorgan, ist schon wieder einmal in der für ihn angenehmen Lage, ein geheimes amtliches Acten stück der Oeffentlichkeit produciren zu können. Dasselbe betrifft einen landräthlichen Erlaß an die Bürgermeister, Guts- und Gemeinde-Vorsteher über die Untersuchung der Rekruten auf ihre Zugehörigkeit zur Socialdemokratie und Anarchismus. Es bleibt jedenfalls merkwürdig, daß das führende Blatt der deutschen Social­demokratie offenbar so ausgezeichnete Verbindungen in amt­lichen Bnreaux u. s. w. besitzt.

Einer der hervorragendsten und angesehensten deut­schen Parlamentarier und Politiker begeht an diesem Dienstag seinen 70. Geburtstag, Herr v. Bennigflen, der Führer der nationalliberalen Partei. Die Antheilnahme an dem Ehrentage Herrn v. Bennigsens erstreckt sich gewiß über den Kreis seiner Parteigenossen weit hinaus. Gehört doch Rudolf v. Bennigsen mit zu den Vorkämpfern für die deutsche Einheit und hat er doch, nachdem dies hohe Ziel durch Blut und Eisen errungen worden war, hingebend an dem Ausbau des neuen deutschen Reiches erfolgreich mitgewirkt und mitgearbeitet. Diese nationalen Verdienste Rudolf v. Bennigsens und die ihn beseelende reine patriotische Gesinnung sind ebenso unbe­streitbar, wie seine persönliche Makellosigkeit und die Ehren­haftigkeit in seinem ganzen Thun und Handeln, die ihm die Hochachtung auch seiner politischen Gegner längst sichern. Alle deutschen Patrioten, gleichviel, welcher Parteirlchtung sie sonst angehören, werden darum am 10. Juli dem verdienst­vollen Politiker und Staatsmanne v. Bennigsen im Geiste ihre herzlichen Glückwünsche darbringen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt in einem an­scheinend officiösen Leitartikel, mit den Erörterungen über die Verschärfung der Maßnahmen gegen die Anarchisten sei auch die Discussion über den Kampf gegen die Socialdemokratie wieder in Fluß ge­kommen. Die Behauptung eines Centrumsblattes, daß die Wiedereinführung von Ausnahmegesetzen nach Art des Socialtstengesetzes nach deren Aufhebung unmöglich sei, weist dieNordd. Allg. Ztg." als unzutreffend zurück, da das Socialistengesetz nicht von der Regierung ausgehoben wurde,

sondern nur außer Hebung kam, weil der Reichstag 1890 eine Vorlage der verbündeten Regierungen, die eine Er­neuerung und theilweise Aenderung des Gesetzes vorschlug, ablehnte. Auf Grund dieses Thatbestandes seien alle Vor­würfe über das Ausbleiben schärferer gesetzgeberischer Maß­regeln gegen die Socialdemokratie gegenstandslos. Das Mittel, mit welchem dieselbe sicher zurückgeworfen werden könne, sei der Zusammenschluß aller Ordnungsparteien, aber das Mittel werde von einem Thetl dieser Parteien zurück­gewiesen. DieNordd. Allg. Ztg." schließt, die Nachricht von der Bereitwilligkeit dieses Zusammenschlusses werde sie mit Freude begrüßen, da dann der Boden für die Entwicke­lung einer überlegten Action gegeben sei.

Berlin, 7. Juli. Die nächste Sitzung des Bundesraths findet nicht, wie angegeben worden, heute, sondern wahrscheinlich am Montag statt. In derselben dürfte über den Reichstags­beschluß wegen Au sh ebung des Jesuitengesetzes ent­schieden werden. Es kann nunmehr als sicher angesehen werden, daß dieser wahrscheinlich einstimmig abgelchnt, dagegen der bayerische Antrag wegen Zulaffung der Redemptoristen fast einstimmig angenommen wird.

Berlin, 7. Juli. Die Nachricht, der russische Groß­fürst-Thronfolger werde zu den deutschen Kaiser-Manövern erwartet, ist, derPoft" zufolge, nicht zutreffend. Gleich­zeitig mit den deutschen finden die russischen Manöver statt, denen der Großfürst-Thronfolger beizuwohnen von vornherein gewillt gewesen ist.

Man nimmt an, daß der Premierlieutenant von Fran^ios mit dem am 10. Juli fälligen Wörmanndampfer in Hamburg eintreffen wird. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen gehen dahin, daß er seine Untergebenen un­würdig behandelt und gegen die Europäer in Deutsch-Südwest- asrika ein Benehmen an den Tag gelegt haben soll, durch das diese sich verletzt fühlen.

Die beiden letzten größeren Säle, die den Social­demokraten noch zur Verfügung standen,Feenpalast" und Joels Festsäle, sind nunmehr auch gegen dieselben ge- sperrt worden.

Ausland.

Budapest, 7. Juli. Die Polizei verhaftete aus Ersuchen der Petersburger Geheimpolizei einen gewissen Konstantin Dronkowsky, welcher die thierärztliche Academie besuchte. Er soll ein gefährlicher Nih ilist und bereits aus Frankreich und der Schweiz ausgewiesen sein. Die beschlagnahmten Briefschaften sind äußerst compromittirend. Dronkowsky wird des Landes verwiesen.

Karwin, 7. Juli. Heute Morgen 9 Uhr fand in der Kanzlet des Johannschachtes infolge des Ausströmens von Grubengasen eine heftige Explosion statt. Der Platzmeister Samek und zwei Aussichtsorgane wurden schwer verletzt.

Rom, 7. Juli. Das gesammte Personal der päpst­lichen Druckerei ist plötzlich entlassen worden, weil die Correcturbogen der letzten päpstlichen Encyklika acht Tage vor dem osfiziellen Erscheinen in den Besitz der französischenPresse" gerathen sind. Mit der Untersuchung der Angelegenheit, der auch ein hoher Würdenträger im Vatican zum Opser fallen dürfte, wurde Kardinal Mocenni betraut.

Rom, 7. Juli. In Turin wurden wegen Spionage­verdachts zwei Franzos en.verhaftet, von denen der eine Offizier sein soll.

Rom, 7. Juli. Die italienische Kammer wird voraussichtlich Ende dieser Woche, nachdem sie das Aus- nphmegesetz gegen die Anarchisten angenommen, in die Ferien treten.

Paris, 7. Juli. Das Bestehen einer int er Nation alen Verbindung der Anarchisten kann als sicher gelten. Gestern in Marseille gelegentlich zahlreicher Haussuchungen bei Anarchisten beschlagnahmte Papiere beuten darauf hin.

Die auf vielen Setten gehegte Erwartung, Frankreich werde in Folge der Ermordung Carnots die Anregung zu internattonalen Vereinbarungen gegen die Anarchisten geben, scheint in Erfüllung zu gehen. Wenigstens wird aus Brüssel gemeldet, der dortige Gesandte Frankreichs, Bourrv, habe dem belgischen auswärtigen Amte eine Note seiner Regierung überreicht, welche die belgische Regierung zur Betheiligung an einer in Paris abzuhaltenden internationalen Conferenz zur Bekämpfung des Anarchismus einlade. Darüber, ob auch in anderen europäischen Haupt­städten von der französischen Regierung ein gleicher Schritt unternomen worden ist, verlautet allerdings noch nichts. In­zwischen gehen die Verhaftungen von muthmaßlichen oder angeblichen Mitschuldigen Caserios weiter. U. A. wurde