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8.7.1894 Drittes Blatt
 
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Nr. 157

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1894

Drittes Blatt. Sonntag den 8. Juli

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falgenben Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. | IU11 IC IIUIU1 ICC. Anzeigen für denGießener Anzeiger8' entgegen.

Deutsche- Reich.

Berlin, 7. Juli. Die Dispositionen für die Heimreise der Kaiserin aus Norwegen scheinen wiederum eine Abänderung erfahren zu haben. Wie ver­lautet, wird sich die Kaiserin von Trontheim aus per Bahn nach Christiania begeben und dann an Bord der Kreuzer­fregatteStein" nicht des SchulschiffesGrille" die Ueberfahrt nach Kiel antreten. Später nimmt die Kaiserin Aufenthalt auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kaffel, wo die kaiserlichen Kinder zur Stunde bereits weilen.

Der König von Sachsen stattete nach Beendigung seines Aufenthaltes am Hofe von Darmstadt noch der Kaiserin Friedrich in Schloß Cronberg einen Besuch ab. Auf der Rückreise nach Dresden machte der erlauchte Monarch längere Station in Eisenach, woselbst er vom Donnerstag Mittag bi- 71/2 Uhr Abends in Gesellschaft des Erbprinzen und der Erbprinzesfin von Sachfen - Meiningen verweilte. Am Freitag in der ersten Morgenstunde traf der König wieder in Dresden ein.

Ueber die muthmaßltche Stellungnahme deS BundeSrathes in Sachen deS Jesuitengesetzes gehen verschiedene Gerüchte und Nachrichten durch die Presse, die indessen sämmtlich mit Vorsicht aufzunehmen sind. Auch die anderweitige Meldung, wonach angeblich der bayerische Antrag auf Wtederzulaffung deS Redemptoristen-Ordens vom BundeSrathe bereits angenommen worden sein soll, bedarf noch

der Bestätigung, denn es ist nicht erfindlich, in welcher Sitzung der genannten Körperschaft dies geschehen sein soll. Man kann darum wohl auch die Muthmaßung, die bayerischen Vertreter würden als Aequivalent für diesen behaupteten Bundesrathsbeschluß in Betreff der Redemptoristen gegen die vom Reichstage beschlossene Aufhebung des Jesuitengesetzes stimmen, auf sich beruhen lassen, im Uebrigen heißt es, daß noch gar nicht alle Bundesrathsbevollmächtigten mit den endgiltigen Anweisungen für die Abstimmung Über das Jesuitengesetz versehen worden seien.

Der Bierboycott in Berlin ist in das Stadium der Einigungs-Versuche eingetreten. Am Donnerstag hat die erste Besprechung zwischen hierzu ermächtigten Mitgliedern der Boycott - Commission und den Vertretern der Brauereien stattgefunden, wobei das Gewerbegericht vermittelte. Ueber das Ergebniß dieser ersten Conferenz verlautet noch nichts Bestimmtes, indessen erscheint eine Einigung bei fortgesetzten Verhandlungen nicht aussichtslos.

Neuere Nachrichten aus Gl atz bestreiten entschieden, daß die freigelassenen französischen Offiziere Degony und Delguey bei ihrer Abreise von Glatz vom Publikum mit Blumen beworfen worden seien, ebensowenig habe man den Herren irgendeine andere Ovation dargebracht. Nun, über diese Richtigstellung kann man sich im Interesse der Wahrung der nationalen Würde des deutschen Volkes nur freuen!

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

von Sonntag den 8. Juli bis Sonntag den 15. Juli.

Sonntag den 8. Juli, Nachmittags von 4 bis 10 Uhr (Pause von 68/< bis 78/< Uhr): Concert von der Capelle deS Füsilier- Regiments von Gersdorff (Hessisches) Nr. 80 aus Homburg. fDie Kurcapelle spielt bet gutem Wetter von 6 bis 8 Uhr am Tetchhause. Zutritt frei. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Gastspiel des Frl. Lora Fels von Darmstadt. Die Grille. Montag den 9. Juli, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8y8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Bet gutem Wetter von 5 bis 7 Uhr: Kinderfest auf dem abgesperrtm nordwestlichen Theil der Terrasse, geleitet von Herrn Alberti aus Berlin. Abmds 8 Uhr tm Saale: Theatervorstellung. Charleys Tante. Dienstag den 10. Juli, Nach­mittags von 5 bis 7 und von 81/« bis 10 Uhr: Concert der Kur­capelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Concert der Altistin Frl. Ottilie Fellwock unb des Dtrectors des neuen Conser- vatoriums der Tonkunst zu Berlin und Pianisten Herrn Sally Liebling. Mittwoch den 11. Juli, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert und von 8 bis 10 Uhr: Mozart- und Wagner-Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theater­vorstellung. Dec Herr Senator. Donnerstag ben.12. Juli, Nach­mittags von 4'/, bis 7 Uhr: Concert der Kuicapelle auf der Terraste. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz. Freitag den 13. Juli, Nachmittags von 4'/a bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Orpheus in der Unterwelt. Samstag den 14. Juli, Nachmittags von 5 bis 10 Uhr (Pause von 7 bis7>/,Uhr): Doppel- concert des süddeutschen Männersextetts Bleicher aus Stuttgart und der Kurcapelle auf der Terrasse. Nachmittags 4 Uhr im Saale: Theatervorstellung für Kinder und Erwachsene. Der gestiefelte Kater. Sonntag den 15. Juli, Nachmittags von 4 bis 9'/r Uhr: Doppel- concert deS aus 70 Sängern bestehenden Mainzer Männergesang- veretns und der Kurcapelle.

Bemerkungen ?ur Frauensrsge.

(1. Fortsetzung.)

IV.

Wenn die Frauen die Zulassung zu den Studien der philosophischen Facultät erstreben, so denken sie dabei zunächst nicht an die geistigen Mittel zur Entfaltung einer freien wissenschaftlichen Thätigkeit, Schriftstelleret oder der­gleichen. Das ist Sache des Talents oder vereinzelter Fall und braucht nicht durch Behandlung der Frauenfrage geför­dert zu werden. Wir lassen deßhalb der Kürze wegen daS alles bet Sette und wenden uns der geordneten Berufs- lhätigkett zu, welche die Frauen auf dem Wege der aka­demischen Ausbildung vorzugsweise erstreben.

DaS ist daS Lehrfach und zwar natürlich daS der Töchterschule und hier wieder, insofern eS sich über ele­mentare Thätigkeit erhebt und der Arbeit des akademisch ge­bildeten Mannes gleichgesetzt wird. Die Formel würde also in möglichster Deutlichkeit lauten: Studirte Lehrerinnen an Töchterschulen anstatt der Lehrer! Bis dahin, wenn es überhaupt je so weit kommen sollte, sind noch sehr viele Schritte zu thun. Einstweilen haben wir Uebergangsstadien vor uns, in deren eines wir bereits eingetreten find.

Die Frauen beanspruchen auf Grund ihrer bisherigen Ausbildung oder mit Hilfe eines Ersatzmittels für das aka­demische Studium (akademische Kurse") größeren Antheil an den Lehrstellen der Töchterschule, sowohl nach der Zahl der Stellen, als in der Wahl der Fächer. Sie begründen ihre Forderung einstweilen mit ihrer den Mädchen gegenüber größeren pädagogischen Qualification, welche den wissenschaft­lichen Desect ausgleichen soll. Diese Angelegenheit ist be­reits alsTöchterschulfrage" vielfach zum Gegenstand der Erörterung gemacht und, wie man durch die Zeitungen erfuhr, soll sie auch tm preußischen Cultusministerium zu allerlei einst­weilen noch unbekannten Erwägungen geführt haben. Scharf betrachtet ist eS gar keine Töchrerschulsrage, denn sie hat mit den Lehrzielen und Aufgaben der Töchterschule nicht viel zu thun, sondern eS ist eineLehrertnnenfrage", also ein Theil unserer Frauenfrage. Characteristlsch ist denn auch, daß die in derselben Arbeit stehende Männerwelt sich gegen diese An­sprüche der Frauen erklärt. Also wieder die Concurrenz, daS freie Spiel der Kräfte! Wer wird gewinnen?

DaS ist die gegenwärtige Lage. Versuchen wir, in ge­rechter Weise die streitenden Ansprüche zu beleuchten, als ob wir sie zu schlichten hätten. Die Frauen übersehen oder unterschätzen, was der studirte Mann aus seinem Schul­unterricht, auch dem schlechtesten, an formaler geistiger Schulung mitbringt, woran dann die Universität anknüpft und selbst bei mittelmäßigem Menschenmaterial immer noch g.anz leidliche Ergebnisse erzielt, mit denen auch die be- xabtere Frauennatvr in folgenden vier Fällen nicht con- cntrriren kann.

Zuerst Grammatik. Die Frau kann vielleicht vor- mesflich Sprachen lehren, Französisch, Englisch, vielleicht auch Deutsch, aber nicht Grammatik, wenn man diese ferner noch siür nöthig hält. Der Knabe hat auch auf dem mittel­mäßigsten Gymnasium fast durch jede Lection syntaktische

Formen beherrschen gelernt, so daß sie ihm so natürlich und durchsichtig erscheinen, wie Denkformen. Die Frau lernt das nie und kann es auch auf dem bisherigen Wege nicht lernen. Die Thatsache ist so einfach, daß sich unter Kundigen darüber gar nicht streiten läßt. Weitere Ausführung ist deßhalb überflüssig.

Ganz dasselbe gilt zweitenS^für die Geschichte, wenn es sich dabei nicht etwa nur um sogenannten schönen, an­regenden Vortrag handelt, sondern um wirkliche, durchdringende Auffassung. Dieser Satz wird noch weniger Widerspruch finden als der erste.

Mehr vielleicht der dritte, den ich gleichwohl wage. Es gibt wenig Frauen, die scharf und sicher rechnen, so merk­würdig das klingt: ich denke nicht etwa an Mathematik, son­dern an daS einfache Rechnen. Denke jeder meiner etwaigen Leser zu seinem eigenen Nutzen darüber nach, gehe er unter das Volk, in die Ladengeschäfte, denke er an (gebildete Frauen seines Umganges- er wird erfahren, was ich erfahren habe- es gibt außerordentlich wenig Frauen, die schnell und sicher rechnen. An den wenigen, die man findet, wird man immer einen besonders scharfen, klaren Verstand zu bewundern haben. Aber mit solchen Ausnahmeexemplaren kann man doch nicht viele Lehrstellen besetzen.

Viertens bezeichne ich innerhalb des naturwissenschaftlichen Unterrichts die Physik als entschiedene Renonce, ohne in­dessen darauf großen Nachdruck zu legen, da die Frauen­bildung leicht empfindlichere Lücken zeigen kann als diese, die noch am ehesten zu verschmerzen wäre.

Gegenüber diesen geringeren Werthen beruft sich die Frauenemanctpation auf den höheren Werth der Frau in erzieherischer Hinsicht. Nach dem, was ich darüber ge- hört und selbst erfahren habe, dürfte vielmehr etwa Folgendes richtig sein: Verheirathete Lehrer werden im Allgemeinen unverheiratheten vorgezogen. Ein unverheirateter Mann ist nach einem gewissen Lebensalter überhaupt doch nur ein halber Mensch und über des Lebens Mitte hinaus reducirt sich sein Werth etwa noch bis auf das letzte Viertel. Sollte es bei den Frauen, als Lehrerinnen wenigstens, anders sein? Wo­her aber will man verheirathete Lehrerinnen nehmen und wie soll eine verheirathete Frau einen so geregelten Beruf er­füllen? Der erzieherische Werth der Frau zeigt sich nach dem Urtheile vieler Väter darin, daß die kleinen Mädchen sich über die Verstimmtheit, Nervosität und Unberechenbarkeit ihrer Lehrerinnen oft zu beklagen pflegen, während sie doch bei Lehrern reiferen Alters Strenge und Willkür wohl zu unterscheiden tm Stande sind. Ich für meinen Theil würde unsere höheren Töchter aufs Herzlichste bedauern, wenn sie in eine ganz von Damen besetzte und vollends von einer Dame geleitete Schule kämen und bitte nicht die Verhältnisse der besseren und feineren Privattöchterschulen zum Gegen­beweis heranzuziehen. Denn in jedem Privatinstitut reguliren sich solche Mißstände durch die Rücksicht auf das Publikum, welche bei einer vom Staate oder von der städtischen Behörde bestellten Anstalt wegfallen würde.

Ich halte die Frage nach dem Antheil der Frauen an den Lehrstellen der Töchterschule nicht für sehr dringend. Der Agitation steht, wenn ich mich nicht täusche, ein ziemlich ent­

schlossener Widerstand der Männer entgegen. Und ich glaube, das Publikum, die sogenannte öffentliche Meinung, wird hier nicht auf Seite der Frauen treten.

V.

Ganz anders läge ja diese Frage, und auch die den ärztlichen Beruf der Frauen betreffend, wenn die Mädchen- gymnafien bereits vorhanden wären und einige Male bis zur Entlassung von Abiturientinnen funktionirt hätten. Aber man ist ja erst tm Begriffe, sie einzurichten. Es lohnt sich wohl ein kurzer Blick in die Zukunft.

Der Mann verdankt seine bevorzugte Berufsstellung dem langen, ungestörten, privilegierten Knabenunterrichte.Gieb mir die Zett und die Gelegenheit", meint das Mädchen, dann springe ich ebenso weit, wie du." Das etwa ist der Standpunkt. Wird man von hier aus die Frauenfrage lösen? Es fällt mir nicht ein, zu bestreiten, daß eine Anzahl begabter Töchter wohlhabender Eltern bei gut geleitetem Unterricht dasselbe erreichen kann, wie ihre Brüder. Aber großen körperlichen Anstrengungen gegenüber ist das Mädchen von vornherein ungünstiger gestellt, als der Knabe. Vielleicht überwindet es sie nur mit Opfern, die der Gewinn nicht völlig aufwiegt. Auch wird ein Mißerfolg hier viel empfind- ltcher sein, als wenn der Jungesitzen bleibt". Auf jeden Fall beeinträchtigt dieser neue Gymnasialunterricht die Er- ztehung eines Mädchens tm Sinne der bisherigen Cultur- anschauung, und wenn schon jede Vorherbestimmung in Bezug auf den Weg eines Knaben etwas Peinliches, Unbequemes hat, so würde, falls das Mädchen sein Ziel nicht erreichte, <twas inzwischen Versäumtes als weitere Einbuße hinzuzunehmen sein. Wer das alles erwägt, wird mir zugeben: einen großen Zudrang werden die Mädchengymnasien nicht auszuhalten haben. Es wird aber zur Klärung streitender Ansichten führen, wenn einer Minderheit Gelegenheit gegeben wird, zu zeigen, ob sie Recht hat oder nicht.

Etne Lösung für weite Kreise könnte doch die Frauen­frage auf diesem Wege nur erfahren, wenn diese bevorzugten Abiturientinnen demnächst studierten und dann, ob innerhalb der vom Staate geschaffenen amtlichen Befugniß, oder in freier Thätigkeit, einen Beruf sich schafften, der sie ernähr te- denn das gehört in der Hauptsache immer noch zu einem Berufe. Sie müßten aber auch diesen Beruf trotz ihrer etwaigen Verheirathung fortzusetzen im Stande sein. Denn wenn sie das nicht könnten, wäre der ganze Weg umsonst gemacht. Ein Mädchen ist als zukünftige Ehehälfte in der Regel ge­wiß dem Manne nicht werthvoller, weil sie Aerztin, Lehrerin und vergleichen gewesen ist. Oder würde sie ihrerseits, weil betoeß sich nicht vereinigen läßt, ihren Beruf beibehalten und auf die Ehe verzichten? Kann fein! Folgerichtig müßte dann künftig ein Vater feiner Tochter, ehe er sie auf daS Gymnasium bringt, sagen:Liebes Kind, du mußt dich jetzt über dein Lebensziel entscheiden, ob du einmal u. s. w." Man sieht, zu was für unsinnigen Folgerungen man kommt, wenn man hier anfängt, sich etwas im einzelnen vorzustellen. Also das Mädchengymnasium ist für verhältnißmäßig wenige Töchter wohlhabender Eltern und wird übrigens nicht viel Nutzen, noch Schaden stiften. Unb nun zurück ins Reich der Wirklichkeit! (Schluß folgt.)