Reparatur an dem Sattel vorzunehmen und ein in der Nähe des Palais wohnender Sattler, der die laufenden Arbeiten des prinzlichen Marstalles besorgte, ward gerufen, um Aus- kunft zu geben, ob er die Reparatur übernehmen könne oder ob es sich empfehle, den Sattel nach London zu schicken. „Wenn Königliche Hoheit gestatten", sagte der Meister, zog sein Taschenmesser, trennte an einer Stelle eine Naht und brachte zum Erstaunen des Prinzen — seine eigene — Ge- schäftSkarte hervor. Der vorzüglich gearbeitete Sattel war — made in Germany.
* Die Gefahr des Etseubahu-Fahreus. Anläßlich des letzten großen Eisenbahn Unglücks von Apilly hat die Pariser „Revue scientifique" auf Grund umfassenden Materials eine Statistik aufgestellt, der wir- Folgendes entnehmen: Es sind in Frankreich bei Eisenbahnunfällen ums Leben gekommen: 1887: 0, 1888: 9, 1889: 6, 1890: 3, 1891: 54 (Saint. Mende) und 1892: 0. England weist für die gleichen Jahre folgende Ziffern auf: 25, 12, 88 (Armagh), 10, 5 und 21 - die Vereinigten Staaten die folgenden: 207, 168, 310, 285, 177 und 114. Die Zahl der von den Eisenbahnen beförderten Reisenden betrug in den nämlichen sechs Jahren (1887 bis 1892) in Frankreich 217, 224, 243, 241, 255 und 290 Millionen,- in England 733, 742, 774 819, 845 und 865 Millionen- in den Vereinigten Staaten 428, 451, 475, 492, 556 und 575 Millionen. Es kommt also in England ein ge- tödteter Eisenbahn Reisender auf 28 Millionen Reisende, in Frankreich einer auf 19 Millionen, in den Vereinigten Staaten auf 2—3 Millionen. Die entsprechenden Ziffern für einige andere Länder sind die folgenden: in Deutschland ein Ge- tödteter auf 10 Millionen Reisende, in Italien einer auf 6 Millionen, in Rußland einer auf 1 Million. Ist diese Statistik richtig, so ist das Reisen am wenigsten gefährlich in England- dann kommt Frankreich und danach Deutschland. In Italien ist das Reisen fast noch einmal so gefährlich wie in. Deutschland, in den Vereinigten Staaten 4—5 Mal und in Rußland sogar 10 Mal gefährlicher als in Deutschland. In Rußland ist also das Fahren mit der Eisenbahn am gefährlichsten. Bis jetzt hat man die Vereinigten Staaten in diesem Verdacht gehabt.
* Die Geheimnisse des Wursthaudels bei großen Volksfesten in großen Städten enthüllt folgende Bekanntmachung des Amtsvorstehers in Kalkberge-Rüdersdorf: „Die von den Händlern am Rüdesdorfer Knappschaftsfeste entnommenen 29 Wurstproben haben durch chemische Untersuchung ergeben, daß nur eine Wurst rein und gut war, und zwar die des Gastwirths B. zu Rüdersdorf. Die übrigen Proben wurden theils verdächtig, theils von Pferdefleisch herrührend befunden."
* Der Pariser Universitätsprofessor Paul Aubry, der in Monte Carlo 200000 Frcs. verloren hatte, jagte sich am Meereöftrande eine Revolverkugel in die Schläfe und war soforc tobt. In den Taschen des Unglücklichen fand man ein an den Polizeidirector gerichtetes Schreiben, in dem er seinen Leichnam dem Pariser anatomatischen Institut vermacht.
* Der Portier des Brüsseler Rathhauses starb vor einigen Tagen mit Htnterlaffung eines bedeutenden Vermögens, welches er sich müheloser Weise, nämlich dadurch erworben hatte, daß er den Fremden und Reisenden die Sehens« Würdigkeiten des RathhauseS zeigte. Man schätzte sein jährliches Einkommen auf 25,000 Francs. Unter den Bewerbern um den freigewordenen Posten figuriren, wie die Brüsseler Journale berichten, 33 Advocaten, 21 Ingenieure, drei Chemiker und ein — Astronom.
* Heilserum als Mittel gegen Diphtherie. Größtes Aufsehen in der medictnischen Welt wie in den Kreisen der Laien rufen die auf dem Congreß deutscher Aerzte und Naturforscher in Wien gemachten Mittheilungen über ein Heil-(Blut)-serum als Mittel zur Bekämpfung der Diphtherie hervor. Seit Kochs Tuberkulin hat es eine so große Erregung, ein so großes Aufsehen auf diesem Gebiete nicht gegeben. Praktische Erfolge, die auch von dem Leibarzt der Kaiserin von Oesterreich, Hofrath Widerhofer, rückhaltslos bewundernd constatirt worden sind, lasten jeden Zweifel an der Wirksamkeit der Heilserum verstummen. Bering, Ehrlich und Wassermann, der Schüler und Assistent des Geh. Raths Robert Koch, ernteten ungeheueren Beifall und laute Bewunderung. Ins
besondere wurde die Versicherung Behrings jubelnd ausgenommen, daß es lediglich eine Frage der Zeit sei, daß man auch andere Krankheiten, wie Cholera, Pneumonie, Typhus, vielleicht auch Tuberculose, auf diese Art heilen werde. Die Hauptschwierigkeit für die Anwendung des an Thieren erprobten Serums bei den Menschen habe in der Unmöglichkeit bestanden, das Mittel in genügender Heilstärke zu gewinnen. Behring gab einen historischen Ueberblick über die von ihm entdeckte Serumtherapie. Er constatirte, daß ihre Erfolge jetzt allseitig anerkannt seien, und wies statistisch nach, daß bei richtiger und frühzeitiger Anwendung des von Meister, Lucius und Brüning in Höchst am Main zu beziehenden Mittels allein in den nächsten 10 Jahren in Deutschland und Oesterreich l'/z Millionen Kinder gerettet werden können. Den Worten des Redners folgte stürmischer Beifall. Ehrlich- Berlin sprach über die im ElisabethkrankenhauS und in der Charite mit dem Diphtheriemittel erzielten glänzenden Erfolge. Von den an den ersten beiden Krankheitstagen in Behandlung genommenen 82 Fällen starben 2! Mit Abrechnung der schon agonalen, also beim Eintritt unrettbaren Fälle beträgt die Gesammtsterblichkeit nur 8 Procent. Der Redner constatirte, daß das Mittel von Meister, Lucius und Brüning in Höchst doppelt so stark und um das vierfache billiger ist, als davon Schewing in den Handel gebrachte. Besonderen Nachdruck legte der Redner nach den in Berlin gemachten Erfahrungen darauf, daß in Anbetracht der fast absolut sicheren und ganz unschädlichen Wirkungen des Mittels bei frischen Fällen Eltern und Aerzte die Kinder möglichst bald der Behandlung zuführen.
Schrffsnachrichten.
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof.
Bremen, 5. October. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdamvser Dresden, Capilän A. v. Collen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. September von Bremen abgegangen war, Ist gestern, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten tn Baltimore angekommen.
Univevfitäts - Nachrichten.
Rostock, 5. October. Der Professor der deutschen Literatur Reinhold Bechstein ist heute gestorben.
Technische Fortschritte.
— Verbrennung von Abföllen «nd Kehricht. Der Abfall aus Haushallungen, von Märkten, sowie auch aus Fabriken wird in England vielfach dadurch besetltgt, daß man ihn in eigenen Oef-n zur Verbrennung bringt, wozu dieser Kehricht meist selbst brennbare Stoffe in genügender Menge enthält. Diese Einrichtungen haben auch bet uns tn letzterer Zett einiges Interesse erweckt; es werden auf Grund eines Reiseberichts des Stadtrathes Bohm und des Rcgterungsbaumetsters Grohn in Berlin nunmehr VersuchSöfen verschiedener Constructton errichtet, um die Frage der Brauchbarkeit für unsere Verhältnisse, sowie die geeignete Ofenconstructton zu ermitteln. Es empfiehlt sich auch sicher für manche Fabrikation, von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen.
Eingesandt.
H. Gießen, 6. October.
Daß neben der erhöhten Taxe, welche bem-Unternebmer für die Tonnenabfuhr zugeftanden worden ist, jetzt auch eine öftere Ab- holung der Tonnen vorgenommen wild, belastet den Hautzeigen- thümer ganz wesentlich mehr.
Einsender dieses bezahlte früher im Ganzen 17.28 Mark daS Jahr und muß jetzt bei der gleichen Bewohnerzahl des Hruses fall das Doppelte, näolltch 31.20 Mark bezahlen. Dieser Betrag ist selbst für ein mittelgroßes Haus mit drei Familien jedenfalls zu hoch.
Sollte diese Klage allgemein empfunden werden, so wäre es doch nothwendtg, daß von Seiten der Interessenten gemeinsame Schritte geschähen, um diese außerordentliche Mehrbelastung auf das richtige Maß zurückzusühren.
Briefkasten.
Herrn A. B. Das Mittel ist noch zu neu und bedarf wohl erst reiflicher Eiplobung, als daß man eben schon das große Publikum hierüber aufregt. Wir würden dem ärztlichen Stand, fpectell der KlinikS-Directton, den denkbar schlechtesten Dienst leisten, wollten wir eben schon anfangen, in der von Ihnen gewünschten Form zu moniren. Red.
Kartoffelernte das Jntereffe der Leser finden und geben wir demselben nachstehend Raum:.....6. November 1893.
Werthes Fräulein! Aus ihren mir zugesandten zwei Postkarten ersehe ich, daß der Schaden mit der Kartoffelfäulniß auch Ihren Keller nicht verschont hat gleich dem Würg Engel in Egipten welcher auch nicht ein Haus verschonte. Daß Sie aber Ersatz verlangen, daß ist mir doch ein wenig hart als wenn ich der Uebelthäter wäre, der die Fäulniß hervorgerufen hätte, oder habe ich Ihnen wohl Vollkomme Kartoffeln verkauft die gegen alle Weltliche Geschicke gepanzert wäre. Ihre Kartoffeln sind vom Felde in die Tenne geschüttet worden, haben dort etliche Tage gelegen und dann sorgfältig gelesen sodaß mit Fleiß oder Wissen keine beschädigte oder faule dabei gekommen ist- hätten Sie bei der Lieferung faule Kartoffeln gefunden, dieselbe hätte ich allerdings wieder zurückgenommen, aber jetzt das thue ich nicht stelle es Ihnen aber frei sich anderweitig zu beschweren oder gar Klage zu führen, und wenn Sie Genuß dabei haben, werde ich auch beschwerde führen denn ich glaube durch die Fäulniß mehr Schaden zu leiden als Sie. ES sind von hier vielleicht 5—6 .hundert Cemner Kartoffeln nach . . . gekommen sind aber noch keine Anträge auf Ersatz laut geworden ohne Sie, oder glauben Sie wohl andere . . . Leute faulten ihre Kartoffeln nicht? Hochachtungsvoll H. A. C.
* Wie man der „Täglichen Rundschau" aus Dresden schreibt, hatte sich dieser Tage ein Wucherer allerschlimmster Sorte, der Pferdehändler Ehrlich, vor dem dortigen Landgericht zu verantworten. Derselbe hatte an drei Schüler einer Militärvorbereitungsanstalt 15 000 Mark gegen Wechsel und Ehrenwort geliehen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die jungen Leute statt des baaren Geldes drei Pferde und zwei Wagen mit in Zahlung nehmen mußten. Pferde und Wagen, die nur einen wahren Werth von höchstens 5000 Mk. hatten, wurden ihnen mit 10 000 Mk. berechnet, so daß sie nur 5000 Mk. baar erhielten. Später verklagte dec Wucherer einen der jungen Leute auf Zahlung des Wechsels, wurde aber mit seiner Klage zum Theil abgewiesen. Nunmehr wandte er sich an den Beklagten mit dem Ansuchen, er solle ihm für den bei der Klage gehabten Verlust einen Wechsel über 12 700 Mk. ausstellen, dann könne er von ihm wieder Darlehen erhalten. Leichtsinnigerweise ging der junge Mann hierauf ein, erhielt aber später trotz des Wechsels über 12 700 Mk. und zwei weiterer über 1000 und 1600 Mk. nur 200 Mk. baar ausgezahlt. Das Landgericht erkannte gegen Ehrlich (!) auf 8 Monate Gefängniß, 1500 Mk. Geldstrafe und 3 Jahre Ehrverlust.
* Wie der „Voss. Ztg." von BreSlau berichtet wird, veranstalteten die Abiturienten eines dortigenstädtischenGym- ""fiums einen Commers, nachdem die Prüfung mit sehr astigen Erfolgen abgeschlossen worden war. Bei dem mmerfe, der trotz des ergangenen Verbotes stattfand, hielt ' „Fuchsmajor" eine humoristische Ansprache, welche sich einzelnen Wendungen gegen die Lehrerschaft gerichtet haben l. Die Lehrerschaft fühlte sich verletzt und beschloß in« gebessert, dem Redner nicht nur das Abgangszeugniß vor- inthalten, sondern ihm auch zu erklären, daß er die Schule i) ein ganzes Jahr zu besuchen und alsdann die Reife- ifung zu wiederholen habe- er sei moralisch nicht für zulässig befunden worden. Die^Veranstalter des Commerses ffelten Carcerstrafe.
* Ein Wiedersehen. Ein deutscher Kaufmann in Tong- fing hatte bei einer festlichen Gelegenheit ein prachtvoll gear« beiteteß Tafelzierstück erhalten, das er als Probe chinesischer Kunstfertigkeiten an seinen Vater nach Geislingen in Württemberg sandte. Das sehr schöne Stück fand ungeteilte Anerkennung und Bewunderung - auf einmal aber entdeckte ein findiger Kopf auf der Rückseite einen kleinen Stempel „W. M. F." und bei näherer Untersuchung entpuppte sich die „echt" chinesische Arbeit als gutes Geislinger Fabrikat der Württembergischen Metallwaarenfabrik. Diese Geschichte erinnert an eine niedliche Episode, die der hochselige Kaiser Wilhelm I. als Prinz von Preußen erlebte. Dec Prinz hatte aus London einen vorzüglich gearbeiteten Sattel mitgebracht, der Zeugniß ablegte von der großen Kunstfertigkeit unserer Vettern jenseits des Kanals. Einmal war eine
Humoristisches.
Vom Ei des Kolumbus.
„Ick soll bot Huhn siub, bet bas Ei bes Kolumbus jelegt hat. Ne wissen Se, so 'ne Jemeinheit brauche ick mir nicht zu jefallen zu jelassen, als ob ick überhaupt Eier lejen könnte." Hier würbe ber Schlächtergeselle Friebrich Lehmann, der gegen den Arbeiter Wilhelm Hahn eine Privatklage angestrengt hatte, von dem Vorsitzenden ber 144. Abtheilung bes Berliner Schöffengerichts am Amtsgericht I in seiner Rede unterbrochen und aufgeforbert, den Sachverhalt ohne alle Abschweifungen zu berichten. — Privatkläger: „Soll jeschehen, hoher Herr Jerichtshof- aber Eier jelegt habe ich nun doch enmal nicht. Ick wäre ja jarnich böse, wenn ick et könnte, und meine Olle hätte jewiß ooch nischt jejen, wenn ick ihr auf diese Art in de Wirthschaft unterstützen thäte, aber wat nich is, bet is nicht unb betbrum —" Vorsitzenber: „Nun kommen Sie endlich zur Sache." — Privatkläger: „Na also, et war am Dienstag den 1. Mai, so jejen 9 Uhr Abends - ick wollte noch ’nen Kleenen hinter de Binde jießen und trat deshalb in de Destille an de Ecke von de Wrangelstraße. Da sehe ick nu den Hahn, welcher den 1. Mai bei etliche jroße Weißen feiert, und weil ick ihm kannte, fragte ick ihm, wat bet für ’ne Benehmigung wäre, wo er boch Vater von ’ne Familie is unb Kinber hat, sich hier in be Kneipe herumzutreiben. Er solle sich boch man lieber um seine Kücken kümmern als den 1. Mai feiern. Det wäre schon besser. Dadruf sah er mir nu sehr schief an unb meente so über be Schulter, ick möchte mir doch nich um unjelegte Eier so ufrejen. Na nu hören Se man an, kleene Kinder sind doch kcene unjelegte (Sier! Da lief mir boch meine Jalle en bisken über unb ick
erwiderte ihm, so'n Hahn hätte ich ooch noch nich jesehen, der fo wenig für seine Hühnerfamilie sorgte - er wäre ja schonst der reine Rabenhahn. Na, da wurde er aber borschtig. Wüthend rollt er seine Oogen uf mir und brüllte mir an, ob ick bet Huhn wäre, welchet bet Ei bes Kolumbus jelegt habe. Ne, sagte ick, sowat fiele mir nich im Trome in. Na, meente er, benn sollte ick ihm ben Buckel heraus —. Nun hatte ich aber genug, unb ba ich Eeenen Skanbal machen wollte und mir tief in Hahnen feine Seele schämte, so jing ick still meines Wejes. Aber bat er mir bet Huhn geschumpfen hat, bet bas Ei bes Kolumbus jelegt hat, bet kann ick ihm nich verzeihen. Dabafür muß er eine Lection erhalten." — Der Vorfitzenbe suchte zwischen Lehmann unb Hahn, der während der Verhandlung Widerklage erhoben hatte, eine Einigung zu erzielen und führte dem Ersteren vor Augen, daß er die Beleidigung des Hahn doch selbst hervorgerufen habe. Schließlich kam denn auch ein Vergleich zu Stande, nach welchem jeder Theil die Hälfte der Kosten übernahm.
In der Jnterimszeit.
„Wat, die letzten drei Tage wollen Sie sich nu ooch vom Dienst drücken?! Nich jenug, det Se man blos een eenzijes Jahr Soldat sind, wovon Se fast be eene Hälfte revierkrank waren und be andere ins Loch saßen —" „Aber, Herr Unteroffizier, die vierundzwanzig Stunden —" „Ach wat, verdividiren Se sich nich noch obenbrin! — Wat haben Se benn nu wieber?" — „Jräßliche Halsschmerzen, Herr Unteroffizier." — „Sehen Se mal an, Sie Pimpeljochen - ick jloobe, Ihnen lüsterts blos nach bet neierfunbene Blut- serjum. — Jrinsen Se nich, sonst laß ick Ihnen noch zu juter Letzt uff eenen Seen stehen, bis be erste Lerche trillert." — „Köhler, wat haben Se benn mit Ihr linkes Pebal
jemacht, bet sieht ja janz winbschief aus? — Auswärts b» Quante! — Noch mehr! — Potz Wetter, da is boch irgend wat nich in Orbnung!" „Herr Unteroffizier — ich — ich habe zwei — zwei rechte Stieweln an." — „Drum auch, Sie Schubjack, bet hab ick mir hoch jleich jebacht. — Ruff mit Sie uf be Bube! — Unb wenn Sie in bret Minuten nich in be richtje Verfassung wieber antreten,■ reiß ich Ihnen uff bis ans Kinn! — Ruhe im Beritt, ober ick zwieble Euch Schwefelbanbe, bet Ihr vor Angst Sttewelwichse schwitzt! — Linkes Ohr tiefer! — Rechte Schulter vor! — Bauch zurück, Sie Dickwanst! — Ihnen is wohl Stoob ober sonst wat in8 Jesichte jeflogen? Ihr Doge tatscht ja in eens fort.“ — „Des is'n Naturspiel unb wirb am Enbe noch een Jertschtenkorn werden, Herr Unteroffizier." — „Blödsinn, wat Se ba quasseln! Det sinb be Foljen von be Fettleber. Wenn Se bet besser inthetlen möchten, wat Ihnen Ihr Oller an Speck unb Wurscht zukommen läßt, benn würben Se nich so auSschlagen unb immerzu verpickelt sinb." — — „Wo haben Sie nun so lange mit Ihrer Corporalschast jestochen?" brummte bie Compagniemutter? — „Der Köhler —" „Ach, wat jeht mich ber Köhler an! Uebernehmen Sie bas Com- manbo — unb wenn ber Herr Lieutenant kommt, dann melden Sie ihm, daß ich zum Herrn Haupimann befohlen worden bin — —" „Stilljestanden! — Hensel, S e Quecksilber, ick habe Stilljestanden commanbirt. — Suxborf, bet jilt ooch for Ihnen. Wenn Sie sich noch mal kratzen, bann beantrage ick, bet Ihnen ber persische Jnsectenpuloerorben verliehen wirb." „Ha, ha, ha, ha!" lachte bie ganze Abtheilung. — „Aeh! äh! Onr'roffciäh, weshalb feixen Kerls wie Hamster?! Haben wohl wieder Witzkoller? Blase beisammen ?"! — „Zu Befehl, Herr Lieutenant! —" „Rechts—om! Bataillon — marrrsch!"


