Ausgabe 
7.7.1894 Erstes Blatt
 
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^es Vorsitzenden, betreffend die schleunige Fertigstellung des bürgerlichen Gesetzbuches (Berichterstatter vr. Re atz-Gießen),- Besprechung und Beschlußfassung über die Frage, ob und in wieweit Beschränkungen der freien Advocatur zulässig sind (Berichterstatter Justizrath Dr. Pemsel-München und Justiz- rath Levy-Berlin)/ reichsgesetzliche Regelung des Schreiber­wesens u. s. w.

** Gegen Wafferverfchwenduug. Da in den letzten Tagen neben anzuerkennender Rücksichtnahme des Publikums leider immer noch Fälle von Wasserverschwendung, ja muthwilliger Vergeudung durch z. B. an öffentlichen Bentilbrunnen spielende Knaben wahrgenommen worden sind, so dürfte es gerechtfertigt erscheinen, an Zeugen solcher und ähnlicher bei gegenwärtiger Wafferknappheit doppelt Aergerniß erregender Wafferverschwendung die Bitte zu richten, be« obachteten Falles die Betreffenden ernstlich zu ver­warnen, da es ja nicht möglich ist, jeden einzelnen Brunnen ununterbrochen polizeilicherseits bewachen zu laffen.

** Coucerthaus Lahusteiu. Gestern Abend fand auf demLahnstein" die?. Quartett-Soiree der Familie Kruse statt. Für dieselbe lag ein äußerst fein gewähltes Programm vor und waren es besonders die Soli des Cellisten Herrn Heinrich Kruse (Fantasie von Servais) und des Violinisten Herrn Willy Kruse (Ballade und Polonaise von Vieuxtemps), die durch ihre Klangschönheit und gediegenen Vortrag entzückten. Wie wir hören, ist der Cellist Herr Hrch. Kruse für diesen Sommer nach Bad Majorenhof bei Riga engagirt und findet vor dessen Weggehen noch ein Con- cert am nächsten Dienstag statt, worauf wir hier besonders aufmerksam machen wollten. Die beiden letzten Concerte werden dann nach Ablauf des Engagements des Herrn Kruse zu Anfang September stattfinden.

** Das gestrige 5. Abounemeuts-Coucert unserer Regst meutsmufik in Steins Garten bot den zahlreich erschienenen Zuhörern ein reichhaltiges Programm, dessen historischer Theil ganz besonders das musikalische Jntereffe erweckte. Die Aus­führung der einzelnen Nummern ging unter der bewährten Leitung des Herrn Mufikdirectors Krauße mit gewohnter Präcifion und Sicherheit vor sich und erntete reichen Beifall.

** Die Prüfung im Hufbeschlag haben auf Grund der Verordnung vom 7. November 1885 im Juni l. I. u. A. bestanden: Johann Tobias Schenk aus Stammheim, Kreis Friedberg,- Wilhelm Ulrich aus Ober-Mockstadt, Kreis Büdingen/ Reinhard Walther aus Langd, Kreis Gießen/ Heinrich Berk aus Unter-Schmitten, Kreis Büdingen- Heinrich Greb aus Zahmen, Kreis Lauterbach/ Otto Knorr aus Langd, Kreis Gießen/ Karl Rein aus Wieseck, Kreis Gießen.

** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Dienstmagd Christine Elsaß er aus Beerfelden zur Straf­verbüßung, vom Amtsgericht 1/ Taglöhner Heinrich Ruppen­thal von Rockenberg wegen Sittlichkeitsverbrechen, vom Unter­suchungsrichter I Gießen / Arbeiter Johann Baptist S t e n g e l e aus Ueberlingen wegen Unterschlagung von 600 Mk., von der Polizei Offenbach.

** Unterschrift des Ausstellers bei Wechseln. Man schreibt uns: Die dritte Civilkammer des Landgerichts Frankfurt a. M., bekanntlich dje höchste Instanz in Amtsgerichtssachen, hat kürzlich unter Mißbilligung der gegenthetligen Ansicht der unteren Instanz eine Entscheidung erlaffen, welche für die Handelswelt von größter practischer Bedeutung ist. Das Landgericht hat darin nämlich ausgesprochen, daß aus Wechseln, welche der Aussteller nicht se lb st unterschrieben hat, sondern durch einen Bevollmächtigten (durch einen Prokuristen, Ehe' srau durch den Ehemann rc.) hat unterschreiben lassen, der Aussteller im Wechselprozeß nur klagen kann, wenn er mit der Klage eine Urkunde zustellen läßt, aus welcher sich die Vollmacht ergiebt, und daß die Nachbringung einer solchen Urkunde im Laufe des Prozesses, wenn sie nicht schon mit der Klage zugestellt wurde, unzulässig ist. Die Annahme, daß die Anstellung der Klage jedenfalls eine Genehmigung der Ausstellung enthalte, hat das Landgericht für unzutreffend erachtet. Da nun aber die Beibringung einer derartigen Urkunde in den meisten Fällen unausführbar und jedenfalls mit Schwierigkeiten und Zeitverlust verknüpft ist, so wäre unter diesen Umständen für derartige, nicht vom Aussteller persönlich ausgestellte Wechsel der schleunige Wechselprozeß practisch ausgeschlossen. Es ist daher angesichts dieses Spruches, insbesondere der Kausmannswelt, dringend anzu- rathen, Wechsel nicht mehr von Prokuristen ausstellen zu Waffen, da sonst die schleunige Wechselklage aus denselben nicht erhoben werden kann."

** Die Verpflegung der Truppen im Manöver wird in Folge einer neuen Anordnung eine wesentliche Aenderung er­fahren. Bisher gab es zwei Arten der Verpflegung: entweder die Gemeinde erhielt für die Beköstigung ihrer Einquartirung die volle Marschverpflegungsgebühr, d. i. 80 Pfg. bis 1 Mk. pro Mann, wofür der Wirth den Soldaten auf einen Tag vollständig zu verpflegen hatte, oder die Verpflegung wurde durch die Manövermagazine geregelt. In diesen wurde ge­schlachtet, gebacken, Kaffee, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Fleisch, Brod rc. an die besonderen Lieferungsempfänger einer jeden Compagnie ausgegeben. Diese brachten die Bedürfnisse oft 34 Stunden weit in die Quartiere, wo .bann getheilt wurde. Erst danach konnte die Zubereitung stattfinden. Es ist begreiflich, daß dieser Hergang sehr umständlich war und die Beköstigung der Mannschaften ost ungemein verzögerte. Zur Vermeidung dieser Widerwärtigkeiten soll fortan, wo es angängig ist, von der Magazinverpflegung abgesehen und jedesmal dem Quartierwirth die Verpflegung überlassen werden Als Vergütung wird hierfür der Werth der bisher gelieferten Magazinportionen gewährt.

** Schutz den Käfigvögeln.' Häufig bemerkt man bei jetziger Witterung, daß die Vogelbauer, in denen Vögel umherspringen, ohne irgendwelche Dachung zu haben, dem Sonnenscheine ausgesetzt find. Es empfiehlt sich daher, den gefiederten Sängern einen Schutz vor den brennenden Sonnen­

strahlen zu gewähren, da dieselben sehr peinigend auf die armen Thierchen einwirken.

** Genießt den Sommer. DieHygienische Correspondenz" erläßt folgenden äußerst zeitgemäßen Mahnruf: Die warme Jahreszeit lockt auch die ärgsten Stubenhocker in's Freie, die Vereinslocale stehen verödet und der eifrigste Präsident bringt keine Versammlung mehr zu Stande/ kaum daß die süße Gewohnheit noch ein paar unverdrossene Scatbrüder um den Stammtisch versammelt. Was nur ein Fünkchen Sehnsucht nach Lust und Licht hat, zieht Abends hinaus in die nächsten grünen Büsche und wären es auch nur die paar Oleanderbäume eines Biergartens, um den Lungen wenigstens ein Schlückchen frische Luft zu gönnen. Die Comites für die Ferienversorgung armer Kinder sind in vollster Thätigkeit, die Bäder und Sommerfrischen lassen ihre Reclamen los und die Cursbücher gehen ab wie warme Semmeln. Es kommt wieder die Zeit, wo man mit einigen Wochen Aufenthalt in gesunder Luft und bei vorgeschriebener, aber nie befolgter Diät die Sünden des Winters an der Gesundheit gut zu machen sucht. Gegen den Glauben zu kämpfen, daß das möglich sei, wäre Thorheit, er sitzt so fest, wie irgend nur ein Aberglaube sitzen kann / aber den Eltern wenigstens möchten wir im Namen und Interesse der Heranwachsenden Generation zurufen:Laßt es nicht bet einigen Ferienwochen für Eure Kinder bewenden/ gebt ihnen während des ganzen Sommers Gelegenheit, sich in frischer Luft und Sonnenschein zu tummeln, laßt sie nicht zu Hause sitzen, wenn die Schule aus ist, sondern schenkt ihnen so viel Freiheit, als möglich, um draußen zu spielen, Sport zu treiben, Märsche zu machen, damit die jungen Körper die Schlacken des Winters gründlich herausschwitzen! Und Sonntags, Ihr Väter und Mütter, marschiert hinaus mit Euren Sprößlingen, laßt sie toben, so viel es ihre Kraft und Lebenslust verlangt und die gute Erziehung gestattet. Ihr werdet selber wieder jung werden, wenn Ihr in den blitzenden Augen Eurer Kinder die Fröhlichkeit sich spiegeln seht.

n. Lollar, 5. Juli. Dienstag, 3. d. Mts. fand die außerordentliche, gut besuchte Generalversammlung des Veteranen- und Krieger-Vereins Ludwig zur Treue im Saale des Schönhofes statt. Der Vor­sitzende erstattete Bericht über das in jeder Beziehung würdig und schön verlaufene 50jährige .Stiftungsfest und gedachte dankend der Unterstützung, des Eifers aller Kameraden, der Ehrung durch die Anwesenheit des Vertreters der oberen Behörde, würdigte den starken Besuch der Hassia- und der hiesigen Vereine, die so lebhafte Theilnahme der ganzen hie­sigen Bürgerschaft und ganz besonders auch die Ehre, welche dem Verein durch Verleihung des Fahnennagels seitens des Präsidiums der Hassia zu Theil geworden sei. Es wäre aus allen nur die Bestätigung zu ziehen, daß Jeder mit hoher Genugthuung auf das Fest zurückblicken könne und mit Stolz erfüllt sei, dem so ausgezeichneten Verein als Mit­glied angehören zu können/ daß dies Gefühl und die Einigkeit im Verein allezeit und unter allen Verhältnissen gewahrt bliebe und somit die Vereinsehre weiter hochgehalten würde. Darauf schlug der Vorsitzende den letzten Nagel zum Fahnen­schild ein, während der vorletzte (fünfte) der Hassia und deren Präsidium geweiht wurde. Letzteres erhält, nebst Dank­schreiben, eine wohlgelungene photographische Abbildung der 152 Jahre alten Vereinsfahne, sowie ein aus drei Gruppen­bildern bestehendes Gesammtbild aller Vereinsmitglieder. Nach genauem Bericht beschloß später die Versammlung mit sämmtlichen gegen 2 Stimmen, das 50 Jahre innegehabte BereinslocalZum Schwanen" zu verlassen. Als Vereins­local ist der Schönhof gewählt worden, woselbst an jedem ersten Dienstag der Monate Vereinsabend stattfinden wird. Das Local wird schön geschmückt werden.

8. W. Aus der südlichen Wetterau, 5. Juli. Die warmen Julitage haben die Halmfrüchte, besonders den Roggen, der Reife bedeutend näher gebracht, er sieht ganz gebleicht aus und neigt sich unter der Schwere der Aehren. Wenn wir warmes, trockenes Wetter behalten, kann in acht Tagen mit dem Schneiden des Kornes begonnen werden. Die Frühkarto ffeln blühen reichlich und haben gut angesetzt, die Knollen sind jedoch noch weich und wässerig, versprechen aber eine gute Ernte. Der Preis der Kirschen ist bei uns auf 8 Pfg. herabgegangen. Durch verschiedene Regen in der abgelaufenen Woche haben die abgemähten Wiesen ziemlich Feuchtigkeit erhalten und ziehen bereits schönes Grummetgras. Frühäpfel- und Birnen werden bis zur Monatsmitte reif, Steinobst, wie z. B. Pflaumen und Mirabellen, bedürfen etwas länger. Die HauStraubenstöcke haben ziemlich gut verblüht.

A Rieder-Ohmen, 4. Juli. Die hiesige Spar- und Leih kaffe hat in ihrer kürzlich abgehaltenen General­versammlung einen Betrag von 50 Mk. ausgeworfen zur Prämiirung solcher Fortbildungsschüler, die sich brav und fleißig betragen haben während eines Fortbildungs- schulcursus. Berücksichtigt werden die Gemeinden des Spar­kassenbezirks Nieder-Ohmen, Atzenhain, Merlau, Wettsaasen, Bernsfetd, Ruppertenrod und Elpenrod. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß die Verwaltung der Spar- und Leihkasse für einen solchen guten Zweck ein Augenmerk gehabt hat. Die Wichtigkeit derartiger Zielpunkte wird meist bei Ver­wendung von Kaffenüberschüffen übersehen und doch sind solche Beträge ein Mittel zu dem Zweck, daß den jungen Leuten der Fortbildungsschule schon hierin der Lohn eines musterhaften Betragens vor die Augen tritt und dadurch ein Sporn gegeben wird, sich eines solchen zu befleißigen.

O Groh-Felda, 4. Juli. Gestern Abend, kurz vor 9 Uhr, brach aus bis jetzt noch unbekannter Ursache in der Scheune des Landwirths Schott Feuer aus. Dasselbe fand in den sehr gedörrten Heuvorräthen rasch Nahrung und bald stand die ganze Hosraithe in Hellen Flammen. Die dicht daran grenzenden Hofraithen der hiesigen Einwohner Eichenauer und Müller wurden gleichfalls vom Feuer ergriffen und waren nicht mehr zu retten. Dagegen gelang es der rasch

herbeigeeilten Ortsfeuerwehr, zu der sich bald die Feuern wehren der Nachbarorte gesellten, Vieh und Mobilar in Sicherheit zu bringen. Ein Glück war es, daß fast völlig Windstille herrschte, sonst hätte die Feuersbrunst, da in diesem Theil des Ortes die Häuser eng aneinander gebaut sind, sicher größere Ausdehnung genommen. Die Abgebrannten sind versichert.

§ Vom höheren Vogelsberg, 4. Juli. Während des gestern Morgen von Süden nach Norden ziehenden Gewitters wurde dem Landwirth und Kirchendiener Heinrich Schäfer in Crainfeld eine Kuh auf der Hutweite, unweit der Orts, erschlagen.

A Mainz, 5. Juli. Die Vorschläge des Bundesrathes betr, der Regelung der Sonntagsruhe im Brauerei­gewerbe haben den vollen Beifall der hiesigen Brauereien gefunden und sind dieselben in einer letzthin abgehaltenen Versammlung zu dem Beschlüsse gekommen, keine Aenderungen zu den gemachten Vorschlägen zu beantragen. Das jüngst hier abgehaltene deutsche Bundesschießen wird, allem An­schein nach, noch zu sehr unliebsamen gerichtlichen Nach­spielen führen. Die zwei Schützen, die man aus dem hiesigen Schützenverein ausgeschlossen hat, weil sehr begründete Anhaltspunkte vorhanden?, daß sie sich auf unerlaubtem Weg Preise verschaffen wollten, sind nämlich nicht gewillt, sich in ihr Schicksal zu fügen und bedrohen Jeden mit einer gericht­lichen Verfolgung, der in- oder, außer dem Schützenverein ihrer Handlungsweise unlautere Motive unterschiebt. Da sehr viel über die Sache gesprochen wird, bleibt es abzu­warten, ob die betreffenden Personen Ernst mit ihren Drohungen machen oder ob dieselben nur ein Schreckschuß sein sollen. Am meisten zu bedauern bet der ganzen Ge­schichte ist der arme Soldat, der an der einen in Betracht kommenden Scheibe als Zeiger thätig war und jetzt unter dem Verdacht, sich bestechen haben zu lassen, in Untersuchung gezogen ist.

Offenheim, 2. Juli. Tragische Geschichte. Ereig­nete sich da jüngst in einem Nachbarorte folgendes Histörle n, für dessen Wahrheit wir uns vollständig verbürgen. Einem Bäuerlein überkam jüngst der verwegene Gedanke, in den Keller zu gehen und sich einmal gründlich satt zu trinken an einem Fasse guten Naturweines. Gedacht, gethan. Der Mann steigt in den Keller, natürlich ohne Licht, verschließt hinter sich die Thüre, stößt denZapfen aus" ein guter Pfropfen kostet hier, unglaublich aber wahr, einen ganzen Reichspfennig greift nach dem Krahnen, kann ihn aber nicht finden und in weitem Bogen sprüht der Göttertrank hinab zu den finsteren Mächten!!Käth, Käth", ertönts nun verzweiflungsvoll aus den Tiefen, und wirklich war die gute Ehehälfte erschienen, rasselte an der Thüre, konnte aber nicht öffnen. Der Alte, der unterdessen mit dem dicksten Finger seiner Hand das Spundloch zuhielt, war resolut, konnte aber auch nicht gleich offnen und als das Tageslicht sich in den Keller stahl, war der Wein verlaufen:Drum, o Mensch, bezähme Dein Gelüste!"

Verruchtes

)*( Frankfurt a. M., 5. Juli. Eine Th ier car aw ane von über 100 ostafrikanischen Thieren, geleitet von einem tätotoirten Sudanneger und einem jungen Somali, ist im Zoologischen Garten eingetroffen. Fast alle im nördlichen Schutzgebiet Deutschlands häufigen Thierarten sind dabei ver­treten, manche in prachtvollen Stücken, so Panther, Leoparden, sudanesische und Somal - Strauße, verschiedene Antilopen, Perlhühner, ein prachtvoller afrikanischer Adler, kleine Nage- thiere und über 20 Affen. Es ist die Thiercarawane des Afrikareisenden Herrn Lenges aus Limburg a. d. Lahn, die derselbe allerdings unter beträchtlichen Verlusten nach Europa übersührt hat. Die schwarzen Wärter in ihrem rothen Fez und den langen weißen Gewändern bilden einen Hauptanziehungspunkt für das Publikum und die Thierhäuser sind voll von Schaulustigen. Wie wir vernehmen, wird sich der Garten die Erwerbung zahlreicher Thiere der Carawane an­gelegen sein lassen.

* Koblenz, 4. Juli. Die hiesigen Pioniere sind nach Elsenborn bei Malmedy zur Herstellung des neuen Corps- übungsplatzes abgerückt.

* Ulm, 3. Juli. Der Händler Weiher von Sangenau, der auf einer Fahrkarte das Datum ausradirt hatte, um die Karte einen Tag länger benützen zu können, wurde wegen Urkundenfälschung zu drei Monaten Gesängniß verurtheilt.

* Augsburg, 4. Juli. Bei Schwimmübungen mit Pferden des hiesigen Artillerie-Regiments scheute ein Pferd. Zwei Offiziere und ein Gefreiter stürzten in den Lech. Der Gefreite ertrank.

* München, 2. Juli. Ein gräßlicher Unglücks- fall ereignete sich gestern Sonntag Nachmittags kurz nach halb zwei Uhr in der Arnulfftraße. In einer Kaffeewirth- schaft an der Herbststraße befand sich die 26 Jahre alte Kellnerin Elife Micheluzzi, ein hübsches Mädchen, welches bisher in einer Wirthschaft am Glockenbach bedienstet und erst gestern aus dem Dienst getreten war, mit ihrem Ge­liebten. Mit diesem gerieth sie in Differenzen und lief ihm schließlich davon. Rasch eilte sie zur Arnulfftraße und wollte diese durchqueren. Hier war eben der um halb zwei Uhr abgegangene Dampfzug nahe und fuhr wegen des zu über­windenden Berges mit vollem Dampfe. Das Mädchen konnte indessen den Zug nicht sehen, weil ihm der Ausblick auf den Zug durch einen dem Zug nach links ausweichenden Spritzen­wagen versperrt war. Hinter diesem Wagen sprang nun die Micheluzzi vor und lief direct in den Zug hinein. Die Maschine warf sie über die Schienen zu Boden und die rechten Räder gingen ihr quer über den Leib, diesen in zwei Theile zerschneidend, die nur durch die Kleider zusammen- gehalten wurden. Ehe es dem zu Tode erschrockenen Loco- motivsührer Graf, der sofort Contredampf gab und die Luft­bremse in Thätigkeit setzte, gelang, den Zug zum Stehen zrr