gefunden zu haben. Als er wieder hinter dem vterglafe saß, bemerkte er plötzlich seinen alten Bekannten von weitem die Straße daherschreiten. Schnell eilte er nach Hause, zog die Thürklinke auS der Thüre, machte sie im Ofen glühend und steckte sie wenige Secunden vor dem Erscheinen des Gerichtsvollziehers wieder in die Thüre. Dieser griff fest zu und verbrannte sich die Finger derart, daß er lange Zeit daran heilen mußte. Der Thäter lachte sich hinter der Thür ins Fäustchen, soll sich aber auch die Finger arg verbrannt baden, natürlich auf eine andere Art, so daß er sie im Ge- fängniß heilen mußte. Der Beamte hat aber den Geschäfts« verkehr doch nicht unterbrochen, sondern hat nach wie vor seine Besuche abgestattet- er soll jedoch die Thürklinke auf ihren Wärmegrad streng untersucht haben, ehe er wieder zugriff."
• Ein vielversprechender Bürgermeister-Kandidat. Um den Bürgermeifterposten tu Wittenberg sind bisher 44 Bewerber aufgetreten. Die eigenartigste der 44 Meldungen dürfte folgende sein: „Berlin, den 23. Juli 1894. (Straße und Hausnummer.) Hochwohlgeborener Herr! Hochgeehrtester Herr Vertreter des Bürgermeisters in Wittenberg! Die Anzeige von dem Unglück, das die Stadt Wittenberg betroffen, erfüllt mich mit tiefem Schmerze. Laut dieser Anzeige sollen ja sehr Traurige städtische Verhältniffe herrschen! Treue und Glauben ist dahin. Euer Hochwohlgeboren trage ich die gehorsamste Bitte vor, mir umgehend zu benachrichtigen, da ich als Bürgermeister außerordentlich paffe wie bie Verhältniffe da liegen! Ich bringe eine reine Hand, strenge Pflichttreue und eine Ehrlichgefinnung mit: Beweis weine Atteste: Bin früher im Offizterdienst (Bursche) gewesen, Gutsbesitzer, Kaufmann, könne das Leben durch und durch, sowie das Allgemeine Landrecht, Polizeigesetze und Vorschriften. Hätte ich Aussicht, wenn ich mich persönlich vorstelle, gewählt zu werden? Unsere Familie stammt von Luter her,- wollen Sie nicht die Güte haben und mir schreiben, wie der Herr Landrath heißt und wo Er wohnt. Das ganz besondere Jntereffe für die Stadt Wittenberg und die Ver-
hältniffe bestimmen mich, mit ganzer Kraft meine Kenntniffe und mein Leben dar zu bringen. Ich habe die Ehre, mich der Gewogenheit Euer Hochwohlgeboren bestens zu empfehlen und verharre mit vollkommenster Hochachtung Euer Hochwohlgeboren N. N."
* Doppelte Kreide in Bayreuth. Ein Coburger Herr, der die diesjährigen Aufführungen im Bayreuther Wagner- Theater besucht hat, theilt einem dortigen Blatte mit, daß in einem neuen feinen Restaurant, welches ein Berliner Wirth dort eingerichtet hat, ein Teller Suppe 1 Mk. 50 Pf., zwei Eier 2 Mk., ein Beefsteak 4 Mk., ein Huhn 8 Mk. gekostet habe und daß^dtesen Preisen entsprechend auch die Bier- und Wetnpreise gewesen seien. Von diesem Restaurant, dem die Bayreuther gar bald den bezeichnenden Spottnamen „Unter uns" gegeben haben, wird noch Folgendes erzählt: Ein Bäuerlein habe auf Bestellung dorthin einen Sack Kartoffeln geliefert, und um etwa- zu verzehren, habe er, der natürlich die Preise nicht gekannt, sich einen Teller Suppe und ein GlaS Bier geben laffen. Nachdem er dies genossen, habe er fort gewollt und nach dem (Selbe für seine Kartoffeln ge- sragt. Da habe man ihm geantwortet, jetzt sei er noch 50 Pfg. schuldig. Der Bauer sei mit dieser Ausgleichung selbstverständlich nicht einverstanden gewesen und schließlich zur Polizei gegangen. Was diese ihm für einen Rath gegeben, hat man nicht erfahren.
* Huudehalsbäuder mit Diamanten. Im Pusterthal halt sich gegenwärtig der amerikanische Millionär Nennet auf. Derselbe macht keinen großen Aufwand, besitzt aber drei Hunde, deren Halsbänder mit Diamanten besetzt sind. Der Werth der Edelsteine jedes der Halsbänder wird auf 10,000 Francs geschätzt.
• Des Bruders Zacke. Lehrer: „Wie, Ernst, schämst Du Dich gar nicht, mit einer so zerrissenen Jacke in die Schule zu kommen?" — Schüler: „Nein, Herr Lehrer, denn es ist ja gar nicht meine, sie gehört ja meinem Bruder!"
Schiff-nachrichten.
— Der Postdampfer »Belgenland" der „Sieb Star Linie" ta Antwerpen ist laut Telegramm am 1. September wohlbehalten ta Newyork angekommen.
— Der Postdampfer „Friesland" der „Red Star Linie" ta Antwerpen ist laut TÄegramm am 3. September wohlbehalten ta Newyork angekommen.
Verkehr, Land- unfc VoUrwirthschaft-
Limburg , 5. September. Fruchtmarkt. Roth er Weizen, alter, X 12.15, neuer X 11.90, weißer Weizen X 00.00, Korn, neues, X 8.85, Gerste, neue, X 7.50, Hafer, alter, X 7 80, neuer X 590.
Stuttgart, 14. August. (Allgemeiner Deutscher Verstcherungs- Verein.) Im Monat Juli 1894 wurden 459 Schadenfälle durch Unfall angemeldet. Von diesen hatten 3 den sofortigen Tod und 3 eine gänzliche oder thetlweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbekasse starben in diesem Monat 35. Neu abgeschloffen wurden im Monat Juli 4186 Versicherungen. Alle vor dem 1. Mai 1894 der Unfall-Versicherung angemeldeten Schäden tacl. der Todes- und JnvalidttätS-Fälle sind bis auf die von 76 noch nicht genesenen Personen vollständig regulirt.
am 6. September Morgen« 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Sudanlage).
Barometerstand
? ff Z!
Lahn-Temperatur zwischen 11—12Vorm.: 4-11° R. (ßuft: +12°R.)
w fr
।
Thermometer min. 4- 4° R. max. + 60 R.
Hygrometer:
Trocken und schön-
«moer kung: Pie punktirte Linie bei der Barometerscala gibt den Stand de- vorhergehenden Tage- an.
Freitag, 21. September,
Nachmittags 3 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Möbelhändler Wilhelm «utzschrad in Gießen gehörige Hofraithe:
Flur 1 Nr. 233*/t0 — 74 qm. in der KaplanSgasse
öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, 9. August 1894.
Großh- Ortsgericht Gießen.
I. A.: Bogt. 6568
Acker
vor
qm
Acker
da»
2262
qm
btt»
Acker
qm
Acker
da-
qm
ftätte) daselbst, |
Flur 1 Nr. 974 — 75 qm Hofraithe da-
selbst,
ba»
3212 qm
Acker
Flur 25 Nr. 149 - 1081
auf
Acker
qm
Flur 25
da-
Acker
qm
bei
Acker
bei
Flur 31
Flur 31
Flur 2b Nr. bl — selbst,
der Rodhohl, Nr. 159 — 2694 selbst,
Nr. 90 — 2900
Flur 25 Nr. 52</10 - 3199 qm Acker daselbst,
Flur 25 Nr. 117 — 1850 qm Acker an der Warthe rechts am Aulweg,
qm der alten Sandkaute, Nr. 91 — 9125 qm Wiese der Sandkaute
selbst
öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 9. August 1894.
Großh. Ortsgertcht Gießen.
I. A-: Bogt. 6569
Freitag den 2t. Sept.,1 25 ^102,^-1781 qm auf
Nachmittags 3 Uhr, glut 25 Nr. 42 — 3488
sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die den bem Weiher,
Heinrich Klein Eheleuten in Gießen Flur 25 Nr. 43 — —" gehörigen Immobilien: । selbst,
Flur 1 Nr. 969 — 19 qm Hofraum mit mur 25 Nr. 44 — 2863
Stall auf dem Asterweg, । selbst,
Flur 1 Nr 970 —19 qm Hofraum (Mist- Flur 25 Nr. 45 — 2863
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 13. August 1894.
Großh. Ortsgertcht Gießen-
I. A-: Bogt. 6680
Freitag den 21. September,
Nachmittags 3 Uhr,
sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Kreiherr Bietor Hugo von Rordeck zur Rabenau gehörigen, in der Gemarkung Gießen gelegenen Immobilien: Flur 18 Nr. l“/lfio — 206 qm Acker zwischen dem Mittelweg und der Chauffee,
Flur 18 Nr. l,87/ioo - 312 qm Acker da-
Flur 18 — 41 qm Gras-
garlcn daselbst,
Flur 18 Str. 7 ®/w — 2049 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 9,«Vio-> — 3398 qm Hofraithe daselbst,
Flur 18 Nr. 8,2 — 2731 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 9,< — 2256 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 10 — 1663 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 11 — 1663 qm Acker baselbst,
Flur 18 Nr. 12 — 1662 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 13 — 2494 qm Acker daselbst,
Flur 18 Str. 16,7 — 2900 qm Acker daselbst,
Flur 18 Str. 18,7 — 6242 qm Acker daselbst,
Flur 18 Str. 14 — 3825 qm Acker daselbst,
Flur 18 Nr. 21 - 3400 qm Acker daselbst,
Flur 18 Str. 22‘/io — 2337 qm Acker daselbst,
Flur 18 Sir. 23,5 — 2082 qm Acker daselbst,
Flur 18 Str. 24,a»/ioo - 1712 qm Acker daselbst,
Flur 23 Nr. 149 — 6825 qm Acker auf dem Aulweg, hinter dem Weiher, Flur 23 Str. 157 — 1950 qm Acker da- Flur 23 N?158 — 5088 qm Acker daselbst,
Flur 24 Nr. 68 — 3350 qm Acker auf dem Barresgraöen,
Flur 24 Nr. 105 — 2819 qm Acker am halben Zehnten,
Flur 24 Nr. 106 - 2825 qm Acker da- selbst,
Flur 25 Nr. 48 — 3050 qm Acker vor dem Weiher,
Flur 25 Nr. 49 - 3213 qm Acker da, selbst.
Flur 25 Nr. 50 — 3212 qm Acker daselbst,
Grasversteigerung.
Montag den 18 ds. Mts., Vormittags 8 Uhr anfangend, soll das Grummetgras von den dem Marienstift Lich zustehenden etwa 100 Morgen Wiesen in den Gemarkungen Lich, Nieder- und Oberbessingen versteigert werden.
Der Anfang ist hinter dem Kirchhof an der Straße nach Grünbecg.
Lich, 3. September 1894.
7291____________Minheim.
Bekanntmachung.
Die auf Freitag den 7. September l. I. in hiesiger Gemeinde anbe- beraumte Grummetgras-Versteigerung fällt aus und wird
Mittwoch den 12. September, Bormitags um 8 Uhr anfangend, abgehalten.
Allendorf a. d. Lda., 5. Sept. 1894. Gr. BürgermeistereiAllendorf a. d. Lda. __Nein.________7292
Bekanntmachung.
Montag den 10. September, Vormittags 10 Uhr
sollen im Auftrage der Direction der „Grube Friedrich" bei Trais-Horloff 10472 Waggon Briketts auf Grund handelsgesetzlicher Bestimmungen durch den Unterzeichneten versteigert werden.
Zusammenkunft um 3/J0 Uhr an der Wirtschaft „Zur Grube Friedrich" in TraiS-Horloff. 7295
Hungen, 4. September 1894.
Seipel, Großh. Gerichtsvollzieher in Hungen. Die Grummcternte von zwei Morgen im Heegftrauch und drei Morgen in der Stephansmark ' zu verkaufen. 7228
t Näheres im Hessischen Hof, l.St.
Nadelholz-Samen.
Aus den Communalwaldungen von Gießen, Annerod, Alten-Buseck, Lollar und Wieseck wird die diesmalige Fichten- und Kiefernsamenernte im Submissionswege vergeben gegen Vorauszahlung unter den seitherigen Bedingungen, welche von den Submittenten nach Einreichung ihrer Offerten als rechtsverbindlich anzuerkennen sind. Die Offerten, mit der Aufschrift: „Submission auf Nadelholzsamen", sind getrennt an die einzelnen Bürgermeistereien bis längstens Dienstag den 18. September einzureichen, woraufhin die Eröffnung am 19. September, Vormittags 11 Uhr, erfolgt.
Gießen, den 5. Sept. 1894.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. 7307] I. V.: Grüneberg, _____________Beigeordneter._________
Großh. Hessische Staats- Eisenbahnen.
Verdingung der Lieferung von Ceulentröhren siir die
Aenbanlinie
Grimberg—Loudors.
Die Lieferung von cira
25 lf. m Cementröhren, 0,25 m weit, nebst 6 Kopfstücken,
230 lf. m Cementröhren, 0,30 m weit, nebst 38 Kopfstücken,
100 lf. m Cementröhren, 0,40 m weit, nebst 8 Kopfstücken,
55 lf. m Cementröhren, 0,50 m weit, nebst 4 Kopfstücken
auf den Bahnhof Grünberg soll öffentlich verdungen werben.
Die Bedingungen sind im BÜreau der unterzeichneten Behörde in Gießen, Frankfurterstraße 64, einzusehen oder von dort gegen vostfreie Einsendung von 70 Pfg. zu beziehen
Angebote sind posifrei und mit entsprechender Aufschrift versehen an die unterzeichnete Behörde bis SamStag den 22. September d. I., Vormittags 10 Uhr einzuretchev, zu welcher Stunde die Eröffnung derselben erfolgt-
Zuschlagsfrist 2 Wochen-
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