Ausgabe 
7.7.1894 Drittes Blatt
 
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SamStag den 7. Juli

1894

Nr. 156 Zweites Blatt

Der Hietzener Aazetger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamtlienSlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

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Amtliche* Theil.

Gießen, den 4. Juli 1894. Betreffend: Die Remunerirung des Feldschutzpersonals. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen e* die Grstzh. BOraerm elfter eien des «reise-.

Zur Belohnung des Feldschutzpersonals ist uns auch für 1893/94 Seitens des Großh. Ministeriums ein Credit zur Verfügung gestellt worden.

Sie wollen uns daher binnen 14 Tagen diejenigen Feldschützen Ihrer Gemeinden, welche sich durch treue Pflicht- erfüllung ausgezeichnet haben, namhaft machen und dabei das Lebensalter, sowie die Anzahl der Dienstjahre genau angeben.

Wir machen noch darauf aufmerksam, daß es weniger auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Feldfrevel ankommt, als auf den, von dem betreffenden Bediensteten betätigten Diensteifer, insbesondere in Verhütung von Freveln durch stete Anwesenheit im Felde und daß ferner auch das außer­dienstliche Verhalten (nüchterner Lebenswandel) mit in Betracht zu ziehen ist.

Gleichzeitig werden Sie uns diejenigen Feldschützen, welche Sie einer Belohnung nicht für würdig halten, unter Angabe der Gründe benennen.

v. Gagern.

Bekanntmachuua.

Der für den 8. Juli in Grofteu-Buseck beabsichtigte Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Reichelt über Schnitt und Pflege hochstämmiger Obstbäume findet an ge­nanntem Tage nicht statt.

Gießen, den 5. Juli 1894.

Der Vorsitzende des Bezirksvereins Gießen des Oberheff. Obstbau-Vereins: Dr. Wallau.

Vermischtes.

* Hamburg, 3. Juli. Ein Großfeuer zerstörte Nachts die Fouragenmagazine des fünfzehnten Husarenregiments. Man vermuthet Brandstiftung.

* Stettin, 3. Juli. In der Nacht vom 11. zum 12. Juni war der auf Posten stehende Soldat To bal s ki vom Königs- Regiment von einem Manne ohne jeden Anlaß erst beschimpft und dann thätlich angegriffen worden. Tobalski hatte den -Angreifer erst mit dem Kolben seines Gewehres nieder­geschlagen- als jener sich dann von Neuem auf ihn warf, stach er ihn mit dem Bajonett nieder. Die sofort eingeleitete militärische Untersuchung ergab, daß der Soldar in berechtigter Abwehr gehandelt habe. Wie dieN. St. Ztg." hört, ist Tobalski durch Regimentsbefehl zum Gefreiten ernannt worden.

* Rottweil, 3. Juli. Das Schwurgericht verurtheilte den verheiratheten Dieustknecht Paul Bail er von Bur­ladingen, O.-A. Hechingen, wegen Mordes und erschwerten Raubes zum Tode. Bailer hatte, um seiner Frau 70 Mk. zu verschaffen, aus der Landstraße einen Dienstknecht, der für seinen Prinzipal Geld eincassirr hatte, erschlagen und beraubt.

Lattemauns Nachlaß. Das Luftschiffergeschäft des verunglückten Lattemann scheint noch keinen Nachfolger gefunden zu haben. Wenigstens ist dies den Ankündigungen des Lattemann'schen Nachlaßverwalters zu entnehmen, der jetzt die im Gebrauch gewesenen aeronautischen Oikgenstände, darunter vier Luftballons, zum freihändigen Verkauf anbietet.

* Ein Imker - Jubiläum. Der oberschlesische Pfarrer Dr. Dzierzon, der allbekannte Imker, der bereits im 84. Lebensjahre steht, feiert in diesem Jahre sein 50jährtges Imker-Jubiläum".

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Car Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 3. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Soale, Capttän F. Keßler, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 23. Juni von Bremen und am 24. Juni

Bemerkungen zur Frauenftage.

(1. Fortsetzung.)

HI.

Das Bestreben der Frauen richtet sich deßhalb in neuerer Zeit geraden Schrittes auf das Gefüge fest umgrenzter, geistiger Arbeitsgebiete, deren Voraussetzung die Vorbildung auf der Universität ist. Die nächste Forderung betrifft also Zulaffung zu den Facultätsstudien. Der Staat hat fie noch nicht erfüllt, und wenn er es thäte, so folgte daraus noch nicht die Zulaffung zu den Prüfungen und die Anwart­schaft auf die Aemter. Einstweilen rechnen wir mit diesem unfertigen Zustande. In Leipzig und Heidelberg beginnt man tndeffen, Gymnasialklaffen für Mädchen einzurichten.

Unter den Facultäten scheidet natürlich die theologische aus, denn mulier taceat in ecclesia. Ebenso die juristische. Weibliche Richter und Anwälte hat man zwar in Amerika, bet uns braucht sich aber sicherlich die nächste Generation mit dieser Spezies noch nicht zu beschäftigen.

ES bleibt also zuerst daS Studium der Medtcin. Dieses macht unter allen die größten Anforderungen an Nerven und physische Kraft. Das gilt ebenso von dem spateren Berufe. Diese Schwierigkeiten zu überwinden und dann in der Ausübung des Berufes wirklich zu bestehen, concurrenzfähig neben dem Manne zu bestehen, könnte der weiblichen Natur nur in Ausnahmefällen gelingen. Dieser Fall ist also so wenig practisch, daß wir die weitere Frage, ob in den Vorbedingungen zu einer ärztlrchen Diagnose die Frau dem Manne gewachsen sei, vorläufig auf sich beruhen lassen dürfen.

Wir kommen also zu Specialitäten, zunächst einer ge­ringeren Ranges, der Zahn heil künde. Sie Halden Vorzug einer leichter wiegenden Vorbildung, dafür aber weniger Verlockendes in der Ausübung sowohl, wie in der gesellschaftlichen Werthschätzung. Trotzdem gibt eSDen­tistinnen" und sie sollen ja sehr Gutes leisten. Aber auch hier werden ganz ungewöhnliche Ansprüche an die Nerven gemacht, denen auf die Dauer wohl nicht viele Frauen ge­nügen möchten. Den meisten wird von vornherein die Neigung fehlen, die zu diesem Berufe Vorbedingung ist. Ein großes Feld der Nachfrage liegt hier jedenfalls nicht offen. Immerhin könnte dem Angebot einzelner nach den bisherigen Erfahrungen wohl entsprochen werden.

Anders steht es mit dem Berufe der Frauenärztin, zu dem man ja die Frauen als vorzugsweise geeignet manch­mal bezeichnet hat. Hier wäre zuerst die ganze Vorbildung des Knaben vom Eintritt ins Gymnasium bis zum Staats, exawen mit allen ihren physischen Anstrengungen durch­zumachen. Sodann fragte es sich: wo liegt bei der Gynä­kologie der Vorzug der Frau? Ich weiß, was man ant­worten wird, will aber statt dessen gleich ein ärztliches Haupt- erforderniß hervorheben, nämlich die Discretton, d. h. die unbedingte Trennung alles etwa Persönlichen von dem vor­liegenden pathologischen Falle. Und nun frage sich jede Frau selbst, unter Vergegenwärtigung ihres Bekanntenkreises, ob sie lieber von dem Herrn Doctor oder der Frau Doctor behandelt sein möchte. Der Mann hat nach seiner ganzen Stellung innerhalb unserer Culturgewöhnung eine Art an­geborener amtlicher Eigenschaft, die vieles deckt, und einen gewissen Grad von Vertrauen im Voraus und in jedem ein­zelnen Falle begründet. Bei den Frauen verleugnet sich nie das Persönliche, das Zufällige der Individualität. So erfreu­lich und kurzweilig das für die meisten Lebenslagen ist, so gibt es doch Verhältniffe, in denen man lieber auf diese Annehmlichkeit verzichtet, um mit festen Werthen zu rechnen, und das ist vor Allem daS Verhältniß des Kranken zum Arzte.

Wieder anders liegt die Sache meines Erachtens bei der Kinderheilkunde. Eine kluge und erfahrene Mutter kann in vielen Fällen ihren Kindern den Arzt ersetzen, wie denn überhaupt ein gebildeter Mensch sich viel freier vom ärztlichen Einflüsse erhalten kann, als man gewöhnlich denkt. Die Frauen sind ferner hervorragend thätig in der Kranken­pflege, und das ist sogar die glänzendste Lösung eines Theils

unserer Frauenfrage. Ausbildung und Erfahrung führen hier zu Eigenschaften, tue wir wenigstens als einen Ersatz ärztlicher Kunst ansehen dürfen. Eine große Zukunft hat sodann das Naturhcilverfahren, wenn es mit Maß geübt wird, weil es die Menschen zum Nachdenken und zur Vorsorge veranlaßt und dem Einflüsse der Aerzte entzieht. Das vernünftige Naturheilverfahren geht von dem Aufmerken auf die Natur aus und sieht, wie weit es ohne ärztliches Eingreifen kommen kann. Auch hier find Frauen vielfach mit Erfolg thätig.

Alle diese Momente zusammengenommen, geben recht wohl eine Grundlage ab, auf der sich eine Art ärztlichen Berufes entwickeln könnte, der den Eigenschaften der Frau

von Southampton abgegangen war. ist gestern, 5 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Hamburg, 4. Juli. Hamburg-Amerikanische PacketfahN- Actten-Gesellschaft. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer der Hamburg - Amerika - Linie. PostdampserRhaetia", von Hamburg nach Newyork bestimmt, ist am 3. Juli, 4 Uhr Morgens, in Havre angekommen. PostdampserRugia", von New­york nach Hamburg zurückkehrend, passirte am 3. Juli, 6 Uhr Nach­mittags, Scilly. PostdampserPolynesia" hat am 3. Juli, 4 Uhr Nachmittags, von Boston die Reise nach Baltimore fortgesetzt. DampferStubbenhuk" ist am 4. Juli Morgens von Montreal via Deptforb in Hamburg angekommen. PostdampserSaxonia" hat am 3. Juli, 10 Uhr Morgens, von Havre die Reise nach West- indten fortgesetzt. PostdampferHolsatia" ist am 3. Juli in Colon eingetroffen. DampferPolaria", von Newyork nach Stettin zurück­kehrend, ist am 3. Juli. 9 Uhr Morgens, in Kopenhagen ange­kommen. PostdampserRbaetia" hat am 3. Juli, 9 Uhr Abends, von Havre die Reise nach Newyork fortgesetzt.

Der PostdampserWesternland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 4. Juli wohlbehalten in New­york angekommen.

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle iu Gießen.

26. Woche. Vom 24. Juni bis 30. Juni 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 32,94 °/oobezw. 16,47 nach Ausschl. der Ortsfremden.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Diphtheritis Lungenschwindsucht

4 (1)

1 (1)

1 (1)

4 £1)

Lungenentzündung

1

1

Sonstige entzündliche

Erkrankungen der

AlhmungS-Organe

1

1

Neubildungen

1 (1)

1 (1)

Alterskrankheiten

1

1

Sonstige benannte

Krankheiten

4 (3)

3 (3)

1

Tödtliche Körper-

Verletzung

1 (1)

1 (1)

Summa:

14 (7)

8 (6)

1

5 (1)

A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

angepaßt wäre, nicht den anstrengenden Weg der vollen rnedi« ctntfchen Ausbildung zur Voraussetzung hätte, und in der Kinderheilkunde sowohl, wie überhaupt in leichteren Krank­heitsfällen einen zweckmäßigen Ersatz für den eigentlichen Arzt schaffen würde. Ich will das nicht ausführen, sondern nur auf Analogteen Hinweisen, wie Heilgehilfen und Hebammen. Wenn ich nun hier einen wirklich Erfolg versprechenden Ansatz zu weiblicher BerufSthätigkeit zu sehen meine, so ist doch zweierlei noch hervorzuheben. Es wird sich dabei zunächst immer nur um eine Aerztin zweiter Klasse handeln, wenn auch nicht ausgeschlossen ist, daß einzelne sich nachträglich die volle akademische Ausbildung und ärztliche Stellung, voraus­gesetzt, das unsere Gesetzgebung das daun zuläßt, verschaffen könnten, wie ja auch Elementarlehrer und Zahnärzte durch akademisches Studium ihre Lebensstellung erhöhen. Gesell­schaftliche Aspirationen junger Damen sind indessen auf diesem Wege nicht zu befriedigen, sondern nur ein ernsthaftes ArbeitS- bedürfniß. Die größte Schwierigkeit aber bei dieser Ein­richtung liegt in der Abgrenzung gegen den ärztlichen Beruf der Männer und seine bekanntlich durch feste StandeSorgani- sation kräftig vertretenen Interessen. Dies wäre wieder ein ganzes Capitel für sich. ES kann nur einzelnes davon an- gedeutet werden. Die hohe Cultur deS neunzehnten Jahr­hunderts beugt sich in ganz unglaublichem Maße unter den standesgemäß organisirten Machtspruch der Aerzte und nähert sich darin wieder einigermaßen dem Naturzustande des Wilden, der an ihrer Stelle seine Zauberer verehrt. Die Aerzte erklären die Menschen für krank und gesund und wehren jeden Eingriff unzünftiger Meinung mit gesetzmäßig ihnen zu- stehenden Mitteln ab. Also auch hier wieder eine Form der Concurrenzabwehrung! Hiermit soll kein einem Standpunkte zu Liebe abgegebenes Unheil ausgesprochen, sondern nur ein thatsächlicher Zustand bezeichnet werden, damit man steht, daß innerhalb des letzteren für die uns interessirende Neuerung im Frauenberuf noch fein Platz ist, sondern erst geschafft werden müßte. Der Organisation muß die Gesetzgebung zur Seite gehen. Allem voran steht die ernstliche Erörterung und dazu mag dies ein bescheidener Beitrag sein.

(Fortsetzung folgt.)