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7.8.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 182

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Ai««itienötäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag den 7, August________________________

Gießener Anzeiger

Generat-Wnzeiger.

1894

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Feuilleton.

Indische Fakire.

Don Ludwig Jakol.

(Schluß.)

In der Thal war Sir Maxwells Cigarre ausgegangen. DaS Kind erhob sich ohne Zögern, ohne auch nur einen Augenblick zu wanken und reichte seinem Herrn Feuer. Man kniff ihn, zog ihn hin und her- an der Aechtheit seines Schlummers war kein Zweifel- wir mochten noch so viel mit ihm reden, von ihm etwas verlangen, er verließ Sir Maxwell erst, als der Fakir, welcher allein mit ihm in Der- btndung stand, es ihm befahl.

Wäre der Chokra wach gewesen, der Fakir hätte nicht die Macht beseffen, sich von ihm ohne die Erlaubniß einer der Personen des Hauses ein GlaS Wasser reichen zu laffen.

Nun betrachteten wir die Schlangen. Ein mehr als außerordentliches Schauspiel erwartete uns - die Copra Capels lagen, von dem magnetischen Fluidum gelähmt, wie Zweige tobten HolzeS der Länge nach auf dem Boden. Sie hatten beim Einschlafen nicht einmal Zeit gehabt, die ihnen geläufige Stellung einzunehmen.

Wir näherten uns diesen gefährlichen Thieren, die für den Augenblick unschädlich gemacht waren- sie gaben keine Bewegung von sich und nur von Zeit zu Zeit verrieth ein leichtes, nervöses Zusawmevzucken, ein Schauder, der ihnen über die Haut lief, daß Leben tu ihnen wohnte.

Der Fakir forderte uns nun auf, sie in die Hände zu nehmen, was wir nach einigem Zögern auch thaten- wie groß aber war unser Erstaunen, als wir sahen, daß wir sie hochnehmen konnten, als wenn wir einen Stock in Händen hatten- sie befanden sich in einem Zustande völliger Katalepsie.

Ebenso leicht brachte Chibh - Chondor mit einigen wetteren Strichen den Chokra vom Zustande des einfachen Schlafes in den kataleptischen und führte ihn je nach unseren Wünschen von einem zum andern zurück.

Nachdem wir die Schlangen genügend betrachtet hatten, legten wir sie wieder auf den Boden, wo der Fakir eine nach der andern erweckte. Sobald eine jede Schlange den Gebrauch ihrer Sinne wieder erlangt hatte, legte sie sich ganz von selbst um den Hals und die Arme ihres Herrn.

Wir fragten nun den Fakir, ob er uns auch wohl, ohne uns einzuschläfern, seine Macht sühlen laffen könne. Er lächelte und bat uns alle, uns zu setzen. Nachdem wir seinem Wunsche nachgekommen waren, trat er auf uns zu und strich uns mehreremal über die Beine, deren Gebrauch für uns sofort unmöglich wurde- auch waren wir nicht im Stande, unsere Sitze zu verlassen oder aufzustehen. Ebenso leicht, wie er uns gelähmt hatte, befreite er uns wieder.

Chibh-Chondor beendigte seine Experimente mit dem merkwürdigsten Trick, den ich je in Indien gesehen habe und den ich meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Der Fakir ließ sich einen Stock geben, stützte sich mit

der linken Hand darauf, erhob sich, indem er die Beine kreuzte, blieb zwei Fuß vom Erdboden, unbeweglich, wie eine Statue hängen, ohne anscheinend eine andere Stütze zu haben, als den Stock, den er erhalten hatte. Wahrscheinlich lag darin nur ein einfacher Akrobatentrick, aber dennoch muß man gestehen, daß er die Leistungen unserer Gymnastiker bet Weitem übertrifft.

Als Chibh-Chondor seine Experimente beendet und sein Honorar empfangen hatte, näherte ich mich ihm und sagte:

Kann der Sohn des Gutnalh-Mana auf eine Frage antworten, die ich an ihn stellen möchte?"

Sprich, ich werde sagen, was erlaubt ist."

Ich möchte nur von Dir wissen, durch welches Mittel Du alle diese Wirkungen hervorbringst."

Ich habe nur ein Mittel, um diese Wirkung hervor­zurufen."

Und das ist?"

Die Kraft meines Willens."

Das ist alles?"

Die Brahminen selbst würden Dir nichts weiter darüber sagen können."

Dank, Chibh-Chondor.*

Salem, Saeb.

Dann grüßte der Fakir den Obersten und seine Gäste mit der Hand, wie er es beim Eintritt gethan hatte, huschte die Veranda hinunter und verschwand in der Richtung der Pagode, welche dem Siwa geweiht ist.

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