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6.5.1894 Drittes Blatt
 
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Sonnlag den 6. Mai

Nr. 104 Drittes Blatt.

1894

Der *«|d|rr «fcheuu täglich, M Ausnahm« bei Montag«

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Gießener Anzeiger

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2lints- und Zlnzeigeblutt für den Ttveis Gieren.

Innah m t toi Anzeigen zu brr Nachmittag« für bn folg enden tag erscheinenden Nummer bi« vorn». 10 Uhr.

Hratisöeikage: Gießener Aamikienösatter.

LLe Unnoncen-Vureaur de« In- und Auslände« nrbime Anzeißen für denGießener Anzeiger^ entgegm.

Dcutfcvc» Reich.

Berlin, I. Mai. DaS Osfiziercorps des Friedens­stand e S der preußisch en Armee zählte nach einer auf Grund der eben erschienenen AnciennitälSliste vorgenommenen Berechnung derMll.-Ztg." Anfang April d. I. 9 (im April 1892 7) General-Feldmarschälle und Generalobersten, 65 (68) Generale, 70 (82) Generallieutenants 152 (141) Generalmajors, 314 (316) Obersten, 536 (485) Oberst- lteutenaniö, 1668 (1541) Majors, 4009 (3540) Hauptleute oder Rittmeister, 3402 (3038) PremierlieutcnantS und 6171 (6269) SecondlieutenantS, im Ganzen also 16396 (15477) Offiziere. Die bayerische Armee zählt 9 (11) Generale 14 (12) GenerallieutenantS, 33 (33) Generalmajor-, 49 (54) Obersten, 107 (85) OberstlieutenantS, 241 (221) Majors, 562 (526) Hauptleute oder Rittmeister, 558 (523) PremierlieutcnantS und 951 (917) SecondlieutenantS, im Ganzen 2524 (2382) Offiziere. Daö sächsische ArmeecorvS hot 2 (1) General Feldmarschälle, nämlich die bereits de m preußischen Heere gezählten Prinz Georg von Sachsen und Großherzog von Sachsen, 3 (3) Generale, 4 (7) General lieuienaniö, 15 (8) Generalmajors, 23 (34) Obersten, 46 (51) Oberstlieutenants, 114 (88) Majors, 347 (297) Hauptleute oder Rittmeister, 297 (251) PremierlieutcnantS und 417 (482) SecondlieutenantS, im Ganzen 1268 (1222) Offiziere. Im wiirttembergischen Armeecorps stehen 5 (5) Generale, 8 (7) GenerallieutenantS, 12 (12) General« major-, 25 (30) Obersten, 27 (27) Oberstlieutenants, 95 (90) Majors, 229 (127) Hauptleute oder Rittmeister, 203 (173) PremierltcuterantS und 282 (308) Second­lieutenantS, also 886 (849) Offiziere. Der Friedensstand des deutschen HeereS ist somit folgender: 9 (im April 1882 8) Generalfeldmarschälle und Generalobersten, 79 (77) Generale,'. 96 (108) GenerallieutenantS, 212 (194) General­major-, 411 (434) Obersten, 716 (648) Oberftlieutenants, 2118 (1940) MajorS, 5147 (4560) Hauptleute oder Ritt­meister, 4460 (3985) Premierlieutenants und 7821 (7976) SecondlieutenantS, im Ganzen also 21069 Offiziere gegen 19 930 im April 1892.

Vermischtes.

Einfluß der Witterung auf den Menschen. Den Ein­fluß deS Wetter- auf den Körper hat wohl mehr oder weniger schon Jeder an sich selbst empfunden - jetzt hat ein

amerikanischer Arzt Dr. CrotherS in Connecticut auch den Einfluß des WetterS auf den Geist zum Gegenstand seiner Forschungen gemacht, und ist dabei zu ganz eigenartigen Ergebnissen gelangt. An sich selbst machte er die Erfahrung, daß man leicht Jrrrhümer begeht und zu falschen Schlüssen kommt, wenn die Luft feucht und neblich, oder stark mit Electricität geladen ist. Ein Mathematiker erklärte dem Doctor, von bestimmten Wetterarten so beeinflußt zu werden, daß er beim Herannahen dieser Witterung sofort die Arbeit einftellt, denn während ihrer Dauer mache er immer unbewußt eine Menge Fehler, die später mit vieler Mühe wieder be­richtigt werden müßten. Den Femrversicherungsgesellschaflen ist es längst bekannt, daß bei schwerer und drückender Luft die meisten Menschen gleichgültig und unvorsichtig werden, so daß zahlreiche Brände entstehen, die der Trockenheit zur Last gelegt werden, in Wirklichkeit aber der Gleichgültigkeit und Unvorsichtigkeit zuzuschreiben sind. Heizer und Wärter von Dampfmaschinen begehen Nachlässigkeiten, die zu Kcfielexplofionen und anderen Unfällen Anlaß geben. Auch die Leistung der Arbeiter in den Fabriken ist bei drückender Luft und Hitze schwächer al- sonst- die- ist so bekannt, daß, wie ein Fabrik­director in Connecticut dem Dr. Crothers rnittheilte, er bei Abschlüssen über zu liefernde Maaren stets darauf Rücksicht nimmt, ob die Waare im Sommer oder im Winter gefertigt wird. Selbst die Polizei verspürt den Unterschied in der Witterung, wie der Statistiker John Me Ennis besonders für Chicago festgestellt hat. Dort sind die Verbrechen am geringsten im Januar, wenn die Kälte auf durchschnittlich 5° sinkt, und am zahlreichsten in der Sommerszeit, wenn im Durchschnitt eine Hitze von 27° herrscht. Einen besonders unangenehmen Einfluß üben aber Hitze und Gewitterluft dadurch, daß sie die Menschen reizbar und empfindlich gegen Widerspruch und Kränkung und obenein eigensinnig und rücksichtslos machen, was namentlich gesetzgebenden Ver­sammlungen zur Lehre dienen sollte, denn die meisten schlechten Gesetze in Amerika sind unter dem Einflüsse schwüler Witterung entstanden.

* Interessante Vereine. Wo sich ein Verein bildet, da kommt auch bald ein Gegenverein zu Stande dieses Ergebniß hat hat sich auch m Königsberg i. Pr. bei einer eigenartigen Blüthe des Vereinswesens, demKreuzotter­vertilgungsverein" gezeigt. Infolge Sezession eines oder mehrerer Mitglieder hat sich dort ein neuer Kreuzotter­verein gebildet und sich jedenfalls die Aufgabe gestellt,

die Kreuzottern lebend in Gewahrsam zu bringen. Eine Deputation dieses Vereins erschien an einem der jüngsten Tage auf der Redaction eine- Königsberger Blatte- und legitimine sich durch Vorzeigung von lebenden Kreuz­ottern verschiedener Größe und Farbe, welche man am letzten Sonntag eingefangen und in einer Riesenflasche wohl verwahrt hatte.

* Au8 eigener Erfahrung. Mutter:Aber Du mußt doch endlich einmal lernen, Dich allein anzuziehen, Fritzchen! Wenn Du einmal später Soldat bist, wirst Du auch ke n Kindermädchen haben." Der kleine Fritz:O doch, Mama, Soldaten haben immer .Kindermädchen bei sich!"

* Zum Schluß einStierkämpfchen"! Die Tochter FraScuelo-, de- berühmten spanischen Stierkämpfer-, wird demnächst heirathen. AuS ganz Spanien laufen schon jetzt die Hochzeitsgeschenke ein und repräsentiren einen Werth von mehr alß einer Million Francs. Die Braut erhält von ihrem Vater eine Mitgift von 2 Millionen. Nach der Hochzeit findet ein kleiner Stierkampf zu Ehren des jungen Paares statt, bei welchen FraScuelo ausnahmsweise wieder in der Arena ein Gastspiel entriren wird. Fürwahr ein würdiger Abschluß dieser Hochzeitsseier, aber: ländlich schändlich! ________________________________

Verkehr, (and- rrnd VoLkswirthjchaft.

Saatenstand «nd «rntehostnungen in Deutschland. Das Urthetl über ben, gegenwärtigen Saatenftand des gesammten deutschen Reiches lautet: Winterwetzen gut, «Sommerweizen gut bi# mittel, Wtnterspelz gut, Winterrozgen gut, Sommeri oggen gut bi# mittel, Sommergerste gut, Hafer gut bis mittet, Klee mittel. Wielen mittel. Wintersaaten waren vielfach durch die Trockenheit beeinträchtigt. Für die Frühjahrsbestellung war die trockene, warme Witterung außerordentlich günstig, doch ist von der Saat in Folge der Trocken­heit sehr wenig aufgegangen. Die eingetretenen Regensällc be­rechtigen zu guten Hoffnungen.

Zur Pflege der Landen. Man sieht oft, wie Tauben mit Vorliebe an Mauern picken, besonders wenn solche salpeterbaltig sind. Es scheint die« für die Thiere ein zur Reinigung de- Magen# dienendes Mittel zu sein. Besonder# erpicht sind die Tauben aus eine solche Zugabe, welche man ihnen in Form von Sand und Salz reichen kann. Den Untersatz eines großen Blumcngeschirr# fülle man mit reinem feinen Flußiand, vermengt mit Salz, und begieße die Mischnung mit Wasser. Diele# löst das Salz auf, welche# dann mit dem Sand beim Trocknen eine mäßig barte Masse bildet. ES ist erstaunlich, wie gern die Tauben diele Beigabe nehmen, welche gewiß auch vortheilhaft auf ihre Gesundheit und ihre Fruchtbarkeit rinwirkt. L. T.

Feuilleton.

Der Herr von Hagen ein herzlich willkommener Gsst

Humoreske von Graf Günther Rosenhagen.

(Schluß.)

Ihre Frau Gemahlin ist nicht zu Hause?"

Doch, verzeihen Sie einen Augenblick, ich werde fie benachrichtigen. Wollen Sie, bitte, Platz nehmen?"

Ich stürzte die Treppe herunter in da# Souterrain.

Um Gotteswillen, wa- fehlt Dir, wie siehst Du aus, was ist geschehen?"

Denke Dir, fasse Dich, ist Besuch da."

Meine Frau kreischte auf- das silberne TheeglaS entfiel ihrer Hand, sie sank zerschmettert aus einen Stuhl.

Ja, es ist empörend, heute am Sonntagabend. Da wird immer über Sonntagsruhe geschrieben und geredet - wir haben nie Ruhe. Aber nun komm schnell hinauf, er will gleich wieder gehen."

Gott sei Dank, wer ist denn Überhaupt da?"

Herr von Hagen."

Der? Allmächtiger! Geh nur voran, ich komme so­fort, ich will nur den Thee bereiten; wir müssen ihm doch »uch etwas ar bieten."

Da# fehlte gerade noch, aber Du hast doch wohl Recht."

Ich kam in mein Zimmer zurück.

«Meine Frau läßt einen Augenblick um Entschuldigung bitten, sie wird sofort kommen."

Wir plauderten über dteS und baß, mühsam nur schleppte sich die Unterhaltung hin. Wo nur meine Frau bleiben mochte? Endlich, nach einer ewigen Viertelstunde, er­schien sie.

Ah, Herr von Hagen, welche große Freude, wie nett, daß Sie unserer gedenken, seien Sie uns herzlichst will- lummen."

Ich sah meine Frau von der Seite an:Verstellung, Dein Namen ist Weib!"

Sie trinken doch ein GlaS Thee mit unS?"

Wenn ich nicht fürchten muß zu stören"

Aber wir bitten dringend um das Vergnügen."

Das Mädchen brachte den Thee herein, wir schoben die großen Lehnstühle um daS kleine Tischchen- daSVergnügen" konnte beginnen.

Sie waren vorgestern nicht auf dem Balle bei Herrn von Zitzelwitz, gnädigste Frau?"

New, wir waren leider schon versagt - war nett?"

»Entzückend, gnädigste Frau!" Unb nun kam eine lange Beschreibung deS MenuS, bet Gesellschaft, der Toiletten, der Cotillonsübcrraschungen, unb so ging baß weiter vom Hun- bertsten in baß Tausenbste. Ich verstehe von begleichen Geiprächsthemata nichtß, ich hatte die Beine übereinander- geschlagen und sah den blauen Wolken meiner Cigarre nach.

Die Uhr schlug neun. Ein Augenblick in Gestalt einer Stunde war vorüber."

Aber, Edgar, willst Du Herrn von Hagen nicht eine Cigarre anbieten?"

O, ich bitte tausendmal um Entschuldigung. WaS bars ich Ihnen geben, leicht, schwer ober mittel?"

Bitte, machen Sie keine Umstände, geben Sie mir das­selbe, maß Sie da rauchen."

Auch baß noch! Aber nützte nichts, schon hatte er daß Kistchen geöffnet.

Nein, ^ck> banke. Sie haben ja selbst nur noch eine von bieser anscheinenb hetvotragenben Sorte."

Aber ich bitte Sie, greifen Sie nur ruhig zu."

Er hatte .sich die Cigarre angezündet und seinen alten Platz wieder eingenommen.

Morgen reise ich nach Schweden, gnädigste Frau."

Auf längere Zeit?"

Ich schöpfte neuen Muth- wenn Jemand nach Schweden reifen will, hat er doch noch viel zu packen unb zu besorgen, (also war boch wohl Aussicht vorhanben, baß er halb gehen würbe.

Nein, gnäbtgfte Frau, nur auf acht Tage, ich will nur eine Cousine, ein Fräulein von Kongsa, verheirathen."

Wie? Fräulein von Kongsa ist Ihre Cousine? Die \ Dame kenne ich sehr genau."

Nun waren sie beim Capitel der gemeinschaftlichen Be­kannten angekommen unb Herr von Hagen gab eine sehr ge­naue Beschreibung eines schwebischen Balles, erzählte baß ! Menu, wer alleß bort gewesen sei unb tausend andere gleich- giltige Dinge. Ich ließ sie reden. Ich holte auß dem ' Schranke eine Flasche Rothwein, schänkte unß ein unb bc» tunbete burch ein gelegentliches:Wollen Sie nicht einmal außtrinfen? Darf ich Ihnen Feuer geben?" mein Interesse an ber Unterhaltung.

Enblich, enblich, bie Uhr war 12 Uhr 30 Minuten, da ging bie Lampe auß.

Schon so spät unb ich wollte boch nur einen Augen­blick bleiben."

Nun hatte er Mantel um unb Hut auf.

Wenn ich nicht fürchten müßte, Sie zu stören, würbe ich nach meiner Rückkehr sehr gerne einmal toieber einen Abend -"

Aber wir bitten darum, Sie find unß jederzeit herz­lichst willkommen."

Besten Dank für bie liebenßroürbige Ausnahme."

Bitte gehorsamst, wir haben zu banken."

Nun war er draußen unb zweimal brehte ich hinter ihm den Schlüssel um.

Weißt Du," sagte meine Frau zu mir,ich habe ihm schwer Unrecht gethan, er ist ein selten iiebenßroürbiger junger , Mensch."

Findest Du? Nun, baß ist Ansichtßsache. Aber nun laß unß schlafen gehen, ich glaube sogar, ich kann heute Nacht I auf mein gewöhnliches Schlafpulver verzichten."

Einmal fuhr ich in ber Nacht erschrocken empor, ich hörte ' an ber Haußthür rütteln.Um Gotteswillen," dachte ich, ' jfcerr von Hagen ist schon wieder da; aber nein, so schnell i kommt man ja selbst tn unserer Zeit nicht von Schweden zu- i rück" und beruhigt schlief ich wieder ein.