1894
Freitag den 7 December
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Vir. 287 Zweites Blatt
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Der Hießencr Anzeiger .ruiicint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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wurden 16 Kconenthaler zurückvergütet, welche er den Fran- zosen am Tage des Rückzuges auszahlte, um MunitionS. tranSporte abzuwenden.
Biel be cutenher sind die Posten, welche für Früchte, Fourage, Schlachtvieh, Getränke, Gesäße, Zehrgeld und Fuhrlohn, für g> leistete Kr.egsfrollnden, sowohl an die Kaiserlichen wie an die Franzosen beim Bormaisch und bet« Rückzüge aufgewandt werden mußten. Für das Krieg«- fahr 1796 zahlte die kleine Gemeinde 3539 — 6050 Mk., oder nach jetzigem Geldwerthe 30,000 Mk., was für die 300 bis 400 Seelen, die damals in dem Dörflein wohnten, eine ungeheure Summe ist.
Noch schlimmer wurde es im Jahre 1797. Durch die Schlacht bet Würzburg am 1. und 2. September 1796, in welcher Erzherzog Karl die Franzosen vollständig auf« Haupt schlug, floh der eine Theil der Armee nach Aschaffenburg, wo am 8. September die Division Bernadotte aufgerieben wurde, der andere Theil floh durch den Vogelsberg nach Gießen, wo die B dränger noch einmal gezüchtigt wurden, die Lahn hinab bis hinter die Sieg. Die harlbedrückten deutschen Landleute schlugen die Deserteure nieder, wo sic ihnen einzeln in die Hände fielen.
Im Frühjahre 1797 drangen die Franzosen aber von Neu-m vor. In der letzten Aprckwoche schlugen sie ein Lager bet H uchelheim (etwa eine halbe Stunde von Bingcnh- m) und foutagtrien öte ganze Gegend aus. Das Lager wucde zwar sehr bald wieder abgebrochen, aber Eu quartlerung blieb bis in den Herbst. Bmaenheim gerieth von Neuem in Noth und Bedrängniß und nahm Geld in Letdhecken, Echzell, Hochheim und Homburg auf. Mit dem DarlehenS- rcste von der Hanau-Lichtenbergischen Remkammer mutten für das Jahr 1797 rund 9788 fl. — 16 737 Mk, also nach jetzigem Geldwerthe etwa — 83,685 Mark, aus- genommen und verbraucht.
(Schluß folgt.)
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Feuilleton.
Kriegsschulden aus den FranMnKriegrn vor hundert Jahren.
W. Man lieft und hört oft von den großen Kosten, welche uns das Militär, insbesondere die neuen Einrichtungen verursachen , die in Folge der angenommenen Militärvorlage nothwevdig erscheinen. Es ist vieles Geld, was da aufgebracht werden muß, und die Schwierigkeit, eS zu beschaffen, ist groß. Wenn man aber bedenkt, waS ein Land erduldet, sobald der Feind darinnen haust, dann sind die aufzubringenden Summen gering. Die Leiden der Bewohner des mit Krieg überzogenen LandeStheils, Sorge, Kummer, Augst und Pein der Menschen aber können in Geld gar nicht umgerechnet werden.
ES gibt bis zur Stunde Gemeinden in unserer Provinz. welche an den Lasten noch zu tragen haben, die durch die Ftanzosenkriege vor hundert Jahren verursacht wurden. Eine oieser Gemeinden ist Bingenheim in der Welterau. 4 iefer Tage kamen uns zwei Kr i e g s ko ft e nr e ch nung e n aus den Jahren 1796 und 1797 zur Hand, aus denen wir den sreundltchen Lesern Einiges mittheilen wollen. — Die Franzosen drangen Anfangs Juli 1796 unter Jourdan über die Lahn vor und brachten den Oesterreichern in einem scharfen Gefechte bei Ober Mörlen eine Niederlage bei. Am 10. Juli 1796 rückte Sheber in Friedberg ein, am 12. Juli 1796 standen die Feinde vor Frankfurt a. M., am 15 Juli begann die Beschießung. Nachdem 180 Häuser abgebrannt waren, capitulirte die Stadt. Die Wetterau und die ganze Provinz Oberheffen wurde, wie der „Gießener Anzeiger" vor längerer Zeit des Näheren berichtete, hart mitgenommen. Auch das Dörflein Bingenheim. Geld war sehr rar. In ihrer Noth wandte sich die kleine Gemeinde an die Hanau Münzenbergische Rentkammer in Hanau und erhielt v n dieser ein Darlehen von 7000 Gulden, verzinslich zu 5 pEt. Hiervon wurden in 1796 zunächst aber nur 1250 fi.
Gießener Anzeiger
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verbraucht. Die fa-ierlidje Armee haue zum T e 1 ihre Wlnrer- I quartiere in der Gegend gehabt- um d.e Einlagerung eines I Hospitals zu verhüien, wurden 70 fl. an einige Herren SDffb ' ziere verabfolgt. Als die Franzosen kamen, b zahlte die
Gemeinde für Frücktc, Fomage, Vieh, Getränke und Gefäße 526 fl., später noch einmal 536 fl. Die französischen Herren Offiziere vertranken bei Herrn RegierunqSratb Zähl einmal 125 fl. und dann 187 fl. (Wir bem-rkcu, daß unter diesen Beträgen die Lasten und Ausgaben nicht verzeichnet sind, welche die Dorfbewohner persönlich zu leisten hatten, es handelt sich hier nur um die Extraausgaben aus der Gemeindekasse.) Aber nicht blos die Offiziere wußten auf Kosten der Deutschen zu leben, auch die gemeinen Soldaten verstanden eS, sich die Säckel zu füllen. Zum Beispiel am 19. Juli 1796 kamen drei Chasseurs nach Bingenheim und verlangten Pferde von der Gemeinde. Man gab ihnen 4 Karolin baaren Geldes, sie standen von ihren Forderungen ab und zogen davon. Die Karolin galt 11 Gulden, also rund 20 Mark. Die Cbaffeu's hatten mit den 4 Karolin demnach 80 Mark erpreßt. Da der Geldwerth vor hundert Jahren mindestens fünfmal höher war, als heutzutage, hatten die Freibeuter die statische Summe von 400 Mark nach heutigem Gelde davongefchleppt. (Bor huncen Jahren erhielt ein Arbeiter 8 bis 10 Kr-uzer = 23 bis 29 Pfg. Tagelohn - heute erhält er mindestens 1 Mk. 50 Pf. — 521/2 Kr.) Am 28. Juli 1796 kamen zwei Canoniere ä cheval nach Blngenheim, um einen Munitionstransport einzuquartieren. Die Bewohner genethen in Angst und scheuten ein Geldopfer nicht, die gefährliche Einquartierung los zu werden. Die zwei Kanoniere erhielien 10 Kronenihalcr (2 fl. 42 Kr.
' = 4 Mk. 60 Ps., folglich 46 Mk. ober ca. 230Mk.) Trinkgeld, • damit sie noch bis Sraden fahren möchten, waS auch geschah.
Man dachte wohl, wie es in dem bekannten Liede heißt: „Heiliger Sanct Florian, schon' unser Hous, zünd andre an." Zwei Tage später erschien ein Kanonier und requirirte vier Plerde, er wurde mit 2 Kronemhalern abgefpetst und zog vergnügt von bannen. An Herrn Regierungsrath Zühl
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13. u. 14. December 1894.
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