Ausgabe 
5.10.1894 Zweites Blatt
 
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1894

Nr. 233 Zweites Blatt. Freitag den 5. Oktober

Der gttftener erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener A>««ttienvtäl1er werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr.

Das Schulgeld beträgt für jeden der beiden Curse nur 12 Mark.

Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an die Mit« glieder des Aussichtsraths oder den Dirigenten der Anstalt, Großh. Landwirthschaftslehrer Andrae, zu richten-j

Auch sind dieselben zu anderweitiger, bezüglicher Aus- kunftsertheilung gerne bereit.

Büdingen, im Septemher 1894.

Der AufsichtSrath:

Klietsch, Hahn, Maser, Krraf, Andrae.

Betr.: Die landw. Winterschule zu Büdingen in 1894/95.

Nachstehend bringe ich die Bekanntmachung über die Er. Öffnung und den Unterrichtsplan der landwirthschaftlichen Winterschule dahier pro 1894/95 unter dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß, daß der Cursus Montag, den 5. November d. I. beginnt.

Büdingen, den 15. September 1894.

Der Vorsitzende des Aufsichtsraths.

K liets ch.

Dermifd?te*.

* Nebra a d. Uustr., 29. September. In einer Arbeiter­wohnung brach heute Mittag, während die Frau dem Manne das Esten zu seiner Arbeitsstelle in der Zuckerfabrik brachte, Feuer aus, dem drei Kinder von l/2, 3 und 5 Jahren zum Opfer fielen. Als die Nachbarn den Brand bemerkten und das Zimmer ausbrachen, fanden sie die beiden älteren Kinder be:eitS entseelt vor, das jüngste gab zwar noch Lebens­zeichen von sich, doch wird es nicht möglich sein, es dem Leben zu erhalten.

* Breslau, 1. October. Der Landrath des Kreises Ben dzin im russischen Polengebiet mußte, wie dieKönigs- Hütter Zeitung" brhauptet, wegen Unterschlagung der für die Errichtung von Cholerabaracken bestimmten Gelder seines Amtes entsetzt werden. (K. Z.)

* Posen, 1. October. In der hiesigen Kaserne des 47. Infanterieregiments brachte sich der dreijährige Frei­willige Janke aus Furcht vor Strafe wegen Insubordination durch einen Gewehrschuß lebensgefährliche Verletz­ungen bei. Der Schuß ging von der Brust durch den Rücken, durchschlug die Decke des Zimmers und blieb dann im Dachgeschoß stecken.

Myslowih, 1. October. Die Grenzsperre gegen Rußland ist aufgehoben.

* Vom Harze, 30. September. An verschiedenen Orten des Oberharzes ist in den letzten Tagen Schnee gefallen. Auf dem Brocken lag derselbe gestern bei 2 Grad Kälte 15 cm hoch.

* Würzburg, 30. September. Drei Rudervereinler fuhren gestern Abend durch die neue Mainbrücke- das Boot schlug um und zwei Postbeamte ertranken.

* Colmar i. 6., 30. September. In der verfloffeuen Nacht ist in den Hochvogesen zum ersten Male reichlicher Schnee gefallen.

* Niedersulzbach, 27. September. Gestern kamen drei desertirte französische Fremdenlegionäre, wovon einer mit der silbernen Tonking-Medaille geschmückt war, in Uniform hier an und meldeten sich bei der GenSdarmerie^ station, worauf sie ihre Uniform mit Civilkleidern vertauschen mußten. Die noch jungen Leute find Elsässer und dem M. T." zufolge aus Psastatt, Winzenheim und Masmünfter gebürtig. Als Ursache zur Desertion geben sie schlechte Be­handlung neben furchtbaren Strapazen an.

Eine Fabrik in Westfalen verschickt an ihre Kunden ein Circular, worin sie mittheilt, daß sie beschloffen habe, in Zukunft auf die gegenseitige Versicherung von allerlei Hoch­achtung zu verzichten. Dieser Entschluß wird damit begründet: Die vielfach zur Erörterung gestellte Frage der Vereinfach­ung des Schreibwerks bei den Behörden und Verwaltungen hat den Wunsch erkennen lasten, auch im kaufmännischen Ver­kehr Aenderungen und Verbesterungen zu schaffen, um die dort vorhandenen Gebräuche zweckentsprechend und zeitgemäß umzugestalten. Es ist namentlich ein Gegenstand der Klage, daß die bet der Anrede und beim Schluß der Geschäftsbriefe angewandten Redewendungen und Formen veraltet, unschön und unnöthig seien und ihre völlige Beseitigung geeignet sei, Zeit und Worte zu sparen und eine Reihe von Mißdeutungen

Bekanntmachung.

Der Unterricht der landwirthschaftlichen Winterschule zu Büdingen beginnt in diesem Jahre, Montag den 5. Novem­ber 1894 und wird Ende März des kommenden Jahres geschloffen.

Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung des Bildungs- bedürfnistes des mittleren und kleinen Landwirths bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächern die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirth- fchaft übermitteln. Es erstreckt sich der Unterricht auf Acker­baulehre, Viehzucht, Obftbaumzucht, landwirthfchaftliche Be­triebslehre, Molkereiwefen, Schreiben, Rechnen, Mathematik, Deutsch, allgemeine Naturkunde, Verfaffungs- und Verwal- tungslehre. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von der Großherzoglichen Regierung für die landwirthschaftlichen Winterschulen festgestellten Unterrichtsplan entworfen und er­streckt sich auf zwei Wintercurse. Es bestehen daher zwei zusammengehörige Klaffen.

Zum Eintritt in die untere Klaffe find die Absolvirung der Volksschule und einige Kenntniffe des practifchen Betriebs der Landwirthschaft Vorbedingung. In die obere Klaffe können nur solche junge Leute auf genommen werden, welche entweder bereits im Vorjahre die untere Klaffe einer land- wirthschaftlichen Winterschule mit Erfolg besucht, oder sich doch anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntniffe angeeignet haben. Nach jedesmaligem Schulschluß empfangen die Schüler der unteren Klaffe ein Interims-, die der oberen Klaffe ein Abgangszeugniß.

Dann soll ebenso wie früher auch in dem Winter-Curfus 1894/95 den in den vorderen Jahren aus der Anstalt ent- lastenen Schülern gestattet werden, unentgeltlich an dem Unterricht von speciell landwirthschaftlichen Fächern in der 1. Klaffe noch einmal Theil zu nehmen, so daß dieselben zur Erweiterung resp. größeren Gründlichkeit ihrer landwirth­schaftlichen Kenntniffe noch einen dritten Cursus absolviren.

Unterrichten werden außer den beiden Landwirthschafts- lehrern Andrae und Heck, Kreisamtmann Merck, Kreisveteri- närarzt Schmidt, Lehrer i. P. Freimann, Großh. Geometer I. Klaffe Balser, Lehrer Ruth, Becker und Weidmann. Der Unterricht wird durch eine Sammlung werthvoller Lehrmittel unterstützt. Auch wird durch zahlreiche Excursionen nach nahegelegener mittleren und größeren Gutswirthschaften und Hofraichen, nach größeren Obstbaumschulen und gewerblichen Etabliffements, durch Feldmeßübungen und Feldtaxationen, durch Besichtigung von zweckmäßigen Wiesenanlagen und Drainagen die prakttsche Seite im Unterricht besonders be­rücksichtigt werden.

Die Unterrichtsstunden sind so gelegt, daß Schüler aus solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen oder in der Nähe der Oberhessischen Eisenbahn liegen, zu Fuß ober per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten.

Vom Besuche der Fortbildungsschule find die Schüler der landwirthschaftlichen Winterschrlle entbunden.

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung.

Die erledigte Stelle eines Kreisftraßenwärters mit dem Sitz in Watzenborn-Steinberg ober einem der nächstliegenden Orte soll bis zum 1. November l. Js. wieder besetzt werden. , , .

Bewerber haben ihre Meldungen bei Be-rrksbauausseher Rohrer in Gießen bis zum 15. Oct ober l. Js. einzureichen, wobei Alter, Wohnort und seitherige Beschäftigung unter Beifügung etwaiger Zeugnisse über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art anzugeben sind.

Gießen, am 1. October 1894.

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Chaussirungsarbeiten muß der Theil der Bahnhofstraße längs des Anatomiegebäudes jeweils in halber Breite abgesperrt werden, sodaß nur eine Fahr­bahn von 3,50 m Breite verbleibt.

Die dottselbst verkehrenden Fuhrwerke haben daher diese schmale Streckeim Schritt" zu befahren, bei Meidung der im § 366iv St. G. B. angedrohten Strafen.

Die Zu- und Abfahrt zum Güter-Bahnhof der Main- Weser-Bahn darf nur von der Liebigstraße und nicht von der Bahnhofstraße aus erfolgen.

Gießen, den 2. October 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fres enius.

auszuschließen. Wir schließen uns der Ansicht völlig an, daß die am Schluffe eines Brieses gebräuchlichen Rede- Wendungen, die sich in allerlei Abstufungen vonAchtungsvoll" biszur vollkommenen Hochachtung und Ergebenheit" bewegen, vollständig überflüssig sind, und oft, wenn vermeintlich nicht richtig angewendet, das Gegentheil von dem erreichen, waS sie bezwecken, nämlich anstatt besonders verbindlich aufgesaßt zu werden, nur eine gewisse Mißstimmung zmückiaffen. Wir geben daher den mit unS im Verkehr stehenden Firmen anheim, sich in dem Briefwechsel mit uns dieser Gebräuche zu enthalten: wir werden die genannten Formeln in der Folge nicht mehr zur Anwendung bringen in der Voraussicht, daß unsere Geschäftsfreunde unser Vorgehen billigen und sich demselben anschließen werden. Wir gehen dabei von dem Grundsatz aus, daß es nicht erforderlich ist, im laufenden Geschäftsverkehr diejenigen Versicherungen der Ergebenheit und Hochachtung zu wiederholen, die wir als selbstverständliche Grundlage der anzuknüpfenden und zu unterhaltenden Geschäfts­verbindungen betrachten."

* Feuerbestattung im Heere. Dus preußische Kriegs- Ministerium ist vom Verein für Feuerbestattung in Berlin ersucht worden, die Einführung sdhrbarer Crematorien beim deutschen Heere in Erwägung zu ziehen. In bei Eingabe wird gebeten, Ermittelungen darüber anzustellen, ob durch Einführung der Feuerbestattung tm Kriege die Gefahren der aus den Maffengräbern hervorgehenden Seuchen beseitigt werden können, und für den Fall der Bejahung dieser Frage ein Preisausschreiben für die zweckmäßigste Construction fahr­barer Crematorien erlassen.

* Während einer Hochzeitsfeier in Kuoxville (Tenneffee, Amerika) erkrankten plötzlich das Brautpaar und fast sämmt- liche Gäste unter Symptomen einer Vergiftung- mehrere Personen starben nach schrecklichem Leiden. Die Polizei ermittelte, daß ein verschmähter Liebhaber der Braut Ratten­gift in den Hochzeitskuchen gemischt hatte. Der Thäter ift flüchtig.______________________

£tteratur unb Attnst.

- Der Kampf gegen die Margarine. Mit besonderer Berücksichtigung der Anträge des Bundes der Land- wirthe". Von Dr. Heinrich Fränkel. Weimar 1894, R. Wagner Sohn. Preis 75 Psg. - Der durch eine Reihe weitverbreiteter Broschüren über Tagesfragen bekannte Ver asser be­handelt in der vorliegenden Schrift in feffelndster Weise mit gründ­licher Sachkenntniß und gutem Humor die bekanntm tforbeiungai bett, die Beseitigung der Margarine. Das gesammte Material ist übersichtlich verarbeitet und besonders den Interessen der Landwirth­schaft die eingehendste Erörterung gewidmet. Die Schrift dürste Jedem, der überhaupt an politischen Streitfragen Antheil nimmt, lebhaftes Interesse abgewinnen.

Soeben erschienen: Süddeutsches Eisenbahn-EurSbuch, vom 1. October 1894 (rothe Decke), herausgrgeben von der Kgl. Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M. Verlag von Carl Ritter in Frankfurt a. M. Dieses zuverlässige und billigste aller Kurs­bücher enthält die Eisenbahn - Fahrpläne von Süddeutschland und der Schweiz, des größten Theiles von Mitteldeutschland und der bedeutenderen Linien Oesterreichs, Dampfschiff - Verbindungen und Routenkarte, ferner Angaben über durchgehende Wagen, Schlafwagen- Einrichtungen, sowie im Anhang Preise directer Fahrkarten, Be­stimmungen über Rundreise- und Saisonfahrtarten, wichtige regle- mentarische Bestimmungen, Verzeichniß von Kur- und Badeorten rc. rc. Der Anhang ist zum Herausnehmen besonders geheftet. Das Buch umfaßt nahezu 500 Seiten in handlichem Format, kann ganz bequem in der Tasche getragen werden und kostet nur 50 Pfg. Jedem, der ein gutes Kursbuch zu schätzen weiß, sei dasselbe bestens empiohlen; zu haben ist dasselbe in allen Buchhandlungen.

Ein seltener Erfolg. Wie man aus Wien schreibt, hat die .Wiener Mode« in dem soeben beginnenden neuen Jahr­gänge schon jetzt einen Zuwachs von über zehntausend neuen Adonne- ments erzielt. ES ift dies offenbar eine Folge der zahlreichen Er­weiterungen deS Programmes, welche das strebsame Wiener Blatt ankündigt, von welchen wir die Gratiszugabe einer vollständ gm Kinder-Modezeitung ganz besonders Hervorheven. In der That bietet die Wiener Mode" für wenig Geld staunenswerth Vieles und Gutes, so enthält das soeben erschienene 1. Heft des neuen Jahrganges eine ganz unglaubliche Anzahl der vortrefflichsten Modevrlder und ewe belletristische Beilage, deren literarischer Werth hoch über dem üblichen Inhalte derartiger Blätter steht. Das Heft ist in allen Buchhand­lungen zur Ansicht erhältlich; wir empfehlen jeder Dame sich das­selbe vorlegen zu lafien; sie wird eine Fülle von Anregung und Unterhaltung daraus schöpsm._________

_ Die kriegerischen Unruhen auf Lobok, im ostindischen Archipel, lenken zur Zeit die Blicke des Publikums lebhaft jenen Weltgegendea zwischen dem Großen und dem Ostindischen Cetan zu, deren Geo- ! graphie wohl nur Wenigen mehr als in flrofeen Umrissen bekannt sein dürfte. Dem Bedürfniß, die kriegerischen Vorgänge, die sich ; dort -bspielen, genauer verfolgen zu können, kommt in wünschenS- 1 werthester Weise entgegen leine soeben im Verlag von Carl 1 Flemming in Glogau erschienene und von A. Herrich aufS sorgfälttgste bearbeiteteSohr-Bergh auS' Ueberfichtsrarle va«

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