Amts- uni* Anzeigeblatt für den Gieren.
chratisöeitage: Gießener Kamilienökätter.
Feuilleton-
Adam, während er Hals
er
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bunt über Ecke, und Gerichtstag Und einen wunderlichen Traum hat
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Exote.
Schlosser.
Perrücke gejungt Gutes, gesteht er durcheinander und obendrein heute, gehabt:
Mir träumt,
es hätt ein Kläger mich ergriffen vor den Rtchtttubl mich; und ich,
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Mit diesem Ausblick In das Kommende schließt die dritte Scene und damit jener Theil, der in Dresden vollendet wurde: ein Abschnitt für sich, wie man leicht sieht, der glänzend in die Vorgänge einführt.
Mit dem Erscheinen des Rathes setzt das eigentliche Stück ein. Statt sich bewirthen zu lassen oder die Kaffen zu revidiren, befiehlt er, in seiner Gegenwart den Gerichtstag abzuhalten; die Figuren, die wir aus dem Bilde kennen,
Kadelburg.
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B. Kruse.
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Und schleppte vor den Richtitubl mich; und ich, Ich säße gleichwohl auf dem Richtstuhl dort Und schält' und hunzt' und schllngelte mich herunter, Und judictrt den Hals ins Eilen mir. Draus wurden Beide wir zu Eins und flohn Und mutzten in den Fichten übernachten.
Brief
9.60 ff, 2O.A p 16.65
irein.
sins Saalbau:
Mrs zu Cassel Krug.
f. Kleist
Der chtetzeuer Anzeiger erscheint täglich, writ Ausnahme deS Montags
Die Gießener JamitteuvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
mar 1894-
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len Familie.
Der -erbrochene Krug
Ein Lustspiel von Heinrich von Kleist.
'(Fortsetzung.)
In seiner Gerichts- und Schlafstube sitzt Dorfrichter Adam und verbindet sich ein Bem, als sein Schreiber Licht zu ihm tritt- und auf die Frage nach der Ursache erhalt Licht verwirrte Antwort: Adam sei Morgens aus dem Bett gefallen und habe sich dabei seinen Klumpfuß verrenkt- das Gesicht habe er sich verletzt, als er sich am Ofen halten wollte und auSgeglitten sei- und Nase und Auge habe bei derselben Gelegenheit Schaden genommen. Dem hellsehenden Licht scheint alles das nicht recht zu stimmen, er meint, Adam stamme von einem lockeren Aeltervater, der so beim Anbeginn der Dinge fiel- es sei der erste Adamsfall, den er aus einem Bett hinausgethan - und er scheint eine richtige Evastochter hinter dem Abenteuer zu vermuthen. Auf unerwarteten Besuch bereitet er dann Adam vor: der Herr Gerichtsrath aus Utrecht ist unterwegs und wird noch heute eintreffen - und als Adam zweifelt, daß der wackere Mann, der .selbst sein Schäfchen schiert, so unerwartet kommen sollte, ihn zu quälen, erinnert ihn der Schreiber, daß es nicht mehr der vorige Rath ist, sondern ein neuer, der revidirt. Noch immer kann Adam nicht glauben, daß das geheiligte Herkommen, sich durch die Finger zu sehen, jetzt abgestellt sei- auch Rath Walter hat ja seinen Amtseid geschworen und weiß, was Brauch und Recht in Niederlanden. Erst als er hört, daß im Nachbardorf schon der Richter seinen Richter gefunden, und, als er Knall und Fall vom Amt suspendirt worden, sich erhenkl hat am Sparren seines Daches, — sährt ihm der Schrecken in die Beine- und nachdem seine leichtlebige Anschauung den Betroffenen in einem Äthern einen liederlichen Hund und eine ehrliche Haut, mit der sichs gut zusammen war, genannt, kommt er auf die näher liegenden Sorgen. L _
Obgleich er den Licht einmal über das andere seinen Gevatrer nennt, traut er ihm nicht recht über den Weg und sucht ihn auf alle Fälle zu gewinnen- auch Licht will wohl gern Dorsrichter werden, und er hat auch alle Anwartschaft darauf, aber heut ist noch nicht der Tag dazu, heut soll er schweigen, wie zu seiner Zeit der große Demosthenes. Er sagt ihm Schmeichelhaftes über seine Bildung und lobt seine Kenntniß des Cicero und seine wohlgesetzten Reden- er gesteht, daß er selbst auf das Periodendrehen verzichtet, aber doch ohne allzu große Furcht dem Gerichtsrath entgegensieht- höchstens einen Schwank, nächtlicher Weile geboren und dem Tageslicht fremd, hat er sich vorzuwerfen- und am Ende scheint ihm auch kein Grund, warum ein Richter — wenn er nur nicht gerade auf dem Richtstuhl fitzt — gravitätisch sein soll wie ein Eisbär. So bittet er den Schreiber beruhigter, in die Registratur zu solgen: denn die Actenstöße liegen dort wie der Thurm von Babylon, und Ordnung muß geschafft
Gießener Anzeiger
chenerat-Mzeiger.
treten auf, Frau Marthe, die Mutter, Evchen, die Tochter, Ruprecht, der „junge Bauerkerl", und nach einem schier endlosen Hin und Her geht trotz allen Versuchen des Richters, die Schuld zuerst auf Ruprecht, dann auf einen Schneider Lebrecht zu wälzen, sein Traum in Erfüllung: er wird als der Krugzertrümmerer entlarvt, sein unglücklicher Versuch, Evchen durch schnöde Vorspielungen zu gewinnen, liegt am Tage und Dorfrichter ist er gewesen.
Mit der heitersten Lebendigkeit sind diese Vorgänge entwickelt. Wir sind wirklich in den Niederlanden und mit streitem Pinsel malt der Dichter in behaglichem Realismus ein Genrestück aus, saftig und echt im Colorit. Eine Fülle bezeichnender Züge steht ihm zu Gebote und sorglos streut er seinen unerschöpflichen Schatz aus, hier dem Localton, dort der Characteriftik zum Vortheil. Vor Allem sein Adam ist mit einer Anschaulichkeit ohne Gleichen entwickelt. Em Sünder wohl, aber kein Bösewicht steht vor uns, ausgestattet mit all rer Schwäche, die unseres Fleisches Erbtheil. Er ist kein Betrüger und Defraudant, wie der Richter Pfaul im Nachbardorf, aber doch der unwürdigste Vertreter der irdischen Ge- I rechtigkeit: unsittlich, unwissend, unordentlich und — dies | über Alles — unwahr. Zwar liebt er es, mit gelehrten Phrasen seine Rede aufzuputzen, aber wenn er auch den Pufendorff und den König von Macedonien, die Pythagoreer und den Cicero nennt, wir merken, daß es ihm nur Worte ohne Inhalt sind. Unordentlich wie in seinem Kopfe schaut es in seinem Hause aus: die Perrücke muß die Magd im Bücherschrank suchen, Käse und Schinken, Butter und Wein bringt der Dorfgourmand in der Registratur unter, die Braunschweigerwurst wickelt er in Pupillenacten. Daß in der Wahrheit der Richter Allen vorangehen soll, ahnt er nicht, Lügen sind ihm das natürlichste Ding von der Welt, und, ein zweiter Falstaff, merkt er es kaum, wenn er eine ausspricht. Auch daß seine Lügen alle nur die kürzesten Beine haben, ficht seine drollige Unverfrorenheit nicht an: auf die erste setzt er keck die zweite und krönt sie mit der dritten, und unerschöpflich ist er, immer neue zu ersinnen, von Fall zu Fall.
Mit einem „ich weiß nun schon" lenkt der Schelm, wenn man ihn auf falscher Fährte ertappt, ruhig ein- aus dem einen Schlupfwinkel verjagt, findet er schnell einen andern, wenn auch gleich unsichern- und hat er eben gesagt, daß die Katze in der Perrücke gejungt hat, so kostet es ihn wenig, sie bald darauf mit einer neuen Wendung durch das Feuer verbrennen zu lassen. Selbst in Kleinigkeiten, und wo kein Interesse ihn bestimmt, wird er leicht unwahr- als der Gerichtsrath fragt, woher ihm sein Aufenthalt in dem Nachbardorf bekannt ist, antwortet er: „Eu'r Gnaden Diener —", obgleich in Wahrheit ein Bauer die Nachricht gebracht hat- und er muß sich darum, wie so oft, von dem schlauen Licht unterbrechen und rectificiren lassen.
Von dem Wesen des Rechts, von der Heiligkeit seines Amtes hat er nicht die mindeste Vorstellung, er practisirt nach den bestehenden Gebräuchen, ohne ihren tieferen Sinn zu erkennen, recht wie ein Handwerker. Daß es nur Ein Recht aibr, kommt ihm nicht in den Sinn, er kann Recht „so jetzt, jetzo so" ertheilen- und daß Themis ohne Ansehen der Person, mit verbundenen Augen, urtheilt, ist ihm nicht minder fremd. Je nach dem Stande der Dinge donnert er bald die Beklagten, wie das Urbild auf dem Kupferstich „als überwiesen an", bald gibt er ihnen Schmeichelworte: die eben „würdige Frau Marthe" hieß, ist jetzt eine „Vettel" und den „Schlingel", seinen Nebenbuhler, dem er zuerst kaum das Wort geben wollte, bittet er, da er einen andern als den nächtlichen Frevler zu entdecken glaubt, gütig: „Sprich weiter Ruprecht jetzt, mein Sohn". Dabei fühlt er sich durchaus in ter Würde feines Amtes, den Büttel anzurufen ist ihm geläufig, und als die Verhandlung ihren Anfang nimmt, läßt er die Worte hören, die wie bitterste Ironie aus seinem Munde kommen: „So nimm Gerechtigkeit denn deinen Lauf". Und selbst als seine Schuld klar zu Tage liegt, sträubt er sich, von dem Platz zu weichen, dessen er so unwürdig ist:
So lang' die Jungfer schweigt, begreif' ich nicht, Mit welchem Recht Ihr mich beschuldiget;
Hier auf dem Richterstuhl von Hutsum sitz ich Und lege die Perrücke auf den Tisch: Den, der behauptet, daß sie mein gehört, Fordr' ich vors Oberlandgericht in Ulrecht
Als er aber doch weichen muß und stampfend übers Feld entflieht, läßt ihn der Gerichtsrath zurückrufen und etwas wie Versöhnung scheint sich anzubahnen — um der gebrechlichen Einrichtung der Welt willen.
Die satirische Absicht in alledem liegt zu Tage, aber mit dem Tact des echten Dichters vermeidet Kleist, sie mit unpoetischen Mitteln auszusprechen. Nur um seiner selbst willen I scheint dieser Sünder und Schelm auf der Welt zu sein, und I auch wer den liefern Sinn mißkennt, erfreut sich an der
strotzenden Lebendigkeit und der kaum in Worten auszuschöpfenden Komik der Figur. Für den „Characterschampieler", der den Namen mit Recht führt, war hier die lohnendste Aufgabe gestellt und von Friedrich Ludwig Schmidt bis auf La Roche und Döring hat sich mancher an ihrer Lösung mit Glück versucht. Wer Döring in der Rolle noch sehen durfte, mußte den heitersten Eindruck davontragen: seine quecksilberne Lebendigkeit, sein stets sprungbereiter Humor und sein reines schauspielerisches Temperament konnten fich nirgends glänzender bethätigen, als hier - und wie er den Ton bald der Vertraulichkeit gegen Licht, bald der Unterthänigkeit gegen de» Rath, bald der Unverschämtheit gegen die Kläger anschlug, haftet uns noch im Ohr, wie die pfiffigen Aeuglem spürend bervorblinzelten aus dem des Hauptschmucks beraubten Kahlkopf, wie er mit keckem, grellem Mienenspiel jedes Auf und Ab der Handlung begleitete, glauben wir noch zu sehen. Daß Döring über die Mitspielenden hinauswuchs und die Scene beherrschte, ist kein Vorwurf, denn auch Adam beherrscht die Scene, selbst im wörtlichen Sinne, nur einen kurzen Augenblick verläßt er sie- und die Mithandelnden, wie lebhaft immer sie der Dichter dargestellt hat, stehen in zweier Linie. Von ihnen haben auch wir nun in zweiter Linie 5U Rath Walter, der den Dorfrichter des Amtes entsetzt, hat doch selbst von einem Cato nichts. Ein wackerer Mensch aus dem Mittelschlage, der mit der Strömung geht: heute, da von oben herab der Wind strenger weht, auch seinerseits strenger als am Tage zuvor, morgen vielleicht wieder zur Milde geneigt. Den Richter Pfaul von Holla, dessen Kaffe» im bösesten Zustande gefunden worden, beurtheilt er noch mit einer gewissen Nachsicht, er glaubt zuerst an bloße Unordnung, und erst als jener sich erhängt, nimmt sein Vergehen „den Schein" der Veruntreuung an. Einen unliebsamen Vorfall nennt er das Erlebniß in Holla und bedauert, daß es ihm die heitere Laune stört, die in Geschäften uns begleiten soll, und ein kleiner Unfall, der ihn auf dem Wege getroffen — daß der Wagen gebrochen und er sich die Hand ein wenig verstaucht — macht die Laune nicht bester, mit der er bei unserm Adam eintrifft. Doch weiß er Haltung und Würde voll zu wahren, er ist sich feiner Überlegenheit gegenüber diesen Unstudirten, seines Ranges und seiner.Stellung bewußt und erfüllt die Pflichten der Repräsentation- er spricht m wohlconstruirten, schwungvollen Sätzen, und in gehobener Sprache hält er seinen kleinen Speech beim Eintritt. Er ist ein Rationalist und als die Zeugin Frau Brigitte, die die Spur des Klumpfußes und Adams Perrücke entdeckt hat, den Teufel für den Krugzertrümmerer hält, sieht er von der Höhe seiner Aufklärung auf das „blödsinnige Volk herab. Wenn er das Frühstück, welches Adam dienstfertig anbietet, ablehnt, so bringt er damit der Pflicht ein bewußtes Opfer - wenn er es später in einer Pauje doch annimmt, erweist er sich als ein trefflicher Kenner des Limburger Käses und des Niersteiner. Kurz, gegen Adam gehalten, den ganz unj würdigen, ist er zwar der gerechte Obere im Stile des vorigen Jahrhunderts, der die schreienden Nebel abstellt, sobald sie ihm nur zu Gehör kommen- aber im Ganzen ist es doch diesem würdig Bezopften mehr um die äußere Wahrung des Decorums zu thun, und daß die Ehre des Gerichts nicht bloßgegeben wird: von der eigenen, tieferen stt- lichen Auffassung hat ihm der Dichter mit künstlerischem Bewußtsein — nichts geliehen.
Für Walter wird es in jener Pause der Verhandlung einen Augenblick zweifelhaft, ob er Adam mit seinem Verdacht nicht doch Unrecht gethan hat, und, wie im Trauerspiel, tritt dicht vor der Catastrophe noch ein scheinbares Ausbiegen zu« Glücklichen ein. Nicht so für den schlauen Streber Licht, der seinen Namen nicht von ungefähr führt: von allem Anfang beurtheilt er den alten Adam richtig, er kennt den OedipuS, der den Krug erschlagen hat, und mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgt er der Verhandlung Er lauert auf den richtigen Augenblick, wie der Fisch unter dem Wasser, der die Mücke fangen will: bereit zuzuschnappen. Er ist überzeugt, daß der Moment der Enthüllung kommen muß, der ihn ans Ruder bringt und wartet nun in aller Ruhe und nicht ohne Humor auf ihn. Es macht ihm Spaß, die Situation zu überschauen, und händereibend sitzt er daneben und verlchacft noch die Verlegenheiten des Gevatters. Als nach einer entscheidenden Aussage ihn Adam fragt, ob er sie im Protvcoll bemerkt habe, antwortet er mit einem lakonisch vielsagenden. o ja" ; und als die Reihe an Evchen ist und Adam wieder fragt, ob er bereit sei, bejaht er wieder: „Und brechen eigenes Blatt mir, begierig, was darauf zu stehen kommt. So tritt, nachdem er noch die entscheidende Zeugin, Frau^tgitte, wenig angeleitet und auf den Weg gebracht hat, das Erwartete endlich ein, und der Nachfolger AdamS wird Ge vatter Licht. (Fortsetzung folgt.)
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Ein Bedienter, der in diesem Augenblick eintritt, setzt ihn in neue Aufregung: der Gerichtsrath läßt seinen Gruß vermelden, gleich wird er da fein. Adam, während er Hals Über Kopf Toilette macht, spricht etwas von Kranksein und Entschuldigenlassen- dann verlangt er nach einem Frühstück für den Rath und nach seiner Perrücke. Der Bediente empfiehlt sich kopfschüttelnd aus dieser tollen Wirthschaft, die Magd kommt ohne die Perrücke wieder und erinnert Adam daran, daß er am gestrigen Abend mit kahlem Haupte und blutend zurückgekommen sei. Derb befiehlt er ihr, mit dem Gewäsch zu schweigen und erklärt dem auf Alles merkenden Licht, mit einem plötzlichen Einfall, daß die Katze in seiner habe, das Schwein! Ihm ahnt nichts mit einem Seufzer: es geht ihm Alles .....
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