Ausgabe 
7.7.1894 Erstes Blatt
 
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1894

Samstag den 7. Juli

Erstes Blatt.

Nr. 156

Amts- unb Airzeigeblatt für den Avers Greben.

Hratisöeitage: chießener Iamikienötätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «ofgrubcn Tag erfcheinuU-en Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Redaction, Expedition und Druckerei:

SäintstraKe ^r.7.

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Vierteljähriger

Avonnementspreia: 2 Mark 20 Pfg. mit Briugcrlühn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

I»amikienvtälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegr.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, aut Ausnahme deS Montags.

Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" ent. :.. .

Hichener Anzeiger

Aenerat-Mnzeiger.

Derrtscher Reich.

Darmstadt, 6. Juli. Wie man dem PariserTemps" auS Frankfurt mittheilt, hat Herr Staatsminister Fi n g er dem französischen Generalconsul in Frankfurt folgendes Schreiben gesandt:Die Nachricht vom Tode deö Präsi­denten der französischen Republik, herbeigesührt durch die Hand eines Meuchelmörders, hat hier, wie überall, die schmerzlichste Ueberraschung hervorgerufen. Die Großherzog, liche Regierung fühlt sich verpflichtet, ihr Beileid anläßlich der Trauer auszudrücken, in welche Ihr Vaterland durch das abscheuliche Verbrechen gestürzt worden ist. Auf Befehl Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs habe ich die Ehre, Sie, Herr Generalconsul, zu bitten, Ihrer Regierung die Gefühle aufrichtiger Sympathie mitzutheilen, welche die Re­gierung und die ganze Bevölkerung des Großherzogthums angesichts dieses peinlichen und bedauerlichen Ereignisses beseelen."___

Neueste Nachrichten.

Wolff« tLlegraphtfcheS Eorrefpondenz-Buresu.

Berlin, 5. Juli. DiePost" erfährt, im Befinden des CultuSministers Bosse sei eine Besierung eingetreten­es gilt noch keineswegs für sicher, daß der Minister sich werde versagen müsien, an den Universitätsjubiläen in Königsberg und Halle theilzunehmen. Sein Leiden tft eine acute Gallen­steinkolik. Im August gedenkt der Minister nach Karlsbad zu geben.

Berlin, 5. Juli. Eine Extraausgabe desKl. Journ." meldet, daß der Ceremonienmeister v. Kotze heute Abend auß der Haft entlassen wurde.

Kiel, 5. Juli. Am Dienstag Nachmittag erfolgte bet Fehmarn eine unbedeutende Collission des Panzerschiffes Deutschland" mit dem AvisoWacht". Das Manöver­geschwader fuhr derKieler Zeitung" zufolge in halbschräger Linie, wobei die Avisos links von den Panzerschiffen waren. Beim Einschwenken trafDeutschland" den AvisoWacht" vor dem Buge und knickte den Rammsteven des Avisos, der in Begleitung des AvisosPfeil" nach Kiel dampfte, wo die unerhebliche Reparatur in acht Tagen beendet sein wird. Das PanzerschiffDeutschland" ist nickt beschädigt.

Rom, 5. Jult. Nach einer Depesche derNazione" aus Livorno scheint die Behörde den Mörder Bandis entdeckt zu haben. Ein gewisser Henri Lucchesi, ein anarchistischer, übelbeleumundeter Arbeiter, soll am Tage des Attentats ver­schwunden sein. Man hofft seiner habhaft zu werden.

Paris, 5. Juli. In dem heutigen Ministerrath unter­zeichnete Casimir Derier auS Anlaß seiner Wahl zum Präsidenten und aus Anlaß deS Nationalfestes am 14. Juli ein Decret, durch welches 374 wegen Theilnahme an Arbeiter- Ausständen Verurtheilte begnadigt werden.

Dcpfidjen der Bure« .Herold".

Berlin, 5. Juli. DieKreuzzeitung" sagt in einem Artikel über die Reichsfinanzreform: Die Art der Finanzpolitik, welche der Reichstag jetzt treibt, erfüllt uns mit schweren Besorgnissen. Die Mehrheit des Reichstags ist zufrieden, wenn beim Abschluß des Etats die Rechnung stimmt, kümmert sich aber nicht darum, ob die Einnahmen wirklich die budgetmäßige Höhe erreichen. Darin liegt ein Mangel an Derantwortlichkeitsgefühl. Nach den Ergebnissen der letzten Sitzung ist nicht zu erwarten, daß der Reichstag sich leicht zur Bewilligung von Steuern verstehen wird, um ein festes Berhältniß zwischen den Finanzen des Reiches und der Einzel­staaten herbeizuführen. Die Bundesregierungen würden einen schweren Fehler begehen, wenn sie diesen Gedanken dem Reichstage gegenüber preisgeben wollten. Dadurch würden sie sich derjenigen Mehrheit, welche die Handelsverträge an­genommen hat, auf Gnade und Ungnade ergeben.

Berlin, 5. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet in einer Besprechung der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Unterdrückung der Anarchisten als einzig haltbaren Gedanken denjenigen, welcher die Deportation in bedingter Form und an einen Ort betrifft, wo der anarchistischer Ge­sinnung Verdächtige beständiger Beobachtung untersteht und eine etwaige Rückkehr für den Fall durchgreifenden Wandels an der Denkart erfolgen könne. Betreffs des Vorschlags, die Anarchisten im Betretungsfalle nach dem Heimathlande zu befördern, sagt das Blatt, die Hauptsache sei selbstverständlich, daß bei allen europäischen Regierungen und den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Geneigtheit besteht, diesbezüg­liche internationale Verständigungen herbeizuführen. Dem müßten allerdings Eifer und Geschicklichkeit der Polizeiorgane Zur Seite stehen.

Berlin, 5. Juli. Die für gestern Vormittag 10 Uhr festgesetzt gewesene Weiterreise des Kaiserpaares von Stavanger aus wurde wegen des trüben Wetters bis Nachmittag verschoben. Kaiser Wilhelm sandte an König Oskar ein Telegramm, wonach sich die Kaiserin von Drontheim per Bahn nach Christiania begeben wird, um sich dort an Bord der KreuzerfregatteStein" nach Kiel einzuschiffen.

Wien, 5. Juli. Einer römischen Meldung derPol. Corr." zufolge hat der dortige Polizeichef, jedenfalls infolge der in letzter Zett stattgefundenen Verhaftungen von Anarchisten, zahlreiche anonyme Drohbriefe erhalten.

Wien, 5. Juli. Der Minister des Innern hat infolge der zunehmenden Verbreitung der Cholera in Rußland eine sanitäre Ueberwachung der aus Rußland kommenden Reisenden angeordnet.

Rom, 5. Juli. In Pisa wurde gestern der Director der dortigen Tramway-Gesellschaft von Anarchisten erdolcht.

Rom, 5. Juli. DerPopolo Romano" theilt mit, der Polizei sei es gelungen, in Bologna eine anarchistische Verschwörung zu entdecken, welche den Anarchisten Lega nut dem Mordanschlag auf Crispi beauftragt hatte.

Rom, 5. Juli.Opinione" und andere Blätter erörtern das Project zur Verbannung der Anarchisten nach einer Italien gehörigen Insel im Rothen Meere.

Rom, 5. Juli. Durch eine Pariser Zuschrift bestätigt es sich, daß ein officieller Meinungsaustausch über inter­nationale Maßnahmen gegen die Anarchisten bis jetzt noch nicht erfolgt ist.

Paris, 5. Juli. Von heute ab werden sechs Unter­suchungsrichter sich ausschließlich mit der Untersuchung gegen die Anarchisten befassen.

Paris, 5. Juli. Burdeau wurde mit 259 Stimmen zum Präsidenten der Kammer gewählt. Brisson erhielt 157 Stimmen.

Paris, 5. Juli. Die Regierung und Kammermehrheit werden heute den Amnestie an trag der Radicalen Gablet und Pelletan ablehnen. Die Debatten werden sehr stürmisch verlaufen. Der Antrag fordert Straferlaß für die Bou- langiften Rochefort und Dillon, für die bei den^Excessen an­läßlich der Grubenausstände verurtheilten Arbeiter, sowie für die Verfasser und Verbreiter von Hetzartikeln.

Brüssel, 5. Juli. Daß hiesige JournalPeuple" ver­öffentlicht einen heftigen Leitartikel, betiteltBlutige Tollheit", in welchem es u. A. heißt:Die Anarchisten werden die Hinrichtungen, welche Casimir Perier vornehmen lassen wird, mit Bomben und ^neuert Dolchattentaten beant­worten. Wenn auch die Regierung über einige Hundert Anarchisten Herr geworden ist, so müsse sie den Forderungen der immer mehr anwachsenden Armee der Arbeiter nachgeben, sonst wird das Glück der Menschheit auf Leichen und Ruinen aufgebaut werden."

Warschau, 5. Juli. Im Gouvernement Radom tritt nunmehr die Cholera bedenklich auf.

Belgrad, 5. Juli. Zwischen den Radicalen und den Liberalen finden Verhandlungen statt, welche den Abschluß einer Allianz zum Zwecke der Wiederherstellung der aufgehobenen Verfassung von 1 888 zum Gegenstand haben.

Chicago, 5. Juli. Nachdem die Truppen mit den Aus- ftändigen einen blutigen Zusammenstoß gehabt hatten, verbrannten die Ausständigen zahlreiche Waggons und demo- lirten mehrere Verwaltungsgebäude der Eisenbahn- und Grubengesellschasten. 4000 Bergleute nahmen gemeinsam von einer Grube in Michigan Besitz.

Sitzung der Stadtverordneten

am 5. Juli 1894.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei­geordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Heß, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmoll, Dr. Schäfer, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Die von Großh. Direction der Realschule und des Real­gymnasiums vorgelegte Uebersichtüber die Einnahmen und Ausgaben für 1893/94 balancirt mit 83 144 Mk. Hierunter sind an Beiträgen der Stadt zu den Besoldungen enthalten 19 251 Mk., an sonstigen Kosten 6006 Mk., an Schulgeld 38 344 Mk., an Zinsen 106 Mk., aus dem Schul­garten 184 Mk., an staatlichem Zuschuß zu den Besoldungen 19 251 Mk. Jnsgesammt berechnen sich die Ausgaben für Besoldungen auf 76 840 Mk., für Reparaturen auf 620 Mk.,

für Heizung und Beleuchtung 1678 Mk., für Lehrmittel 785 Mk., für das physikalische Cabinet und chemische Labora- torium 1275 Mk., für Festlichkeiten 513 Mk., für die Bibliothek 704 Mk., für Geschäftsführung 374 Mk. Die Rechnung wurde nicht beanstandet, und dem Derzeichniß der uneinbringlichen Ausstände die Genehmigung ertheilt.

Die Diez-Stiftung betreffend, legte der Herr Ober­bürgermeister ein Schreiben des Herrn Rectors der Universität vor. In dem Schreiben wird der Freude darüber Ausdruck gegeben, daß die Stadt keine Gelegenheit zur Betätigung ihres Interesses an der Universität vorübergehen lasse- Namens der Universität drückt Se. Magnificenz den Dank für die Stiftung aus und theilt mit, daß der Senat sich im Allgemeinen mit dem Inhalt der Satzungen einverstanden erklärt habe und nur bezüglich der Zutheilung des Preises wünsche, daß anstatt dem jeweiligen Vertreter der romanischen Philologie, dem engeren Senat nach Vorschlag der philosophi­schen Facultät die Entscheidung zustehe. Die Versammlung erklärte sich mit der gewünschten Aenderung einverstanden.

Das Gesuch des Gesellschafts-Vereins um Er- laubniß zur Fassung des städtischen Fluthgrabens innerhalb des dem Gesellschafts Verein gehörigen Gartens wird genehmigt, sofern die Fassung entweder in gewölbter, der bereits vor­handenen Fassung entsprechender Form, ober in Cementröhren ausgeführt wird, in welch letzterem Falle ein Revisionsfchacht nebst Schlammfang anzulegen ist.

Die von einem Pächter eines Theils der Wies eck - böschungen nachgesuchte Herstellung eines Geländeabschlusses nach der Wieseck wird abgelehnt.

Für Anlage zweckdienlicher Schutzvorrichtungen gegen Regen und Schnee am Eingang zum Verwaltungs­gebäude des Schlachthauses werden 350 Mark be­willigt.

Auf Ersuchen des Comitss für das 16. Hessische Feuerwehrfest sollen demselben für Fest- und Wirth- schastsbauten 12000 lfd. Meter Fichtenrundholz leihweise zur Verfügung gestellt werden unter der üblichen Bedingung, daß, falls das Fest einen Ueberfchuß erzielt, der Mindererlös bei der Versteigerung des benutzten Holzes gegenüber dem Tarif- preis vergütet wird.

Zwecks Anschlusses der Win golf kneipe an die Gas- und Wasserleitung ist eine Ausdehnung der Rohrnetze auf die verlängerte Wilhelmstraße nöthig. Es wird beschlossen, diese Arbeiten ausführen zu lassen, wenn Seitens der Interessenten (also zunächst der Wingolf- und Starkenburgia-Kneipe) ein jährlicher Wasserbezug garantirt wird, dessen Betrag 10pCt. deS auf 675 Mk. berechneten Anlagecapitals gleichkommt. Für die Gasleitung, welche mit gelegt werden soll, um ein nochmaliges späteres Aufbrechen des Straßenkörpers zu ver­meiden, werden 730 Mk. bewilligt.

Nach dem Vorschläge der Deputation werden 116.75 Mk. uneinbringlicher Ausstände solcher Gas- und Wasser­bezieher, über deren Vermögen der Concurs verhängt wurde, niedergeschlagen.

Für ein an der Gabelung der Grünberger- und Licker- straße zu errichtendes größeres Pissoir werden 2100 Mk. bewilligt.

In Befolg eines feit einigen Jahren geübten Brauches, die Stadtverordneten-Verfammlungen im Herbst auf die Dauer von vier Wochen ausfallen zu lassen, wird beschlossen, die diesjährigen Ferien in die Zeit vom 15. August bis 15. September zu legen und der Einwohnerschaft bekannt zu geben, daß Anliegen, welche der Entscheidung der Stadt­verordneten vor dieser Zeit unterbreitet werden sollen, baldigst vorzubringen sind.

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Gießen, den 6. Juli 1894.

* * Kirchliche Dienstuachricht. Der auf die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Grüningen, im Decanat Hungen, präsentierte Pfarrer Georg Deckel zu Petterweil wurde für diese Stelle bestätigt.

* * Zu Gebrauchsmustern wurden an Eintragungen voll zogen: Mittels eines excentrischen Keilnuträdchens angetriebeneS Druckwerk an Kelterpressen: Eisenwerk Hirzenhain H. R. Buderus in Hirzenhain, 28. Mai 1894. Kelterpresse mt: um die Druckspindel gestelltem, im Innern mit Längsnuten versehenen Mantel: Dasselbe, 18. Mai 1894. Combiniertes Tuschen-Reißzeug ohne Etui: Joh. Wilh. Geiger in Gießen, 23. April 1894.

* » Der Deutsche Anwaltstag ist auf den 11. und 12. Sep­tember nach Stuttgart einberufen worden. Aus der Tagesordnung stehen u. a. folgende Gegenstände: Antrag