Ausgabe 
7.4.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 80 Zweites Blatt. Samstag den 7. April

1894

Der tzießeaer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener -««ttienSlLller t »erben dem Anzeiger Bödunthd) dritmal deigelegt.

Gießener Anzeiger

Generak-Z<nzeiger.

Vierteljähriger ^Sonnemcnlspreir: 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlodn. Durch bie Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Nebaction, lkxpebuioa und Druckerei:

-«Lotftr-ße Kr.7. Aernlprecher 51.

Aints- und Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen.

Annahme von Anzeigen zu ber Nachmittags für ben felgenben Dag erfcheinenben Nummer bis Barm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Kamikienßkälter.

Alle Annoncen-Burcaux beS In» und NuSlanbeS nehmen Anzeigen für benGießener Anzeiger" entgegen.

Feuilleton.

In Nauheims größter Stunde.

Erzählung von Wilhelm Wagner.

(1. Fortsetzung.)

Morgen Vormittag," wiederholte der Kranke sinnend, jki diesem furchtbaren Weiter aber nicht."

Ja, e» ist ein Wetter, als ob die Welt untergehen Wollte." Der Arzt blickte besorgt durch die Fensterscheiben hinaus in den wilden Tanz von Schneeflocken, Regen und Gturm und fährt fort:Aber ich habe so dringend ge- schrieben, daß sich Ihre Eltern wohl nicht verspäten und sicher »orgen Vormittag hier sein werden."

Also bis morgen Vormittag geben Sie mir Zett, Herr Toctor?" fragt Eckehard plötzlich.Ich danke Ihnen für all Ihre Mühe und Güte, die Sie "

Herr Eckehard," ruft der Arzr,welche Gedanken!"

Und Amelie trat rasch.näher, legte all ihre Schüchtern- hkii ab und sagte lebhast:Et, Herr Eckehard, so dürfen 61t nicht reden als Christ. Unser aller Leben steht in dotttfl Hand."

Ja, ja. Und macht eS Sie denn nicht glücklich, daß Ihre Mutter kommen wird?" fügte Dr. Bode an.

Ach ja," gab Eckehard wehmüthig zurück >nur be­stich te ich, daß meine Mutter wohl vorher nicht an­omalen wird."

Mein lieber Freund, hoffen wir das Beste," sprach Dr. Bode entschlossen.Wir beide wissen ja nicht, waS die lichste Zukunft bringen kann. Ich werde Ihnen Champagner Hilm lassen, der soll Ihre Kräfte heben, für den Fall, daß Id) Ihre Frau Mutter bei dem Unwetter doch verspäten leOle. Ich schicke den Champagner sofort und lasse Sie in- »efitn in der Pflege von Amelie. Aus Wiedersehen, mein .itbtr Freund!"

Auf Wiedersehen, Herr Doctor!"

Der Arzt ging und Amelie folgte ihm leise vor die khüre.

Herr Doctor, wie steht eS denn heute k"

Unser armer Freund wird die Ankunft seiner Mutter ritt mehr erleben, zumal bei diesem Wetter gar nicht daran |<bod)t werden kann, daß die Mutter morgen früh ankommt, dt menschliche Hilfe ist hier vergeblich- wenn eS wiederum Dr ist, werden wir trauernd zu einander sagen:Er ist tidji mehr."

O Gott!" hauchte Amelie tonlos und hielt sich an der Wand fest.Giebt eS denn gar kein Mittel, daß ihm helfen könnte?"

ES giebt eine Grenze, da alle Wissenschaft aufhört und alle menschliche Vernunft."

Er spricht immer und immer von einer Quelle," meinte Amelie schüchtern.

DaS ist daS Fieber."

Nein, nein, er redet ganz ruhig davou. O Gott, Herr Doctor, kann er denn mit nichts gerettet werden?"

Dr. Bode blickte in des jungen Mädchens thränengefüllte Augen, die so flehend und vertrauensvoll zu ihm aufsahen, und sagte warm:Liebe Amelie, Sie thun mir beide un­endlich leid, aber eS müßte ein ganz außergewöhnliches Er- eigniß, etwas noch nie DageweseneS eintreten, um ihn zu retten. Hören Sie, wie der Sturmwind um das HauS jagt, er wird viel Unheil anrichten."

Ich fürchte nicht Sturm, nicht Regen und Schnee, da hier so Großes aus dem Spiele steht."

Der Arzt ging und Amelie schlich sich wieder in daS Zimmer.

Eckehard lag ganz still. DaS Gesicht mit den ein­gefallenen Wangen, umrahmt von dichtem, schwarzem Haar, war dem Fenster zugekchrt und wehmüthigen BlickeS ver­folgten die blauen Augen die Gewalt der Elemente da draußen.

Nun richtete er seine Blicke nach dem eintretenden Mädchen.

Melie!"

Herr Eckehard! Soll ich Ihnen einen schönen Ab- schnitt auS der Bibel DorlefcnJ?"

Der Kranke machte eine Bewegung.

Wie nicht?" fragte Amelie mit leichtem Vorwurf, aber schnell bereute sie eS wieder, trat näher und faßte liebe­voll EckehardS Hand.

Sie haben über mich mit dem Doctor gesprochen, Melie?"

DaS Mädchen erblaßte.Ja."

Werde ich die Ankunft meiner Mutter erleben?"

Ihr Leben steht in GotteS Hand."

Und was meint der Arzt? Wie lange, sagt er, daß ich noch leben könne, denn davon hat er sicherlich gesprochen. Nun, bis morgen Nachmittag? Nein? Nun, also bis morgen Vormittag? Wie, Sie sagen nicht ja? Also vielleicht nur bis morgen ganz früh, bevor eS wieder Tag wird?"

Amelie härte laut aufschreien mögen vor wildem Schmerz, aber sie hielt mit Gewalt an sich und weinte nur ganz stille.

Eckehard fuhr langsam fort:Liebe Melie, warum thun Sie so? Sagen Sie meinen Angehörigen, sie sollten mir alles Böse und Kränkende vergeben, weil ich sie doch wohl nicht mehr sehen werde, da morgen früh' mein junges Leben'vielleicht verweht ist wie der Sturmwind draußen."

Da zuckte eS in dem schönen, sanften Antlitz deS jungen Mädchens und laut schluchzend sank Amelie vor dem Lager deS Kranken aus die Knie.

Aber Melie!" sprach Eckehard betroffen.Melie, stehen Sie auf."

Sie stand nicht auf. DaS junge Mädchen, sonst so schüchtern, ergriff die herabhängende Rechte deS Kranken und bedeckte sie mit heißen Küssen, als wolle sie ihm die LebenS- gluth ihres jungen Körpers einhauchen.

Eckehard durchfuhr die Berührung der Lippen,- in sein blasses Gesicht trat etwas Farbe und schnell zog daS Blut zum Herzen.

Melie, sieh mich an."

Sie hob das blonde Köpfchen und blickte ihn an mit einem Ausdruck unermeßlicher Liebe.

Du liebst mich, Melie?" fragte der Kranke ganz heimlich und leise, und sie nickte ihm offen, glücklich, well- vergeffen zu.

i Draußen heulte der Sturm durch die Lüfte, aber Amelie hört nur mit bangem Beben, wie das Herz drS Geliebten unregelmäßig und hastig schlägt.

Da riß der Sturm ein Stück des Schornsteins vom Dache.

Erschrocken sprang Amelie auf und suchte ihr erglühtes Antlitz zu verbergen.

Auch Eckehard war sehr verlegen; er rang nach passenden Worten, aber tausenderlei Gefühle bestürmten seine erregte Seele.

Ameliens leise, bebende Stimme unterbrach daS trübe Schweigen.Ich will Licht holen."

Ja, liebe Melie, thue das," entgegnete Eckehard warm. Und, Melie, ich möchte mit meinem Freunde Hörl noch Ver­schiedenes reden, auch soll er mir einige Briefe schreiben; bitte, siehe nach, ob er unten im BadehauS ist."

Ich höre ihn eben draußen sprechen," sagte sie haftiZ und verlegen,ich will ihn rufen gehen."

(Fortsetzung solgt.)

Holzversteigerung

i» Gikßkner Stadtwald.

Nontag den 9. April 1894,1 Vormittags 9>/z Uhr beginnend,

Lil die Stadt Gießen im District ^»ngelftein nachverzeichnetes Holz oer 1 lsigern:

17 Eichenstämme mit 22,52 fm, 326 Fichtenstämme mit 33,66

78 Fichtenderbstangen mit 4,53 220 rm Buchenscheitholz,

»5 t Eichenscheitholz, 338 Buchen-Kyüppel,

73 Eichen-

73,3 Buchen-Stockholz,

52 Eichen-

10 Nadel-

Wellen Buchen-Reisig, l®25 Eichen-

*725 Nadel-

Die Zusammenkunft ist auf der . Lwstiraße nach Daubringen am . fcii-fl Meiner Steinbruch.

ßwfeen, 2. Apnl 1894. krvßh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 2958

Flüssige Broncen

IHt den in allen Farben hergestellten -Wg«n Broncen kann man alle nur efieren Gegen» ande schön und bäum bionciren In Gießen nur allein stb-en in Fl. b 25 und 50 H ber (2164

A. Sf G. Wallenfels.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf § 10 der Bedingungen für den Bezug von Wasser aus der städtischen Wasserleitung werden hiermit die betreffenden Hausbesitzer dringend ersucht, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Wassermesser für nufere mit deren Unter­suchung und Ausnahme betrauten Beamten jederzeit leicht und ohne Zeitverlust zugänglich sind. Unsere Leute sind nicht verpflichtet, sich den Zutritt erst durch Wegschaffung von Kohlen, Holz u. bergt möglich zu machen. Unsere Monteure sind gegen­wärtig mit der Aufnahme der Wassermesser beschäftigt.

Gießen, 3. April 1894.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

2953 Otto Bergen.

Verdingung

Das Liefern, Zurichten und Ein­bringen von 5 cm starken Gips­dielen in die Balkengefache der Böden des Feuerlöfchgeräthernagazins, einschließlich Verstreichen der Fugen mit Gipsmörtel, im Ganzen rund 211 qm soll

Montag, den 9. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, im öffentlichen Angebotverfahren ver­dungen werden.

Schriftliche Angebote pro qm (unter Abzug der Balken) sind bis dahin beim Stadtbauamte einzureichen.

Gießen, 4. April 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

3036______Gnauth._________

816] ein Zweirad, sowie neun Bände Brehm» Ihtcrlebe« billig zu verkaufen.

Näher« S bei der Exped- d- Bl-

I Bau- u. Nuhhohvkrflkigerung

im EttingShausener Gemeindewald.

Dienstag den IO. April, District GabrielSztmmerplatz u. s. w.:

5 Stück Eichenstämme, v. 16 bis 18 cm Durchm., 10 m Länge, 25 Stück Buchenstämme v. 35 bis

46 cm Durchm., 9 m Länge,

62 Stück Fichtenstämme v. 15 bis 23 cm Durchm, 23 m Länge, 359 Fichtenderbstangen von 8 bis 14 cm Durchm., 12 m Länge, 14 Buchen-Langwiede,

4289 Stück Fichtenreisstang, v. 3 bis

7 cm Durchm., 10 m Lange.

Anfang der Versteigerung Dienstag den 10. April, Morgens 9 Uhr, auf dem Gabrielszimmerplay.

| Gr. Bürgermeisterei Ettingshausen.

2993 Görnert.

Bekanntmachung.

In dem ehemaligen Hause Bourgeois an der KirHstraße sind die Räume des 2. Obergeschosse« vom 1. Mai d. I. ab zu vermtethen. Nähere« Über Bedingungen und Preis ist bet der Bürgermeisterei Zimmer Nr. 15 zu erfragen.

Gießen, den 3 Aoril >89t.

Gr- Bürgermeisterei Gießen. 2999 Gnauth.

Samstag den 7. April, Vormittags 117t Uhr, zu Gießen im Adler (Marktplatz 28) werde ich gegen Baarzahlung öffentlich versteigern:

1 Pianino («och fast ne«), 1 Pelz- - montel und dto. Mobilien.

Versteigerung oorautzfichtl bestimmt namentl. betr. deS PiaaiaoS.

Engel, 3045 Gerichtsvollzieher.

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